Frage von Valle888, 101

Kann mich wer anzeigen wenn ich ihn zeichne?

Hi,

Bin Student in Hamburg und hab heute in der Stadt im Kaffee eine Person neben mir gezeichnet. Das ganze hat Ca 2 min gedauert dann hab ich etwas anderes gezeichnet. Etwas später kam die Person zu mir und frage mich woher ich mir das recht nehme sie zu zeichnen den es sei wie ein Foto machen. Ich soll froh sein das sie mich nicht anzeigt.
Hat jemand die Rechte am Bild wenn ich ihn aus dem echten Leben zeichne? ( wenn ich ein anderes Kunstwerk abzeichne ist es klar)

Antwort
von lillian92, 37

Meines Wissens nicht. Wir haben das im Kunstunterricht ständig getan, sind deshalb auch oft stundenlang in die Stadt, Leute zu zeichnen.

Eine Zeichnung fällt meines Wissens unter den Kunstbegriff und wenn du das Portrait einer Person zeichnest, ist das deine Schöpfung und nicht die Schöpfung der Person und damit dein Urheberrecht und (geistiges) Eigentum.

Allerdings kann sich eine gezeichnete Person schon mal kurzzeitig beobachtet und gestalkt fühlen. Meine Reaktion auf soetwas wäre dann wahrscheinlich "Möchten Sie das Bild haben?", da sich die meisten meiner Erfahrung nach über soetwas irre freuen. Ich bin aber auch noch niemanden begegnet, der nicht gezeichnet werden möchte… (die, mit denen ich so in Kontakt gekommen bin, waren ganz heiß drauf).

Antwort
von howelljenkins, 32

das recht am eigenen bild gilt nicht nur fuer fotografien:

Erkennbarkeit

Mit Bildnis ist hierbei nicht nur eine Fotografie oder Filmaufnahme, sondern jede erkennbare Wiedergabe einer Person gemeint, also auch Zeichnungen, Karikaturen, Fotomontagen, Cartoons, sogar der Auftritt eines Doppelgängers kann dazu zählen.[3] Allerdings fallen künstlerische Abbildungen, die veröffentlicht werden, nicht nur unter das Kunsturhebergesetz, sondern auch unter Art. 5 Abs. 3 Grundgesetz, welcher die Kunstfreiheit gewährleistet (siehe auch Mephisto-Entscheidung).

Die Einwilligung zur Veröffentlichung ist aber nur dann erforderlich, wenn der Abgebildete individuell erkennbar ist.[3] Die Erkennbarkeit kann sich auch aus begleitenden Umständen ergeben.[3] Selbst die in Presseveröffentlichungen übliche Anonymisierung durchAugenbalken beseitigen diese Erkennbarkeit nicht unbedingt.[4] Ist eine Person durch den Kontext eindeutig identifizierbar, kann sie sich gegen die Veröffentlichung wehren, auch wenn ihre Gesichtszüge gar nicht gezeigt werden. Die Erkennbarkeit einer Person entfällt auch dann nicht, weil diese sich altersbedingt verändert hat. Eines Beweises, dass die Person tatsächlich erkannt wird, bedarf es nicht.[5]

Dazu führte das Landgericht Frankfurt am Main in einem Urteil vom 19. Januar 2006[6] aus:

„Unter Bildnissen im Sinne des § 22 KUG versteht man die Darstellung einer natürlichen Person in einer für Dritte erkennbaren Weise. Zumeist ergibt sich die Erkennbarkeit aus der Abbildung der Gesichtszüge. Es genügt aber auch, wenn der Abgebildete – mag auch sein Gesicht kaum oder gar nicht zu erkennen sein – durch Merkmale, die sich aus dem Bild ergeben und die gerade ihm eigen sind, erkennbar ist oder seine Person durch den beigegebenen Text oder durch den Zusammenhang mit früheren Veröffentlichungen erkannt werden kann (vgl. BGH NJW 1979, 2205 – Fußballtorwart; Prinz/Peters, Medienrecht, Rz. 827). Nicht notwendig ist, dass der Abgebildete tatsächlich von bestimmten Personen erkannt wurde. Das Recht am eigenen Bild ist bereits dann verletzt, wenn der Abgebildete begründeten Anlass zu der Befürchtung hat, er könnte identifiziert werden. Nicht erforderlich ist, dass schon der flüchtige Betrachter den Abgebildeten auf dem Bild erkennen kann, es genügt die Erkennbarkeit durch einen mehr oder minder großen Bekanntenkreis (vgl. BGH NJW 1979, 2205 – Fußballtorwart; v. Strobl-Alberg in: Wenzel, Das Recht der Wort- und Bildberichterstattung, 5. Aufl., Kap. 7 Rz. 15). Entscheidend ist der Zweck des § 22 KUG, die Persönlichkeit davor zu schützen, gegen ihren Willen in Gestalt der Abbildung für andere verfügbar zu werden. Der besondere Rang des Anspruchs darauf, dass die Öffentlichkeit die Eigensphäre der Persönlichkeit und ihr Bedürfnis nach Anonymität respektiert, verlangt eine Einbeziehung auch solcher Fallgestaltungen in den Schutz dieser Vorschrift (vgl. Peters/Prinz, a.a.O.).“

wikipedia

Kommentar von DerBastian90 ,

Das ist ja alles ganz nett, bezieht sich aber NICHT auf die Frage des Fragestellers. Er darf zeichnen, wen er will. Von Veröffentlichung war ja nie die Rede!

Kommentar von howelljenkins ,

frage war "hat jemand rechte am bild" ...

Antwort
von juergen63225, 52

du darfst auch Fotos machen, auf denen Personen zu erkennen sind. 

nur veröffentlichen "verbreiten" darf man nicht, wenn die Person nicht nur Beiwerk ist ,, also Bilder von öffentlichen Plätzen mit hunderten Passanten, da kann nicht jeder der zu erkennen ist hingehen, und Rechte am eigenen Bild anmelden.

Was anderes wäre es nur wenn man Personen in peinlichen Situationen oder in der Privatsphäre fotografiert .. dafür gibt es einen Strafrechtsparagrafen, (§201a StGB) aber ein normales Bild oder Foto in der Öffentlichkeit, das ist kein Fall für Polizei und Strafrecht, sondern das ist Zivilrecht, wenn du es veröffentlichst oder verkaufst, kann die Person Geld einklagen oder Unterlassung fordern.

Antwort
von Kickflip99, 32

Ob Zeichnung oder Foto ist kein Unterschied für § 22 KUG. Allerdings ist lediglich die Veröffentlichung / Verbreitung verboten, nicht die bloße Aufnahme / Zeichnung.

Antwort
von CATFonts, 27

Hast du vor, die Zeichnung zu veröffentlichen, oder zeigt sie den betroffenen in irgend einer sehr privaten oder peinlichen Situation? Wenn beides verneint werden kann, kann der dich kaum daran hindern, ihn zu zeichnen.

Generell ist es aber schon ein kompliziertes Thema. Lies mal das hier: http://anwalt-im-netz.de/urheberrecht/recht-am-eigenen-bild.html

Antwort
von DocShamac, 24

Das Recht am eigenen Bild, Text siehe §22 KuG, bedeutet eigentlich: Das Recht darüber zu bestimmen, was mit Fotografien ( daher auch: Fotorecht) oder anderen bildlichen Darstellungen der eigenen Person in der Öffentlichkeit (Verbreitung oder Zurschaustellung) geschieht.

Im Allgemeinen hat der Abgebildete also das Recht, bildliche Darstellungen seiner Person zu unterbinden.

Aber im Rahmen der Kunstfreiheit:

Schließlich gibt es noch die Vorschrift des §23 Abs. 1 Nr. 4 KUG: Wenn ein höheres Interesse der Kunst vorliegt, dürfen Bilder oder Bildnisse auch ohne die Einwilligung der Betroffenen in eben diesem "höheren" Interesse zur Schau gestellt oder verbreitet werden, es sei denn, der oder die Betroffene hätte die Bilder bestellt (Auftragsarbeit).

Ob nun dieses höhere Interesse der Kunst vorliegt oder nicht, hängt vom konkreten Einzelfall ab und kann ich nicht beurteilen. Du kannst aber darüber argumentieren.

Die Übertragbarkeit halte ich für gegeben, denn in dem Artikel steht auch:

Mit dem Abbild ist jede bildliche Darstellung gemeint, also die Wiedergabe des äußeren Erscheinungsbildes einer Person. Das kann eine Fotografie, eine Zeichnung, eine Karikatur, eine Grafik, ein Scherenschnitt der Figur sein, kurz: Alles, was einen Menschen in seiner äußeren Erscheinung darstellt.

Quelle:

http://anwalt-im-netz.de/urheberrecht/recht-am-eigenen-bild.html

Kommentar von 969669 ,

Das ist falsch! Das Recht am eigenen Bild kann einem nicht untersagen jemanden oder etwas zu malen, nur das veröffentlichen ohne dessen Zustimmung wäre strafbar!

Kommentar von DocShamac ,

Ich habe "bildliche Darstellungen" etwas unpräzise formuliert. Gemeint ist: "Präsentationen bildlicher Darstellungen"

Dass auch ein Foto in der Schublade schon eine "Darstellung" ist, habe ich bei der gewählten Formulierung nicht berücksichtigt. Ich meinte mit "Darstellung" die "Zurschaustellung".

Antwort
von mriduun, 59

Nein, niemand kann dich anzeigen. Ein Kaffee ist ein öffentlicher Platz und an öffentlichen Plätzen darfst du auch mit der Kamera andere Leute fotografieren, daher ist es auch erlaubt sie zu zeichnen.

Kommentar von DerBastian90 ,

Auch an öffentlichen Plätzen darf er mit der Kamera keine Leute fotografieren! Aber malen darf er, was er will.

Kommentar von mriduun ,

Klar darf er mit der Kamera Leute an öffentlichen Plätzen fotografieren. Sonst gäbe es auf dieser Welt ja überhaupt keine Foto's von Sehenswürdigkeiten, etc.

Kommentar von DerBastian90 ,

Er darf die öffentlichen Plätze fotografieren. Aber keine spezielle Person.

Kommentar von TheGrow ,

Es ist durchaus zulässig eine andere Person gegen ihren Willen zu fotografieren oder zu zeichnen.

Es besteht auch kein Löschungsanspruch, wenn die abgebildete Person in einer alltäglichen Situation in der Öffentlichkeit fotografiert  wurde, obwohl sie dem nicht zugestimmt hat.

Ein Löschungsanspruch besteht nur in ganz speziellen Fällen. So kann zum Beispiel nach einer Trennung der Ex-Partner verlangen, dass Nacktaufnahmen gelöscht werden, da hier ein ganz spezielles berechtigtes Interesse der abgebildeten nackten Person an der Löschung überwiegt.

Dieser Löschungsanspruch besteht aber nicht bei "normalen" Bildern die ein alltägliches Alltagsgeschehen zeigen

Expertenantwort
von DerHans, Community-Experte für Recht, 37

Du hast das "Recht am eigenen Bild" verletzt. Der Abgebildete kann verlangen, dass du es ihm aushändigst, oder auf der Stelle vernichtest.

Das hat auch nichts mit künstlerischer Freiheit zu tun. Dafür kannst du dir Leute ausdenken, die es in der Wirklichkeit gar nicht gibt

Kommentar von Bitterkraut ,

Lies mal bitte das zughörige Gesetz, von wegen "Recht am eigenen Bild"....

Kommentar von TheGrow ,

Es nervt allmählich.

Wieder eine Antwort zu einem rechtlichen Thema von "DerHans" und wieder einmal entbehrt die Antwort jeglicher Rechtsgrundlage.

Die abgebildete Person kann weder die Herausgabe, noch die Vernichtung der Zeichnung verlangen.

Es ist durchaus zulässig eine andere Person gegen ihren Willen zu fotografieren oder zu zeichnen.

Ein Löschungsanspruch besteht nur in ganz speziellen Fällen. So kann zum Beispiel nach einer Trennung der Ex-Partner verlangen, dass Nacktaufnahmen gelöscht werden, da hier ein ganz spezielles berechtigtes Interesse der abgebildeten nackten Person an der Löschung überwiegt.

Dieser Löschungsanspruch besteht aber nicht bei "normalen" Bildern die ein alltägliches Alltagsgeschehen zeigen.

Kommentar von Ratirat ,

Volle Zustimmung, TheGrow! Seit Jahren postet er hier regelmäßig völlig verqueren Müll, und weil viele ihn nicht als solchen erkennen, schmückt er sich sogar mit dem Attribut "Experte"... 

Kommentar von furbo ,

Interessante Ansicht. Kannst du sie mit Gesetzen unterlegen?

Kommentar von justizfreund ,

Das kann er bei dem Tatbestand ganz bestimmt nicht verlangen:
Der Abgebildete kann verlangen, dass du es ihm aushändigst, oder auf der Stelle vernichtest.

Aus dem Grund, weil er das Urheberrecht an dem Bild hat.

Antwort
von DerBastian90, 29

Du darfst zeichnen, wen du willst. Das ist dein Bild und nur du hast ein Recht daran. Eine Zeichnung ist eben KEIN Foto, egal wie gut sie ist. Deshalb werden ja auch Gerichtszeichner bei den Verhandlungen zugelassen, wenn keine Fotos gemacht werden dürfen.

Antwort
von nettermensch, 33

Keine Ahnung. aber die Person könnte tatsächlich die Polizei rufen, du hättest da vorher um Erlaubnis fragen müssen.

Kommentar von DerBastian90 ,

Quatsch.

Kommentar von nettermensch ,

was ist quatsch.

Kommentar von DerBastian90 ,

Man nennt es Kunstfreiheit und er kann zeichnen wen oder was er will.

Kommentar von nettermensch ,

und wenn ich trotzdem nicht will

Antwort
von Kleckerfrau, 39

Ich glaube schon. Ob nun Foto oder gezeichnet.

Expertenantwort
von furbo, Community-Experte für Recht, 15

Die Anfertigung einer Zeichnung ist nicht verboten, es gibt kein grundsätzliches Abmalverbot in Deutschland.

Anders wäre es, wenn das Bild veröffentlicht werden soll. Grundsätzlich sind auch Gemälde von erkennbaren Personen Abbildungen i.S. des § 22 KUG. Eine Veröffentlichung ist damit nur unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt.

Da du aber nur gezeichnet hast, ist nichts dagegen zu sagen. 

Antwort
von DietmarDreist, 35

Nein, niemand kann dich anzeigen weil du ein Bild von ihm malst.
Wenn du zum Beispiel einen Steckbrief aushängst und die Person, die du sehr naturgetreu gezeichnet hast verleumdest, kann das nochmal anders aussehen. 
Aber prinzipiell kannst du jeden zeichnen. 

Antwort
von LeroyJenkins87, 49

Ich bin mir nicht sicher. Aber bei Fotos ist es ja so, dass wenn jemand deutlich zu erkennen ist und nicht nur ein Beiwerk, dann ist es ohne Zustimmung nicht erlaubt.

Bei einer Zeichnung stellt sich eben die Frage, ob man die Person richtig erkennen kann oder nicht.

Kommentar von lillian92 ,

Bei einem 2 Minuten Portrait dürfte das wohl eher eine Studie als ein richtig erkennbares Gesicht sein. In 2 Minuten ist das wirklich sehr schwierig hinzubekommen.

Kommentar von LeroyJenkins87 ,

Dann denke ich, kann dir nichts passieren. Aber eben, das ist nur meine Meinung.

Kommentar von Bitterkraut ,

Aber bei Fotos ist es ja so, dass wenn jemand deutlich zu erkennen ist und nicht nur ein Beiwerk, dann ist es ohne Zustimmung nicht erlaubt.

Das stimmt nicht. Nur das Veröffentlichen ist nicht erlaubt.

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