Frage von AlexielRose, 118

Kann mein Hund (17 Wochen alt) das alles noch rechtzeitig lernen, bevor die Prägephase vorbei ist?

Hallo,

ich habe einen Welpen aus dem Tierheim adoptiert. Er ist 17 Wochen alt und damit schon fast ein Junghund. Er bellt nicht, ist aufgeschlossen gegenüber Menschen und Hunden, fürchtet sich nicht vor lauten Geräuschen, hält beim Getragenwerden (Treppen) brav still, frisst gut, ist nicht grob zu den Katzen, jagdt nicht, spielt sehr gern, kann im Kofferraum mitfahren oder auch mal zuhause eine Weile alleine bleiben, bettelt nicht, kann auch schon schön mit und ohne Leine laufen und so weiter. Aber er muss noch viel lernen:

  • zuverlässig stubenrein zu werden (manchmal passiert noch eine Pipipanne, weil er aufgeregt war, aber meist hält er durch, bis wir draußen sind - bemerkbar macht er sich leider vorher nicht)
  • nicht in die Hände, Kleidung oder sein Geschirr zu zwicken, besonders beim Spielen oder kämmen
  • nicht auf Fremde zustürmen zu wollen vor Freude
  • "Platz", "Steh", "Hier", "Bleib" und "Aus" ( "Sitz", "Komm", "Nein", Pfui" und Pfote geben kann er)

Nun mache ich mir Sorgen, ob ich ihm das alles noch rechtzeitig beibringen kann, bevor seine Prägephase vorbei ist. Meint ihr, das geht noch? Und ich wäre gern mit ihm zu einer Welpenschule gegangen, aber auch dafür schient er mir schon fast zu alt, aber ich weiß nicht, ob er für eine Junghundschule schon genug gelernt hat? Habt ihr Tipps?

Expertenantwort
von dsupper, Community-Experte für Hund, 42

Hallo,

Prägephase und Erziehung sind zwei unterschiedliche "Dinge".

Neben der Erziehung und dem Lernen, das ohnehin meist ein ganzes Leben anhält, muss du jetzt nur dafür sorgen, dass dein Hund im richtigen Maße mit anderen Hunden umgehen kann, Außenreize kennenlernt, viele Alltagssituationen, Autofahren etc. DAS gehört zur Prägephase, auch die enge Beziehung zum Menschen.

Und selbst diese Dinge können auch erwachsene und ältere Hunde noch lernen - es dauert häufig nur länger, weil sie mit mehr Ängsten an solche Situationen herangehen, wenn sie sie nicht frühzeitig gelernt haben. Aber mit Geduld und Einfühlungsvermögen auch später immer noch erlernbar.

Und die Erziehung und das Erlernen von all den von dir aufgezählten Dingen zieht sich doch ohnehin über das erste Lebensjahr hinaus - muss in und nach der Pubertät des Hundes wieder gefestigt werden, neue Dinge kommen hinzu, denn auch deine Lebenssituation wird sich sicher in den kommenden Jahren mal ändern. Auch dann muss der Hund lernen ...

Mit viel Zeit, ständiger Konsequenz, noch mehr Geduld und noch mehr Liebe bringt man jedem Hund alles bei - sie lernen gerne und freuen sich über die Beschäftigung mit ihnen und über Lob.

Auch für den Besuch der Hundeschule ist es sicher nicht zu spät - eher im Gegenteil. Die Welpenspielstunden sind meiner Ansicht nach ohnehin eher nicht empfehlenswert - aber die Hundeschule ist wichtig. Und die kann man immer beginnen, sobald der Hund erst einmal "angekommen" ist und eine erste Beziehung zum Menschen aufgebaut hat.

Viel Erfolg euch beiden

Daniela

Kommentar von windhund2014 ,

Kontakt mit anderen hunden ist in jedem Alter wichtig und gerade die Welpenstunden sind durch nichts zu ersetzen.

Den Rest brauchst du vor allem Geduld, Liebe aber auch Konsequenz.Ob man Hundeschule oder allgemein auf einen Uebungsplatz geht, ist nicht so wichtig.

Ganz wichtig ist das Herrchen und Hund gemeinsam lernen. die meisten Probleme enstehen durch Fehler des Besitzers.

Wichtig ist auch der staendige Kontakt mit anderen Tieren.

Der Hund ist grundsaetzlich ein liebes Gruppentier das natuerlich Beschaeftigung und seinen festen Platz in seiner Gruppe braucht.

Kommentar von dsupper ,

Wenn du mit "Welpenstunden" die Welpenspielstunden meinst, die vielfach angeboten werden, dann sind diese sehr kritisch zu betrachten.

Wenn recht unkontrolliert jede Menge Welpen verschiedenen Alters, verschiedener Größe und verschiedenen Temperaments rumtoben dürfen, dann bergen diese Spielstunden meist mehr negatives Potential als positives.

Antwort
von dogmama, 44

ob ich ihm das alles noch rechtzeitig beibringen kann, bevor seine Prägephase vorbei ist. Meint ihr, das geht noch? 

das hat nichts mit der Prägephase zu tun. Hunde können bis ins hohe Alter lernfähig sein.

also kannst und solltest Du Dich getrost auch einer Welpenspielgruppe anschließen! Der Kontakt und das spielen mit Artgenossen ist sehr wichtig!

Antwort
von Manja1707, 46

Also deine Ängste sind vollkommen unbegründet. Ich habe meinen Hund erst mit 20 Wochen über den Tierschutz bekommen.

Und sie (ist eine Hündin) hat das alles gelernt. Das dauert natürlich eine Zeit. Du hast ihn ja grade erst bekommen. Das ein junger Hund beim Spielen in die Hände zwickt ist vollkommen normal. Du musst ihm dabei lernen, dass er immer rechtzeitig aufhört, dadurch lernt er gleich die Beißsperre. Auch Befehle wie "Sitz" und "Platz" usw. lernen die Hunde sehr schnell, wenn man regelmäßig mit ihnen trainiert. Ich habe jeden Tag mehrmals geübt und und unsere Hündin hat immer sehr schnell kapiert, was ich jeweils von ihr wollte. Für ein Leckerchen als Belohnung hat sie mit Begeisterung mitgemacht. Es gibt sehr viele gute Bücher, in denen Übungen beschrieben sind, mit denen du deinem Hund diese Befehle beibringen kannst, wo genau beschrieben ist, wie man da vorgehen soll.

So wie du deinen Hund beschreibst ist er sehr ausgeglichen und eh schon sehr brav. Dass mal ein Lackerl passieren kann ist auch ganz normal. Du solltest deinen Hund deswegen auf keinen Fall schlagen oder bestrafen.

Generell durch Lob und Belohnung lernen Hunde normalerweise sehr gerne und das ist auch der richtige Weg.

Kommentar von AlexielRose ,

Danke schön, das ist sehr beruhigend! Und nee, der kleine Manu wird natürlich nie geschlagen. Zwickt er z.B. beim Spiel, sage ich halt theatralisch "Au!" und unterbreche das Spiel eine Weile, bis er wieder lieb ist ^-^

Kommentar von Manja1707 ,

Ja, das machst du genau richtig.!

Expertenantwort
von YarlungTsangpo, Community-Experte für Hund, 8

Hallo AlexilRose,

Einen Hund kann man sein gesamtes Leben lang Sozialisieren.

Es gibt zwar Zeitfenster in welchen Hundewelpen ganz besonders offen sind für Sozialisierung an Umwelt und Sozialpartner, früher dann Prägephasen genannt, doch bedeutet das nicht gleich automatisch, daß der Hundehalter verkrampft seinen Welpen mit Umweltreizen überfluten muß.

http://www.easy-dogs.net/home/blog/training/claudia_matten/sozialisierung_bei_we...

Lese Dir alles zum Thema Sozialisieren im Link genau durch. Auch die anderen Teile.

So wie Du Deinen Hundewelpen auf der Stufe zum Junghund beschreibst hast Du im Bezug auf Nutzung der Zeitfenster einen ungeschliffenen Rohdiamanten erhalten!

Die weitere Sozialisierung, die ja lebenslang geht, sowie auch die weitere Erziehung an die Erfordernisse in Deiner Umwelt ist nun Deine Aufgabe.

Dazu musst Du nun lernen, artgerecht mit Deinem Hund umzugehen und ihm artgerecht das Hunde 1 x 1 beibringen.

Die Stubenreinheit, also wo bei Dir die Hundetoilette ist, beizubringen liest Du Dir am Besten im Schnelldurchlauf an. Sofort das Gelesene - umsetzen.

Buchtipp: Kleine Geschäftskunde - So wird ihr Hund stubenrein (Patricia B. Mc Connell, Karen B. London)

Die Grunderziehung, also das nicht in die Hand zwicken, die absolute Beisshemmung an menschlicher Haut, das Sitzen, Ablegen, herkommen, stehen bleiben und das hergeben von gefundenen Giftködern lernt Dein Hund von Dir. Das hergeben von gefundenen Dingen sollte in einem Tauschgeschäft gelernt werden. So kann man sicher gehen, daß ein Hund etwas heiß begehrtes nicht einfach hinunter schluckt sondern bringt - weil er gegen noch besseres tauschen will.

Buchtipp: Die Hundegrundschule - Ein sechs Wochen Lernprogramm (Patricia. B. Mc Connell)

Mit dem Hund auf Du - Zum Verständnis seines Wesens und Verhaltens (Eberhardt Trumler) trotz etwas altmodischer Meinung immer noch das Beste zu Verständnis von Hundeverhalten.

Wenn Du das gelesen hast und mit Verständnis für Deinen Hund umsetzen kannst und darüber hinaus noch weiter hinzulernen willst. Dann suchst Du Dir und Deinem Hund eine gute Hundeschule. Diese findet man unter IBH-hundeschulen und Deiner Postleitzahl auf jeder Internet Suche.

Wünsche Dir mit Deinem neuen Lebensgefährten Hund viel Glück und eine tolle Kameradschaft!

Antwort
von Virgilia, 33

Meine ehemaligen Straßenhunde, die nichts kannten, waren zwischen ca. 2 und 4 - 5 Jahren alt, als ich sie bekommen habe. Und sie haben das alles problemlos gelernt. Hunde lernen ihr Leben lang. Natürlich muss dein Hund noch viel lernen, aber du darfst ihn dabei nicht überfordern. Ob der Hund noch in die Welpengruppe passt oder in die Junghundegruppe gehört, wird man dir in der Hundeschule sagen.

Am schnellsten stubenrein bekommst du ihn, wenn du ihn wie einen 12 Wochen alten Welpen behandelst und die Abstände zwischen den Runden langsam verlängerst. 

Allerdings darf man Welpen/Junghunde nicht alleine lassen, bis sie ca. 6 Monate alt sind! Erst dann fängt man an es ihnen in Minutenschritten beizubringen. 

Antwort
von azmd108, 49

Selbstverständlich. Erziehung ist eine lebenslange Aufgabe.

Darum: Vor allem Kommandos wie sitz etc sind zunächst absolut unwichtig. Ein Welpe sollte zunächst erst einmal vernünftig sozialisiert werden. Er sollte soviel neues wie möglich kennenlernen. Allerdings sollte man es auch nicht übertreiben, sondern sich hier eher langsam steigern.

Ebenfalls solltest du an Themen wie Frustrationstoleranz, Beißhemmung, Stubenreinheit und - das aller wichtigste meiner Meinung nach - Ruhe halten arbeiten. Denn all das können Hunde noch nicht und müssen sie natürlich auch erst lernen. Vor allem das Thema auch einfach nur mal ruhig da zu liegen, ohne direkt bei jeder Bewegung hibbelig zu werden, ist eine wichtige Lektion.

Kommandos stehen erst einmal weiter hinten auf der Liste und haben zunächst keine Priorität.

Du könntest den Hund auch schon langsam ans alleine sein herranführen, das, so wie alles in der Hundeerziehung, muss allerdings behutsam erfolgen - ein Welpe hat ähnlich wie ein Baby noch gar nicht so eine Hohe Auffassungsgabe - das heißt, man überfordert sie schnell. Sie haben schon genug damit zu tun, sich erst einmal an die vielen neuen Geräusche und Gerüche zu gewöhnen, den Hund dann noch zusätzlich mit harten und langen Lerneinheiten zu überfordern, macht nur wenig Sinn.


Kauf dir ein gutes Buch zum Thema Welpenerziehung und geht am besten in die Hundeschule.

Kommentar von AlexielRose ,

Danke, ja, an all diesen Themen arbeite ich auch schon behutsam mit ihm. Alleine bleiben klappt super (natürlich lasse ich ihn aber nicht ewig lange alleine), zur Ruhe kommt er sogar ohne Training immer gut. Passiert nichts in der Wohnung, spielt er allein oder schlummert einfach ein bisschen. Bei der Beißhemmung ist noch einiges an Lernarbeit zu tun, die Stubenreinheit ist so bei..hm....75 % würde ich sagen :D

Kommentar von Bitterkraut ,

Literaturtipp: "Welpen" von Clarissa von Reihardt aus dem www.animal-learn-verlag.de

Kommentar von windhund2014 ,

als anscheinend neuer Hundehalter solltest Du nicht in diversen buechern lesen, sondern Dir einen guten Trainer suchen , und den staendigen Kontakt mit anderen.

Der Welpe beist nicht, er knabbert wie ein kind alles an. spielerisch kann man daraufhin arbeiten, das er gar nicht mehr knabbert.

ich habe meine immer darauf Trainiert beim spielen auch die Arme zu greifen, sie lernen sehr gut wie stark sie fassen duerfen. Sie unterscheiden schnell ob sie mit mir oder z.B.mit Kindern oder meinen Enkeln spielen.

Antwort
von uwe4830, 18

hallo,

natürlich lernt dein Hund auch noch nach der Prägephase und behält auch diese beigebrachten Dinge. Überlege doch mal ein Hund der für spezielle Dinge ausgebildet wird durchläuft eine mehrjährige Ausbildung. Step bei Step und viel Geduld. Wichtig ist, dass du ihn beschäftigst, denn nur so ist er ausgeglichen. 

L.G. uwe4830 

Antwort
von Liberty66, 8

Herzlichen Glückwunsch zu Eurem Musterknaben. Mit den beschriebenen Eigenschaften habt Ihr doch schon die Hälte der "Miete". Keine Sorge, Hunde können bis ins hohe Alter lernen, es kommt eher darauf an, wie Ihr ihm etwas vermittelt und wie Ihr den Hund erzieht.

Das heißt, es ist an Euch, konsequent das Zwicken zu unterbinden, indem Ihr deutlich "Nein" sagt und das Spiel oder was Ihr gerade macht, sofort abbrecht und beendet. Oder Ihr geht dann einfach auch weg von ihm. Den Hund ignorieren ist ein eindeutiges Zeichen für ihn, dass für Euch etwas nicht so schön war.

Genauso wichtig ist es, an der richtigen Stelle zu loben und nicht alles als selbstverständlich hinzunehmen, was gut läuft. Auch alltägliches gutes Benehmen sollte zumindest verbal gelobt werden. Mit Aufgaben und LOB für erwünschtes Verhalten kann man seinen Hund sehr gut erziehen.

Wenn Besuch kommt, sollte der Hund entweder auf seinem (festen) Platz bleiben, bis er gerufen wird oder zumindest im Hintergrund bleiben. Wenn er nicht mit Leckerchen lernt, auf Platz zu gehen und zu bleiben, kann man ihn auch vorübergehend dort anleinen, wenn Besuch kommt. Auch, wenn er Euch begrüßt, sollte er lernen, sich hinzusetzen und nicht an Euch hochzuspringen. Wenn er dazu neigt, bei Aufregung zu pieseln, dann solltet Ihr seine Aufregung nicht durch Euer eigenes Verhalten noch fördern, sondern ruhig bleiben und den Hund erst einmal ignorieren und "runterkommen" lassen ehe Ihr ihn auch begrüßt.

Auch außerhalb der vier Wände solltet Ihr eine souveräne Position einnehmen und über den Weg, das Spiel und das Tempo entscheiden. Der Hund sollte sich an Euch und Euren Verhalten orientieren und nicht umgekehrt. Wichtig ist, dass er Euch vertraut und Ihr eine gute Bindung durch viele gemeinsame Unternehmungen schafft. Viel Erfolg.

Antwort
von Milkamila, 10

also ich muss sagen, dein hund erinnert mich ziemlich an meine mimmi.

sie ist eine jack-russel hündin und ähnlich wie deine/r. ich habe eben eine frage gestellt. guck doch mal rein!

Antwort
von auchmama, 45

Für die Hundeschule ist es nie zu spät und Dein Hund lernt sein ganzes Leben lang!

Es kommt einzig und allein auf Dich und Deine Geduld drauf an! 

Alles Gute für Euch

Antwort
von Arashi01, 32

Ein Hund lernt lebenslang! Natürlich kann er all das noch lernen. Aber lass Dir Zeit, eins nach dem anderen.

Meine Milli ist aus einer Tötungsstation in Moskau, sie kam ca 5Jährig zu uns.

Sie lernte bei uns noch : Leinenführigkeit, Fuß ohne Leine, Herkommen, Bleib, Männchen, "Fangs" (Leckerli aus der Luft fangen), SitUp  (Auf einen Baumstubben hochspringen und Sitzen), Sitz, Platz, Bleib..

Lernen ist Supereasy. Allerdings Vergessen geht manchmal schwer. So hat sie wohl gelernt, dass manche Menschen und Hunde gefährlich sind. Da kann sie dann immer noch austicken. Obwohl auch dies schon viel besser geworden ist.

Schön, dass Du einem Tierheimhund eine Chance gibst.

Antwort
von Mariposa68, 35

Die Prägephase hat überhaut nichts mit der Erziehung zu tun.
Erziehung dauert ein ganzes Hundeleben lang.

Antwort
von Woob777, 10

Einem Hund kann man immer was beibringen egal wie alt

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