Frage von XxChoXx, 169

Kann man sich selbst einweisen lassen und freiwillig wieder raus wenn man volljährig ist?

Kann man sich selbst in die Psychiatrie einweisen lassen wenn es gar nicht mehr geht und wenn es einem besser geht freiwillig wieder entlassen werden wenn man volljährig ist? Oder kommt man in die geschlossene und darf nicht mehr raus?

Antwort
von Negreira, 94

Das sind 2 verschiedene Paar Schuhe. Du kannst Dich selbst einweisen lassen, wenn die Klinik einen Platz hat. Es braucht aber nur irgendein Arzt der Meinung zu sein, daß Du Dich oder andere gefährdest, und schon wirst Du zwangsweise auf die geschlossene Abteilung verbracht. Innerhalb von 24 Stunden wird dann ein Gerichtsbeschluß erwirkt, den Du anfechten kannst. Es kommt ein Richter, der eine Anhörung durchführt. Im Normalfall verhängt er ein Urteil, daß Dich zum Verbleib auf einer solchen Station zwingt, 6 Wochen ist normal. Wenn Du Dich in dieser Zeit nicht gut führst oder Terror machst, hast Du gar keine Chance.

Dieser Gerichtsbeschluß wird Dir nach ein paar Tagen übersandt, so lange sitzt Du erst mal fest. Dann hast Du 14 Tage Zeit, um Einspruch einzulegen. Man wird Dir einen Berater, meistens einen Anwalt, zur Seite stellen, der dieses Verfahren durchführt. Bei Gericht bekommt ein anderer Richter dann den Einspruch und entscheidet darüber, ob die Zeit verkürzt wird oder nicht. Eine Beratung mit dem ersten Richter, der die Anhörung durchgeführt hat, ist nicht zwingend notwendig, d. h. dieser 2. entscheidet vom grünen Tisch.

Mit diesem Bescheid wird Deinen Ärzten anheimgestellt, ob Du von der geschlossenen Abteilung runter kannst, ob Du nur mit Begleitung nach draußen darfst, und alle Dinge, die Du sonst für Dich allein in Absprache mit dem Pflegepersonal und den Ärzten entscheidest. Wenn Du Dich freiwllig dorthin begibst, hast Du zwar offiziell bessere Karten, weil man Dir dann Einsicht unterstellt, das ist aber kein Freibrief dafür, daß das auch funktioniert.

Einen Betreuer bekommst Du vom Gericht, wenn Du z. B. mit dem Messer auf jemanden losgehst, oder man von Dir eine erhöhte Gefahr für das Leben anderer und Dein eigenes ausgehen sieht. Diese Betreuer wird man manchmal wesentlich schwieriger wieder los, als man denkt. So gibt es ja Betreuer für verschiedene Veranlassung, für Gesundheitsfürsorge, das wäre in Deinem Fall gegeben, für finanzielle Angelegenheiten oder Behördengänge. Die Gerichte machen es sich bei der Gesundheitsfürsorge relativ leicht und gehen nach den Vorgaben und Urteilen der Ärzte. Sie stellen Dir dann auch den Betreuer zur Seite, wenn Du es gar nicht für nötig hältst. Angeblich kann man, wenn man die Betreuung nicht mehr haben möchte, die ganze Sache beenden, ich habe da ehrlich meine begründeten Zweifel.

Wie schon gesagt, genügt eine Kleinigkeit, um an Deiner Urteilsfähigkeit zu zweifeln. Schon allein die Weigerung, Deine Tabletten um eine bestimmte Uhrzeit abzuholen oder vielleicht ein Wortgefecht mit einem Mitpatienten kann da vieles kaputtmachen. Es gibt Leute, die sind monatelang in der geschlossenen Abteilung, andere wiederum kommen in eine offene und kommen damit gut zu Recht. Und, bedenke, wenn Du einmal in einer solchen Kilinik warst, ist die Gefahr, daß Du wieder hineinkommst, wesentlich größer. Ich wünsch Dir Glück bei Deiner Entscheidung.

Expertenantwort
von DottorePsycho, Community-Experte für Psyche, 83

Zweimal ja.

Kommentar von XxChoXx ,

also man darf nicht mehr raus?

Kommentar von DottorePsycho ,

Sorry, ich hatte die Überschrift beantwortet.

Zweimal ja = Du kannst Dich selbst einweisen und Du kommst jederzeit wieder raus, es sei denn Du wärest eine Gefährdung für Dich selbst oder andere.

Antwort
von zeytiin, 102

Ich glaub du hast da immer noch einen Vormund also zumindestens wen man voll durcheinander ist ist das so

Kommentar von DottorePsycho ,

Du hast erst dann einen Vormund, wenn ein Gericht einen bestellt.

Wer sich selbst einweist, kommt idR auch jederzeit wieder raus, wenn er das möchte. Ausnahme: Er wäre eine Gefährdung für sich selbst oder andere. Ein Vormund bedindet jedoch nicht darüber.

Kommentar von zeytiin ,

Ja aber vllt finden sie raus das er sie für andere gefährlich ist .. Man weis ja nie dann bekommt es sie einen Vormund

Kommentar von DottorePsycho ,

Noch lange nicht. Einen Vormund bekommst Du dann, wenn das Gericht feststellt, dass Du nicht hinreichend in der Lage bist, Dein Leben und die wichtigen Entscheidungen zu managen. Dann macht das ja auch wirklich Sinn. IdR übernehmen insbesondere bei jüngeren Erwachsenen die Eltern diese Aufgabe. Bei Kindern und Jugendlichen sowieso.

Der Vormund entscheidet aber nicht über den Verbleib in der Psychiatrie. Der Vormund kann allenfalls eine Einweisung beantragen oder veranlassen, die dann fachärztlich bestätigt werden muss.

Ist der Patient eine Gefährdung, bleibt er in der Psychiatrie. Da spielt der Vormund keine Rolle. Er kann allenfalls beantragen, dass überprüft wird, ob der Aufenthalt noch gerechtfertigt ist.

Kommentar von zeytiin ,

Doch der Vormund entscheidet über den Verbleib in der Psychiatrie .. Wo soll den sonst so ein Mensch hin ? In normalen Haushalt kann er sich und andere in seiner Umgebung gefährden ..

Kommentar von zeytiin ,

Das ist genau das gleiche wie bei Omas und Opas die werden ja meist auch durch ihren Vormund ins Altenheim abgeschoben

Kommentar von Sternenbaecker ,

der vormund entscheidet nichts. er spricht eine empfehlung aus. dann prüft ein fachmann, dann entscheidet ein richter

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