Frage von Deniz4514, 92

Kann man Wirklichkeit zu 100% Definieren?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Hamburger02, 15

Wirklichkeit, Realität und Wahrheit sind miteinander verwandt, bewegen sich aber erkenntnistheoretisch gesehen auf unterschiedlichen Stufen der Objektivität.

Den Begriff Wirklichkeit macht man sich am besten vom Wortstamm "wirken" her klar. Wirklich ist das, was eine objektive Wirkung hat. So ist z.B. der Glauben an einen Gott wirklich, da er objektiv feststellbare Wirkungen in unserer Gesellschaft hat. Gott an sich ist nicht wirklich, da es im hier und jetzt keinerlei Wirkung gibt, die einem Gott zugeschrieben werden muss.

Realität ist das, was von der Wirklichkeit in unserem Bewusstsein ankommt. Realität bezieht sich zwar auf objektive Wirkungen, z.B. Messungen, ist aber letztlich die individuelle Interpretation der Wirklichkeit. Mit unterschiedlichem Wissen, kulturellem Hintergrund und Erwartungshaltungen können bei derselben Wirklichkeit als Grundlage ganz unterschiedliche Realitäten entstehen.

Wahrheit ist von den 3 Begriffen der subjektivste und stellt eine Beurteilung der Realität dar. Wahrheit ist das, von dem man denkt, dass die individuelle Realität die objektive Wirklichkeit korrekt wiedergibt. Und da findet sich dann auch der wesentliche Unterschied zwischen Glauben und Wissenschaft.

Glauben behauptet, dass die individuelle Realität in Form von religiösen Lehraussagen die Wirklichkeit wiedergibt.
Wissenschaft hat begriffen, dass die Realität immer nur eine subjektiv gefärbte Abildung der Wirklichkeit ist, ein Modell der Wirklichkeit sozusagen darstellt und dass daher Realität niemals eine Wahrheit darstellen kann. Die Beobachtung weiterer Wirkungen und deren Neuinterpretation führt in der Wissenschaft regelmäßig dazu, die Realität zu überprüfen und an neue Erkenntnisse der Wirklichkeit anzupassen. Genau daher sagen seriöse Wissenschaftler auch, es kann keine absolute Wahrheit geben, da die Beschreibung der Wirklichkeit, also die Realität, immer nur vor dem kulturellen Hintergrund des aktuellen Wissensstandes verstanden werden kann.

Kommentar von Hamburger02 ,

Danke fürn Stern.

Antwort
von Kajjo, 31
  • Die Definition von solchen Abstrakta ist sehr schwierig, aber zum Glück hat die überwältigende Mehrheit eine klare Vorstellung davon, was gemeint ist, selbst wenn eine perfekte Definition kaum möglich ist.
  • Häufig sind solche Begriffe im allgemeinen Sprachgebrauch völlig klar und eingängig, aber erstaunlich schwierig zu definieren. Theoretisch-philosophisch ist vieles schwieriger als praktisch-real. Insofern würde ich auf deine Frage antworten: Nein, kann man wohl nicht. Aber muss man zum Glück auch nicht. 
  • Je nach Anwendungsbereich kann man den Begriff gewiss ausreichend genau definieren oder verwenden oder Ersatzbegriffe finden, die für das betrachtete Themengebiet eine ausreichende Arbeitsgrundlage bieten.
  • Ganz oft sind es eher die Grauzonen, die Kanten und Grenzen, die die Definition schwierig werden lassen, nicht aber die unglaublich große Hauptfläche, die völlig klar ist. Wenn man auf der Hauptfläche arbeiten (also argumentieren, diskutieren, belegen) möchte, dann muss man sich nicht unbedingt über jeden exakten Grenzverlauf an den Kanten Gedanken machen -- und macht dennoch mit Sicherheit nichts falsch. 
  • Ein gutes Beispiel für ein anderes sehr schwieriges Abstraktum ist "Leben". Jedem ist klar, was gemeint ist, eine überwältigende Hauptfläche dessen, was wir alle als "Leben" bezeichnen, ist absolut unstrittig und ausreichend für 99,9% aller Diskussionen. Aber es gibt eben die Grauzonen von z.B. Viren oder die Frage, was denn nun Leben genau definiert. Wer auf so einem Thema arbeitet, dem wird es helfen, hier neue, hilfreiche Begriffe zu schaffen, die ganz klar sind. Sich an dem allgemeinen Abstraktum die Zähne aufzubeißen, wird dagegen selten zielführend sein.
  • Ich rate dir daher zweierlei: (1) Ja, klare Begriffe für klare Gedanken, ist ein guter Ansatz. Saubere Definitionen und unstrittiges Einvernehmen, wovon man redet, erleichtert alles, insbesondere miteinander anspruchsvoll und zielführend zu diskutieren. Aber (2) sollte man es sich nur so schwierig machen, wie für das Thema wirklich nötig. 
Antwort
von Suboptimierer, 61

Definieren kann man viel, nur ob sich dann alle darauf einigen können ist eine andere Frage. Man könnte z. B. definieren, dass die Wirklichkeit all das umfasst, was ist.

Kommentar von Deniz4514 ,

und was nicht ist

Kommentar von Suboptimierer ,

Tja, da fängt es schon an. Was nicht ist halte ich für nicht greifbar. Das Nichts oder Unrealisierte ist aus meiner Sicht nicht Teil der Wirklichkeit. Es sind nicht einmal Lücken, obwohl reichlich Unrealisiertes denkbar ist.

Kommentar von Plautzenmann ,

Ich gebe aber zu bedenken, dass wir "sein" hier gleichsetzen mit mess- oder erfahrbar. Nur weil wir es nicht wahrnehmen und keines unsere Geräte es messen kann, heißt das noch lange nicht, dass es nicht existiert.

Kommentar von Suboptimierer ,

Das ist richtig. Spannend wird es dann bei Fragen, ob Ideen zur Wirklichkeit dazu gehören. Ideen sind unverwirklicht, aber u. U. verwirklichbar. Das ist ein qualitativer Unterschied zu Unverwirklichbarem.

Wenn ich konsequent bin, müsste ich Ideen aus dem Begriff der Wirklichkeit ausgrenzen.

Für deine Anregung fällt mir z. B. Gott ein. Gott könnte es geben und zur Wirklichkeit dazu gezählt werden, selbst wenn wir ihn nicht wahrnehmen oder messen könnten.

Kommentar von Plautzenmann ,

Wobei dann die Frage zu beantworten wäre, nach welcher Beurteilung es als unverwirklichbar identifiziert wird? Ist etwas unverwirklichbar, nur weil es zur Zeit nicht verwirklichbar ist? Folglich ist Verwirklichbarkeit von der Zeit abhängig. Und wenn man recht überlegt, ist das die Wirklichkeit auch.

Kommentar von Suboptimierer ,

Nein, die Verwirklichbarkeit darf nicht von der Zeit (Zukunft) abhängen. Aber eine Statue zu bauen, die aus mehr Atomen besteht, als im Universum vorhanden ist unter der Voraussetzung unmöglich, dass Materie nicht aus dem Nichts entstehen kann. Das ist natürlich nicht zeigbar, aber das wäre ein Beispiel für etwas nicht Realisierbares.

Nicht zu vergessen ist das undenkbar Unrealisierte. Man kann das nur als Nebelwolke annehmen. Da werden sich natürlich keine Beispiele zu finden lassen ;)

Antwort
von jonashima, 37

Kommt drauf an, im allgemeinen ist mit Wirklichkeit das gemeint was der Mensch wahrnehmen kann. Sie ist also auf unsere Sinne, Erfahrungen und Wahrnehmungen reduziert. Die Realität sieht aber ganz anders aus, zum Beispiel sind Farben nur reflektiertes Licht verschiedener Wellenlängen, so Letzten Endes alles was wir sehen. Auch Temperatur an sich gibt es, wenn man es so will nicht.  Aus dem Grund sollte man das hier immer unterscheiden. Wir leben hier in unserer eigenen Wirklichkeit, die je nach Person und Perspektive unterschiedlich ist.

Kommentar von grtgrt ,

Mehr dazu findet sich auf Seite http://greiterweb.de/zfo/Realismus.htm .

Antwort
von Rubi435, 42

Nein und zwar aus dem einfachen Grund, dass jeder eine andere Definition von Wahrheit, Realität und der Wirklichkeit hat.

Ein einfaches Beispiel: Ein Junge (A) borgt bei seinem Freund (B) 10€ und sagt, dass er sie ihm morgen zurückgeben wird. Am nächsten Tag kommt er wieder und borgt 10€. Ende des Monats meint er dann, er sei pleite und könne ihm das Geld nicht zurückzahlen.

Wie werden beide reagieren? B wird sagen, dass A ihn nur ausnimmt und ihn als Lügner darstellen. A wird sagen, dass es ein Versehen war, er es aber irgendwann wieder zurückzahlen wird.

Kurz um...jeder hat eine andere Definition der Wirklichkeit und eine andere Auffassung davon, was passiert ist.

Kommentar von schmidtmechau ,

Was Du beschreibst sind unterschiedliche Wahrnehmungen und damit Wahrheiten, ja - aber nicht unterschiedliche Wirklichkeiten!

Antwort
von nowka20, 6

wiklichkeit ist die erkenntnis der ursprünge alles seins

Antwort
von Plautzenmann, 40

Nö. Wir könnten auch alle nur in einer Matrix leben oder wir alle sind gar nicht da, sondern du alleine stellst dir die ganze Welt nur vor. Was genau bringt dir die Antwort auf diese Frage?

Solange man in der Illusion lebt, dass alles wirklich und real ist, ist man doch glücklicher, als zu wissen, dass nichts davon real ist, man aber dieser Simulation, Vorstellung oder diesem Traum nicht entkommen kann. 

Oder?

Antwort
von grtgrt, 12

Was Hans-Peter-Dürr (Quantenphysiker) dazu schrieb:

http://greiterweb.de/zfo/Welt.htm#msgnr2039-2

Kommentar von grtgrt ,

Welcher Überzeugung 

  • Niels Bohr (Quantenphysiker), 
  • Kant (Physiker und Philosoph) sowie 
  • Parmenides (griechischer Philosoph) waren:

http://greiterweb.de/zfo/Physik.htm#msgnr1896-52

Antwort
von skyberlin, 12

nein, die Gegenwart ist immer wirklich, und braucht deshalb keine Definition. oder hast du den on/off-Schalter?

ob du das wissen willst, ist eine andere Frage. wer der Wirklichkeit entrinnen will, kann sich ja Augen, Ohren und alle Sinnesorgane zuhalten. das ist der Wirklichkeit aber wirklich egal. sie ist einfach da.


Antwort
von DanIsMyName, 23

Das HIER und JETZT ist die Wirklichkeit. Alles was um dich geschieht, geschieht wirklich. Als ich diesen Text hier geschrieben habe ich es Hier und Jetzt gemacht. Du ließt meinen Text jetzt wenn du ihn ließt. Und das ist die Wirklichkeit. Und der Fakt das du das jetzt ließt ist ein Beweis das es Wirklich ist. Ich bin Wirklich und du auch.

Kommentar von Deniz4514 ,

Das heißt die vergangenheit war nich wirklich?

Kommentar von Plautzenmann ,

Die Vergangenheit war einmal wirklich, ist es aber nicht mehr. Und somit gehört sie (in diesem Augenblick) nicht mehr zur Wirklichkeit, wohl aber zur Realität, da ihre Folgen unter Umständen immer noch in die Wirklichkeit hineinreichen.

Antwort
von JackBl, 12

Können wir die Wirklichkeit denn überhaupt zu 100% erfassen/wahrnehmen?

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