Frage von Alleswasichweis, 76

Kann mir jemand was zur Landwirtschaft im Süden Spaniens ergänzen?

Ich benötige ganz speziell Informationen zum Süden und dem extremen Wasserverbrauch in der Region. Wäre schön wenn es Leute gibt die mir speziell etwas zum Coto de Doñana Nationalpark erzählen könnten, Stichwort illegale Brunnen.

Vielen dank im voraus

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von winersonne, 21

Hierzu muss man zunächst mal eines sehen: in weiten Teilen des Südens Spaniens herrscht sehr trockenes Wetter, die Südküste ist subtropisch. Es ist ein Quatsch, hier immer von Deutschland aus gesehen einen Wassermangel oder Wasserverbrauch zu monieren, denn die meisten einheimischen Pflanzen dort vertragen gar nicht so viel Wasser, leben seit jeher an Trockenheit angepasst.

Was nun seit dem Mittelalter geschieht ist, dass dort eben Flüsse teilweise in Kanäle flussnahe Felder bewässern, also dieses Wasser nicht in ihrer Gesamtheit einfach ins Meer fließen lassen, sondern zu einem Teil auf Felder umleiten, die ohne diese Bewässerung brach liegen würden, weil dort im Sommer bis teilweise 50ºC herrschen und sich allenfalls Steppenpflanzen angepasst haben.

Dazu kommen seit vielen Jahrzehnten noch die Stauseen hinzu. Also auch hier Wasser (Regenwasser), welches bei den sporadisch aufkommenden Regenfällen einfach versickern würde (was es auch in der gesamten Fläche macht, nur eben nicht, wo ein Stausee ist) und so der Landwirtschaft oder dem Trinkwasserverbrauch zur Verfügung steht. Die Frage ist also: ohne Stauseen wäre die Landschaft genauso (bis auf die Stauseeflächen, die jedoch ebenfalls Vögeln, Fischen und Pflanzen eine Heimat bieten; nicht gestaut nur ausgedörrtes Land wären).

Man muss sich auch mal die Dimensionen ansehen: Alleine Andalusien ist größer als Österreich. Im Süden Spaniens werden meist offen (also nicht in Gewächshäusern) allerlei Tropenfrüchte, dazu noch Mandeln, Zitrusfrüchte usuw. angebaut. Die Anbauflächen beschränken sich vor allem auf die Flusstäler, weil dort wie gesagt Wasser abgezweigt werden kann und dies jedoch auch nur bis zu einem gewissen Grad.

Bei Trockenheit z.B. wird kein Wasser an die Landwirtschaft weitergeleitet. Und dazu muss man auch ein bischen das Klima kennen. Es ist dort völlig normal, dass sich z.B. 5 trockene Jahre mit 2 regenreicheren abwechseln. Wo ist das Problem, dort in den 2 regenreichen soviel Wasser zu sammeln (welches sonst einfach versickert wäre), dass man in den 5 trockeneren Jahren begrenzte Flächen in Flusstälern oder z.B. bei Almería in Treibhäusern bewässert? Der Landschaft konnte dieses Wasser nicht zugute kommen, es ist sogar mehr: würde man dort die Natur begießen, würden heimische Planzen eingehen, weil die auf Trockenheit angewiesen sind.

Ach ja: Erdbeeren baut man vor allem in Huelva an, nicht in Almería...

Kommentar von Alleswasichweis ,

👍

Antwort
von torfmauke, 25

Da dort unter riesigen Plastikplanentreibhäusern unsere Wassererdbeeren und Gummitomaten angebaut werden, die riesige Wassermengen verschlingen und die Produzenten auch noch illegale Brunnen anlegen, um diese Wasserversorgung am Laufen zu halten, ist das Ganze in eine ziemliche Schieflage geraten.

Es wird zwar inzwischen mit Tröpchenbewässerung und Rückgewinnung versucht, den Wasserverbrauch etwas einzuschränken, aber so recht klappt das wohl noch nicht.


Kommentar von Alleswasichweis ,

Danke

Kommentar von winersonne ,

Du weißt aber schon, dass der Anbau in Treibhäusern ein Vielfaches an Wasser und Schädlingsbekämpfungsmittel einspart und dieser Treibhausanbau sich auf eine sehr kleine Fläche Südspaniens beschränkt, hauptsächlich auf einen Teil der Provinz Almerías, der - aufgrund der geographischen Lage Hinter dem höchsten Gebirge Festlandsspaniens - kaum Niederschlag abbekommt. Der Rest hat kaum Treibhäuser. Diese gibt es übrigens auch in Deutschland...

Kommentar von torfmauke ,

Ja, haben wir auch, allerdings sind unsere Treibhäuser dicht und haben ein wirtschaftliches Wassermanagement und bestehen nicht aus billigen, undichten Plastikplanen und einer in die Vollen gehenden Wasserversorgung. Ausserdem werden in Deutschland weder illegale Brunnen gebohrt, noch besteht ein Mangel an Grundwasser!

Kommentar von winersonne ,

Illegale Brunnen sind genau das: illegal. Insofern wird dies auch polizeilich verfolgt und bestraft. Es gibt ein paar Sachen, wo Deutschland im Umweltschutz voraus ist und 1000 wo sie der größte Umweltverschmutzer sind. Es gibt aber auch viele Sachen, wo die Spanier im Umweltschutz voraus sind. Ich habe in Deutschland noch keine Abgabestelle für Speiseöl gesehen. Kontainer hierfür gibts in Spanien z.B. an jeder Ecke. Auch wenn man die Abgasbilanz dt. vs. in span. zugelassener Autos sieht, würde ich an deiner Stelle erröten.

Kommentar von torfmauke ,

Ist mir alles bekannt, aber in dieser Frage ging es nun mal um die Ursachen des enormen Wasserverbrauchs und der hat mit Ölabgabestellen und Abgasbilanzen äusserst wenig zu tun!

Kommentar von winersonne ,

Das war doch dein Thema. Und die Frage ist auch: der Wasserverbrauch ist relativ. Bei Trockenheit wird der Hahn zugedreht, Trinkwasserverbrauch sogar satelitenüberwacht bzw. durch Kontrollen der Guardia Civil. Illegale Trinkwasserentnahmen sind ebenso strafbar, wie z.B. illegale Abwasserleitungen in den Rhein, dem weltweit am meisten durch Plastikpartikel verschmutzen Fluss.

Übrigens, wenn wir schon beim Thema Erdbeeren sind: in Deutschland verkaufte Erdbeerprodukte wie Marmeladen stammen mitlerweilen zum Großteil aus China. Ebenso wie 90% konservierter oder tiefgefrorener Fischprodukte den Weg über China nach Deutschland nehmen. Ist bei der Trinkwasserberechnung auch der Transportweg von China her mit inbegriffen? Und die dortigen "Standards"?

Da lob ich mir spanische Produkte, die Erdbeeren zum größten Teil einheimisch herstellen, ebenso Fisch selbst fangen oder in Zusammenarbeit mit lateinamerika (vor allem Argentinien). Was bei der Verarbeitung chinesischer Produkte geschieht, mag ich mir nicht mal vorstellen. Bei spanischen ist es nur so, dass natürlich aus einem bestimmten Land (Deutschland) immer bedenken kommen, selbst wenn eine Palette Gurken auf dem Hamburger Großmarkt umfällt und gesäubert wird, will man da noch die Schuld im angeblich schmuddeligen Spanien suchen. Presse-Recherchen zeigten dann jedoch ein ganz anderes Bild. Geh auch mal in einen spanischen Supermarkt. Hygiene wird groß geschrieben. Da tascht nicht jeder Früchte an.

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