Frage von NoHumanBeing, 131

Kann man sich sicher sein, dass man etwas, das man seit 5 Jahren weiß, niemals vergessen wird?

Seit 5 Jahren betreibe ich alle Systeme, auf denen wichtige/vertrauliche Daten von mir lagern und/oder verarbeitet werden, vollverschlüsselt und auch alle Sicherungskopien dieser Daten sind verschlüsselt.

Als Schlüssel kommt, damit das ganze nicht "offline" gebrochen werden kann, eine 24-stellige Zeichenfolge zum Einsatz, die ich eben vor 5 Jahren echt zufällig gewählt habe.

Zur Veranschaulichung: So könnte das ganze aussehen. (Natürlich ist das nicht der echte Schlüssel.)

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Wie merkt man sich eine solche Zeichenfolge? Nunja, man wählt sie zufällig, notiert sie sich, gibt sie mehrmals am Tag ein, immer wenn man auf einen verschlüsselten Datenträger zugreifen muss und irgendwann weiß man sie tatsächlich auswendig. Es dauert eine Weile, aber es ist möglich. Nachdem man lange genug nicht mehr auf den Zettel schauen musste, auf dem man die Zeichenfolge notiert hat, vernichtet man ihn.

Wie gesagt, das war vor inzwischen fünf Jahren.

Vor drei Wochen hatte ich einen wichtigen Vortrag an der Uni abhalten müssen. Wie bei jedem wichtigen Termin war ich natürlich aufgeregt, hatte Lampenfieber und in der Nacht unmittelbar vor dem Tag, an dem ich den Vortrag abhalten würde, hatte ich geträumt, ich hätte die Zeichenfolge vergessen, wodurch ich auch nicht mehr an meine Unterlagen gekommen wäre. (Der Vortrag ist übrigens erfreulicherweise sehr gut gelaufen. :-) )

Nun muss man dazu sagen, nachdem das ganze nicht nur ein Passwort ist, sondern tatsächlich als kryptographischer Schlüssel fungiert, wären tatsächlich alle damit gesicherten Daten für immer unzugänglich, falls ich diese Zeichenfolge jemals vergessen sollte. Musik, Fotos, Dokumente, Software, die ich selbst entwickelt habe, verschlüsselte E-Mails, die ich empfangen habe, einfach alles. Quasi meine gesamte "digitale Existenz" wäre ausradiert, alles, was ich jemals in einen Rechner eingegeben, aber nicht in irgendeiner Form "veröffentlicht" hätte. (Und nachdem ich Informatiker bin, ist das verdammt viel.)

Ich wachte also schweißgebadet auf und es dauerte wirklich ein paar Sekunden, bis ich mich an die Zeichenfolge erinnern konnte, obwohl ich sie inzwischen bestimmt bereits mehr als zweitausend mal eingegeben habe. (*) Ich hatte sie zwar nicht wirklich vergessen, aber nun eine solche Angst, dass ich sie vergessen könnte, dass ich sie notiert und an einem geheimen Ort verwahrt habe. Das ist natürlich eigentlich nicht der Sinn der Sache. ;-)

(*) Wobei ich meist nicht wirklich an die Zeichenfolge denke, wenn ich sie eingebe. Meine Finger finden von selbst die richtigen Tasten, Stichwort "muscle memory".

Daher nun die Frage. Wie verlässlich ist das menschliche Gedächtnis? Kann man etwas, das man seit 5 Jahren weiß, vergessen? Oder wird man es für immer wissen, auch wenn es sich um eine vollkommen unstrukturierte Information handelt? Kann ich den "single point of failure" in diesem System irgendwie umgehen, ohne die Geheimhaltung der Daten zu kompromittieren?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von maikaefer77, 69

Vergessen ist schon möglich. Wenn in deinem Leben Dinge passieren, die deine ganze Aufmerksamkeit fordern - vielleicht sogar über einen längeren Zeitraum - kann das Gehirn die Zahlenkombination irgendwo weit hinten ablegen, weil sie zur Zeit nur Platz weg nimmt.
Vielleicht kannst du sie wieder hervor kramen, vielleicht auch nicht.

Auch durch Unfälle, Krankheiten (die ich dir keinesfalls wünsche) können Gedächtnisverluste auftreten.

Wenn du wirklich alles Wichtige mit diesem Code verschlüsselt hast, dann notiere ihn unbedingt. Zur Not kannst du ihn ja extrem sicher verschließen so wie im Film... in einem geheimen Schließfach oder so :-)

Antwort
von Sonja66, 28

Hallo  :-)

Also schon allein der Umstand, dass du Angst davor hast, ihn zu vergessen, würde mich dazu anregen, ihn doch zu notieren, und sei es falsch, z.B. immer das Gegenteil vom Richtigen oder so, um daraufhin entspannen zu können.  ;-)

Also ich denke schon, dass du ihn vergessen könntest, weil du z.B. derart unter Druck stehst oder viele andere Sachen und Möglichkeiten.
Das muss jedoch nicht zwingend etwas mit einer Unzuverlässigkeit des Gehirns zu tun haben.
Es kann auch einfach die Forderung nach Loslassen sein.

Antwort
von AstroSloth, 8

Interessantes Problem. Ich denke, das sicherste wäre tatsächlich, eine physische Kopie des Schlüssels zu haben. Du willst damit denke ich ja eher keine gezielten Angriffe irgendwelcher Geheimdienste abwehren, sondern einfach mehr oder weniger zufällige Leaks verhindern und weniger fähige Angreifer abwehren.

In diesem Fall wäre eine sicher verwahrte physische Kopie ja kein Problem. Solange niemand deine Wohnung durchwühlt kommt er nicht ran. Und wer deine Wohnung im Zweifel doch durchwühlt (Einbrecher?) würde damit nichts anfangen können. Zumal du das ja auch echt gut verstecken könntest, mit hinreichendem Aufwand.

Eine andere Option wäre, Teile des Schlüssels auf verschiedene "Verstecke" zu verteilen oder dergleichen. Ich würde es nur nicht zu kompliziert machen, sonst vergisst du das am Ende noch...

Kommentar von NoHumanBeing ,

Ich denke, das sicherste wäre tatsächlich, eine physische Kopie des Schlüssels zu haben.

Oder ein unverschlüsseltes Backup? Was wäre besser?

Eine Kopie des Schlüssels ist "kleiner" und lässt sich schneller vernichten, aber er kommt auch schneller abhanden und wenn sie z. B. auf einem Blatt Papier steht, kann es schnell abfotografiert werden, wohingegen es doch etwas länger dauert (größere Gefahr, entdeckt zu werden), eine Festplatte anzuschließen und den Inhalt zu kopieren.

Außerdem verwende ich Linux auf meinen Rechnern, d. h. ein Windows-Rechner kann das Dateisystem schonmal gar nicht lesen. Es gibt zwar Treiber und natürlich könnte man auch den kompletten Datenträger weg-imagen (wobei der ziemlich groß ist), aber für einen "unvorbereiteten Angriff" wäre das vermutlich auch schon mehr als genug "Abschreckung".

Der Vorteil dabei, nur den Schlüssel zu sichern, ist eben, dass man beides braucht, den Datenträger und die Kopie des Schlüssels.

In diesem Fall wäre eine sicher verwahrte physische Kopie ja kein Problem. Solange niemand deine Wohnung durchwühlt kommt er nicht ran. Und wer deine Wohnung im Zweifel doch durchwühlt (Einbrecher?) würde damit nichts anfangen können.

Nunja, es gibt unterschiedliche Gründe, warum ich unterschiedliche Datenträger verschlüsselt habe.

Bei meinem Systemlaufwerk ist es einfach so, dass es sich um eine SSD handelt und eine SSD beinhaltet ja einen ziemlich komplexen Controller. Selbst wenn ich versuche, die SSD "sicher zu löschen", könnte der zumindest einen Teil der Daten aufbewahren und falls ich die Laufwerke irgendwann einmal entsorgen möchte (im Moment "lagern" bei mir tatsächlich alle gebrauchten Laufwerke, weil ich sie nicht wegwerfen möchte), dann muss ich mir nicht ganz so viele Gedanken um eine sorgfältige physische Zerstörung machen, denn das Laufwerk selbst hat ja niemals Klartext gesehen. Selbst wenn sich der Inhalt zu 100 % wiederherstellen ließe, wäre er (sofern das Kryptoverfahren sicher wäre) ohne den entsprechenden Schlüssel nicht viel wert. Netter Nebeneffekt, nachdem es sich bei meinem "Hauptrechner" um ein Notebook handelt (das ich zu Hause einfach in eine Docking-Station packe), falls es gestohlen wird, kann jemand zwar die Hardware verkaufen, aber zumindest keinen Missbrauch mit den darauf gespeicherten Daten treiben.

Das ist das eine. Der Grund, warum ich das Backup bisher verschlüsselt habe, liegt darin, dass es weitere Personen gibt, die Zutritt zu meiner Wohnung haben, teilweise permantent, teilweise auch temporär.

Z. B. wenn ich Gäste habe, bekommen diese häufig einen Wohnungsschlüssel von mir, damit sie unabhängig von mir kommen und gehen können. Ich kann sie ja schlecht hier "einsperren", das grenzt ja an Freiheitsberaubung. ;-) Auch wenn ich die Tür nicht abschließen würde, könnten sie faktisch die Wohnung nicht verlassen, denn dann kämen sie ohne Schlüssel nicht mehr hinein. Die Wohnungstüren sind alle selbstschließend ausgeführt. Also ist klar, dass sie einen Schlüssel brauchen.

Ich vertraue diesen Personen genug, dass ich mir sicher bin, dass sie nicht meine Wohnung ausräumen oder verwüsten (das würde ich ja auch bemerken), aber dass sie nicht an meine privaten und geschäftlichen Daten kommen, diesbezüglich möchte ich eben nicht nur "vertrauen", sondern es tatsächlich sicherstellen können. Wenn ein Gegenstand fehlt, das merkst Du irgendwann (und ist vermutlich auch nicht so schlimm, sofern er nicht gerade extrem wertvoll war), aber Daten lassen sich vervielfältigen und davon merkst Du sehr wahrscheinlich überhaupt nichts. Bis Dir irgendwann mal Schaden dadurch entsteht und der kann dann unter Umständen sehr heftig ausfallen.

Abgesehen davon sind Schlösser aber ohnehin nicht sicher. Zumindest das Unternehmen, das die Schlösser fertigt, könnte vermutlich jederzeit einen Nachschlüssel anfertigen, auch wenn sie das rechtlich gesehen nicht dürfen. Zudem gibt es ja auch Leute, die Lockpicking beherrschen, auch wenn dabei natürlich eine erhebliche Gefahr besteht, entdeckt zu werden, weil es ja doch eine Weile dauert.

Antwort
von HeymM, 32

Nein. Es gibt definitiv keine absolute Sicherheit etwas nicht zu vergessen.

Denke einmal an die Demenz. Der geistige Verfall kann jeden zu jeder Zeit treffen.

Keiner ist davor geschützt.

Aber auch ohne Demenz könntest Du Deinen Code vergessen. Einfach so. Ohne jede Erkrankung.

Unsere Hirnstruktur ist sehr komplex. Ein kleines Gerinnsel, ein Tumor, ein Schlag vor dem Kopf, ein Schlaganfall, schlechte Durchblutung in der Hirnregionen, die für Erinnerungen zuständig ist und das gespeicherte Wissen ist weg.

Antwort
von Skyman25, 54

man kann nie sicher sein.

wenn du dir vorgibst es wäre ein anderer code und du dir sagst der echte ist falsch dann wirst du ihn wahrscheinlich als den falschen abstempeln und ihn wohlmöglich vergessen

oder du bekommts eine gehrinwäsche dass du ihn vergisst

Antwort
von DasPigi, 50

Also, man kann alles, egal wie lange man es schon Auswendig kann, vergessen.
Auch wenn es eher unwahrscheinlich ist, würde ich dir empfehlen, die Zeichenkomnination irgendwo auf zu schreiben. Natürlich sollte man den Zettel auch dann verstecken. ZB. Im inneren des PCs oder des Laptops. Sonst kann ich dir nur sagen: no system is save.

Antwort
von Marco350, 16

Das Gehirn funktioniert wie eine Festplatte es gibt kurz und Langzeitgedächtnis. Die errinnerungen werden in Ordnern abgelegt wie auf dem PC. Je voller die Festplatte, desto länger braucht man für die Suche.die Daten gehen aber nicht verloren es sei denn die Festplatte geht kaputt (Alzheimer)

Kommentar von NoHumanBeing ,

Das Gehirn funktioniert wie eine Festplatte es gibt kurz und Langzeitgedächtnis. Die errinnerungen werden in Ordnern abgelegt wie auf dem PC.

Nein, ganz und gar nicht. Die Informationen sind erstens analog gespeichert und nicht als diskrete Werte und können somit mit der Zeit "driften". Außerdem sind sie eben nicht "in Ordnern" abgelegt, sondern im Gegenteil vollkommen dezentral gespeichert. Es gibt keinen Teil des Gehirns, den Du zerstören könntest und dann wäre genau eine Erinnerung weg. Alle Neuronen beeinflussen sich gegenseitig, wogegen Sektoren auf einer Festplatte sich nicht gegenseitig beeinflussen. Das bedeutet aber auch dass mit jeder Information, die abgelegt wird, sich andere Information verändern.

Das ist auch empirisch gut nachgeweisen. Es wurde mal ein Experiment gemacht und Leute befragt, was sie am 11. September 2001, als die Terroranschläge in New York stattfanden, gemacht haben, wo sie waren, wie sie davon erfahren haben, etc., bei Personen, wo nachvollziehbar war, wo sie sich tatsächlich aufhielten und was sie taten, z. B. weil es dokumentierte Termine gab, zu denen sie erschienen. Die meisten erzählen Dir einen kompletten Käse. Sie glauben, es zu wissen, aber sie haben keinen Schimmer. Das Gehirn macht keine "Lücke" an dieser Stelle, aber die Erinnerung stimmt nicht mit den Tatsachen überein und das liegt nicht daran, dass diese Menschen bewusst lügen, sondern dass das Gehirn eben kein verlässlicher Speicher ist. Erinnerung ist nicht Wahrheit! Sie ist alles andere, als das!

Die Polizei dürfte davon ein Lied singen können. Die meisten Personenbeschreibungen sind vollkommen unbrauchbar, weil Menschen sich einfach nicht erinnern. Ich könnte auch keinen Menschen beschreiben, den ich nur einmal auf der Straße gesehen habe.

die Daten gehen aber nicht verloren es sei denn die Festplatte geht kaputt (Alzheimer)

Doch, sicher tun sie das, oder kannst Du Dich etwa daran erinnern, was Du vor 6 Jahren, 104 Tagen, 15 Stunden und 10 Minuten gemacht oder gesagt hast?

Ich bin mir sicher, dass Du das mal wusstest, aber inzwischen hast Du es vergessen. (Wahrscheinlich hattest Du es spätestens nach wenigen Tagen vergessen.)

Eine wirklich gute Erinnerung habe ich nur über die letzten paar Jahre und auch die ist selbstverständlich nicht "lückenlos", sondern umfasst einige wenige (im Vergleich zur gesamten Zeit, die verstrichen ist) Schlüsselereignisse (und auch die kann ich beispielsweise nicht genau datieren) und je weiter ich zurück gehe, desto weniger dicht werden diese natürlich.

Weißt Du noch, was Du an Deinem 18-ten Geburtstag gemacht hast oder was Du geschenkt bekommen hast? Ich weiß noch, dass ich in einer Disco feiern war, ich glaube sogar, dass ich "hereingefeiert habe" (bin mir aber nicht sicher), dass sehr viele Leute kurzzeitig abgesagt haben und so in etwa könnte ich auch noch sagen, wer da war (da wäre aber auch schon eine ziemliche Unsicherheit). Ok, das war der 18-te, das ist ein wichtiges Datum. Wie sieht's mit dem 17-ten oder dem 19-ten aus? Oder mit dem Tag vor oder nach dem 18-ten Geburtstag? Absolut keine Erinnerung. Null. Nicht wichtig.

Von meiner Kindheit und Jugend ist so gut wie gar nichts mehr da. Einige abstrakte Fakten schon, aber natürlich keine Details, keine Bilder, keine Emotionen. Ich kann Dir vielleicht noch von 4 oder 5 Lehrern, die ich in der Schule hatte, die Namen sagen und vielleicht von 10 Schülern. Ein Gesicht könnte ich nur noch sehr wenigen zuordnen und wie sie waren, was sie für einen Charakter hatten, über was ich mich mit ihnen unterhalten habe, davon habe ich keinen blassen Schimmer mehr. Natürlich bin ich mit viel mehr Menschen in Kontakt gekommen, aber es ist logisch, dass ich es vergessen habe, denn ich habe zu den meisten dieser Personen seit mindestens zehn Jahren keinen Kontakt mehr, es wäre somit unnötig, diese Information aufzubewahren.

Und meine Erinnerung ist nicht die schlechteste. Ich kann oft noch Leuten sagen, dass sie "damals doch dies und jenes gesagt haben" und sie sagen mir: "Weiß ich doch nicht mehr, was ich damals gesagt habe." - Das ist auch ne seltsame Situation, wenn Du Leuten sagst, dass sie vor einiger Zeit bezüglich gewissen Dingen noch ganz anderer Meinung waren und sie sich nicht erinnern können. :-)

Die wenigsten Menschen haben eine lückenlose Erinnerung und diejenigen, die es haben, dürften ziemliche Probleme haben, weil sie vollkommen "informationsüberflutet" werden.

Antwort
von Leopatra, 29

Ich würde mich nicht darauf verlassen! Nun stell´dir mal vor, dein Gehirn hat mal kurzzeitig eine Sauerstoffunterversorgung. Alles kein Problem, du erholst dich wieder vollständig, ABER der Teil ist nicht reproduzierbar, weil du ihn nicht erneut erlernen kannst....

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