Frage von idontknowwww, 30

Kann mir jemand die Frage beantworten, es geht um das Maßgebilchkeitsprinzip?

Zitat : "Trotz des Maßgeblichkeitsprinzips sind Handelsbilanz und Steuerbilanz nicht zwingend identisch. Als Beispiel für eine Abweichung zwischen diesen beiden Bilanzen kann etwa ein handelsrechtliches Aktivierungswahlrecht herangezogen werden. Geben Sie zunächst an, was aus einem handelsrechtlichen Aktivierungswahlrecht steuerrechtlich wird! Erläutern Sie nun, welche finanziellen Konsequenzen dies für ein Unternehmen sowie das Finanzamt hat! Beziehen Sie dabei auch möglicherweise notwendige Abschreibungen in den Folgeperioden in Ihre Ausführungen ein!"

1.aus einem handelsrechtlichen Aktivierungswahlrecht folgt eine steuerrechtliche Aktivierungspflicht ODER 2. für den Fall der selbstgeschaffenen immateriellen Wirtschaftsgüter gilt ein handelsrechtliches Aktivierungswahlrecht und ein steuerrechtliches Aktivierungsverbot?

was davon soll ich jetzt beanworten? oder beides? die Frage gibt nur 6 Punkte und ich bin momentan ziemlich verwirrt!

hoffe mir kann jemand helfen

mfg

Antwort
von 007Alkl, 15

Hallo,

die Frage ist nicht so leicht zu beantworten, aber ich versuche es verständlich rüberzubringen:

1. Begriff: Das Maßgeblichkeitsprinzip überträgt die handelsrechtlichen Vorschriften, denen der Jahresabschluss sowohl formal als auch inhaltlich entsprechen muss (= Handelsbilanz), in den Bereich der Steuerbilanz. 

Somit werden durch das Maßgeblichkeitsprinzip die handelsrechtlichen Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung (GoB) zu einem integralen Bestandteil des Bilanzsteuerrechts.

Es sind hierbei zwei Arten zu unterscheiden:
a) Materielle Maßgeblichkeit: 

Für die steuerliche Gewinnermittlung ist grundsätzlich das Betriebsvermögen anzusetzen, das nach den handelsrechtlichen GoB auszuweisen ist. 

b) Formelle bzw. umgekehrte Maßgeblichkeit: 

Nach § 5 I S. 2 EStG a.F. sind steuerrechtliche Wahlrechte bei der Gewinnermittlung in Übereinstimmung mit der handelsrechtlichen Jahresbilanz auszuüben. Das gilt für die Ausübung sowohl der Bilanzierungs- als auch der Bewertungswahlrechte. Bei Inanspruchnahme eines steuerlichen Vorteils, war es somit erforderlich in der Handelsbilanz den gleichen Wert anzusetzen (= sog. umgekehrte Maßgeblichkeit). 

Mit dem BilMoG wurde mit der Streichung des § 5 I S. 2 EStG die formelle und folglich auch die umgekehrte Maßgeblichkeit abgeschafft. 

Die Wirtschaftsgüter, die nicht mit dem handelsrechtlich maßgeblichen Wert in der steuerlichen Gewinnermittlung ausgewiesen werden, sind in bes., laufend zu führende Verzeichnisse aufzunehmen. In den Verzeichnissen sind der Tag der Anschaffung oder Herstellung, die Anschaffungs- oder Herstellungskosten, die Vorschrift des ausgeübten steuerlichen Wahlrechts und die vorgenommenen Abschreibungen nachzuweisen.

c) Durchbrechung der Maßgeblichkeit: 

steuerliche Sonderreglungen für die Steuerbilanz, z.B.: Für Aktivierungswahlrechte in der Handelsbilanz besteht ein Aktivierungsgebot in der Steuerbilanz; für  Passivierungswahlrechte der Handelsbilanz besteht ein Passivierungsverbot in der Steuerbilanz.

3. Perspektiven: Die Zahl der Durchbrechungen der Maßgeblichkeit durch zwingende, vom Handelsrecht abweichende steuerliche Regelungen nimmt zu. Die Maßgeblichkeit wird nicht zuletzt durch das BilMoG zunehmend in Frage gestellt. Denkbar ist die Einführung eines eigenständigen Steuerbilanzrechts oder eine europäische Lösung.

Nun zu Deiner Frage bezüglich der selbst geschaffene immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermögens:

Für diese, besteht handelsrechtlich grundsätzlich ein Aktivierungswahlrecht. Herstellungskosten sind die bei der Entwicklung angefallenen Aufwendungen.  Das Aktivierungswahlrecht gilt nicht für das Steuerrecht.

Steuerrechtlich gilt weiterhin das Aktivierungsverbot für nicht entgeltlich erworbene immaterielle Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens. Solche Wirtschaftsgüter dürfen nur aktiviert werden, wenn sie entgeltlich erworben oder in das Betriebsvermögen eingelegt wurden. 

Mit einem Aktivierungsverbot belegt sind immaterielle Wirtschaftsgüter, die ohne Gegenleistung erworben oder im Unternehmen hergestellt worden sind. 

Praxis-Beispiel

Aktivierung eigener Patentkosten

Ein Unternehmer erbt 2016 ein Patent, das er in seinem Betrieb verwenden kann. Der Erblasser hatte die Erfindung 2014 gemacht und sich patentieren lassen. Seine Aufwendungen für die Entwicklung und Patentierung betrugen 40.000 EUR. Er hatte die Erfindung bis zu seinem Tod nicht genutzt.

Die Verwendung des aus privatem Anlass erlangten Patents im Betrieb des Unternehmers begründet eine Einlage. Auch wenn der Teilwert des Patents im Zeitpunkt der Einlage 60.000 EUR betragen haben sollte, verbleibt es bei einem Ansatz von 40.000 EUR der vom Erblasser innerhalb der letzten 3 Jahre getätigten Aufwendungen. § 5 Abs. 2 EStG ist nicht anzuwenden.

Das Aktivierungsverbot umfasst auch Nebenkosten, die beim Zugang eines immateriellen Wirtschaftsguts entstehen, das nicht aktiviert werden darf.

Kommentar von idontknowwww ,

Hallo 007ALKL,

vielen Dank für deine Antwort mir ist nun so einiges klarer geworden dadurch:D

a)Ich habe mir nun ein paar gedanken bezüglich einer passenden Antwort auf die Frage gemacht:

Aus einem handelsrechtlichen Aktivierungswahlrecht folgt grundsätzlich eine steuerliche Aktivierungspflicht. Für selbst geschaffene immaterielle Wirtschaftsgüter folgt allerdings aus einem handelsrechtlichen Aktivierungswahlrecht ein steuerliche Aktivierungsverbot. Dadurch, dass steuerrechtlich kein s.i.W. angesetzt werden darf, wird auch kein (Entwicklungs-) Aufwand gebucht. Weniger Aufwand bedeutet höhere Gewinnsteuerzahlung. Als Folge wird also auch in den kommenden Perioden nicht planmäßig (oder außerpl.m.) abgeschrieben, woraus wieder höhere Gewinnsteuerzahlungen resultieren.Wird nun handelsrechtlich bilanziert, werden die Abschreibungsaufwände für einen geringeren Gewinn des Unternehmens sorgen.

b)Was mir hier etwas unklar ist - wenn ich etwas in die Bilanz aufneheme, egal ob in Handels- oder Steuerbilanz, dann wird doch kein aufwand gebucht (Von Abschreibungen abgesehen). Sollte ich aber etwas NICHT bilanzieren dann wird doch immer ein Aufwand dafür gebucht oder? .... Denn in meinem Skript steht : "Dadurch dass steuerrechtlich keine Rückstellung angesetzt werden darf, wird auch kein Rückstellungsaufwand gebucht."

wäre cool wenn Sie mir da auch weiterhelfen könnten

mfg

Kommentar von 007Alkl ,

 Hallo idontknowwww,

das ist korrekt.

Kaufe ich z.B. eine Maschine findet nur ein Tausch statt: Die Bank wird weniger und das Anlagevermögen wird mehr (höher).

Wir die Maschine über Kredit bezahlt, erhöht sich im Aktiva das Anlagevermögen und im Passiva die Verbindlichkeit.

In beiden Fällen wird kein Aufwand angesprochen.

Nun muss noch unterschieden werden, wie sich Forderungen, Verbindlichkeiten und Rückstellungen zusammensetzen. Diese sind immer in der Bilanz auszuweisen. Die Einbuchung einer Forderung, Verbindlichkeit oder Rückstellung hängt immer mit einem Ertrag (Forderungen) und einem Aufwand bei den Verbindlichkeiten und Rückstellungen zusammen.

 

Deine Schlussfolgerung:
Sollte ich aber etwas NICHT bilanzieren dann wird doch immer ein Aufwand dafür gebucht oder? .... 

ist nicht ganz korrekt.

Denn, um einen Aufwand buchen zu können muss ich immer über die Bilanz gehen. Entweder über die Zahlung (Kasse oder Bank) oder über die Verbindlichkeit (Darlehen).

Hoffe ich konnte helfen. 

Kommentar von idontknowwww ,

Vielen vielen Dank du hast mir sehr geholfen mein Kopf war kurz vorm platzen :D jetzt ist mir alles viel klarer

Nur noch eine letzte Frage: Forschungskosten dürfen ja nicht aktiviert werden aber es muss laut Internet ein Aufwand (unter GuV "8.sonstige betriebliche Aufwendungen") für diese gebucht werden. Ich weiß nun, dass das eine Ausnahme ist. Aber was ist das Gegenkonto für die Aufwandsbuchung?

Grüße

Kommentar von 007Alkl ,

Hallo,

Nicht zu aktivierende Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen sind bei Anwendung des 

Gesamtkostenverfahren

s (§ 275 II HGB) ihrem Charakter entsprechend als Materialaufwand, Personalaufwand,

 

Abschreibungen

 

oder sonstige betriebliche

 

Aufwendungen

 

auszuweisen. 

Forschungskosten stellen handels- und steuerrechtlich zwingend Aufwand bzw. sofort abzugsfähige Betriebsausgaben dar, die Buchung würde daher lauten:

Aufwand an Bank oder Kasse 

Der Aufwand entsteht ja erst bei Zahlung, also ist Dein Gegenkonto das Zahlungskonto.

Gruß

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