Frage von Desty 18.09.2010

Kann man von einer Heroinsucht gänzlich nach einem Entzug befreit werden?

  • Antwort von Leelith 18.09.2010
    3 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

    Ich weiss aus mehreren Fällen im Bekanntenkreis, und einen sogar in der Familie (Cousin), dass die Erfolsquote (das ist auch statistisch belegt) bei unter 20% liegt, von der Sucht wirklich wegzukommen. Und was es so gut wie unmöglich macht von der Sucht wegzukommen ist, wenn man in der gleichen Stadt bleibt, wo man seine Suchtvergangenheit, seine Suchtgeschichte hat, die einen ständig daran erinnert und einem immer wieder erlebte Situationen vor Augen führt. Er muss definitv eine Nachsorge (nach der stationären Therapie) haben, eine reine Entgiftung WIRD nichts bringen, ausser vielleicht er ist noch nicht so tief und noch nicht lange in dem Sumpf. Wenn er da gerade reingeschlittert ist (so 3-6 Monate), dann sind seine Drogenkontake, seine emotionale, psychische und körperliche Sucht eventuell noch nicht so ausgeprägt, als wenn er das schon Jahre mitmacht und sein Leben wirklich nur von der Sucht bestimmt wird. Nicht die körperliche Sucht ist das was einen abstinent lebenden Abhängigen wieder abhängig macht, sondern die psychische Sucht. Er hat über Jahre gelernt, alles mit der Droge zu kompensieren und kann im klaren Kopf dann nicht mehr reagieren und mit den Dingen (Emotionen, Situationen, etc.) umgehen, wie ein Mensch, der nicht auf solche 'Hilfsmittel' zurückgegriffen hat. Ich werd Gespräch mit meinem Cousins nie vergesen, als ich ihn mal von einer seiner zig Entgiftungen abgeholt habe: 'Ich werd das Gezwitscher der Vögel vermissen, wenn ich dann wieder drauf bin.' Auf meine Aussage, dass er doch nicht zwansläufig wieder rückfällig werden muss und die Vögel auch selbst dann noch da wären und singen würden, sagte er: Ich bin schon so lange in dem Dreck, ich weiss gar nicht mehr mit stinknormalen Alltagssituationen/Emotionen umzugehen. Ich geh kaputt ohne die Droge. Ich bin damit erwachsen geworden. Sie gehört zu mir, wie eine Facette meiner Persönlichkeit, die man eben entwickelt in der Pubertät. Die Droge ist ein Teil von mir. Ohne sie bin ich nicht ich. Und was die Vögel betrifft, die hört und bemerkt man immer nur, wenn man clean ist." Mein Cousin hat den Kampf gegen die Drogen verloren und wir haben es mittlerweile akzeptiert, so traurig es klingt. Aber wir machen das jetzt schon Jahre mit und wir WISSEN aus Erfahrung mit ihm, er nimmt sie schon seit 15 Jahren, seitdem er 16 ist, dass er ohne die Droge, auch mit noch so vielen Therapien nicht klar kommen wird. Er ist mittlerweile als untherapierbar bezeichnet worden, da selbst die Ärzte schon eingestehen, dass eine Persönlichkeit, die mit der Droge entstanden ist, auch nicht mehr ohne diese auskommen kann. Er gilt als schwerstabhängiger und hat in Hamburg einen Platz bekommen in einem Testprogramm, wo Heroin vergeben wird, Und das befürworte ich absolut. In unserer Drogenpolitik muss sich dringend was ändern. Ich hoffe für Euch innigs, dass es Euch/Deinem Freund nicht s gehen wird wie meinem Cousin. Du kannst mir gerne eine PN über diese Seite hier schreiben, wenn Du vielleicht jemanden suchst, der ein bissl Erfahrung mit dem Thema hat und selber über 15 Jahre fast täglich erlebt hat, was die Sucht mit einem macht. Ich hänge se an meinem Cousin und habe ihn auch nicht aufgegeben wie vllt manch einer denken mag. Er ist als Kind mit etwas in berührung gekommen, dass er nicht zu einem kleinen Bruchteil ermessen konte. Und nun zahlt er mitsenem leben daür. Ich würde auch sehr gerne mal a die Menschen hier appellieren, nict immer so schlecht über Suchtkranke, wie Heroinabhängige/Methadonabhängige zu denken und sie nicht immer so spüen zu lassen, was ihr von denen haltet. Ich kenne einige, die ihr ganzes eben versuchen, wrklch kämpfen davon wegzukommen...viele nehmen sich das Leben weil die Droge solch eine macht über sie hat und sie irgendwann einsehen müssen, dass der Kampf aussichtlos ist ohne eine vernünftige Drogenpolitik. Kein Heroinabhängiger ist gerne abhängig. Aber ich glabe das Thema ist einach schwer zu verstehen, wenn man nicht nah genug dran war. Aber man kann es doch versuchen. Ich wünsch mir das .. für meine Cousin, für Deinen Freund und für jeden anderen, der gerade irgendwo in der Fussgängerzone, in der Kälte sitzt und nach nem € fragt, nicht auch nur im entferntesten fähig einer Arbeit nachzugehen. Auch für denjenigen, der die Scheibe des nächsten Juweliers einschlägt, wüsche ich mir, dass man ihm/ihr ein bisschen entgegenkommt und nicht nur die Taten sieht, sondern die Gründe. Die Umstände, das WARUM!

  • Antwort von Viktoria10 18.09.2010
    1 Mitglied fand diese Antwort hilfreich

    Aus eigener Erfahrung und bei vielen, vielen gesehen: Entgiftung reicht nicht! Wie Leelith geschrieben hat, wenn er noch relativ neu ist, mag das gut gehen, aber auch das ist unwahrscheinlich, da es ja Gründe gibt, warum er sich so auf die Drogen eingelassen hat. Das muss therapiert werden. Die wenigsten rutschen "aus Spass" rein, eigentlich gibt es immer ein Bedürfnis, das dem vorausgeht und dieses muss angegangen werden.

    Dennoch kann ich nicht umhin, auch Hoffnung zu verbreiten. Es gibt sie, die Ex-User. Gerade hier schreibt eine Person, die über 12 Jahre hardcoremässig drauf war, incl. einer schweren Persönlichkeitsstörung, und ich habe es auch geschafft und lebe heute ein gutes und immernoch aufregendes Leben. Deswegen weiß ich, dass es Hoffnung gibt. die Frage ist immer, ob derjenige bereit ist. Manchmal reicht der Wille nicht, weil man sich von tief innen aus welchen Gründen auch immer, gegen ein cleanes Leben sträubt. Dann muss man anscheinend tatsächlich noch tiefer rutschen. OHNE Wille geht es auf jeden Fall mal gar nicht.

    Ich wäre auch nicht so schnell dabei, in Substituionsprogramme zu gehen (auch wenn ich selber drin war). Ausnahmen wie die von Leelith erwähnte Person gibt es und ich bin absolut der selben Meinung, dass die deutsche Drogenpolitik überdacht werden muss. Das Problem dabei ist, dass man da eher schwer evaluieren kann, da Junkies i.A. ein recht unbeständiges Klientel sind...

    Es gibt durchaus gute Therapien, und auch Therapien, die eine höhere Erfolgsquote aufweisen können. Es kommt auf die Persönlichkeit an, da auch Therapien sehr unterschiedlich sind und manche passen, andere nicht.

    Abschliessend bleibt zu sagen, wenn ER nicht eine starke Persönlichkeit ist und vielleicht nur "kurz" drin war, dann wird ER es nicht schaffen, wenn er nur entgiftet. Entgiftung säubert nur den Körper, die Denkweise wird nicht verändert und Gewohnheiten und Umfeld auch nicht...-sorry, da ist definitiv mehr nötig!

  • Antwort von kandana 18.09.2010
    1 Mitglied fand diese Antwort hilfreich

    Er wird lernen, mit der Heroinsucht umzugehen und ohne Heroin zu leben - wenn er es denn wirklich will.

    Habe allerdings auch Fälle erlebt, die dann ihr Leben lang von den Ersatzmedikamenten abhängig waren.

    Wichtig ist, dass er von den Drogenkumpels und den sozialen Kreisen, in denen er während der Drogenzeit agierte, weg kommt. Der Rückfall kommt oft, weil das soziale Umfeld es einem einfacher macht, sich fallen zu lassen als zu kämpfen.

  • Antwort von Desty 18.09.2010

    Nachtrag.. , es ist mein erwachsener Sohn , ich nahm ihn wieder auf , spüre jetzt das ich am Ende bin und auch ich habe Angst das ich es nicht mehr schaffe mit ihm, kein Reha Platz in Aussicht was soll danach werden? Meine Nerven liegen blank. Er ist gerade Vater geworden die beiden haben sich getrennt ich bin sehr unglücklich Ich hasse Drogen wie die Pest und dennoch muss ich mich mit ihnen Auseinandersetzen ich möchte nicht mal zu ihm zu Besuch...

  • Antwort von BellaMama 18.09.2010

    Der Wille muss da sein, ich bin der festen Überzeugen, ist ein starker Wille da kann er das schaffen...zusätzlich brauch er aber auch deine Unterstützung und die von Familie und einen Freundeskreis ohne Drogen! Lg

  • Antwort von goodman 18.09.2010

    Jetzt werden wohl einige behaupten, dass man es durch eine Therapie schaffen kann. NEIN...defenetiv nicht. Der Wille muss da sein, sonst ist jede Therapie sinnlos. Warum haben sonst soviele Abhängige unzählige Versuche hinter sich. Am besten Du fragst mal einen süchtigen (findest Du mit sicherheit an jedem Bahnhof).

  • Antwort von corsa678 18.09.2010

    JA, kann man. Aber man muss wirklich stark sein, einen sehr sehr starken willen haben!!!!!

    und der partner sollte einen motivieren, stark zu bleiben!!!!!

  • Antwort von ExiTpKi 18.09.2010

    Einmal süchtig, immer süchtig.. Ob du die Droge nimmst oder nicht, die Sucht ist vorhanden und du wirst immer ein gewisses verlangen spüren..

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