Frage von SnapWay, 54

Kapazitiver Tonabnehmer für Schallplatten möglich?

Hi, Ich hab mir mal folgendes überlegt:

Kann man nicht ein Tonabnehmer für Schallplatten auf Kapazitiver Basis erstellen?

Sicher hat man dann das Problem dass die Signalgröße nicht mehr Schnelle-abhängig bzw Beschleunigungsabhängig ist sondern "proportional" der Auslenkung. Dies sollte sich doch sicher lösen lassen (Für die Elektroniker unter euch:gibt's da nicht Differenzierer-Schaltungen und Integratoren-Schaltungen? )

Jedenfalls ist eine Membran sicher viel leichter als eine Spule bzw. ein Magnet.

Ich hoffe auf interessante Beiträge

Antwort
von bit77, 21

Es gibt bzw. gab schon mal Versuche in dieser Richtung. Da die Schallplatte kein aktuelles Medium mehr ist, gibt es da leider keine Weiterentwicklung.

Es waren folgende Probleme zu lösen:

der Vor-Vorverstärker mußte im Tonabnehmer sitzen. Eine 15....25 cm lange Leitung würde bei der extremen Hochohmigkeit selbst Geräusche pprouzieren, auch die Kanaltrennung wäre sehr schlecht, mit Schirmung hat man wegen der Kabelkapazität erhebliche Höhendämpfung.

Man griff dann auf ein System zurück, welches  bei einem sehr bekannten Hersteller für seine Kleinmembran-Kondensatormikrofone entwickelt wurde. Statt einer Phantomspeisung wird an den als Kondensator ausgeführten Elektroden, deren Feld auf die Membran wirkt, eine Hochfrequenz eingespeißt.

An der metallbeschichteten Membran, welche mechanisch mit der Nadel verbunden ist, kann man ein amplitudenmoduliertes Signal abgreifen, ohne die vorhin genannten Nachteile.

Verwendet man verschieden hohe Trägerfrequenzen für links und rechts, könnte man eine Kanaltrennung von über 75 dB erreichen, wenn eine spezielle Schneidetechnik bei der Herstellung der Schallplatte angewendet wird.

Bei der Dynamik gibt es bei dieser Technik ebenfalls keine Probleme, der Rauschabstand ist hoch und die Übertragungsqualität exzellent. 

Nachteilig ist die extreme mechanische Empfindlichkeit, eine unsanfte Berührung und der Abnehmer geht kaputt. Das liegt an der mechanischen Verbindung zwischen der Nadel und den eigentlichen Tonabnehmern. Da die Membran nur 0,1µm dick ist, reicht eine nur winzige Kraft aus, diese zu zerstören. 

Der Abstand zwischen Membran und den Ladegittern ist so gering, daß das Auflagegewicht exakt eingehalten werden muß und auch noch (entsprechend der Auslenkung der Rillen während des Abspielens) verändert werden muß. Dies geschieht permanent mit Stellmotoren

Kurzum: es ist zu aufwendig und für die paar Vorteile wurden Kosten in Höhe von 100.000 € pro Abspielgerät aufgeworfen.

Antwort
von WetWilly, 42

Ganz einfach: in der kleinen Bauform und mit wenig Gewicht kannst Du nur sehr kleine Kapazitäten realisieren. Und damit hast Du sehr kleine Signalamplituden, Du musst also Verstärken bis zum geht nicht mehr.

Damit bekommst Du erheblich mehr Rauschen... bzw. ggf. gar kein Signal mehr, was auch nur irgendwas mit dem aufgezeichneten Ton zu tun hat.

Viel interessanter ist die Frage, warum es keine marktreife berührungslose Abtastung (z.B. Laser) für Schallplatten gibt...

Kommentar von Roderic ,

...warum es keine marktreife berührungslose Abtastung (z.B. Laser) für Schallplatten gibt...

Oh. Die gab es durchaus. Nur dummerweise genau zu dem Zeitpunkt, als die CD gerade begann, im Sturm den Markt zu erobern.

Und das bedeutete nicht nur schlagartig das Ende dieser Turntables sondern so gut wie aller.

Nur Technics und Yamaha haben das überlebt.

Kommentar von SnapWay ,

Ok Praktisches Wissen habe ich leider nicht, aber im Grundegenommen reichen doch schon minimalste Kapazitätsänderungen aus um ein ordentliches Signal zu generieren.

Kleinmembranmikrofone tun dies ja auch. und da sind 12mV / Pa ganz normal...

Kommentar von bit77 ,

das Problem ist hier nicht die Ausgangsspannung, sondern der sehr hohe Quellwiderstand von mehreren 100 Megaohm. Damit ein brauchbares Signal entsteht, ist es notwendig, einen FET oder eine Röhre als Impedanzwandler zu integrieren.

Bei einem Kondensator-Tonabnehmer gesellen sich noch lästige Mikrofonie-Effekte dazu, mit dem bekannten Nachteilen der Rückkopplung, welche hier besonders ausgeprägt sind. 

Die Idee dahinter an sich ist jedoch sehr gut und es wäre bestimmt gelöst worden - wäre da nicht der Siegeszug der CD dazwischengekommen.

Ich persönlich finde die Schallplatte vom Klang her besser -sofern sie ordentlich aufgenommen wurde- . Leider bedingt es sehr hochwertiger Komponenten, die viel Geld kosten.

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