Frage von antara1, 70

Kann mein Ex-Vermieter ohne Nachweise nach meinem Auszug einfach einen alten Ofen austauschen lassen und ich muss das bezahlen?

Ich hatte vor Kurzem ein altes Haus gemietet. Ein paar Wochen vor meinem Auszug hatte ich durch einen alten Ölofen im Haus einen Rauchschaden, da ich den Deckel des Ofens nicht richtig geschlossen geschlossen hatte. Der Ofen hat aber weiterhin ganz normal funktioniert. Meine Haftpflichtversicherung hat die Renovierungskosten übernommen. Zusätzlich haben meine Ex-Vermieter jetzt die Kostenübernahme für einen neuen Ofen, Installation und fachgerechte Entsorgung des Alt-Ofens eingefordert. Diese Kosten übernimmt meine Versicherung nicht. Meinem Anwalt wurde als Nachweis nur ein Überweisungsformular über die entstandenen Kosten vorgelegt, die sie an den Handwerker bezahlt haben (im übrigen ein Fliesenleger, der immer für meine Ex-Vermieter gearbeitet hat). Mein Anwalt hat mir gesagt, dass dieser Nachweis reicht und ich die Kosten übernehmen muss. Es gibt keinen Beweis, dass der Ofen überhaupt kaputt war, noch nicht einmal eine Quittung über den neuen Ofen. Der alte Ofen wurde ohne Nachweis angeblich schon fachgerecht entsorgt. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass ich ohne weitere Nachweise diese Kosten übernehmen muss. Hat jemand vielleicht Erfahrung mit ähnlichen Fällen?

Expertenantwort
von albatros, Community-Experte für Mietrecht, 14

Den entstandenen Schaden infolge des Bedienungsfehlers hat die V. ersetzt. Warum nun deshalb der Ofen plötzlich beschädigt sein soll ist nicht nachvollziehbar. Der V. will hier auf Kosten des Mieters einen alten Ofen ersetzen. Ganz davon abgesehen, dass dem Alter des Ofens entsprechend ein angemessener Anteil abgeschrieben und niemals der Neuwert zu erstatten ist, wird der Mieter hier ohne nachgewiesene Kosten in Zugzwang gesetzt. Ich sehe keinen rechtlich zulässigen Grund der Forderung des Vermieters zu folgen. Das Überweisungsformular ist kein Beleg, dass die Leistung erbracht wurde und mit welchen Kosten. Das ganze kann ein faules Ei sein. Zuerst muss mal die Originalrechnung des Handwerkers (eines Fliesenlegers!!!) vorgelegt werden. Dass der alte Ofen schnellstens entsorgt wurde macht das Ganze noch verdächtiger.

Welcher Zeitabstand liegt/lag zwischen Wohnungsrückgabe und Forderung zur Bezahlung des angeblichen Schadens? Wenn mehr als 6 Monate, wäre der Anspruch des V. sowieso verjährt.

Antwort
von imager761, 27

Warum vertraust du deinem Anwalt nicht? Natürlich bist du dem VM für den Ersatz einer Beschädigung der Mietsache verpflichtet.

Und selbstverständlich darf er Aufwendungen über Eigenbeleg geltend machen, meint, sich oder seinem Fliesenleger einen angemessenen Stundenlohn für Eigenleistung ausstellen.

Wenn er durch Zeugenaussagen glaubhaft vorträgt, der Ofen wäre durch dein Verschulden (wirtschaftlich) irreparabel beschädigt worden, schuldest du Ersatz zum Zeitwert. Meint, der VM muss sich alt gegen neu anrechnen lassen, die Differenz trägt er selbst. Natürlich zahlt deinen Privathaftpflicht nicht mehr als den entstandenen Schaden.

So man Anschaffungskosten, Alter sowie Abschreibungsdauer des alten Ofens wüsste, kann man die Rechnung gekürzt überweisen, andernfalls wohl einer Klage mit ungewissem Ausgang entgegensehen.

G imager761

Kommentar von antara1 ,

Natürlich muss ich die Kosten übernehmen, wenn dass alles so stimmt. Aber komplett ohne Belege? Er müsste doch zumindest als Hauseigentümer eine Quittung über den neuen Ofen vorlegen können. Er ist auch nicht berechtigt, sich im Schadensfall einfach einen viel besseren Ofen einbauen zu lassen. Auch das müsste doch irgendwie nachweisbar sein. Das das einfach so geht, ohne irgendetwas nachweisen zu müssen, ist für mich einfach nicht vorstellbar.

Kommentar von DerHans ,

Wenn die Haftpflichtversicherung den Zeitwert des Ofens reguliert hat, hat der Vermieter keine weiteren Forderungen zu stellen.

Hier leistet der Versicherer dann passiven Rechtsschutz.

Kommentar von antara1 ,

Die Haftpflicht hat nur die Renovierungskosten übernommen. Die Kosten für den Ofen werden gar nicht übernommen, das ist laut deren Aussage nicht mit in den versicherten Leistungen. D.h., dass ich diese Kosten komplett übernehmen soll.

Kommentar von DerHans ,

Das ist Quatsch. 

Wenn du die Mietsache beschädigst, ist dieser Mietsachschaden auch gedeckt.

Antwort
von floppydisk, 34

ohne nachweis über notwendigkeit sowie eine kostenübersicht, die ins detail aufgeschlüsselt ist, würde ich definitiv nichts zahlen.

das ist einfach eine billige masche, kostengünstig zu renovieren und zwar auf vormieterkosten.

Kommentar von antara1 ,

Das Gefühl habe ich nämlich auch. Die Versicherung hat für die Renovierung nur den Zeitwert übernommen und die Tapeten waren teilweise über 20 Jahre alt. Denke, dass denen das einfach zu wenig war.

Kommentar von floppydisk ,

geh mal zum mieterschutzbund, vorher würde ich jedes schreiben ignorieren.

Expertenantwort
von bwhoch2, Community-Experte für Mietrecht, 11

Wie DerHans schon schreibt, wenn schon Deine Versicherung im Spiel war, hat sie jetzt auch noch die Pflicht, die ungerechtfertigte Forderung abzuweisen.

Die Versicherung hat schon geprüft, was an Schaden angefallen war. Sie hat sich bestimmt auch damit befasst, ob Du den Ofen selbst beschädigt hast. Oder sie hat festgestellt, dass der Ofen vom Zeitwert her längst bei 0 war und deshalb keinen neuen bezahlt.

Wie auch immer, reiche die Forderung an Deine Versicherung weiter mit der Bitte, diese ebenfalls und ggf. unter Mithilfe eines eigenen Rechtsanwalts abzuwehren. Darauf hast Du Anspruch, wenn Du die Prämie pünktlich und voll bezahlt hast.

Antwort
von DerHans, 28

Wenn du durch Unachtsamkeit den Ofen beschädigt hast, ist das Sache deiner privaten Haftpflichtversicherung. Du schreibst doch, dass sie den Schaden reguliert hat.

Wenn dein Vermieter also weitere Forderungen an dich stellt, wird dein Haftpflichtversicherung gegen diese ungerechtfertigte Forderung verteidigen.

Kommentar von antara1 ,

Nur die Renovierungskosten werden übernommen (Tapeten etc.). Der Ofen gehört zur Hausinstallation und wird nicht übernommen.

Kommentar von DerHans ,

Dann leistet die Haftpflichtversicherung aber passiven Rechtsschutz gegen unberechtigte Forderungen.

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