Frage von Fragen9899, 47

Kann mir jemand das target Problem erklären?

Das Targetproblem besteht doch darin, dass zum Beispiel Griechenland deutsche Waren mit selbstgedrucktem Geld bezahlt und damit eine Schuldnerposition gegenüber der EZB einnimmt und die deutsche Bundesbank bezahlt das deutsche Unternehmen einfach mit frischem Geld und hat Forderungen gegenüber der EZB. Wo ist aber dann das Problem, wenn doch das deutsche unternehmen sein Geld am Ende trotzdem erhält ?! Danke im Voraus, jede Antwort bekommt eine positive Bewertung

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von berkersheim, 18

In manchen Kneipen oder Tante Emma Läden war und ist es möglich, etwas zu kaufen und auf einer Tafel anschreiben zu lassen. Die Tafel war eine Kreditform - meist ohne Zins - und der Händler war der Kreditgeber. Auch die Target-Salden sind eine Kredittafel, nur dass z.B. ein Grieche einkauft und die Bundesbank die Auszahlung an den Exporteur übernimmt. Die Bundesbank hat jetzt innerhalb des europäischen Zentralbankensystems eine Forderung an die griechische Zentralbank. D.h. nicht mehr der Exporteur schreibt an, ist der Kreditgeber, der bekommt ja sein Geld. Das Risiko, ob die Tafel wieder gelöscht wird, der Kredit (zu sehr niedrigen Zinsen) wieder zurückgezahlt wird, liegt jetzt nicht mehr beim Exporteur. Der ist fein raus. Das Risiko liegt letztlich beim deutschen Steuerzahler, falls die Kredite nicht zurückgezahlt werden. Es ist eine andere Form der Garantien. In Griechenland wird auf Schuldenbasis gekauft, und Deutschland haftet dafür, falls Griechenland die Schulden nicht begleichen kann.

Da es sich hier nicht um 5 EURO handelt sondern bei den Target-Salden (je nach Bewertung) um über 500 Milliarden EURO, ist das schon ein Problem. Der Deutsche Staat ist verschuldet und zur Finanzierung z.B. der Renten in 10 Jahren erinnert sich ein künftiger Kanzler daran, dass die Bundesbank ja noch Forderungen über die Targetsalden hat. Die stehen fein säuberlich erfasst in den Saldenlisten der Computer. Doch wenn sie eingetrieben werden sollen und die Griechen uns nur noch leere Taschen zeigen, erweist sich, dass unser aus Verkäufen von Waren stammenden Guthaben eine Nullnummer sind. Die Waren sind verbraucht, als wären sie geschenkt und die Gegenforderungen sind nicht mehr einzutreiben. Das ist die für unsere Regierung typische Verschiebung der Schulden auf die nächsten Generationen. Wenn die Schulden nicht mehr eintreibbar sind - und das ist fast sicher - sind die Forderungen auf den Targetsalden ein Selbstbetrug. Wir schreiben uns etwas gut, was wir nie bekommen werden. Wir sind letztlich die modernen Sklaven Europas: Wir arbeiten für Luftnummern, die wir als Illusion vor uns herschieben, bis irgendjemandem in Zukunft klar wird, dass da keine Guthaben existieren, jedenfall nur auf dem Papier, wofür man sich nichts mehr kaufen kann.

Kommentar von Fragen9899 ,

Hervorragende Antwort! Danke!

Antwort
von FrageSchlumpf, 5

Ergänzung zur Antwort von Berkersheim , die im Grund richtig ist.

1. Export funktioniert nur auf Schuldenbasis ( das hatten wir schon bei etlichen deiner Fragen ). Es kann keinen - lebensrettenden, ohne Export sind wir alle sofort tot - Export geben, ohne dass irgendwo irgendwer irgendeinen "Saldo" aufschreibt. Ob das nun beim Exporteur selber, seinem Staat, seiner Zentralbank oder einem anderen Wirtschaftssubjekt ist, bleibt erst mal irrelevant.

2. "Griechenland" kauft keine Waren, sondern griechische Wirtschaftssubjekte und die "drucken" das Geld nicht selber.

Antwort
von wikinger66, 26

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