Frage von sleepyjack, 45

Kann man zum Buddhismus konvertieren?

Expertenantwort
von Enzylexikon, Community-Experte für Religion, 10

Ich bin Buddhist und helfe dir bei dieser Frage gerne weiter. :-)

Zunächst einmal sollte klar sein, dass es "den" Buddhismus nicht gibt - ähnlich wie im Christentum muss man also zunächst wissen, welcher Tradition man eigentlich folgen will.

Rechtliche Lage

In Deutschland ist der Buddhismus keine anerkannte Religionsgemeinschaft im Sinne einer Körperschaft des öffentlichen Rechts. Dadurch gibt es keine offizielle Bestätigung der Mitgliedschaft, wie etwa bei den großen Kirchen.

In Österreich ist dagegen der Buddhismus als Religionsgemeinschaft anerkannt.

Zufluchtnahme

Innerhalb des Buddhismus gibt es die so genannte "Zufluchtnahme", mit der man sich zu Buddha, Dharma und Sangha (erwachter Lehrer, Lehre, Gemeinschaft) bekennt und die Einhaltung der fünf Sittlichkeitsgelübde erklärt.

Dafür braucht es kein äußeres Ritual, sondern jeder, der sich intensiv genug mit dem Buddhismus befasst hat und nun den Lehren des Buddha folgen will, kann durch innere Überzeugung auf diese Weise Buddhist werden.

Es ist also eigentlich keinerlei Zeremoniell notwendig.

Zeremonie

Allerdings haben die Menschen schon seit jeher ein Bedürfnis nach Ritualen und Zeremonien, so dass sich in den verschiedenen asiatischen Ländern unterschiedliche Bräuche für einen "formellen Beitritt" entwickelt haben.

Je nachdem, um welche buddhistische Traditionslinie es sich handelt, ist der genaue Ablauf einer solchen Zeremonie unterschiedlich.

Damit verbunden ist häufig die Vergabe eines so genannten "Dharma-Namens" in der jeweiligen asiatischen Sprache, die in der jeweiligen Tradition also beispielsweise Tibetisch oder Japanisch.

Es läuft dann meist auch nicht so ab, dass man mal eben in einen Tempel geht und locker fragt, wann denn die nächste Zufluchtnahme stattfindet, sondern es ist mit einer Schulung verbunden.

Ich kann es mal anhand der Soto-Zen-Tradition schildern.

Beispiel: Soto-Zen Jukai

Im Zen-Buddhismus nutzt man dafür die Bezeichnung "Jukai" - was so viel wie das "Empfangen der Gelübde" bedeutet.

Im Soto-Zen geht der Jukai-Zeremonie eine mindestens zweijährige Übung in buddhistischer Lehre und Praxis unter Aufsicht eines Lehrers voraus.

Dann näht man unter Anleitung ein latzartiges Stück Stoff, das "Rakusu" zusammen. Es symbolisiert das Gewand des Buddha.

An der Zeremonie nimmt die Gemeinschaft teil, mit der man die Jahre zuvor gemeinsam geübt hat.

Man gelobt dann die Einhaltung der fünf Sittlichkeitsgelübde, sowie der Bodhisattva-Gelübde. Das ganze ist mit Verbeugungen usw. verbunden.

Dann erhält man vom Lehrer das Rakusu überreicht und den Dharma-Namen, so wie ein "Kechimyaku", eine Art Stammbaum, der die eigene Verbindung über den Lehrer bis hin zu Buddha Shakyamuni symbolisiert.

Jetzt gehört man auch formell einer Traditionslinie an.

Nachdem das ganze jetzt vielleicht ganz super-toll-exotisch klingt, möchte ich noch einmal ausdrücklich darauf hinweisen:

Eine solche "Ausbildung" und Zeremonie zu absolvieren ist eine freiwillige Entscheidung und stellt keinerlei besondere "Qualifikation" dar.

Tatsächlich hat man meiner Meinung nach den Sinn des Buddhismus nicht verstanden, wenn man sich etwas darauf einbildet.

Ich habe schon einige Menschen kennen gelernt, die niemals formell eine Zeremonie zur "Zufluchtnahme" absolviert haben und dennoch wirkliche Vorbilder darstellten.

Andererseits zeigt eine solche "Ausbildung" das man nicht einfach irgendein moderner New Age Hippie ist, der sich aus jeder Religion etwas zusammen sucht, sondern ein ernsthaft am Buddhismus interessiert ist

Darauf kommt es nämlich wirklich an: Sich mit dem Buddhismus ernsthaft zu befassen und buddhistische Praxis zu üben.

Irgendwelche Roben, Namen usw. sind letztlich ohne Bedeutung, wenn man keine Überzeugung hat. Dann sind das bloße Kostüme und Selbstdarstellung.

Kommentar von Enzylexikon ,

Vielleicht noch ein paar Hinweise

Der Buddhismus ist keine Wohlfühl-Religion für gestresste Westler, sondern seine Lehre und Praxis stellen einen Anspruch an den Menschen dar.

Außerdem gibt  es am Buddhismus auch Aspekte, die man möglicherweise gar nicht bedacht hat und die man überdenken sollte.

Bedenkenswerte Punkte

So ist etwa die grundlegende Lehre, dass unsere gesamte Existenz aufgrund unserer Identifikation mit Anhaftungen leidvoll ist, nicht gerade eine Grinsekatzen-Philosophie.

Da es kein Konzept eines allmächtigen Gottes, keine göttlichen Gebote, keine Seele und Sünden gibt, existiert aber beispielsweise auch keine göttliche Barmherzigkeit und Vergebung im Buddhismus.

Man ist grundsätzlich zu hundert Prozent für sein Handeln selbst verantwortlich und muss mit den Konsequenzen seines Handelns leben - es gibt also kein emotionales Trostpflaster.

Das sind Punkte, die vor lauter Begeisterung gerne mal vergessen werden.

Kritisches Denken

Außerdem sollte man den Buddhismus nicht idealisieren und als moralisch überlegene Religion präsentieren, deren Anhänger alle friedliebend sind.

Im Zweiten Weltkrieg wurde der japanische Militarismus von den großen buddhistischen Gruppen dort unterstützt. Es gab, gerade im Zen, kaum religiöse Widerstandsbestrebungen.

Auch der Rohingya-Konflikt in Myanmar ist alles andere als friedlich.

Buddhistische Lehrer sind keine Übermenschen, die auf alles eine Antwort haben und ohne jede charakterliche Fehler existieren. Sie können genau so kriminell sein, wie normale Menschen auch.

So gab es hochrangige buddhistische Lehrer mit Alkoholsucht (etwa Taisen Deshimaru) und Drogenkonsum (zB Chögyam Trungpa).

Außerdem gibt es Fälle von Sex mit Schülerinnen (Genpo Merzel) und sogar jahrzehntelangem sexuellen Missbrauch (Eido Tai Shimano).

Daneben gibt es Lehrern denen übertrieben autoritäres Verhalten, oder Islamfeindlichkeit vorgeworfen wird (Ole Nydahl).

Wenn man also Buddhist werden will, sollte man sich umfassend informieren und nicht einfach daran glauben, dort sei alles so viel besser, als zB im Christentum.

Wann immer einem gesagt wird, dies sei die "einzig wahre" Lehre, oder der Lehrer wisse wegen seiner Erleuchtung besser, "was gut für einen ist", als man selbst, sollte man die Beine in die Hand nehmen

Antwort
von SoerenRB, 8

Lieber sleepyjack,

die Antwort auf deine Frage teilt sich eigentlich in zwei Teile auf, einen formalen und einen inhaltlichen.

Erst einmal gibt es keine Beschränkungen, den Budhismus privat zu praktizieren und sich das dafür notwendige Wissen anzulesen/anzueignen. Du kannst also für dich persölich entscheiden, nach den Lehren Buddhas zu leben, ohne dass irgendein anderer Mensch darauf einfluss nehmen kann. Ein besonderes Glaubensbekenntnis ist dafür nicht erforderlich.

Der formale Teil ist für die äußere Zugehörigkeit wichtig, sofern du denn überhaupt Wert darauf legst. Zunächst einmal wäre natürlich die Frage entscheidend, ob du Mitglied einer Kirche bist. Wenn ja, wäre es natürlich irgendwie folgerichtig, da auszutreten. In den meisten Bundesländern ist dafür ein Besuch beim Standesamt nötig, falls du nicht in dein Geburtsstandesamt gehen kannst, brauchst du für den Kirchenaustritt von dort deine Geburtsurkunde bzw. eine beglaubigte Abschrift aus dem Geburtenregister.

Die nächste Frage wäre dann, ob du dich einem der buddhistischen Verbände anschließen willst. Die Deutsche Buddhistische Union ist da wohl der bedeutendste Ansprechpartner, aber es gibt auch andere Verbände und Gruppen. Am besten informierst du dich einfach mal im Internet über die verschiedenen buddhistischen Gruppen in Deutschland und überlegst dann, ob und welcher du dich anschließen möchtest. Dann am besten einfach per Mail anschreiben und nach Mitgliedschaft und Gruppen in deiner Nähe fragen. Fertig! ;)

Antwort
von grtgrt, 5

Den Staat interessiert nur, ob du dich einer Religionsgemeinschaft zuordnest, in deren Auftrag er Kirchensteuer einzuziehen hat.

Keine Religionsgemeinschaft hat das Recht, dich an sie zu binden oder dich zu zwingen, nach ihren Regeln zu leben.

Mit anderen Worten: An was du glaubst, ist dir (aus Sicht des Staates) freigestellt. 

Antwort
von Gidra, 23

Weiss nicht, ob das ein üblicher PDF-Converter kann

Spass beiseite, natürlich kannst du es tun. Informier dich am liebsten bei einem buddhistischen "Tempel", um zu erfahren, was du dazu machen musst.

Antwort
von Lumpazi77, 15

Wenn Du einen Konverter hast geht das jederzeit

Antwort
von muhamedba, 4

Buddhismus ist keine Religion, daher ist das nicht möglich.

Antwort
von nowka20, 2

natürlich kann man das.

ob es sinnvoll ist, sei dahingestellt.

Antwort
von heide2012, 11

Nein, man praktiziert ihn (nachdem man sich damit auseinandergesetzt hat) halt einfach.

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