Frage von Derxasda, 109

Kann sich jemand bitte diese Hypothese angucken?

Mir ist neulich eine Idee gekommen, und ich würde gerne wissen, ob es sich lohnt, den Gedanken weiterzuverfolgen, oder nicht. Würden Sie mir vielleicht ein kurzes Feedback bitte geben ?

Es geht so:

"Gegeben sei ein vollkommen leerer (euklidischer) Raum. Das einzige in ihm befindliche Objekt gleicht sich in allen seinen Punkten, das bedeutet, es ist eine perfekte Kugel.

Anders: Wir haben eine perfekte Kugel im leeren Raum (mit leerem Raum meine ich LEER, das ganze Universum ist nur leer).

Wenn man nun ein zweites Objekt hinzunimmt, sei es mal ein Raumschiff, dan müsste man, um seine Bewegung zu definieren, einen Bezugspunkt im Raum wählen.

Nennen wir die Kugel K und das Raumschiff R.

Nun, man muss also seine Bewegung relativ zu einem Bezugspunkt angeben. Jetzt kommt das Postulat: Wenn die Kugel sich in allen Punkten absolut identisch gleicht, dann kann man relativ dazu keine Bewegung definieren, da R nicht zwischen den einzelnen Bereichen der Kugeln unterscheiden könnte. Da sonst nichts im Raum ist, müsste man annehmen, dass das Raumschiff sich nicht bewegt.

Jetzt kommen erstmal WIDERSPRÜCHE auf:

- Es gibt doch unterschiedliche Bewegungen, radiale Bewegung, Winkelbewegung und tangentialbewegung. Außerdem könnte R doch, wenn er sich von K entfernt, sehr wohl bestimmen, dass er sich bewegt, da die Kugel ja kleiner wird.

  • Übrigens herrschen ja auch Kräfte bei Bewegung, wie z.B. Zentrifugalkraft bei Winkelbewegung.

Ein weiteres Postulat wäre nun (zu Punkt 1):

Man kann in einzelnen Fällen (in unserem hypothetischen Gebilde ) nicht von den einzelnen Bewegungsarten unterscheiden.

Nehmen wir mal ein Beispiel:

Wenn man die Zentrifugalkraft (noch) nicht berücksichtigt, kann man davon ausgehen, dass der Zustand von R in Ruhe gleich ist, wie von R in Winkelbewegung zu K.

Wenn man andere Kräfte auch (noch) nicht berücksichtigt, kann man sogar nicht zwischen Winkelbewegung und Radialbewegung unterscheiden.

BEISPIEL: Das Objekt R fliegt tangential an K vorbei.

Wenig später es orbitiert es K, während es sich noch weiter auf es zu bewegt, also quasi eine "Spiralbewegung" macht (seine Bewegung sieht dann so aus, wie ein Bassschlüssel in Musik, mit K am Endpunkt).

Wenn man die Kräfte (noch) vernachlässigt, dann kann R nicht unterscheiden, ob er sich nun Radial auf K zubewegt, oder in der "Spirale" von eben."

ich wollte noch versuchen, Kräfte irgendwann miteinzubeziehen, wofür man das gebrauchen könnte, ist auch noch unklar, aber ist der Gedankengang bis hierhin noch nachvollziehbar oder haltbar ?

Vielen Dank.

Antwort
von eddiefox, 18

Hallo!

Solche Gedanken finde ich grundsätzlich interessant.

Du machst ein Gedankenexperiment, welche Folgen es hätte, wenn es keine Kräfte gäbe, oder zumindest keine Gravitation.

Ein zweiter Punkt in deinen Gedanken ist die Frage nach der Existenz eines absoluten Bezugspunkts/Koordinatensystems im Universum bzw. die Frage, was Bewegung überhaupt bedeutet.

Unabhängig davon, ob die Gedanken die Du hier formuliert hast, zu etwas führen oder nicht, kann ich dich nur ermutigen, diese Neugier beizubehalten und zu pflegen. Nicht jeder hat die Lust und das Interesse, über solche grundsätzlichen Fragen nachzudenken. Lass dich nicht von Leuten entmutigen, die sagen, dass das Blödsinn sei oder der Gedanke A oder B eine "dumme Idee" sei. 

Mathematiker und theoretische Physiker z.B. arbeiten 90 Prozent oder mehr für den Mülleimer, nur ein geringer Anteil ihrer Gedankenarbeit führt zu einem Ergebnis, dass die Erkenntnis voranbringt. Einstein hat mal gesagt (nicht wörtlich) dass man sich freuen kann, wenn man in seinem Leben mal eine gute Idee hat. Diese Einstellung gefällt mir, weil sie mir sagt, dass es nicht einfach ist, eine "gute" Idee zu haben.

Du bist auch nicht der Einzige der sich solche Gedanken macht. Falls es dich interessiert, was andere gedacht haben, kannst Du in den Gebieten Erkenntnistheorie und Philosophie der Wissenschaften beliebig stöbern, lesen und dir jede Menge Anregungen holen.

Grüsse

Expertenantwort
von SlowPhil, Community-Experte für Mathematik & Physik, 27

Der zu definierende Bezugspunkt für Bewegung kann auch abstrakt sein, und das kann auch ein gedachter Punkt sein, der sich relativ zum Raumschiff bewegt. Du musst also keinesfalls annehmen, dass ich das Raumschiff bewegt, du kannst es. Für die Kugel gilt dasselbe. Bleibt nur die Frage, ob man eindeutig sagen kann dass die Kugel rotiert (dann treten normalerweise Zentrifugalkräfte auf, aber unser Kosmos ist ja auch nicht leer) oder dass sie es nicht tut.

Antwort
von tryanswer, 47

"Das einzige in ihm befindliche Objekt gleicht sich in allen seinen Punkten ..."

Damit hättest du einen Punkt definiert, der Rest ist somit obsolet.

Antwort
von Roderic, 20

Deine Hypothese wurde schon von dem deutschen Physiker Ernst Mach betrachtet. Seine Betrachtungen zu den "fernen Massen" und deren Auswirkungen auf die Relativität lokaler Bezugssysteme machten einen tiefen Eindruck auf Albert Einstein und sind eine wichtige Grundlage seiner Arbeiten.

Antwort
von holmooooo, 55

Den ersten Wiederspruch hatte ich direkt im Kopf nachdem ich mir dein Szenario visualisiert habe! Um die Uhrzeit ist es aber leider schwer einem so komplizierten Gedankengang zu verfolgen. Ich muss dir aber recht geben, das  Winkel- und Radial-Bewegungen nicht unterscheiden kann ohne jedliche Form von Kräften.

lg Björn

Antwort
von Name3hoch3, 35

Das kommt ganz darauf an, mit welchen Messinstrumenten R ausgestattet ist. 

Misst R die Stellung der eigenen raumsteuernden Einheit, sowie das Objekt K an mindestens 3 Punkten, ist das Objekt erfasst und die Bewegung dazu lässt sich bestimmen in Kombination mit den Daten der Steuereinheit.

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