Frage von lappitoppi, 91

Kann mir jemand die Kausalität laut David Hume erklären?

Hallo liebe Leute, ich soll bezüglich eines Referates etwas über David Hume herausarbeiten und verstehe in dem Wikipedia Artikel zu dem Punkt Kausalität nicht wirklich viel... wäre nett wenn jemand es in einfachen Worten erklären könnte :-)

Kausalität[Bearbeiten] Während die Probleme der Außenwelt und der personalen Identität schon von den Empiristen George Berkeley und John Locke diskutiert wurden, gilt Hume als eigentlicher Initiator des philosophischen Kausalitätsproblems. Zunächst stellte er die Wichtigkeit der Ursachen-Wirkungs-Relation für jede empiristische Erkenntnistheorie heraus: Die einzige Möglichkeit, Informationen zu erhalten, die über die eigenen Erfahrungen hinausgehen, liege in Kausalrelationen.[44] Zum Beispiel weiß ich von der Ermordung Julius Caesars durch Zeugen, die den Vorgang miterlebt und später aufgeschrieben oder in anderer Form weitergegeben haben, so dass dieses Faktum Eingang in neue Geschichtsbücher gefunden hat, von denen ich eines gelesen habe. Bei jedem dieser Schritte wird Information über die Ursache-Wirkungs-Beziehung weitergegeben, so dass man sagen kann, die Sätze in einem modernen Geschichtsbuch sind Wirkungen des Ereignisses der Ermordung Caesars, andernfalls wären sie nicht wahr.[45]

Hume stellte heraus, was nach seiner Ansicht das Gemeinsame an allen Kausalvorgängen ist.[44] Zunächst müssten Ursache und Wirkung immer räumlich benachbart sein. Zwar könnte ein Ereignis auch über eine gewisse Entfernung auf ein anderes wirken, aber nur, indem es eine Kette von benachbarten Ereignissen zwischen den beiden gibt. Dann erfolge die Wirkung immer später als die Ursache. Diese Bedingungen seien aber zusammen noch nicht hinreichend, es müsse ein drittes Element geben, eine Kraft oder Notwendigkeit, die vom einen Ereignis auf das andere wirke, so dass gewiss ist, dass die zweite Begebenheit auf der ersten beruht. Es zeigt sich aber, dass diese Notwendigkeit weder beobachtet noch erschlossen werden kann. Aus der Flüssigkeit und Durchsichtigkeit des Wassers könne z. B. nicht erschlossen werden, dass es einen Menschen ersticken kann.[46]

Ursache-Wirkungs-Abfolgen unterscheiden sich nach Hume dadurch von bloß zufälligen raum-zeitlich benachbarten Ereignissen, dass sich in ersteren viele ähnliche Fälle beobachten ließen. Und allein darin liege die als notwendig angesehene Verknüpfung. Hat der Mensch die Abfolge von ähnlichen Ereignissen oft gesehen, so forme er aufgrund von Gewöhnung angesichts des einen Ereignisses die Erwartung des anderen. Naturgesetze beschreiben demnach nur beobachtete Regelmäßigkeiten und keine notwendige Verknüpfung zwischen Ursache und Wirkung. Jede andere Wirkung sei vorstellbar und berge keinen logischen Widerspruch in sich. Hume war sich darüber im Klaren, dass seine Theorie, nach der die notwendige Verknüpfung nicht in der Natur der Kausalvorgänge, sondern eher im Geiste der menschlichen Betrachter liege, provozieren muss.[47] In diesem Zusammenhang spricht man auch vom Hume-Problem

Antwort
von berkersheim, 61

David Hume ist ein sehr kritisch eingestellter Philosoph. Bis zu ihm galt im Prinzip auch in der empirischen Wissenschaft die Annahme, dass eine Ursache-Wirkungsbeziehung, die Kausalität ein beobachtetes Faktum sei. Erst David Hume hat genauer hingeschaut und bemerkt, dass alles, was wir beobachten, Folgen von Fakten sind, doch z.B. die Übertragung der Kraft von Billardkugel 1 auf Billardkugel 2 nie direkt beobachtet werden kann. Wir beobachten, dass Billardkugel 1 auf Billardkugel 2 rollt und danach Billardkugel 1 stehen bleibt und Billardkugel 2 weiterrollt. Dass Billardkugel 1 seine Bewegungsenergie an Billardkugel 2 weitergibt, können wir nicht beobachten. Das erschließen wir. Das bedeutet aber, dass er festgehalten hat, dass wir Naturgesetze erschließen und dass diese Hypothesen auch falsch sein können. Das führt später bei Popper zur Falsifikationstheorie.

Eine lückenlose Kausalität - wie es Kant als a-priori annimmt und damit eine deterministische erfahrene Welt - lehnt David Hume gegen Kant ab. Kausalität ist eine auf Gewohnheit und langer Erfahrung beruhende Verknüpfung, die wir als Beobachter herstellen. Sie ist immer nur selektiv, d.h. auf beobachtete Vorgänge bezogen, nie umfassend. Sie kann auch ein Fehlschluss sein und eine Weltsicht heute im wissenschaftlichen Zeitalter unterscheidet sich z.B. vom Mittelalter, dass wir alles genauer prüfen, weil uns bewusst ist, wie schnell man zu Fehlschlüssen neigt. Im Mittelalter reichte es für eine Schuldzuweisung, dass eine Frau in der Nähe stand, wenn sich jemand verhoben hat. Dann wurde nicht das Verheben als Ursache angesehen sondern die Frau in der Nähe als Hexe überführt, diesen "Hexenschuss" verursacht zu haben. Der grässlichste Aberglauben beruht letztlich auf Kausalitätsschlüssen, nur dass die unterstellten Beziehungen sehr abenteuerlich sind. Kausalität ist eine Hypothese, eine auf Erfahrung beruhende Deutung, mehr nicht, und die kann gewaltig daneben liegen.

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