Frage von DoubleSF, 87

Kann mir jemand in Philosophie helfen? Wie ist eine Aufgabe zu verstehen, die Position von Thomas Hobbes zu beurteilen?

Was ist mit der letzten Aufgabe gemeint? Soll ich sagen, ob Thomas Hobbes jetzt ein guter oder schlechter Mensch ist, oder erläutern, ob der Mensch selbst nun letzendlich gut oder schlecht ist? Ich verstehe die Aufgabe inhaltlich nicht .. Danke im vorraus

LG

Antwort
von berkersheim, 14

Frage an Dich: Bist Du so, wie Hobbes angeblich die Menschen beschreibt? Willst Du Dich rücksichtslos des Eigentums anderer bemächtigen? Bist Du bereit, andere kaltblütig aus dem Weg zu räumen, um sich ihrer Frau oder Geliebten gewaltsam zu bemächtigen? Nutzt Du andere aus und lässt sie Arbeiten machen, um Dir hinterher die Früchte der Arbeit zum eigenen Ruhm anzueignen? Natürlich gibt es in jeder Gesellschaft solche Menschen, sonst bräuchten wir keine Gerichte und Gefängnisse. Aber ist die Mehrheit so?

Wenn man sich etwas damit beschäftigt, aus welcher historischen Erfahrung Hobbes schreibt, wird klar, dass man diese Ausführungen von Hobbes nicht so einfach verallgemeinern darf. Hobbes war keineswegs der Meinung, dass der Mensch von Natur aus böse ist. Wie könnte er sonst auf die Idee kommen, von Naturgesetzen wie Gerechtigkeit, Mäßigkeit, Billigkeit und Erbarmen zu schreiben? Hobbes beschreibt, dass Menschen zu beidem, Gutem wie Bösem fähig sind und dass es gesellschaftliche Vorgänge sind, die mitprägen, wie wir uns verhalten. Denn nach Hobbes steht kein Mensch für sich allein.

Hobbes ist geboren, als unter Elisabeth I. die spanische Armada auf England losgesegelt ist und unter dieser Königin nach dem großen Sieg das Land in Blüte und guter Ordnung stand. Dann folgte der englische Bürger- und Religionskrieg. Die öffentliche Ordnung zerfiel. Es bildeten sich Parteiungen und einer fiel über den anderen her. Es war in England eine so schreckliche, mörderische Zeit wie in Deutschland der 30jährige Krieg. Hobbes suchte einen Ausweg aus dieser schrecklichen Situation und war der Meinung, dass die Menschen, die sich nach Frieden sehnen, wieder zusammenschließen sollten und in einem neuen Gesellschaftsabkommen Gesetze beschließen sollten, die dem allgemeinen moralischen Verfall ein Ende setzen sollten. Hobbes beschreibt also nicht den Menschen als solches, sondern seine konkret historische Erfahrung.

Expertenantwort
von Albrecht, Community-Experte für Philosophie, 13

Bei Aufgabe 5 ist gemeint, den Standpunkt zu beurteilen, den Thomas Hobbes in der Textstelle vertritt. Darum, ob Thomas Hobbes  ein guter oder schlechter Mensch gewesen ist, geht es in der Aufgabe nicht.

Thomas Hobbes vertritt in dem Textausschnitt aus seinem Werk »Leviathan« eine Auffassung über die Natur des Menschen und den Zustand der Menschen in einer bestimmten Lage (Naturzustand eines Krieges aller gegen alle) und eine bestimmte Konsequenz (Folgerung), nämlich worin der einzige gangbare Weg zu Schutz, Frieden und Sicherheit besteht.

In Aufgabe 5 wird eine eigene Stellungnahme zu Thesen und Argumentation von Thomas Hobbes verlangt. Dies soll mit einer Bezugnahme auf sich selbst geschehen, anhand der Frage „Bin ich selbst gut/böse“. Im Hobbes-Text gibt es beschreibende Aussagen zur allgemeinen Natur des Menschen. Eine allgemeine Aussage über den Menchen beansprucht Geltung für die einzelnen Menschen. Wenn die Thesen von Hobbes richtig sind, treffen sie auch auf einen selbst zu. Wie ist nun die eigene Meinung dazu: Kann ich mich in der Darstellung von Hobbes, wie der Mensch ist, wiederfinden oder meine ich, (in einem mehr oder weniger großem Ausmaß anders zu sein?

Wenn ich zu dem Ergebnis komme, anders als zu sein als von Hobbes dargestellt, bedeutet dies, die Auffassung von Thomas Hobbes (vor allem zu der Frage, ob der Mensch gut oder schlecht ist) für falsch oder zumindest teilweise falsch zu halten. Dessen Thesen werden dann zumindest teilweise abgelehnt. Es gibt zu ihnen höchstens eingeschränkte Zustimmung.

Durch Ungenauigkeit gibt es eine gewisse Irreführung: Thomas Hobbes wird die Hauptthese „Der Mensch ist von Natur aus böse“ zugeschrieben. Damit wird aber seine Auffassung nicht genau wiedergegeben.

Thomas Hobbes vertritt in Wirklichkeit die Auffassung  einer von Natur aus gegebenen Anlage des Menschen zum Böse/Schlechten. Er meint aber nicht, alle seien immer tatsächlich böse/schlecht.

Allerdings baut er seine Staatskonstruktion darauf auf, mit einem solchen
Verhalten rechnen zu müssen.

Thomas Hobbes beginnt bei den einzelnen Individuen. Er stellt eine egoistische Nutzenmaximierung als wesentlich dar. Das Streben nach Selbsterhaltung schließt nach seiner Auffassung die Bereitschaft ein, alle zur
Verwirklichung dieses Ziels erforderlichen oder förderlichen Mittel zu erhalten
und anzuwenden. Thomas Hobbes erklärt das menschliche Handeln insgesamt durch ein bindungsloses (keiner normativer Einschränkung unterliegendes) Eigentinteresse (es kann soziale Regungen einschließen, muß es aber nicht). Alle wünschen ihr Wohlergehen und haben die gleichen Leidenschaften.

Selbsterhaltung und das Eigeninteresse spielen in seiner politischen
Philosophie eine grundlegende Rolle. Natürliche Gesetz dienen diesen Zielen,
weil damit Konflikte mit schädlichen Folgen vermeiden werden können. Ohne
staatliche Ordnung befinden sich Menschen in einem Naturzustand. Konkurrenz (competition), Mißtrauen (diffidence) und Ruhmsucht (glory) prägen das Verhalten. Diese Konfliktursachen veranlassen Menschen zu Übergriffen um eines Vorteils wegen, zum Erreichen von Sicherheit und zur Erhöhung des eigenen Ansehens.

Leidenschaften, Gier und rationale Vorsorge lassen dabei aggressives
Verhalten nach der Überzeugung vom Thomas Hobbes erforderlich werden. Die Menschen müssen um ihr Leben fürchten, wünschen aber persönliche Sicherheit. Alle sind aus Gründen der Selbsterhaltung genötigt, Gewalt und List, die Raubsucht wilder Tiere, zu Hilfe zu nehmen. Es herrscht Krieg aller gegen alle (bellum omnium in omnes).

Der Mensch kann gierig nach Beute sein und für Vorteile andere vernichten.
Dies ist bedrohlich. Menschen belauern sich im Naturzustand, als ob sie sie
einander jederzeit zerfleischen würden (Hobbes meint nicht, sie täten dies
tatsächlich immerzu). Menschen sind deswegen schon aus Mißtrauen genötigt, sich so zu verhalten, als ob die anderen aggressiv und ungerecht wären.

Der von Thomas Hobbes vorgeschlagene Weg, dieser Lage zu entkommen, ist ein Gesellschaftsvertrag mit Gründung eines Staates. Die Staatsgewalt dabei wird an einen Souverän (einen einzelnen Menschen oder eine
Versammlung von Menschen) übertragen. Durch diese Ermächtigung bekommt er ihre gesammelte Macht und Stärke. Durch Schrecken (seine Macht ist furchteinflößend) kann er, so ist der Gedanke, Menschen von aggressiven Übergriffen abbringen.

Antwort
von ChengLee, 21

Wie gut, dass ich das nicht mehr schriftlich gewählt habe. Ich würde aber auch das das sagen, dass die Aufgabe nach Anforderungsbereich III bearbeitet werden muss.

Antwort
von hussel2000, 2

Man kann hier mit Hobbes' Position beginnen: Ja, von Natur aus ist der Mensch böse, weil... Begründung am Text.
Und dann dagegen argumentieren: Nein, denn... zum Beispiel gibt es einen guten Einwandt von Rousseau: Der Mensch kennt im Naturzustand noch keine Begrifflichkeiten wie gut oder böse, er kennt nur Instinkte und Überlenswillen (Überlebenswillen lässt sich auch bei Hobbes finden; es ist grob gesagt, die Ursache für den Zustand "Jeder gegen jeden"):
Doch kann man Überlebenswillen jemandem vorwerfen? Ich denke nicht, er befindet sich außerhalb eines moralischen Konzepts, so ist die Annahme, der Mensch sei böse, wenn er um mangelnde Güter konkurriert zu eindimensional, man nicht sagen, es sei böse (oder gut). Er handelt nicht ethischen Konzepten entgegen, sondern will überleben, daran ist nichts böses, es sind die Umstände, die ihn zu dem machen, was er ist.

Antwort
von fitnesshase, 26

Ich denke du sollst deine Meinung schreiben! Thomas Hobbes sagt "der Mensch ist von Natur aus böse" nun stellst du dir selber die Frage ob du gut/böse bist und beurteilst die These von Hobbes

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