Frage von TaAKu, 121

Kann mir jemand helfen, mein Arbeitszeugnis richtig zu verstehen?

Vor allem diese Aussagen: - Die häufig wechselnde Aufgaben erfordern eine rasche Auffassungsgabe, gutes Einfühlungsvermögen und die Fähigkeit zur raschen Umstellung. All diesen Anforderungen ist Frau X stets gerecht geworden. - Sie war pünktlich, ehrlich und fleissig und erfreute sich beim Kunden und im Kollegenkreis allgemeiner Beliebtheit. Ihr Verhalten gegenüber Vorgesetzten war einwandfrei. - Frau X scheidet mit dem heutigen Tage aus unserem Unternehmen aus.

Für Leistung gibt es laut Zeugnisübersetzer eine sehr gut, aber diese Aussagen machen mich stutzig :(

Antwort
von rotreginak02, 24

Hallo TaKu,

wie hier schon einige angemerkt haben, es macht wirklich keinen Sinn, nur einzelne Sätze und nicht das Gesamtzeugnis anonymisiert einzustellen. Warum machst du das nicht mal? Anstatt immer nur einen weiteren Satz aus dem Zeugnis rauszurücken, wie:

Da steht nur "wir wünschen für ihr weiteres berufliches und persönliches Fortkommen alles Gute." :(

Die Wortwahl einzelner Sätze haben zwar eine gewisse Aussagekraft, in Noten ausgedrückt kann das aber durch vorangegangene oder nachfolgende Sätze nochmal erheblich schlechter aussehen und weitere Botschaften senden.

Dein von mir oben zitierter Satz sagt jedem, der etwas von Arbeitszeugnissen versteht, dass du in diesem Job nicht erfolgreich warst und man froh ist, dich los zu sein. Egal, was auch immer vorher im Zeugnis geschrieben wurde, hier ist die eigentliche Botschaft...und damit kann es wohl kaum ein gutes Zeugnis sein.

Auch die Aussage über Ehrlichkeit und Pünktlichkeit wird heutzutage nur dann in einem Zeugnis aufgeführt, wenn man Negatives bescheinigen möchte. Das bedeutet in Wirklichkeit:sie war pünktlich und ehrlich, hatte aber ansonsten Nichts zu bieten.

Und dieser Satz:

All diesen Anforderungen ist Frau X stets gerecht geworden.

ist absichtlich ins PASSIV gesetzt und bedeutet schlichtweg: du warst passiv und nicht motiviert, hast die Arbeit nicht gesehen und erst recht keine rasche Auffassungsgabe, die für den Job nötig gewesen wäre etc .

Usw, usw......

Ich kann an diesem Ausschnitt deines Zeugnisses schon nichts Positives finden, vermute daher, dass es auch wenn man es im Ganzen liest, nicht besser wird.

Antwort
von ChristianLE, 74

Ein Zeugnis kann nur beurteilt werden, wenn dieses vollständig vorliegt. Es ist nicht möglich, einzelne Sätze zu bewerten und hier eine Schlussfolgerung zu ziehen. Der Gesamtzusammenhang ist hier wichtig.

Aber nur so am Rande: Wenn Pünktlichkeit, Ehrlichkeit und Fleiß hier als einzige Stärken hervorgehoben werden, dann würde mir das zu denken geben.

Kommentar von TaAKu ,

mich interessiert eher die "Beliebtheit". Steht auch zu vollster Zufriedenheit drin, aber davor "wir bescheinigen gerne..."

Kommentar von ChristianLE ,

wie gesagt: Es macht keinen Sinn hier einzelne Wortfetzen zu analysieren. Auf der anderen Seite: Was nützt Dir ein positiver Umgang mit den Kollegen oder eine Beliebtheit, wenn deine Arbeitsleistung unzureichend war. Mit dem Zeugnis wirst Du dich vermutlich nicht bewerben können.

Antwort
von DarthMario72, 32

So funktioniert das nicht! Man kann ein Zeugnis nur dann halbwegs vernünftig bewerten, wenn man es im Zusammenhang liest, also von der Überschrift bis zum Ausstellugnsdatum und der Unterschrift. Überall dort können Informationen enthalten sein, die für die Einschätzung des Zeugnisses wichtig sind. Einzelne Sätze oder einzelne Worte kann man nicht beurteilen, da sie je nach Kontext eine völlig andere Bedeutung haben können.

Pünktlichkeit betont man nicht mehr ausdrücklich, da das eine völlig banale Selbstverständlichkeit ist. Früher war das mal Standard, heute aber längst nicht mehr.

Ehrlichkeit gehört dann ins Zeugnis, wenn man bspw. Umgang mit Bargeld, Zugang zur Kasse o. ä. hatte. Ansonsten ist das eher negativ zu sehen und kann ggf. auf ein Eigentumsdelikt hinweisen.

Ihr Verhalten gegenüber Vorgesetzten war einwandfrei.

Das entspricht grundsätzlich zwar einem Gut. Allerdings ist die Reihenfolge falsch, zuerst Vorgesetzte, dann Kollegen, dann Außenstehende - andernfalls deutet das auf Probleme hin.

Kommentar von TaAKu ,

Naja, das ist komisch, weil ich meinen Vorgesetzten nie zu Gesicht bekamm. Aber ich habe mit seiner Tochter zusammen arbeiten müssen und sie war, harmlos ausgedrückt, kein Geschenk. Davor schon 2 Abteilungen gewechselt. Außer mit mir hat sie mit keinem Kollegen gesprochen.

Kommentar von DarthMario72 ,

wir wünschen für ihr weiteres berufliches und persönliches Fortkommen alles Gute

Diese Schlussformel ist ein A****tritt. Deshalb ist es auch so wichtig, das vollständige Zeugnis zu analysieren und nicht nur einzelne zusammenhanglose Sätze.

Kein Dank für deine Arbeit, kein Bedauern über deinen Weggang, keine Erfolgswünsche. Mit anderen Worten: "Wir bedauern, dass wir sie erst jetzt loswerden. Besondere Erfolge hatte sie bei uns nicht und wird sie garantiert auch im nächsten Job nicht haben."

Ob das bewusst so geschrieben wurde oder der Verfasser dieser Zeilen schlichtweg keine Ahnung hatte, was er da zusammenkritzelt, kann ich von hier aus natürlich nicht beurteilen. Allerdings zweifle ich vor diesem Hintergrund deine Feststellung ("Für Leistung gibt es laut Zeugnisübersetzer eine sehr gut") doch sehr an, denn dann wäre das Zeugnis alles andere als schlüssig...

Antwort
von habakuk63, 57

das ist durchschnittlich gut. da in der Formulierung "Ihr Verhalten gegenüber Vorgesetzten war einwandfrei" der Zusatz "stehts" fehlt, gehe ich davon aus dass Sie nicht immer die gleiche Meinung wie ihr Chef hatten und das auch ausgedrückt wurde.
Wir bedauern ihr Ausscheiden sehr. Wäre auch gut.

Antwort
von Maximilian112, 44

Das was Du geschrieben hast würde ich als Katastrophe bezeichnen. Mit diesem Zeugnis kennst Du Dich nirgendwo bewerben.

Vor allen das pünktlich , fleißig und ehrlich ist so selbstverständlich das es hier als Gegenteil gewertet werden kann.

Die allgemeine Beliebtheit sagt aus, das Du eine Schwatzdrossel bist. Sollte tatsächlich die Schlussformel fehlen dann weiß jeder AG das der Betrieb froh ist das Du gehst.

Kommentar von TaAKu ,

Da steht nur "wir wünschen für ihr weiteres berufliches und persönliches Fortkommen alles Gute." :(

Antwort
von Hamsterking, 65

Ich kann die folgende Seite empfehlen:

http://www.strassenwaerter.de/strassenwaerter_old_site/aktuelles/Arbeitsz.1.htm 

Da stehen die Bedeutungen hinter der Bewertung. Die Problematik ist aber diese, dass du voraussetzen solltest, dass dein/e Chef/Chefin auch diese Wortwahl kennen.

Antwort
von aribaole, 54

Für mich ist es auch nicht 100%ig. Lass dich da mal von der Arbeiterkammer Beraten.

Antwort
von Erehet, 54

Sie war pünktlich, ehrlich und fleissig und erfreute sich beim Kunden und im Kollegenkreis allgemeiner Beliebtheit.

Du warst also öfter unpünktlich und hattest mehr mit den Kunden gesprochen als deine Arbeit zu machen?

Kann mich auch Irren aber eine Zeitangabe wie zb. das man pünktlich war gibt es nicht, da so etwas vorausgesetzt wird. Und bei der Auflistung der Reihenfolge kommt erst der Vorgesetzte, dann die Kollegen und dann der Kunde.

Kommentar von TaAKu ,

Ja, bestimmt kannst du dich irren... soviel ich weiß, ist es im Verkauf sehr wichtig, dass "pünktlich, ehrlich und fleissig' im Zeugnis steht. Nur habe ich nun wirklich nicht viel mit Kunden zu sprechen. Diese Reihenfolge ist bestimmt veraltet

Kommentar von ChristianLE ,

soviel ich weiß, ist es im Verkauf sehr wichtig, dass "pünktlich, ehrlich und fleissig' im Zeugnis steht.

Nein, ist es nicht. Formulierungen in Arbeitszeugnissen sind in der Regel "berufsunabhängig".

Eigenschaften, wie Pünktlichkeit oder Ehrlichkeit sind Grundvoraussetzungen, egal, ob im Verkauf oder woanders.

Kommentar von DarthMario72 ,

Eigenschaften, wie Pünktlichkeit oder Ehrlichkeit sind Grundvoraussetzungen, egal, ob im Verkauf oder woanders.

Zumindest in Bezug auf Ehrlichkeit muss ich dir widersprechen. Der Ehrlichkeitsvermerk ist bei AN, die Umgang mit Bargeld, Zugriff auf die Kasse oder Firmenkonten o. ä. haben zwingend erforderlich - wenn es denn der Wahrheit entspricht. Fehlt diese Eigenschaft, deutet das auf einen Griff in die Kasse hin.

Bei allen anderen AN ist das allerdings genau umgekehrt zu sehen.

Antwort
von Meik1977, 58

Damit alles als sehr gut gilt fehlen an folgenden stellen die Aufwertungen z.B.:

...Sie war stets pünktlich, ehrlich und fleißig und erfreute sich beim Kunden und im Kollegenkreis allgemeiner Beliebtheit. Ihr Verhalten gegenüber Vorgesetzten war immer einwandfrei. - Frau X scheidet mit dem heutigen Tage aus unserem Unternehmen aus.

Dann sollte auch enthalten sein warum Du ausscheidest und vor allem auch noch eine entsprechende Schlussformel wie.

...bedauern das Ausscheiden dieser überaus fähigen Mitarbeiterin aus dem Unternehmen...  Alles gute für den weiteren beruflichen Werdegang oder so

Kommentar von DarthMario72 ,

Sie war stets pünktlich

Pünktlichkeit wird heutzutage in den Zeugnissen nicht mehr ausdrücklich betont, da das eine absolute Selbstverständlichkeit ist. Steht es dennoch im Zeugnis, ist das eher negativ zu sehen, weil es sonst ggf. nichts Positives zu sagen gibt.

Sie war stets ... ehrlich

Das gehört dann ins Zeugnis, wenn man Umgang mit Bargeld, Zugriff auf die Kasse oder Firmenkonten o. ä. hatte. Natürlich nur dann, wenn es der Wahrheit entspricht. Bei allen anderen ist auch das negativ zu sehen und deutet ggf. auf ein Eigentumsdelikt hin.

..bedauern das Ausscheiden dieser überaus fähigen Mitarbeiterin aus dem Unternehmen...  Alles gute für den weiteren beruflichen Werdegang oder so

Diese Schlussformel ist auch nicht viel besser als die miserable im Zeugnis der Fragestellerin.

Antwort
von Maboh84, 60

Also für mich tönt das gut. Ist aber immer so eine Sache mit den "codierten" Arbeitszeugnissen. "Stets gerecht geworden" ist aber sicher positiv, würd ich mit einem gut-sehr gut übersetzen. 

Ansonsten verlange vom Arbeitgeber die Floskel "Dieses Arbeitszeugnis ist nicht codiert".

Kommentar von ChristianLE ,

Ansonsten verlange vom Arbeitgeber die Floskel "Dieses Arbeitszeugnis ist nicht codiert".

Was meinst Du damit? Arbeitszeugnisse sind immer "codiert", da diese keine negativen Aussagen über den Arbeitnehmer beinhalten dürfen.

Die Kunst liegt darin, scheinbar positive Formulierungen als negative Beschreibungen zu erkennen.

Steht dort beispielsweise geschrieben "Sie war um Pünktlichkeit bemüht", klingt das erst einmal positiv, bedeutet aber das ganze Gegenteil.

Kommentar von Maboh84 ,

also bei meinen Arbeitszeugnissen (ok, waren alle stets positiv) steht die floskel "nicht codiert". Dies funktioniert aber natürlich nur so, wenn das Zeugnis gut ist. 
Allenfalls ist es auch unterschiedlich, ich arbeite in der Schweiz. Hier kann man sehr wohl auch "hat seine Arbeitsaufgaben nicht erfüllt" oder ähnliches reinschreiben. Die Gefahr besteht dann aber, dass der Arbeitnehmer nicht unterschreibt.

Kommentar von ChristianLE ,

ich arbeite in der Schweiz. Hier kann man sehr wohl auch "hat seine Arbeitsaufgaben nicht erfüllt" oder ähnliches reinschreiben.

Ok, das ist in Deutschland aber nicht zulässig. Hier muss der Arbeitnehmer auch nicht unterschreiben.

Kommentar von TaAKu ,

darf man sowas bei AG denn verlangen?

Kommentar von Erehet ,

Das ist ja der Witz beim Arbeitszeugnis. Du darfst es solange immer wieder umschreiben lasen bis es dir gewählt.

Kommentar von TaAKu ,

Wo ist dann der Sinn?

Antwort
von DieNetteFee, 53

ist abhängig von der bisher ausgeübten tätigkeit

bei einer führungsposition >>> mangelhaft

mitarbeit im lager >>> für hilfsjobs zu gebrauchen .... aber nicht für mehr

Kommentar von habakuk63 ,

Wie viele Beurteilungen oder Arbeitszeugnisse hast du schon geschrieben? Ich kann meine Anzahl nicht mehr zählen und teile deine Beurteilung überhaupt nicht.

Antwort
von emib5, 23

Ohoh...

Auch wenn es nur ein Auszug ist, das hört sich nicht so gut an. 

Bei mir wäre die Bewerbung wahrscheinlich in der Rundablage.

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