Frage von Gotenks455, 68

Kann mir einer bitte diesen Bibelvers näher erläutern?

Einfach mal erklären, was genau dieser meint mit "was euch auf Erden bindet"

,,Wahrlich, ich sage euch, was ihr auf Erden binden werdet, das wird im Himmel gebunden sein, und was ihr auf Erden lösen werdet, das wird im Himmel gelöst sein." (Matthäus 18,18)

Antwort
von Wurzelstock, 11

Es ist wenig ergiebig, diesen Vers aus den Evangelien in seiner Bedeutung erfassen zu wollen, als vielmehr in seinen Folgen für die Geschichte. Der immer wieder aufflammende Streit um die Binde- und Lösegewalt entzündete sich nie an der Frage, was vernünftig ist oder nicht, sondern wie weit die Legitimation einer Gerichtsbarkeit reicht, die hier durch ein sogenanntes Herrenwort - also das Wort des Religionsstifters Jesus - etabliert wird.

Hierzu trägt der Bibelgelehrten Robert Young, den Sturmwolke fett zitiert, den aber kein Mensch kennt, nichts bei. Außerdem kann dieser Bibelgelehrte offenbar kein Griechisch: Der Text stützt seine Glaubensüberzeugung nicht.

So bezweifelte z.B. im Investiturstreit der deutsche König und römischer Kaiser Heinrich IV nicht die Binde- und Lösegewalt des Papstes als solche an, sondern seine Legitimation als Papst. Der Papst konterte mit mit einem Rausschmiss. Der König kroch zu Kreuze, um sein Leben und sein Reich zu retten, das am Rande eines Bürgerkrieges stand. ('Bürgerkrieg' kann in diesem Fall aber nur ein analoger Begriff sein)

Rund 500 Jahre später, in der Reformation, ging es u. a. wieder um die gleiche Frage. Diesmal kam es zu 'Bürgerkriegen'. Der längste dauerte verheerende 30 Jahre.

Der Streit um die Binde- und Lösegewalt führte aber auch schon in den frühen
Gemeinden des antiken Christentums zu heillosen Zersplitterungen. Das
war ein maßgeblicher Faktor, aus dem sich das Papsttum als zentrale
Vermittlerinstanz entwickelte. Diese Aufgabe versucht es bis heute
wahrzunehmen - mit wechselndem Geschick und Erfolg, aber nie in dieser
Rolle einmütig anerkannt.


Antwort
von JTKirk2000, 20

Das steht auch in etwa in Matthäus 16,19. Warum sollte man es näher erläutern, wo es doch klar genug geschrieben ist? Erst wenn man es interpretiert, wird es unklarer.

Es steht dort nicht, was Euch auf Erden bindet, sondern was ihr auf Erden bindet. Das ist ein maßgeblicher Unterschied.

Antwort
von Sturmwolke, 24

*** w91 15. 3. S. 5 Sündenbekenntnis — Nach Menschenweise oder wie Gott es wünscht? ***

„Alles, was ihr auf Erden bindet“

Jesus wiederholte das, was er zu Petrus gesagt hatte, später gegenüber anderen Jüngern: „Wahrlich, ich sage euch: Alles, was ihr auf Erden bindet, das wird im Himmel gebunden sein, und alles, was ihr auf Erden löset, das wird im Himmel gelöst sein“ (Matthäus 18:18, JB).

Welche Autorität übertrug Christus hier den Jüngern? Aus dem Kontext geht hervor, daß er über die Beilegung von Schwierigkeiten zwischen einzelnen Gläubigen sprach sowie über die Reinigung der Versammlung von reuelosen Übeltätern (Matthäus 18:15-17).

Bei einer schwerwiegenden Verletzung des Gesetzes Gottes müssen die Verantwortlichen in der Versammlung die Dinge beurteilen und entscheiden, ob ein Übeltäter „gebunden“ (als schuldig betrachtet) oder „gelöst“ (freigesprochen) werden sollte. Bedeutet das, daß sich der Himmel nach der Entscheidung von Menschen richtet? Keineswegs.

Wie der Bibelgelehrte Robert Young zeigt, würde jede Entscheidung, die die Jünger träfen, der Entscheidung des Himmels folgen, nicht ihr vorausgehen. Seiner Ansicht nach müßte Vers 18 buchstäblich wie folgt wiedergegeben werden: Was ihr auf Erden bindet, „das wird im Himmel [bereits] gebunden sein“.

Die Auffassung, unvollkommene Menschen könnten Entscheidungen treffen, die für den Himmel bindend seien, ist wirklich nicht vernünftig. Weitaus logischer ist die Erklärung, daß die eingesetzten Vertreter Christi seinen Anweisungen folgen, um seine Versammlung rein zu erhalten. Sie tun dies dadurch, daß sie sich, wenn sie eine Entscheidung treffen, auf Grundsätze stützen, die bereits im Himmel festgelegt wurden. Jesus selbst wird sie dabei leiten (Matthäus 18:20).

Antwort
von Netie, 11

Ich gehe davon aus, dass du die vorhergehenden Vers auch kennst und gut verstehst.

Wenn alles nichts geholfen hat, muss der Bruder der gesündigt hat wie ein Heide betrachtet werden, mit dem man kein gemeinsames Teil mehr hat.

Kommt er zur Einsicht über seine Sünden wird er wieder gelöst sein.

Das ist auch in Übereinstimmung mit Gottes Gedanken. (im Himmel gebunden, gelöst)

Binden=hinaustun (wie ein Heide)

Lösen=aufnehmen in die Gemeinschaft

Antwort
von Wurzelstock, 22

Nein. Sie wurde und wird im Christentum unterschiedlich gedeutet und gewertet. Es gibt mehrere diesbezügliche Stellen in der Bibel. In der Geschichte des Mittelalters spielte sie, zusammen mit den anderen Textstellen, ein wichtige, manchmal verheerende Rolle.

Am besten mal eine Nacht lang den Begriff "Binde- und Lösegewalt" googlen und schmökern.

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