Frage von Wassertank123, 113

Kann mein Arbeitgeber die Kündigung unter bestimmten Umständen verweigern oder ablehnen?

Guten Abend,

ich habe flüchtig mal die Beiträge gelesen, aber bisher nichts dazu gefunden, daher sorry, sollte es diese Frage bereits geben.

Es geht nicht um mich, sondern um eine gute Freundin. Sie möchte ihr bestehendes Arbeitsverhältnis aus privaten und beruflichen Gründen ordnungsgemäß kündigen. Eine neue Stelle hat sie bereits zu 90% sicher. Natürlich wird sie erst dann wirklich kündigen, wenn sie beim neuen Arbeitgeber unterschrieben hat.

Die Frage ist allerdings, ob der Arbeitgeber die Kündigung ablehnen kann, denn derzeit ist sie dort als einzige Fachkraft beschäftigt und eine neue ist bislang nicht in Sicht. dies ist zwar nicht der ausschlaggebende Grund für die Kündigung, aber doch ein bedeutender, denn sie arbeitet seit geraumer Zeit mehr als 10 Stunden täglich, bekommt keinen Urlaub und wenn dann immer nur halbe Tage. Die Chefs wussten früh genug von der personellen Veränderung, haben sich aber nicht darum geschert. Nun hat sie mit ein bisschen Glück die Chance da endlich raus zu kommen und möchte die Chance auch nutzen.

Kündigungen bedürfen zwar keiner beidseitigen Willenserklärungen, aber hier ist der Fall ja etwas "komplizierter"

Kann mir jemand helfen?

Antwort
von Amtsschimmel25, 55

Ich kann mich den anderen nur anschließen. Die Kündigung würde ich per Einschreiben mit Rückschein zustellen lassen. Es reicht der Nachweis des Zugangs der Kündigung in den "Machtbereich" des Arbeitgebers aus. Selbst wenn er den Brief nicht öffnet und liest, wird die Kündigung wirksam.

Weiterhin sehe ich hier genügend Anhaltpunkte, die eine fristlose Kündigung seitens des AN rechtfertigen und möglich machen, da der AG seine Arbeitgeberpflichten nicht nachkommt. Er verletzt zum einen die Regelungen des Arbeitszeitgesetzes und damit verstößt er gegen seine Fürsorgepflicht gegenüber dem AN und zum Anderen gegen das Bundesurlaubsgesetz, da Urlaub nicht halbtägig zu gewähren ist.

Ich würde fristlos Kündigen und hilfsweise fristgerecht und mir im Zweifel einen RA nehmen.

Kommentar von Wassertank123 ,

gure Idee aber auch wieder mit kosten verbunden :S

Kommentar von Amtsschimmel25 ,

gerade nicht. Es gibt viele Anwälte die sowohl im zwischenmenschlichen Bereich, als auch im fachlichen Bereich Versager sind. Ich habe täglich mit Juristen zu tun und ich sage dir, manchmal frage ich mich, wie die auch nur das erste Examen schaffen konnten. Denen sind teilweise juristische Grundbegriffe nicht geläufig. Daher einfach nicht einschüchtern lassen, nur weil der Chef Jurist ist.

Antwort
von Bomberos911, 48

Im Prinzip kannst du als Arbeitnehmer immer kündigen. Im Gegensatz zum Arbeitgeber muss man als Arbeitnehmer keine Gründe dafür nennen. Man muss nur die Kündigungsfrist einhalten.

Auf Seite der Vorgesetzten sehe ich da ganz klar einen Verstoß gegen Gesetze, z.B.:

Arbeitszeitgesetz (ArbZG): § 3 Arbeitszeit der Arbeitnehmer
Die werktägliche Arbeitszeit der Arbeitnehmer darf acht Stunden nicht überschreiten. Sie kann auf bis zu zehn Stunden nur verlängert werden, wenn innerhalb von sechs Kalendermonaten oder innerhalb von 24 Wochen im Durchschnitt acht Stunden werktäglich nicht überschritten werden.

Und halbe Urlaubstage sind keine richtigen Urlaubstage, weil da der Erhohlungszweck nicht erreicht wird.

Hat deine Freundin die Situation bei ihren Vorgesetzten schon mal angesprochen? Eventuell könnte sie sogar fristlos kündigen, wenn ihr Arbeitgeber (=Vertragspartner) wichtige arbeitsvertragliche Pflichten vernachlässigt. Da bin ich mir aber nicht sicher...

Kommentar von Wassertank123 ,

Ganz zu Anfang hatte sie mal um ein Gespräch gebeten. Darauf wurde ihr eine Gehaltserhöhung angeboten, die sie angenommen hat. Wegen der Zeiten wurde aber nichts gesagt bzw dass sie natürlich flexibel Termine wahrnehmen könne, aber bereits bei der ersten Gelegenheit wo sie einen halben Tag frei haben wollte, würde dies abgelehnt 

Antwort
von Allexandra0809, 48

Der Fall ist keineswegs kompliziert. Hier wird einfach vom Arbeitnehmer die Kündigung fristgerecht dem Arbeitgeber übergeben und dazu noch der Urlaub gefordert. Sollte dieser nicht mehr genommen werden können, was ich mal vermute, dann muss er ausbezahlt werden.

Ablehnen kann ein Arbeitgeber zwar, aber das ist völlig unwichtig. Wer die Kündigung dem Arbeitgeber übergibt, will natürlich kündigen und bei der Arbeitsstelle aufhören.

Kommentar von Nightstick ,

Speziell in diesem Fall rate ich jedoch dazu, die Kündigung dem Arbeitgeber nachweislich (d.h. unter Hinzuziehung eines Zeugen) persönlich zu übergeben.

Hierbei ist zu beachten, dass der Zeuge Kenntnis vom Inhalt des Schriftstückes haben muss, und dass die Kündigung einer Person überreicht wird, die zur Entgegennahme von Kündigungen authorisiert ist.

Kommentar von Allexandra0809 ,

Das ist wirklich empfehlenswert. Du könntest die Kündigung dem Chef doppelt vorlegen und eine Kopie vom Chef unterschreiben lassen. Dann hast Du den Beweis, dass er sie auch bekommen hat.

Kommentar von Nightstick ,

Da genau dies allerdings oftmals (zu Recht) abgelehnt wird, würde ich die Zeugenvariante bevorzugen !!

Kommentar von Allexandra0809 ,

Die würde ich zusätzlich nehmen. Sicher ist sicher

Kommentar von Wassertank123 ,

Ich habe ihr geraten, sich eine Kopie zu machen und auf dieser dem Empfang bestätigen zu lassen. 

Kommentar von Allexandra0809 ,

Dann soll sie aber auch auf dieser Unterschrift bestehen.

Kommentar von Nightstick ,

DAS KANN SIE NICHT !!!

Dazu hat sie kein Recht, das weißt Du doch, @Allexandra0809

Kommentar von Wassertank123 ,

Das Problem an der "Zeugenvariante" ist allerdings, dass sie dort derzeit als einzige beschäftigt ist und daher zumindest keinen Kollegen hat, den sie als Zeugen benennen kann und einen Familienangehörigen mitzunehmen damit dieser das bezeugen kann, hatte ich bereits im Bekanntenkreis, wurde als Freundschaftsdienst abgetan... 

Kommentar von Nightstick ,

Das ist aus juristischer Sicht leider Unsinn!

Jede volljährige, rechts- und geschäftsfähige Person (also auch ihre Großmutter) kann diese Übergabe vor Gericht bestätigen - notfalls unter Eid!

Aber bitte - macht doch, was ihr wollt...

Antwort
von herakles3000, 40

Sie mus sich nur an ihren arbeitsvertrag halten und diese kündiegungsfrist einhalten da die chefs genug zeit hatten sich jemanden neues einzustelle ist das auch keine unzumutbare härte für die firma .

Antwort
von archibaldesel, 39

Der Fall ist überhaupt nicht kompliziert. Selbstverständlich kann sie unter Einhaltung der Kündigungsfrist kündigen. Sklaverei gibt es in Deutschland nicht.

Kommentar von Eichbaum1963 ,

Sklaverei gibt es in Deutschland nicht.

Sollte man meinen, sieht in D aber inzwischen scheinbar ganz anders aus - auch wenn immerhin mickrig bezahlt...

Schmälert aber in keinster Weise deine kurze und knackig auf den Punkt gebrachte korrekte Antwort. ;)

Antwort
von schoschi06, 29

Kündigen und Tüss, sobald der Neue Vertrag unterschrieben ist ! Mfg.

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