Frage von Jaoehme98, 57

Kann mir jemand sagen,was die bewirtschaftete Zeit von Safranski ist?

Ich würde gerne wissen, was Safranski über die bewirtschaftete Zeit sagt. Es muss genau das sein, die anderen "Zeitformen" sind für mich nicht wichtig.

Antwort
von Grautvornix16, 27

Hi,- soweit Safranski überhaupt ETWAS gesagt hat hat  "suziesext07" es bereits zu einer möglichst sinnvollen Aussage aufgearbeitet. Ich weiß nicht ob da mehr geht. Safranski müßte, ohne ihm persönlich zu nahe treten zu wollen, eigentlich "Zerfranski" heißen. Mit seinem Alter Ego, P. Sloterdijk, gehört er genau dahin woher seine Bekanntheit stammt: ins (ehem.) "Philosophische Quartett des ZDF" wo zu später Stunde eine "bildungsbürgerliche Boheme" solange irgendwelche Themen durch ihre gehobene Rhethorik genudelt hat bis sie offensichtlich selber nicht mehr genau wußte was sie eigentlich sagen wollte - Hauptsache: "Intellektuell". - Also alles nicht wirklich Philosophie. 

Die Formulierung, die du erklärt haben möchtest stammt offensichtlich aus einem seiner letzten Bücher und ist nur der X-te Aufguß eines uralt-ewig-jungen Themas.

Tip: Ich würde an deiner Stelle versuchen, eine zentrale Aussage zu dieser "überschriftenhaften Formulierung" zu finden und diese dann im Verhältnis zu anderen Zeittheorien der Philosophiegeschichte ins analytische Verhältnis setzen. - Du wirst merken, wenn du wirklich argumentativ bedient wirst.

Danach fängt dein Part an: Philosophie ist die Aufforderung / Verführung zum (Selber) Denken und sie gibt dir die rationalen Mittel an die Hand, es tun zu können.

Ich werfe mal folgenden Gedankengang in den Ring: Zeit ist zweierlei:

1. Zeit als Raum der Idee und des Erlebbaren, also totale Ausdehnung in welcher alles Denkbaren / Erlebbare als Potential möglich ist (analog zu Kants Raum der Anschauung) - Zeit = unbeschränkter Potentialraum

2. Zeit als dynamische Struktur in diesem Raum = wandernde "Singularität" (Hier-und-Jetzt)  - also begrenzte Ausdehnung eines realisierten Potentials
zwischen "Werden" und "Vergehen".

Ich empfehle fürs Erste einen Abstecher in Zusammenfassungen über die Philosophiegeschichte und damit über die "tatsächlichen" Ideengeber - auch zu diesem Thema. - Aber was um Himmels Willen soll man mit einem Zitatenlaberer wie Safranski anfangen?!

Gruß

Kommentar von Grautvornix16 ,

Hi, habe "Rosenblad" einen Kommentar geschrieben. Vieleicht entwickelt sich da noch ein kurzer Austausch, der dir mit einigen unvorhergesehenen Anregungen weiterhilft. ;-)

Antwort
von Rosenblad, 26

Lassen wir doch Safranski selbst sprechen:
„Gefangen in Zeitplänen. Wenn die Zeit knapp wird, heilsgeschichtlich, geschichtlich, kapitalistisch. Schulden und Kredit. Zeit der Finanzwirtschaft. Beschleunigungen. Verschiedene Geschwindigkeiten. Rasender Stillstand. Eisenbahn. Der Angriff der Gegenwart auf den Rest der Zeit. Romantische Kritik: das sausende Rad der Zeit.“ (Safranski, Zeit, S.106)

Oder: wenn die eigene Lebenszeit in eine schön verzierte Einkaufstasche gesteckt wird die voller Hoffnungen, Wünsche, Gebete ist – Zeit ist schließlich Geld, das wir auch ausgeben müssen um vieles sein zu können, nur nicht im Hier-sein, denn das haben wir schon längst hinter uns gelassen und freuen uns auf Gestern, Heute und Morgen - nur nicht Hier- sein.

Kommentar von Grautvornix16 ,

Hi,- jo - ich weiß, dass mein Beitrag "etwas zornig" war. Aber bestätigt das von dir ausgesuchte Zitat nicht genau diese Einschätzung? Was er da sagt hebt doch eher auf die Frage ab: Wie gehen wir mit einer begrenzten Ressource sinnvoll um, was ja letztlich auf die Kernfrage führt: wie diskutieren wir in einer Gesellschaft den Begriff (Lebens-) "Qualität", die in ihrer prägenden Mehrheit gelernt hat, den "Sinn" ihrer Handlungsmotive mit einem schlichten, konsumtiven "Mehr", also rein quantitativ-verbrauchend zu organisieren und damit den Begriff der (Lebens-)-"Qualität" paradigmatisch wie ein "unsichtbares Grundgesetz" quantitativ besetzt hat.

Und das führt zu den 2 Punkten, die mich an Leuten wie Safranski extrem stören. Sie sind 1. in meiner Wahrnehmung eher nett-gebildete "Erzählonkel". Sie verfassen (mehr oder weniger gute und amüsante) "Prosa" unter dem Etikett der Philosophie und nehmen ihr damit die Relevanz für den gesellschaftspolitischen Alltag. Philosophie als intellektueller Zeitvertreib für den gehobenen Bildungsbürger. Jeder kann sich die Bücher in das "Bildungsregal" seines Wohnzimmers stellen, ohne sich mit einer wirklich nachvollziehbar - diskursorientierten Analyse und Theorie zu einem konkreten Problem auseinandersetzen zu müssen.

Zum 2. finde ich es fast schon unverschämt wenn man sich Philosoph nennt und eigentlich nur Feuilleton für die FAZ produziert, also letztlich im Verwertungs- und Verbrauchsparadigma verbleibt weil es am Ende nur ums verkaufen geht und der Leser dabei nicht mehr erhält als die Erkenntnis: "Ja, ja, - seufz - so ist es" da er nur eine Beschreibung von dem gelesen hat was er selbst erlebt und schon kennt: nämlich sich mit der Frage aueinandersetzen zu müssen: "Wie lange muß ich arbeiten, um das entsprechende Geld zu verdienen damit ich das Buch kaufen kann und was habe oder hatte ich davon."

Insofern auch kein Wunder wenn man immer wieder mit der Tatsache konfrontiert wird, das Menschen gut klingendes aber unverständlich-vieldeutiges Reden mit Philosophieren gleichsetzen.

Da finde ich hätte er, statt selber zu schreiben vielleicht einfach mal die Größe haben sollen auf bereits bestehende Literatur aufmerksam zu machen wie z. B. Adorno - "Dialektik der Aufklärung", Fromm - "Haben statt Sein" oder Marcuse - "Der Eindimensionale Mensch". Da wäre er wohl auch näher am Thema gewesen.

Zornige Grüße ;-)

Kommentar von Rosenblad ,

Zorn ist in einer Gesellschaft einer fast schon "sakralen" Konsumleidenschaft und gehobenen Gleichgültigkeit (selbst gegenüber Krebserkrankungen in der eigenen Familie)  "Bürgerpflicht"  - Danke für Ihren Kommentar!

Kommentar von Grautvornix16 ,

Vielen Dank für den Ihrigen. - Empfinde ich ermutigend. :-)

Antwort
von suziesext07, 37

bewirtschaftete Zeit: damit meint Safranski die Zeit innerhalb des Wirtschaftslebens, also die Sphäre, in der Zeit Geld ist.

Kommentar von Jaoehme98 ,

Kannst du das vielleicht noch etwas ausführlicher erklären ?

Kommentar von suziesext07 ,

zb überall da, wo Fristen gesetzt sind, oder wo eine 'Laufzeit' zu beachten ist, oder 'Jahres'zinsen, oder Fahrpläne, oder bei Lieferzeiten, Produktionszeit - also wieviel Zeit benötigt wird um was herzustellen. Arbeitszeit. Also immer Zeitmessung, die mit Geld-Verdienen oder -Zahlen bzw juristischen Vorgaben gekoppelt ist.

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