Kann mir jemand bei einer Erbschaftsangelegenheit helfen?

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9 Antworten

Das wird vor Gericht ein heißer Ritt, mit vielen zu lösenden Problemen.

Wenn die gute Tante nämlich 1995 das Testament gleich vorgelegt hätte, wäre ja auch sofort der/oder die Pflichtteil(e) fällig geworden. Sie hätte also 50 % des Werte in Geld auszahlen müssen.

Nun sind 20 Jahre vergangen. Die vermuteten Erben haben Aufwendungen für das Hausgrundstück gemacht. ggf. etwas verbessert usw.

Wenn die testamentarische Erbin bisher darin gewohnt hat, hätte sie ja ausserdem in der Zeit andere Kosten tragen müssen.

Das ist ein Ding, da kann man einen langen Prozess erwarten.

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Kommentar von salmankhanfan
13.01.2016, 11:43

Ja, es heißt, dass nun der Pflichtteil verrechnet wäre. Der Wert von Haus und Grundstück von 1992 wurde jetzt ermittelt (kurz nach der Wende hatte ja nichts einen Wert) und sogar das Kontogeld meiner Mutter, das mein Vater bekam (mit unser aller Einverständnis) zählt mit ins Erbe zur Verrechnung.

Ausserdem soll ich die entstanden Kosten mit tragen, die nun durch Gericht und Gutachter entstanden sind. Das hat meine Tante so gewollt und nicht ich. Es ging 20 Jahre gut und wäre nun auch nicht nötig das Testament ins spiel zu bringen.

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Kann ich was machen, weil das "Testament" nicht gleich vorgelegt wurde?

Nein. Es ist nicht ungewöhnlich, das Testamente spät aufgefunden und eingereicht werden. Das Nachlassgericht muss sich daran halten und richtigerweise damit unwirksame frühere Erbscheine einziehen.

Unberechtigterweise ausgekehrtes Erbe ist an die Alleinerbin zurückzuzahlen; bei Immobilienbesitz besteht Anspruch auf ein ein Nutzungsentgelt (Miete zu ortsüblichen Konditionen). Davon darfst du bezahlte Lasten des Grundstücks (Schornsteinfeger, Versicherungsbeiträge, ...) abziehen.

Du kannst als gesetzl. Erbin i. S. d. § 1924 I BGB mit neuer Kenntnis der geänderten Erbeinsetzung noch 3 Jahre lang einen zu deiner Erbquote hälftigen Pflichtteilsanspruch in Geld gegen die Tante stellen und mit ihren berechtigten Forderungen verrechnen.

Dein Widersprüch beseitigt kein wirksames Testament. Dass es formgerecht und wirksam, nicht unglücklich formuliert die Tante als Alleinerbin einsetzte, daran hat das NLG ja keinen Zweifel. Die GV am AG hat damit eher nichts zu tun, wie sollte sie?

Das da etwas faul sein soll, müsstest du beweisen können oder solltest dich mit strafbewehrten Verleumdungen zurückhalten.

Einen Anfechtungsgrund vermag ich nicht zu erkennen, nur weil deine Mutter drei Jahre vor ihrem Ableben ihre Erbfolge zu deinen Ungunsten neu regelte.

G imager761

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taufgetauchten  "unglücklich formulierten" Testaments. Wenn das ausreichenden Anlass zu Zweifeln gibt, wird der Fachanwalt Ihnen vermutlich raten, den Eiinziehungsbeschluss für den (wohl Ihnen erteilten) Erbschein mit der Beschwerde anzufechten, so dass letztlich das Oberlandesgericht die Entscheidung trifft.

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Eine Gerichtsvollzieherin hat keinerlei Einfluss auf das Gericht und schon gar nicht auf eine sachgebietsfremde Abteilung wie die Nachlaßabteilung. Von Befangenheit des Gerichts kannst du folglich nicht ausgehen. Kaum ein Beamter ist bereit, seine berufliche Karriere zu riskieren.

Wenn du glaubst, dass etwas faul an der Sache ist, dann lege Widerspruch ein. Das Gericht entscheidet nach Akten- und Beweislage. Wenn du nur Vermutungen vortragen kannst, ohne irgendwelche Beweise zu haben, wird es schwierig.

Am besten ist es, du konsultierst einen Rechtsanwalt. Er kann die Sachlage besser beurteilen als wir Laien im Internet. Insbesondere, weil du ihm alle Unterlagen vorlegen wirst, die wir gar nicht kennen.

Viel Glück!

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Kann ich was machen, weil das "Testament" nicht gleich vorgelegt wurde?

Zunächstmal ist das das Testament erst spät gefunden wurde von Nachteil für den eigentlichen Erben. Er hat nämlich nur einen Anspruch auf Herausgabe des noch vorhandenen Nachlasses,  bzw. dessen Surrogate. Bis zu den Zeitpunkt in den der Scheinerbe erfährt, das er nicht Erbe ist, gilt grob gesagt, was weg ist ist weg.

bei Immobilienbesitz besteht Anspruch auf ein ein Nutzungsentgelt (Miete zu ortsüblichen Konditionen).

Das gilt nach §818 Abs 3 BGB und §2021 BGB eben nur insoweit als das noch eine Bereicherung vorliegt, z.B. weil das Haus vermietet wurde und die Miete ( oder Surrogate ) noch vorhanden ist. 

Da ist was faul, aber das Gericht hat das "Testament" anerkannt und will die Erbscheine einziehen.

Das Gericht ordnet in der Regel zunächstmal eine einstweilige Einziehung des Erbscheins an. Dabei wird nicht genau geprüft.

Für eine endgültige Entscheidung kommt es darauf an, ob sie das Testament in Zweifel ziehen oder nicht. Die Beweislast für die Echtheit des Testaments liegt bei den der sich auf das Testament beruft.

Ja, es heißt, dass nun der Pflichtteil verrechnet wäre. Der
Wert von Haus und Grundstück von 1992 wurde jetzt ermittelt (kurz nach
der Wende hatte ja nichts einen Wert) und sogar das Kontogeld meiner
Mutter, das mein Vater bekam (mit unser aller Einverständnis) zählt mit
ins Erbe zur Verrechnung.

Der Pflichtteil bemießt sich nach den Wert des Nachlasses zum Todeszeitpunkt.

Ausserdem soll ich die entstanden Kosten mit tragen, die nun durch
Gericht und Gutachter entstanden sind. Das hat meine Tante so gewollt
und nicht ich. 

Für eine Kostentragungspflicht gibt es keinen Grund.

Es ging 20 Jahre gut und wäre nun auch nicht nötig das
Testament ins spiel zu bringen.

Ein Testament ist zwingend sobald es gefunden wurde, unverzüglich beim Nachlassgericht abzugeben. Wenn der im Testament eingesetzte Erbe das Testament so nicht mag, kann er die Erbschaft ausschlagen.

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Nein, das Testament verliert seine Rechtsgültigkeit nicht dadurch, dass es nicht vorgelegt wird.

"Befangenheit" wird nicht in Frage kommen. Niemand im Gericht hat eine besondere Beziehung zu deiner Tante nehme ich an.

Es nützt auch nichts, wenn jemand als Gerichtsvollzieherin arbeitet, wie sollte sie Einfluss nehmen?

Ich fürchte, da ist nichts zu machen. Testamente haben Vorrang vor allem anderen in ihrer Wirksamkeit.

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Interessant wäre ja mal die Begründung für die etwas verspätete (hust) Vorlegung des Testaments.

Machen kann man was.. aber dafür solltest Du Dir einen Anwalt nehmen.

Alleine als Laie wirds s.auschwer, wenn nicht gar unmöglich.

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Nimm dir eine Anwalt der sich mit Erbschaftsrecht auskennt.

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Kommentar von salmankhanfan
13.01.2016, 11:31

Da wäre das nächste Problem. Es ist nicht einfach einen Anwalt für Erbrecht zu finden. Die meisten machen das nebenbei. Hatte da schon Probleme beim Tot meines Vaters.

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ist klar, bei solchen Fragen wird hier im Forum nach Rat gefragt ....

wie wäre es mit einem Rechtsanwalt, der auf Erbschaftsangelegenheiten spezialisiert ist (und NUR solch einen nehmen!!! alles andere ist rausgeschmissenes Geld!!)

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Kommentar von salmankhanfan
13.01.2016, 11:34

Das weiß ich. Wie kann ich schnell solch einen spezialisierten Anwalt finden? Ich hatte das schon mal, dass meine Frage mit ja beantwortet wurde und sich dann raus stellte, dass es nur nebenbei war.

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