Frage von Annox, 60

Kann sich eine politische Einstellung gravierend im Laufe des Lebens verändern?

zB. von links nach rechts. Oder andersrum.

Antwort
von Kajjo, 18

POLITISCHES SPEKTRUM

  • Diese Antwort bezieht sich auf die politischen Felder der breiten Bevölkerungsmitte, nicht auf Extreme.
  • Linke Politik ("sozialdemokratisch") zeichnet sich dabei meistens durch Regulierung und Umverteilung, durch Solidarität und Gleichheitsstreben aus (SPD, Grüne). Typischerweise ist linke Politik eher Politik für jene, die von der Solidargemeinschaft unterstützt werden.
  • Rechte Politik ("konservativ") zeichnet sich eher durch Eigenverantwortung und Leistungsbereitschaft, durch Anerkennen von Ungleichheit, durch Bewahren von Werten aus (CDU). Typischerweise ist rechte Politik eher für jene, die die Solidargemeinschaft selbst stützen.
  • Den Begriff Freiheit versuchen alle Parteien für sich zu interpretieren, und zwar links eher in Richtung Freiheit von Not, rechts eher in Richtung freier Entfaltung. Gleiches gilt für den Begriff Gerechtigkeit, den links eher in Form sozialer Gerechtigkeit interpretiert, rechts eher als faires Ursachen-Wirkungsverhältnis.

ANTWORT AUF DIE FRAGE

Wer mit 18 nicht links ist, hat kein Herz; wer mit 30 immer noch links ist, hat keinen Verstand.

  • Die allgemein bekannte Tendenz ist dahingehend, dass sehr viele Jugendliche eher links sind und viele von ihnen im Erwachsenenalter konservativer werden. Selbst innerhalb eines Flügels gibt es diese Entwicklung von sehr weit links zu eher links-mittig, von Fundi zu Realo, oder auch in der Jungen Union von viel Innovation zu eher reaktionären Gedanken.
  • Rein biologisch ist es ohnehin so, dass Jugendliche sich auflehnen, die Traditionen brechen, Innovation wagen, ihre Grenzen austesten und nicht in blindem Gehorsam der Erwachsenenwelt folgen. Das ist normaler Teil des Erwachsenwerdens und offensichtlich für die Arterhaltung positiv -- Innovation und Veränderungsbereitschaft kommen so wohldosiert und gewissermaßen kontrolliert in die menschliche Gemeinschaft. Solch jugendliche Rebellion findet sich meist eher besser zuhause in eher linkem Umfeld, also z.B. grün oder rot.
  • Auch bezüglich des Lebenslaufes ist es doch die allgemeine Erfahrung, dass ältere Mitmenschen mehr Wert legen auf Traditionen und auf Erhaltung von Werten (wörtlich: "konservativ" = Werte erhaltend). Ältere haben zudem mehr Lebenserfahrung und sehen viele Dinge gelassener, ruhiger und abgeklärter. Sie haben auch gelernt, dass eigene Leistung wichtig ist und man Verantwortung für sein Handeln tragen muss. Das sind allesamt eher konservative Tugenden.
  • Zudem sind Jugendliche häufig wesentlich idealistischer -- glauben noch mehr an das Gute im Menschen und an hehre Ziele. Je mehr Lebenserfahrung man hat, desto nüchterner, pragmatischer und realistischer sieht man dann aber doch die Gesellschaft und erkennt, dass viele linke Theorien eben doch nur Tagträumerei sind. Je mehr man selbst geleistet hat, desto eher möchte man dafür auch die angemessene Belohnung und gerechte Vergütung erhalten und desto mehr man besitzt, desto weniger träumt man von Umverteilung. Auch dies spiegelt gut die politische Wandlung entlang des Lebenslaufes von eher links zu eher rechts wider.
  • Kurz gesagt, je mehr Lebenserfahrung, je mehr Leistung, je mehr Wissen und je mehr Vermögen, desto eher ist man konservativ.
Kommentar von Annox ,

Danke. Das ist an sich eine sehr gute Argumentation, dennoch bleibt für mich eine Frage zu deinem letzten Satz offen.. Willst du damit behaupten, dass alle erwachsenen Linken,.wie etwa die Mehrheit der Mitglieder in der Linkspartei, keine Lebenserfahrung/Wissen/Vermögen usw. besitzen? Das wäre mutig. Deine Antwort ist nachvollziehbar, dennoch bezweifle ich stark dass so ziemlich jeder Mensch sich im Laufe des Lebens immer mehr zum Konservativen verändert.

Kommentar von Kajjo ,

Nun, wie es um den Kopf von erwachsenen Linksextremen bestellt ist, weiß ich nicht. Ich vermute aber mal, dass alle extremen Tendenzen bei Erwachsener nicht gerade gesund und vernunftbasiert sind, ganz egal ob nun extrem links oder extrem rechts. Nicht umsonst nennt man es "extrem". Man darf auch nicht vergessen, dass die Führungsriege von Parteien nicht groß istt im Vergleich zur Bevölkerung und sehr gut verdient, egal für welche Partei sie arbeiten.

Auf der anderen Seite vermute ich doch sehr stark, dass viele einfach nur ganz üble Heuchler sind -- wenn ich Lafontaine mit seinem Riesenvermögen, seinen horrenden Stundensätzen und seiner Luxusvilla so sehe, könnte ich würgen, dass der sich als ach-so-links darstellt und von Umverteilung schwärmt. Wenn das seine ehrliche Meinung wäre, warum verteilt er nicht einen Teil seines Vermögens? Warum arbeitet er angesichts seines Vermögens nicht ehrenamtlich? Warum verdienen Gewerkschaftsbosse dermaßen viel Geld, obwohl sie einfache Berufe haben? Die bereichern sich doch auch an ihren eigenen Idealen. Nein, diese Ausnahmen kann ich nicht ernst nehmen und nicht als Widerspruch erkennen.

Auch auf der konservativen Seite gibt es ja genug Heuchler, und all die ach-so-moralischen Typen, die in Wirklichkeit fremdgehen, die Priester, die Kinder gezeugt haben, oder die Steuerhinterzieher unter den Moralwächtern sind ja auch vorhanden. Heuchler gibt es in jeder politischen Farbe.

Dennoch hast du schon recht, nicht ALLE wandeln sich von links nach rechts, nur weil Wissen, Erfahrung und Vermögen zunehmen, aber sehr, sehr viele halt schon. Der Anteil an konservativ orientierten Akademikern ist hoch und an Vermögenden sogar sehr hoch. Das ist ja kein Zufall. 

Zu dir persönlich: Weißt du, ich habe unzählige Freunde, die in ihrer Jugend wenig Eigentum besaßen und ach-so-sehr für Umverteilung waren und einer war sogar bei der Hausbesetzung in der Hafenstraße aktiv -- und inzwischen sind sie alle Akademiker, verdienen gut und ausgerechnet der Hausbesetzer besitzt inzwischen ein eigenes Haus. Vor einigen Jahren habe ich ihn gefragt, wie er es denn finden würde, wenn er aus dem Urlaub zurückkäme und andere Leute hätten sein Haus aufgebrochen und würden da wohnen... er hat nur noch den Kopf geschüttelt und gesagt, "Ha, du hattest Recht, wir lagen damals falsch".

Ich glaube wirklich, dass wer echte Leistung bringt, dafür auch entsprechende Einkünfte verdient hat und Eigentum nicht irgendwie ungerecht ist, sondern ganz oft in der breiten Bevölkerung wohlverdient -- es sind eher die paar Ausnahme der ganz Reichen, die uns da anders fühlen lassen. 

Antwort
von uyduran, 56

Grundsätzlich ist das schon möglich. Es muss dann aber schon zu einem drastischen Schlüsselerlebnis kommen, das dazu führt, dass man seine Gesinnung mal eben grundlegend ändert. Ich denke, Hamed Abdel-Samad ist ein gutes Beispiel: Als Sohn eines Imams war er einst Mitglied der Muslimbruderschaft, heute ist er Atheist und ein scharfer Religionskritiker.

Ich würde behaupten, solche gravierenden Änderungen des eigenen (politischen) Weltbildes finden tendenziell häufiger statt, umso jünger man ist. Je älter man wird, desto gefestigter und im Idealfall differenzierter wird die eigene Sichtweise. Ich finde es aber wichtig, dass man sein Leben lang offen für neue Argumente und Denkweisen ist. Und ich beobachte es immer wieder, dass eigentlich jeder Mensch seine Haltung zu irgendetwas ändert, je älter er wird. Mit 40 sieht man die Welt eben doch mit anderen Augen als mit 50. In der Regel sind das dann aber nur Kleinigkeiten und keine Sinneswandlung vom Linken-Wähler zum NPD-Mitglied ;-)

LG

Kommentar von Annox ,

Gute Antwort, danke! Ich persönlich bin gerade mal 16, politisch aber sehr interessiert und auch engagiert, bekomme auch oft Komplimente von Erwachsenen, die behaupten ich würde mich gut artikulieren, meine Meinung äußern und erklären usw... Werde im Internet oft für älter gehalten. Das soll nun wirklich kein Eigenlob sein, tut mir leid wenn das so wirkt. Aber so ist es bei mir, und ich bin links, wenn nicht sogar linksradikal. Und so falsch können meine Äußerungen und mein Denken nicht sein, da mir unter anderem bei einem sozialen Netzwerk ca. 3000 Menschen folgen.. Ist nicht gerade wenig. Also kann ich denn von mir behaupten dass ich schon eine Art gefestigtes Wissen hab? Ich bin so sehr von meinem Denken überzeugt, dass ich mir bei weitem nicht vorstellen kann, jemals rechts zu sein oder auch nur minimal in diese Richtung zu tendieren..

Kommentar von uyduran ,

Das freut mich sehr zu hören! Politisch interessierte und nach Engagement strebende junge Menschen braucht das Land!

Zunächst einmal: Als politisch aktiver Mensch (und das bist Du mit 3000 Followern in einem sozialen Netzwerk ja bereits) ist es essenziell wichtig, von sich selbst und der eigenen Weltanschauung überzeugt zu sein. Denn als politisch aktiver Mensch brauchst Du die Gabe, andere überzeugen zu können und das kann natürlich nur funktionieren, wenn man selber überzeugt ist.

Da Du mit 16 Jahren aber noch recht jung bist (ich weiß, das hört man nur ungern und "jung" ist natürlich relativ... aber ich sage mal so, für einen politisch aktiven Menschen bist du unterdurchschnittlich jung und Du wirst Dich innerhalb der nächsten 5-10 Jahre stärker verändern, als es in den darauffolgenden 5-10 Jahren der Fall sein wird), rate ich Dir dazu, nicht zu radikal, nicht zu fanatisch zu werden. Den Fehler haben schon zu viele gemacht, meistens aus einem Übereifer heraus. Und gerade am Beispiel linker Politik beweist die Historie ganz gut, dass Menschen an ihrer übereifrigen und zu fanatischen Haltung gescheitert sind, Che Guevara wäre da so ein Kandidat. Es ist mit Politik das gleiche wie mit Religion, Feminismus oder anderen Weltanschauungen dieser Art: Fanatismus schadet! Glaub mir. Fanatische Menschen meinen es meistens gut, weil sie so viel Bereitschaft, Einsatz und Hingabe zeigen wollen, wie es ihnen überhaupt nur möglich ist. Aber genau das verzerrt ihren Blick. Man muss den kühlen Kopf bewahren, rational denken. Nur so kann man nachhaltigen Erfolg erzielen. Fanatische Islamisten schaden dem Islam, weil eine ganze Religion mit radikalen Anhängern gleichgesetzt wird. Extremistische Feministen schaden dem Feminismus. Radikale Linke schaden dem Sozialismus und Kommunismus. Buddha sagte: Halte Dich fern von den Extremen :-)

Ich kann so von außen nur schwer beurteilen, wie weit Dein Wissen tatsächlich reicht. Ich glaube aber, an den Kommentaren gemessen, die ich bislang von Dir gelesen habe und an der Art, wie Du Dich artikulierst, dass Du mehr politisches Grundwissen und auch eine gefestigtere Persönlichkeit hast, als der/die durchschnittliche 16-jährige. Du darfst aber nicht zu hochmütig werden, sondern solltest immer offen sein, Neues dazuzulernen und anderen Menschen zuzuhören. Du wirst noch wahnsinnig viel dazulernen in den nächsten Jahren, wenn du offen bist. Egal wie intelligent und gebildet Du bist, mit 16 kann man schlichtweg noch nicht alle Facetten von (Wirtschafts-)politik begreifen und Deine Denkkapazität wird sich innerhalb der nächsten Jahre sehr ausbauen. Du solltest Dich also nicht als vollendet betrachten und gar nicht so sehr darüber nachgrübeln, wie gefestigt Du Stand heute bist. Sondern halte Dir immer vor Augen, dass Du einem permanenten Entwicklungsprozess unterliegst und, was Dein Wissen angeht, von Jahr zu Jahr nur weiser werden kannst - wenn Du Dir selber die Türen dazu offenlässt.

LG

Kommentar von Annox ,

Danke für diesen aufbauenden Kommentar :) Ich kann auf jeden Fall alles nachvollziehen und auch verstehen. Mit dem Fanatismus sehe ich das zwar etwas anders, aber nun ja. Es ist nicht so, dass ich auf die Straße gehe, Menschen angreife etc. Bei einer Demo kann ich zwar für nichts garantieren, aber im Grunde bin ich nicht so. Ich bin aber auch nicht gänzlich pazifistisch und von Gewalt abgeneigt. Denn ich bin der Meinung, dass man ohne Gewalt heutzutage sowieso nichts mehr erreichen kann, denn sonst würden friedliche Proteste, Petitionen usw. etwas bringen. Der Staat ist aber auch einfach schlichtweg zu mächtig, und erlaubt sich selbst zu viele Mittel, um politische Gegner außer Gefecht zu setzen. Und ich sehe mich als Gegner des Staates bzw. als Kritiker. Darum unterstütze ich persönlich so etwas wie am 18.03.2015 in Frankfurt am Main (Die "Ausschreitungen" bei der EZB), da ich das durchaus legitim finde. Wenn man das als fanatisch sieht, bitte. Ich verfolge meine Ansichten auch "fanatisch" und radikal... Das macht mich meiner Meinung nach aber nicht direkt zu einem Fanatiker und schlechten Menschen, oder was sagst du dazu wenn ich fragen darf? :)

Kommentar von uyduran ,

"Es ist nicht so, dass ich auf die Straße gehe, Menschen angreife etc. Bei einer Demo kann ich zwar für nichts garantieren, aber im Grunde bin ich nicht so."

Diese Haltung, diese grundsätzliche Gewaltbereitschaft finde ich offen gestanden eher fragwürdig. Auch auf einer Demo hast Du kein Recht, gewalttätig zu werden. Auf gesetzlicher Ebene nicht und - meiner Meinung nach - auf moralischer Ebene ebenfalls nicht. Gewalt sollte man nur anwenden, wenn man angegriffen wird oder kein anderer Ausweg mehr bleibt. Mit welcher Begründung willst Du beispielsweise einem Polizisten, der nur seinen Job macht, Verletzungen zufügen, bloß weil Du gerade im Eifer des Gefechts bist und ihn in dieser Situation als Deinen Feind betrachtest?

"ich bin der Meinung, dass man ohne Gewalt heutzutage sowieso nichts mehr erreichen kann, denn sonst würden friedliche Proteste, Petitionen usw. etwas bringen."

Jein. Es kommt immer auf die Situation an. Sicherlich stimmt es, dass wenn man eine Minderheit ist, man umso lauter sein muss, um aufzufallen. Ich denke dabei an die Gewerkschaften in Frankreich, die zwar aus weniger Personen bestehen als deutsche Gewerkschaften, aber zu radikaleren Mitteln greifen und somit im Endeffekt mehr erreichen als es in Deutschland der Fall ist. Wenn man sich in einer Mehrheit befindet, dann kann man mit gewaltlosen Mitteln jedoch weitaus bessere und nachhaltigere Ergebnisse erzielen. Ich erinnere an gewaltlose Proteste von Mahatma Gandhi oder Martin Luther King. Die Sache ist ganz einfach die, dass die Mehrheit der hier lebenden Menschen Gewalt glücklicherweise entschieden ablehnt. Somit wirst Du als gewalttätige Minderheit, als eine Minderheit, die Terrorakte begeht (denn nichts anderes sind politisch motivierte Gewalttaten), bei der breiten Masse immer auf Ablehnung stoßen und das Stigma als radikale Gruppe haben, nicht zuletzt natürlich, weil die Medien dich gnadenlos und aufgebauscht als solche darstellen werden. Und genau das ist das Problem, denn wenn du nachhaltigen Erfolg erzielen willst, dann musst Du die Mehrheit überzeugen. Ist die Mehrheit nicht überzeugt, kannst Du nichts Größeres umsetzen. Es sei denn, Du greifst zu putschartigen und faschistischen Mitteln und unterdrückst die Mehrheit. Aber das ist erstens keine moralisch korrekte und zweitens ebenfalls keine nachhaltige Lösung, da sich bis in alle Ewigkeit Widerstand bilden würde. Mit der Haudrauf-Methode bekriegen sich Türken und Kurden, Palästinenser und Israelis, Darfur-Stämme und Khartum-Stämme schon seit Ewigkeiten und es führt zu keiner produktiven Lösung. Nenne mir einen Fanatiker, nenne mir ein autoritäres Regime, das nachhaltigen Erfolg erzielen konnte. So etwas gibt es nicht. Es ist auch die Faustregel einer modernen Führungsperson, nicht zu autoritär zu agieren, wenn man sich längerfristig oben halten will. Am Beispiel von Fußballtrainern kann man es gut festmachen, ein Klopp, Guardiola oder Tuchel halten sich länger oben, haben länger die Zustimmung der Mannschaft, als ein autoritärer Magath oder van Gaal. Oder bei Lehrern in der Schule, die als "beste Lehrer" bewerteten Lehrkörper waren nie die allerstrengsten.

Bei der TTIP-Geschichte ist es leider einfach auch so, dass nun mal CDU und SPD regieren und die sind eben für dieses Freihandelsabkommen. Würde die Linke regieren oder die Grünen, dann wäre es anders. Somit liegt es durchaus in den Händen des Volkes - wenn die Mehrheit des Volkes TTIP für derart wichtig empfunden hätte, dann hätte sie bei der letzten Wahl eben eine andere Partei wählen müssen. Jede Partei steht eben für bestimmte Interessen und so ist es völlig legitim, dass die Große Koalition, die ja vom Volk als solche bestimmt wurde, TTIP befürwortet.

"Ich verfolge meine Ansichten auch "fanatisch" und radikal... Das macht mich meiner Meinung nach aber nicht direkt zu einem Fanatiker und schlechten Menschen, oder was sagst du dazu wenn ich fragen darf?"

Wer seine Ansichten radikal und fanatisch verfolgt, der ist ein Fanatiker, doch. Ich persönlich halte das wie gesagt immer prinzipiell für suboptimal. Allerdings gibt es natürlich Abstufungen, wie fanatisch und radikal man schlussendlich ist. Und ein "schlechter Mensch" zu sein (wenn es so etwas überhaupt gibt), ist sowieso nochmal eine andere Kategorie. Ich würde mir (oder viel mehr Dir) aber wünschen, dass Du eines Tages die Einsicht gewinnst (und ich weiß, Du hast das Potential dazu), dass Fanatismus keine gute Eigenschaft ist.

Kommentar von Unsinkable2 ,

Ich denke, Hamed Abdel-Samad ist ein gutes Beispiel

Der Gute ist ein ziemlich schlecht ausgewähltes Beispiel.

Er war zwar Sohn eines Imams, aber das war es auch schon im Wesentlichen, was ihn mit dem Islam verband bzw. verbindet. 

Im Übrigen heiratete er schon im Alter von 23 Jahren eine "rebellische linke Lehrerin mit Hang zur Mystik" und interessiert sich seit seiner frühen Jugend für Shintoismus und Buddhismus. 

Und bereits im Alter von 27 Jahren war er Mitglied der "Bruno-Stiftung", die sich generell sehr kritisch mit Religionen auseinandersetzt.

Abdel-Samad ist also ein gutes Beispiel für "aufgezwungene Religion"; aber ein sehr schlechtes Beispiel für "Überzeugungswechsel".

Dieser Mann wechselte seine politischen und religiösen Überzeugungen nie. Er war schlicht nie "überzeugter Moslem"; sondern fast durchgängig - spätestens aber seit seinem 19. Lebensjahr endgültig - "praktizierender 'Multitheist' ohne festes Glaubensbekenntnis". Selbst sein immer wieder mal gern selbst kolportierter Hang zum Atheismus ist bei ihm so ambivalent, dass man keineswegs sichere Aussagen treffen kann.

Sicher ist nur: Er benutzt diese Behauptungen, die du aufzählst immer wieder gern, wenn er im Rampenlicht steht. Richtig sind sie dennoch nicht. 

Das hält denn auch die Bundesregierung nicht davon ab, ihn und seine massive Islam-Kritik zu hofieren und ihn sogar bei "persönlichen Streitigkeiten um Geld" zwischen ihm und seinen Geldgebern zu unterstützen. (Wer kann das schon von sich behaupten?!)

Kommentar von uyduran ,

Dieser Mann wechselte seine politischen und religiösen Überzeugungen nie.

Die offizielle Version ist eine andere. Ich kenne Abdel-Samad nicht gut genug, um bewerten zu können, was davon jetzt stimmt und was nicht. Woher hast Du Dein Wissen, wenn ich fragen darf?

Abgesehen davon stimme ich Dir im Grundkern zu: Ich finde Abdel-Samads öffentliches Auftreten, gemessen an den Auswirkungen, die es für unsere Gesellschaft hat, äußerst kontraproduktiv. Speziell sein letztes Buch werte ich eher als Pamphlet statt als Sachbuch und die Diskussionen, die dieser Mann auslöst, finden zunehmend auf emotionaler statt auf sachlicher Ebene statt.

Wie auch immer, es wird genug Menschen auf dieser Welt geben, auf die tatsächlich das zutrifft, was Abdel-Samad von sich behauptet, nämlich eben einen gravierenden Sinneswechsel bezüglich des eigenen Glaubens.

Antwort
von Andrastor, 24

Ntürlich. Alles verändert sich im Leben und das betrifft auch Meinugen, Einstellungen, Gefühle und Gedanken. Es ist durchaus möglich dass sich solche Dinge um 180° drehen, kommt immer auf die Person an.

Antwort
von Woropa, 20

Ja, sowas kann sich ändern. Wenn man z.B. von einer Partei aus irgendeinem Grund enttäuscht ist und dann quasi aus Protest eine andere Partei wählt. Oder man ändert seine Meinung über eine Partei durch Diskussionen mit anderen Leuten oder Enthüllungen in den Medien.

Antwort
von alashatt, 60

Ja, auf jeden Fall. Ich bin früher gerne zwischen liberal und grün hin und her gesprungen, heute bin ich mittlerweile marxistisch. Ansonsten gibt es noch Extremfälle, wo Linksradikale schlagartig zu Rechtsradikalen wurden (der Rapper MaKss Damage oder Berliner Hooligans (hab den Verein vergessen)), wobei ich da doch eher bezweifle, dass sie wirklich von Inhalten überzeugt waren und nicht andere Gründe für ihre politische Gesinnung hatten.

Kommentar von Annox ,

Aber liberal / grün ist ja schonmal Richtung links. Marxismus ist auch links, also ist das ja keine riesen Entwicklung.. Übrigens gut dass du marxistisch bist :) Dass MaKss Damage früher links war, kann ich mir gar nicht vorstellen und wusste ich noch gar nicht... aber gut zu wissen. Danke!

Kommentar von alashatt ,

Ich meine auch eher wirtschaftsliberal, also FDP, ein kleiner Unterschied ist es also auf jeden Fall ;)

Kommentar von Annox ,

Achso. Ja das schon..im wirtschaftlichen Sinne :)

Antwort
von Eklob, 9

Kann sich schon ändern. Nur was heißt links und rechts? SPD zu CDU oder Die Linke zu AFD (Pegida)? Das erstere halte ich für nicht so problematisch, das Zweite schon, der Basisunterschied ist doch enorm. Die Basis (Grundlagen) sind doch sehr wichtig, und die können sich doch nicht so gravierend ändern. So bin ich SPD-Wähler (schon immer gewesen) und werde es wohl im Interesse meiner Kinder bleiben, obwohl ich manchmal schon eher zur CDU tendiere, gerade wegen manschen steuerlichen Äußerungen.

Antwort
von ghasib, 42

Ja das kann sein. Die passenden Leute dazu dann ist das möglich

Antwort
von earnest, 35

Selbstverständlich ist das möglich. Und dafür gibt es auch genug Beispiele. Vermutlich werden tendenziell die Menschen mit zunehmendem Alter eher konservativer als umgekehrt.

Gruß, earnest

Kommentar von Unsinkable2 ,

"Alterskonservativismus" sollte aber nicht mit "politischem Konservativismus" verwechselt werden.

Der Erstgenannte interessiert sich vorrangig für die Bestandssicherung des eigenen Lebens, um einen Ruhepol zu generieren; weniger für die allgemeine politische Besitzstandswahrung.

Kommentar von earnest ,

Das ist richtig. Manchmal geht allerdings das Eine mit dem Anderen daher ...

Antwort
von rokij, 37

Siehe zum Beispiel Horst Mahler, Otto Schily, Johannes Agnoli oder Jürgen Elsässer.

Wobei sich immer die Frage stellt, welche Motive und Überzeugungen vielleicht schon immer bestanden, nur unter verschiedenen Deckmänteln.

Antwort
von legpuska, 14

Natürlich, gibt Linksextreme die dann zu Rechtsextremen wurden, beide Seiten sind sich näher als ihnenn lieb ist, ich meine selbst Hitler war eine zeit lang in einer linken Organisation.

Horst Mahler ist auch ein prominentes Beispiel, von der RAF zur NPD:

https://de.wikipedia.org/wiki/Horst_Mahler

Kommentar von Annox ,

Die Seiten sind sich nicht näher als ihnen lieb ist! Links mit Rechts zu vergleichen ist einfach dämlich.

Kommentar von legpuska ,
Antwort
von Modem1, 10

Beispiel: Horst Maler ... ehemals roter Aktivist der 1968 Szene heute Holocaust Verleugner sitzt im Zuchthaus Brandenburg...oder feiner ausgedrückt im Hochsicherheitstrakt  Brandenburg.

Antwort
von futzlbaum, 37

Ja natürlich, warum auch nicht.

Antwort
von Mismid, 44

ja klar, bei charakterschwachen Menschen ist das häufig so.

Kommentar von uyduran ,

Das würde im Umkehrschluss ja bedeuten, jeder Mensch, der im Laufe seines Lebens seine politische Einstellung ändert, sei charakterschwach. Vielleicht zeugt es aber doch gerade von Charakterstärke, dass man kein verbohrter Fanatiker ist, der stur auf seiner Meinung beharrt, sondern sein Leben lang offen für neue Argumente und Denkweisen ist.

Kommentar von Mismid ,

du meinst wie ein Fähnchen im Wind?

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