Frage von robotriot, 155

Kann mir jemand diese historische Postkarte in Steno transkribieren?

Ich bin durch Zufall auf diese Postkarte von 1926 gestoßen. Der Text scheint mir in Steno geschrieben zu sein, was ich leider überhaupt nicht lesen kann. Kann mir jemand helfen? Danke!

Antwort
von RobertWeemeyer, 82

Das ist definitiv Gabelsberger. Der Schreiber hat den Begriff "Stenografie" (Engschrift) sehr wörtlich genommen. Deshalb ist das ein bisschen anstrengend zu lesen. Man sieht manchmal kaum, welches Zeichen zu welcher Zeile gehört. Das alles zu übertragen, dauert seine Zeit. Hier deshalb nur die ersten dreieinhalb Zeilen, natürlich ohne Gewähr:

"15. Mai 1926

Liebe Schwing, herzlichen Dank für deinen lieben Brief. Trude Hundertpfund kann nicht mit den in Wald, weil sie über Pfingsten Besuch von auswärts bekommt. Was wollen wir nun tun? Mir wäre es schon am liebsten gewesen, wenn wir uns in Plattling getroffen hätten, um dann gemeinsam weiterzufahren. Das musst du doch Susi sagen, dass ..."

Kommentar von mulan ,

Ist es denkbar, dass "Schwing" eine unkonventionelle und etwas misslungene Kürzung für "Schwägerin" ist, auch wenn eigentlich ganz deutlich ein ng am Schlusse steht?

Kommentar von mulan ,

Nee, Schwägerin ist es wohl doch nicht. Ich hatte die andere Seite der Postkarte für einen Moment vergessen, welche an Frl. Schwingenschlegel gerichtet ist, was das "Schwing" erklärbar macht. Ich ziehe also meine Bemerkung dazu zurück.

Kommentar von mulan ,

Könnte "Trude" auch "Traudel" heißen?

Kommentar von RobertWeemeyer ,

Ja. Der Unterschied zwischen "Trude" und "Traudel" ist winzig (das L ist der kleinste Konsonant in der Gabelsberger'schen Kurzschrift und der Unterschied des AU zum U besteht nur darin, dass beim Schreiben des folgenden Konsonanten D mit dem Bleistift etwas stärker gedrückt werden soll), aber bei genauem Hinsehen könnte es durchaus "Traudel" heißen (oder auch "Trudel", weil die AU-Verstärkung nicht klar sichtbar ist).

Antwort
von mulan, 69

Ich habe mal den Satz "Herzlichen Dank für deinen lieben Brief." mal in DEK und mal in Stolze-Schrey gesetzt. Das Wort Brief ist jeweils das letzte eine Zeile tiefer. Die Bilder kommen gleich im Anschluss.

Antwort
von mulan, 51

Und nun in Stolze-Schrey

Antwort
von mulan, 59

Das könnte Steno nach dem System Gabelsberger sein.

Kommentar von mulan ,

Nachtrag: ich kann noch nicht sagen,  ob das Gabelsberger Steno ist oder schon DEK (Deutsche Einheitskurzschrift), welche 1924 eingeführt worden ist nach Zusammenschluss von Gabelsbergern, Stolze-Schreyanern und Faulmann-Anhängern. Der Poststempel ist ja von 1926, also 2 Jahre nach Einführung der DEK. Theoretisch könnte es aber auch Stolze-Schrey sein, dessen System damals auch noch existierte (und in der Schweiz heute dominiert), bevor es bis heute völlig von der DEK verdrängt worden ist. ... Falls ich was rauskriege, melde ich mich wieder.

Kommentar von mulan ,

Eines kann ich schon mit Bestimmtheit sagen: Es IST eine Text im System Gabelsberger. Warum? Weil die erste Zeile bis zur Mitte u.a. etwa sowas wie "Herzlichen Dank für deinen lieben Brief" heißt. Das letzte Wort "Brief" wird dabei genauso bei Gabelsberger geschrieben. Bei DEK und Stolze-Schrey sieht es völlig anders aus.

Antwort
von Novos, 59

Dein "Steno" und heißt Sütterlinschrift und ist eine ältere deutsche Schrift. https://de.wikipedia.org/wiki/S%C3%BCtterlinschrift

Kommentar von robotriot ,

Dass es Sütterlin ist ist mir schon klar, die Anschrift kann ich ja halbwegs lesen. Der Text scheint mir aber keine normale Schriftsprache zu sein. Nach Vergleichen die ich angestellt habe scheint es mir von der Symbolik her schon Steno zu sein.

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