Frage von Miirabell, 23

Kann man zu glücklich sein bzw. ist zu viel Optimismus psychisch gefährlich?

Hallo ihr Lieben

ich habe eine Frage... ich mache mir schon länger Gedanken darüber.

Kann man "zu optimistisch" bzw. "zu gut drauf" sein? Oder gibt es einen Grad, in dem es in eine Persönlichkeitsstörung umschwanken kann? Mir macht das wirklich Gedanken, weil ich schon öfter von Leuten gehört habe, dass sie das seltsam oder "nicht normal" finden.

Ich bin ein bedingungslos glücklicher Mensch, ich lache, bin unbeschwert, mache mir um wenige Dinge Sorgen. Viele Leute mögen mich sehr gerne, ich höre immer wieder, wie liebenswert man mich findet, weil ich so... positiv und gut gelaunt bin....

Eigentlich habe ich vor einem Monat meine Oma verloren. Der Gedanke ist unerträglich, weil sie wie eine zweite Mama für mich war. Ich habe seit ich in Windeln stecke, ein Zimmer mit ihr geteilt. Ich würde innerlich sterben, wenn ich die Gefühle und Gedanken dazu zulassen würde. Eine Woche später habe ich mich von meiner Freundin (nach 2 Jahren) getrennt. Da war viel mehr im Spiel als nur eine Beziehung. Wir hatten schon angefangen eine gemeinsame Zukunft aufzubauen.

Momentan bin ich eigentlich unsterblich in jemanden verliebt, bei dem ich nicht die leisesten Chancen habe, wenn ich mich da reinhängen würde, würde ich an Liesbekummer zergehen.

Irgendwie kann ich negative Gefühle nicht an mich heran lassen. Ich bin IMMER gut drauf. Wenn ich mal weine, dann so selten und nur für wenige Minuten, weil ich Angst vor Sümpfen (ihr versteht) habe....

Ist das noch normal? Mir ist irgendwo klar, dass alles, was mir passiert, in irgendeine Verdrängungsform gerät. Weil ich denke, wenn ich mich damit beschäftigen würde, würde ich zerbrechen.

Ich habe viel Dinge im Leben weggesteckt. Darunter 1 Vergewaltigung mit 10 Jahren, 3 Übergriffe, ich habe 2x versucht mir das Leben zu nehmen - aber seit 2 Jahren habe ich das Gefühl, das wäre nie Teil von meinem Leben gewesen, sondern nur eine Geschichte. Ich kann einfach keine negativen Dinge an mich heranlassen. Es ist wie eine Wand, gegen die alles Negative knallt und kaputt geht. Oder so...

Und sehr selten habe ich dann aber so Phasen, da überkommen mich die Tränen und ein unglaublich tiefer Kummer, der echt fast schon physische Schmerzen bei mir auslöst, aber ohne jeglichen Grund. Es bricht manchmal einfach aus mir heraus. Tief aus dem Inneren.

Ist das noch normal?????

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von verquert, 2

Hallo Miirabell,

"Resilenz" (Biologisch heißt es soviel, wie: Spannungskraft, Schwung, Beweglichkeit.
In der Psychologie ist zu verstehen: den Willen, sich nicht unterkriegen zu lassen)

Nun die Strategien:
1. Optimismus ("Irgendwann werde ich es trotzdem schaffen")
2. Akzeptanz ("Ok, so ist es. Es gefällt mir da teilweise gar nicht, aber es ist so.")
3. Lösungsorientiert ("Was genau wird mir helfen, da herauszukommen?")
4. Verlassen der Opferrolle ("Genug gejammert. Es ist schwer, aber ich kremple jetzt die Ärmel auf")
5.
Verantwortung übernehmen ("Ich entscheide das jetzt so und wenn's
schief geht, werde ich daraus lernen und es das nächste Mal besser
machen.")
6. Netzwerk-Orientierung ("Was ich nicht allein schaffe, das schaffen wir zusammen.")
7. Zukunftsplanung ("Die Richtung stimmt. Da geht's lang.")

- Michaela Huber-

Warum ich das schreibe?
Deine innere Widerstandsfähigkeit ist "Optimismus". Nicht in Form von "irgendwann werde ich es (trotzdem) schaffen", sondern in Form von "nichts und niemand kann mich zerstören".

Das klingt für mich schon nach innerer Verzweiflung. Auch nach Hilfslosigkeit. 

Vielleicht ist in Dir auch das Gefühl der "Akzeptanz" - es ist alles so in Ordnung, wie es ist. Aber wie viel kann ein Mensch - kannst Du tatsächlich *tragen*?

Ich nehme auch an, dass Du lösungsorientiert bist: der Optimismus hilft Dir, nicht zu verzweifeln. Nur was ist mit den Gefühlen, die auch gesehen werden wollen?

Auch "verlassen der Opferrolle"... Du steckst vielleicht nicht einmal in einer, weil Du Dich selbst verantwortlich für Dein Leben wohl fühlst. - Aber ob das so bleiben wird, wenn Du Dich unverstanden fühlst, weil Du glaubst, dass niemand *Dein Inneres Sein* nicht sehen kann/will?

Verantwortung übernehmen.... auch hier übernimmst Du wahrscheinlich Verantwortung. Aber auch hier lässt Du die Gefühle beiseite, wo Du das Gefühl hast, dass diese Dich 'zerbrechen' könnten.

Netzwerk-Orientierung.... kannst Du Unterstützung annehmen? Kannst Du auch 'Schwächen' zugeben/um Unterstützung bitten?

Und auch die Zukunftsplanung ist "offen"... also das kannst nur Du wissen, wie es für Dich ist.

...hm....

Unterdrückte Gefühle neigen dazu, den Körper mit einer Art "inneren Leere"  zu durchfluten. Das "tiefe Loch", wo das Gefühl da ist, das Nichts und Niemand zu Stillen vermag.

Wer sich unverstanden fühlt, neigt zu Rückzug. Auch dann bricht die Fassade.

[....]

was ich damit sagen mag ist: bitte achte auf Dich sehr gut.

Es mag sein, dass Du all das gut kompensieren kannst. Sich an der Gegenwart "festzukrallen" mit 'aller Macht' ist vielleicht ganz hilfreich. Aber dann, wenn Du Dich unverstanden fühlst, dann solltest Du Alternativen finden. Und vielleicht kann eine Alternative sein, sich "dem Schatten" zu stellen. Also einen Umgang mit all den Verletzungen finden, wo Du glaubst, es wird Dich zerstören.

Bitte achte auf Dich.

Antwort
von Yuurie, 10

Du bist jemand, der den Optimismus dazu nutzt, negatives zu verdrängen und nicht verdauen zu müssen. Du hast Angst, damit nicht klar zu kommen. Was und wie viel du da durchgemacht hast, ist nicht relevant (für uns). Ich lese nur daraus, dass du aus Angst negative Gefühle nicht zulässt und das ist schlecht.

Ich war genau so wie du, in manchen Dingen bin ich noch immer so, aber nur, weil ich weiß, es kann sich noch was ändern. Wenn z.b. Etwas in die Brüche geht oder jemand stirbt, rede ich zumindest darüber. Wenigstens das, so etwas muss man verarbeiten können (wenn es über mich kommt heule ich auch mal aber das mache ich, wenn ich es kontrollieren kann, lieber allein).

Du bist plötzlich einfach so traurig, weil du es innerlich unterbewusst nicht aushältst. Das kann, wenn es ganz schlimm wird, dich auch krank machen.

Eine Freundin von mir hat Stimmungsschwankungen, die schlimmer sind als bei einer hochschwangeren und sie ist mal schlecht drauf und plötzlich dann unbegründet übertrieben gut gelaunt, was für mich Anzeichen auf Depression ist.

Was dich betrifft: lasse Gefühle zu (auch negative). Das ist wichtig, dass Divas lernst. Nicht alles im Leben ist rosig und toll und auch negative Dinge im Leben gehören dazu.

Kommentar von Yuurie ,

Divas = du das (wenn ich wüsste, wie man Autokorrekturen abstellt. 🙈)

Antwort
von alibaba45, 15

Normal nicht. Aber auch nicht gefährlich. Wieso nicht normal? Weil nicht jeder so ist. ^^ jetzt grade bist du nicht optimistisch wenn du das fragst

Antwort
von SedOwl, 8

Hi, Miirabell,

Yuurie hat im Grunde bereits alles sehr treffend beschrieben.

Du solltest endlich mal alles rauslassen, unbedingt, bevor dich das Ganze zerfrisst. Das Geringste, was dir ansonsten auf Dauer widerfahren könnte, wäre eine Neurose. Die sich allerdings auswachsen kann, sofern du dich deinen Verdrängungen nicht stellst.

Ich wünsche dir den Mut, zu deinen Gefühlen zu stehen.  LG

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