Frage von KlaasEngel, 171

Kann man trotz Antidepressiva negative Empfindungen fühlen?

Ich nehme seit Jahren Antidepressiva in hoher Dosis und habe trotzdem oft negative Gefühle wie Wut, Aggression, Angst ect. Ich dachte eigentlich dass Antidepressiva keine negativen Gefühle zulassen und abblocken. Oder verstehe ich da was falsch? Ich beschwere mich nicht sondern will einfach mir nur meiner Gefühle sicher sein um die Lage richtig einschätzen zu können. Zum Leben gehören negative Gefühle dazu und damit habe ich kein Problem. Es ist mir nur wichtig zu wissen wie sehr ich Ich bin und wie groß der Anteil in mir ist der von den Antidepressivan beeinflusst wird. Ich muss meine ehrliche Persönlichkeit von meiner Depressiven Persönlichkeit trennen. Dazu muss ich wissen wieweit solche Medikamente die Person verändern sonst verliert man sich sehr schnell. Antidepressiva sollen ja eigentlich dafür sorgen das man nichts negatives empfindet. Oder kann man auch unter Medikamenteneinfluss Negatives empfinden und dann auch in hohem Maße (z.B. Einen Wutanfall in dem man am liebsten alles um einen kurz und klein schlagen will, einem alles ankotzt oder man sich selbst hasst)?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Stellwerk, 127

Es gibt verschiedene Arten von Antidepressiva - machne wirken sedierend, also beruhigend und dämpfend, andere eher anregend und stimmungsaufhellend. Die Medikamente sollen nur unterstützend wirken und nicht komplett persönlichkeitverändernd und sollen auch Gefühle nicht komplett unterdrücken oder ausschalten, denn wie Du sagst, muss man lernen, auch mit den negativen Gefühlen umzugehen und sie kontrollieren zu lernen.

Ich kann Deinen speziellen Fall nicht beurteilen, aber ich nehme an Du bist in psychiatrischer und psychotherapeutischer Behandlung? Sprich mit Deinen betreuenden Ärzten, was sie mit der Medikamentengabe denn eigentlich erreichen wollen.
Manchmal muss man auch das Präparat wechseln, wenn man nicht weiterkommt. Hab keine Scheu, das anzusprechen und zu hinterfragen!

Kommentar von KlaasEngel ,

Ja ich bin in Behandlung. Ich plane meine Antidepressiva abzusetzen. Natürlich in einer Klinik unter Betreuung. Ich habe nämlich gemerkt dass mich die Medikamente abbremsen und ich nicht mehr so fühlen kann wie vor den Medikamente. Mir geht es zwar gut aber ich spüre dass da was ist was die AD's unterdrücken. Dinge mit denen ich mich auseinandersetzen muss und die auch aufgearbeitet werden müssen. Ein Knoten der gelöst werden muss. Ich spüre das in manchen Momenten wenn die Medikamente etwas nachlassen. Und auf Dauer alles weg zu drücken ist auch nicht gut. Ich komm so nicht vorwärts sondern schwebe vor mich hin. Also nun ab in die Klinik langsam absetzen, ausheulen, ausschreien, ausreden.

Kommentar von Stellwerk ,

Das klingt nach einem sehr reflektierten und bewussten Umgang mit der Sache.  Wenn Du den Eindruck hast, dass es mit den Medikamenten nicht wirklich vorwärts geht, dann versuch den anderen Weg. Wünsch Dir alles Gute und gute Besserung!

Expertenantwort
von samm1917, Community-Experte für Depression, 90

dass du negative gefühle hast trotz antidepressiva ist normal. diese medikamente sollten die gefühle an sich ja nicht "abschalten" sondern die die depression als krankheit verbessern. die frage dabei ist, was man unter negativen gefühlen versteht. depressionen haben wie du vielleicht weisst nicht viel mit schlechter laune im alltag zu tun. schlechte laune ist bei einer depression viel stärker ausgeprägt und intensiver. zudem ist die freudlosigkeit nur ein symptom einer depression (z.b. neben ängsten, hoffnungslosigkeit, antriebslosigkeit, interessensverlust etc).

dass du immer noch negative gefühle hast kann diverse ursachen haben. wenn die negativen gefühle nicht dauerhaft vorhanden und in einer moderaten intensität auftauchen kann es sein, dass du einfach schlechte laune hast. andersfalls kann es auch sein, dass die medikamente nicht richtig wirken. ist letzteres der fall ist vielleicht ein wechsel des medikamentes sinnvoll.

hier findest du eine gute übersicht über die gängisten medikamente bei depressionen und angststörungen sowie weitere infos: http://www.deprohelp.com/medikamente2/

PS: ängste sollten durch antidepressiva eigendlich auch unterdrückt werden.

Kommentar von KlaasEngel ,

Ich habe einfach oft eine tiefe Aggression in mir dass mich die Situation einfach nur ankotzt in der ich mich durch die Depression befinde. Die Angst ist darauf bezogen, dass ich da nie rauskommen werde und die Depression mein komplettes Leben bestimmen könnte. Bei Antidepressiva müsste mir das doch eigentlich egal sein oder? Mein Inneres will vor Wut, Aggression und Verzweiflung aus sich herausbrechen aber die Medikamente mich festhalten und beeinflussen was mich dann am Ende noch frustrierter und aggressiver macht. Ein Teufelskreis. Und schlussendlich macht mich dieser innerlicher Konflikt tottraurig. Also eine Implosion vieler Gefühle die sich immer nur kurz zeigen dann aber extrem. Das macht mir Angst. Wenn diese kurzen Momente schon so hart sind wie groß muss dann der komplette Berg sein. Riesig befürchte ich. Nun stellt sich die Frage ob absetzen und mich mit all dem auseinandersetzen oder weiter schweben und nicht mehr ich sein und nicht mehr vorwärts kommen.

Kommentar von samm1917 ,

agression, verzweiflung und die angst niemals da rauszukommen sind völlig normal bzw. klassische symptome einer depression. wenns einem schlecht geht ist es logisch, dass man vor verzweiflung anfängt innerlich um sich zu schlagen. wenn die antidepressiva ausreichend wirken würden wäre dies vermutlich nicht der fall. antidepressiva stellen nicht die gefühle ab, also kann es dir duch antidepressiva nicht einfach egal sein. so wie ich das sehe (und dies ist nur meine ganz persönliche meinung) hast du die wahl entweder die medikamente abzusetzen mit dem risiko noch tiefer ins verderben zu stürtzen oder das medikament zu wechseln in der hoffnung dass das nächste mehr bringt als das aktuelle.

Kommentar von KlaasEngel ,

Da ich schon lange die Depression habe, Medikamente nehme, einen Psychiater, einen Therapeuten und Neurologen habe, denke ich nicht, dass ich tief fallen kann. So schlimm wie am Anfang oder schlimmer kann es nicht nochmal werden. Eigentlich nur besser. So hat man es mir zumindest gesagt. Die Entscheidung liegt nun allein darin, wann ich es in Angriff nehme. Auch ein Mensch mit Depressionen ist nicht für sein komplettes restliches Leben auf Medikamente angewiesen. Ziel ist ja, da raus zu kommen. Die Depression sollte nicht das Leben kontrollieren sondern das Leben die Depression. Alles andere ist kein Leben. Antidepressiva sollen nur schwere Zeiten überbrücken und nicht ein ständiger Teil des Lebens werden. Wie Krücken bei einem gebrochenem Bein. Ich hoffe ich habe die Kraft auch ohne Krücken laufen zu können. Ich muss es Schritt für Schritt angehen und mit professioneller Unterstützung. PS. Die Angst die ich habe ist denke ich eine Angst die jeder Mensch in meinem Leben hat. Die Angst davor mein Leben alleine ohne meine Eltern zu meistern. Es nicht zu schaffen meine Ziele zu erreichen. Etwas eigenständiges aufzubauen. Die depressiven Ängste sind meistens ohne wirklich erklärbarEM Grund einfach da.

Antwort
von winter70, 91

Die Antidepressiva sollen die Gefühle dämpfen und nicht ausschalten, dann wärst Du ja in Narkose. Versuch es doch mal ernsthaft mit Sport und schleich Dich mit einem guten Arzt aus den Pillen raus.Und denk daran, die Pillen helfen nur dem Apotheker in der Kasse.

Kommentar von Stellwerk ,

"Und denk daran, die Pillen helfen nur dem Apotheker in der Kasse."

Bitte unterlasse solche pauschalen Aussagen! Ja, nicht jedes Antidepressivum ist für jeden geeignet, aber die Medikamente helfen sehr vielen Menschen weiter!

Kommentar von winter70 ,

Man sollte erst einmal fragen, ob Kaas Engel es schon einmal anders versucht hat, als mit Pillen.Die Pille ist die einfachste Lösung, aber wie man sieht, wird sie schon Jahre lang eingenommen und hat offensichtlich nicht geholfen. Generell bin ich nicht gegen Pillen, wenn sie verantwortungsbewußt und gezielt eingesetzt werden. Aber gerade bei Psychopharmaka ist das eine Sache für sich.Ich kenne davon reichlich Fälle.

Kommentar von KlaasEngel ,

Sie helfen in dem Sinn das Sie einen in schweren Momenten auffangen. Eine langlebige Einnahmen soll natürlich kein Ziel sein. Der Nachteil, man schwebt vor sich hin und ist wie in Watte gehüllt. Das ist zwar angenehm und schafft die Möglichkeit nach einem tiefen Fall zu Kräften zu kommen und sich nicht mit ständigen Panikatacken und Weinkrämpfen abquälen muss. Die gesammelte neue Kraft muss dann aber auch dafür eingesetzt werden müssen für Dinge die einen leben lassen, auch wenn es auf und ab geht. Denn das ist das Leben.

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