Frage von life1990, 147

Kann man sich als "Sarah" kostenlos in "Sahra" umbenennen, wenn der Name im Krankenhaus aber nicht am Standesamt akzeptiert wurde?

Meine Verlobte trägt den Namen "Sarah". Dabei wurde sie im Krankenhaus ursprünglich als "Sahra" geboren, wo der Name auch auf ihr Baby-Band geschrieben wurde. Beim Standesamt jedoch wurde der Name nicht akzeptiert. Dort wurde nur die klassische in Deutschland bekannte Schreibweise "Sarah" akzeptiert. Nun würde sie gerne den Namen in "Sahra" ändern. Wie viel würde das kosten bzw. sind im genannten Fall überhaupt Kosten zu erwarten?

Antwort
von Amtsschimmel25, 77

Für eine rechtlich wirksame Namensbestimmung ist allein das Standesamt zuständig. Dies gilt sowohl für den Nachnamen als auch für den Vornamen.

Ausschlaggebend ist also nicht der Vorname der auf das Band im Krankenhaus geschrieben wurde (hier kann ja ein Schreibfehler des Krankenhauses vorliegen), sondern die Namensbestimmungserklärung der Kindeseltern und die Beurkundung im Standesamt. Das Standesamt hat sich dabei an die gesetzlichen Regelungen zur Vornamensvergabe zu halten. In Deutschland kann nicht wie in Amerika irgendein Vorname vergeben werden. Ein Vorname in Deutschland muß das Geschlecht eindeutig erkennen lassen, er muß den deutschen Rechtschreibregelungen entsprechen und er darf nicht das Kindeswohl gefährden.

Da der Name Sahra aus dem arabischen kommt und nichts mit dem Namen Sarah zu tun hat, kann es sein, dass dies kein Zulässiger Name war als das Kind geboren wurde, oder aber das Standesamt hat sich verschrieben bei der Beurkundung.

Im ersten Fall kannst du nichts machen, da die Kindeseltern dann einen Alternativnamen (Sarah) wirksam bestimmt haben.

Im 2. Fall kannst du eine Berichtigung deines Geburtsnamens beim Standesamt beantragen, sofern du nachweisen kannst, das es sich um einen Schreibfehler des Standesamtes handelt und die Eltern des Kindes eigentlich Sahra bestimmt hatten. Dies sollte dann kostenfrei sein, weil es ein Fehler des Standesamtes war.

Kommentar von life1990 ,

Ich fürchte es war der 1. Fall der Fall. Aber dann ist das Standesamt einfach nur dumm. Ist mir nicht nachvollziehbar warum der Name so nicht akzeptiert wurde.

Kommentar von martinzuhause ,

das standesamt nimmt da eben einfach nicht alles als namen was sich eltern da so wünschen.

ein deutsches standesamt muss da nicht jeden beliebigen türkischen namen auch als namen anerkennen

Kommentar von Amtsschimmel25 ,

Warum ist das Standesamt dumm?  Wenn es um deine Verlobte geht, ist davon auszugehen, dass die Namenträgerin derzeit mindestens 18 Jahre alt ist. Das bedeutet, dass sie vor der großen Kindschaftsrechtsreform der Bundesregierung im Jahr 2009 geboren wurde. Es ist nunmal so, dass sich rechtliche Rahmenbedingungen in den Jahren ändern. Ein Name, der in Deutschland nicht üblich ist und den Anforderungen des deutschen Personenstandsrechtes bzw. Namensrechtes zum Zeitpunkt der Geburt nicht entspricht, kann nicht vergeben werden. Wenn sich das im laufe der Zeit ändert, ist das pp für den Namensträger.

Die Eltern hätten sich ja nicht auf die Namensänderung in Sarah einlassen brauchen. Sie hätten lediglich den Nachweis erbringen müssen, dass dieser Name in Deutschland vergeben wurde, oder über die Uni Leipzig ein Gutachten vorlegen müssen (Kostet ca 4- 60 €) das dieser Name in Deutschland zulässig ist.

Ich habe eher den Eindruck das es den Eltern Egal war, da ihnen nicht bewusst war, dass Sahra nicht das gleiche ist wie Sarah.

Kommentar von life1990 ,

Doch den Eltern war es bewusst, aber sie waren sich ihren rechtlichen Möglichkeiten nicht bewusst bzw konnten das Geld nicht aufbringen.

Kommentar von life1990 ,

Apropos warum wurde 1990 der Name Leif zugelassen aber 1997 nicht der Name Sahra. Ich werde bis heute mehr für meinen Namen gehänselt als es "Sahra" jemals geworden wäre. #isso

Kommentar von Amtsschimmel25 ,

Folgendes, der Vorname Leif (Leiv) ist ein sehr alter auch im deutschen gebräuchlicher Name aus dem altnordischen /skandinavischen, der nicht so selten ist wie du vielleicht denkst. Er ist lediglich nicht sehr beliebt.

Bei Sahra ist es so, das dieser selbst heute in Deutschland nicht gebräuchlich ist und (ich habe gerade mal in meinen Internationalen Vornamenshandbüchern nachgeschaut) daher auch heute noch Schwierigkeiten bei der Beurkundung machen würde. Ich würde ihn ohne ein Namensgutachten der UNI Leipzig oder den Nachweis, dass es in Deutschland bereits diverse Beurkundungen mit diesem Namen gibt, nicht akzeptieren und beurkunden, weil auch ich die Ansicht vertrete, das dies kein Vorname ist, der den Vorschriften des deutschen Vornamensrechtes entspricht.

Kommentar von life1990 ,

was ist das Problem bei den Namen Sahra? Sahra Wagenknecht heißt so. 

Antwort
von PolluxHH, 45

Hier wäre ein Blick in die "Allgemeine Verwaltungsvorschrift zum Gesetz über die Änderung von Familiennamen und Vornamen" anzuraten (das BGB behandelt eigentlich nur die Änderung von Nachnamen).

Sollte der Name standesamtlich eingetragen worden sein, ohne daß die Ablehnung des eigentlich gewünschten Namens gerichtlich angefochten wurde, ist hier "Sarah" wie jeder andere Vorname zu handhaben.

Eine Änderung des Vornamens bei Kindern im Alter ab 1 Jahr und unter 16 Jahren käme nur aus schwerwiegenden Gründen zum Wohl des Kindes in Betracht (also müßte eine Kindeswohlgefährdung nachgewiesen werden), die hier nicht gegeben wären.

Dann kämen noch die "normalen" Änderungsgründe:

  • - Kann es zu Verwechslungen führen? (nicht hinreichend erfüllt)
  • - Ist Sarah zu exotisch? (Eher nicht)
  • - Ist Sarah schwierig zu schreiben oder auszusprechen? (Nicht wirklich)
  • - Ist es ein ausländischer Name, der bei Einbürgerung zur Vereinfachung angepaßt werden soll? (Nee, nix da)

Kurz: selbst gerichtlich dürfte hier eine "Änderung" nur dann erreichbar sein, wenn man noch ein Recht hätte, die Ablehnung anzufechten. Wurde der Name rechtswirksam niedergelegt, kann man es m.E. vergessen.

Kommentar von martinzuhause ,

sie will sich ja in sahra umbenennen lassen. das wird garnicht gehen. nicht jeder ausländische name muss hie anerkannt werden

Kommentar von PolluxHH ,

Da sagte ich ja auch "nee, nix da" ;). Die einzige Chance, wie Amtsschimmel25 richtig feststellte, wäre ein nachweislicher Fehler, aber den schloß ich aus, denn einerseits schien mir die Benennung zu lange her zu sein (Argument mit dem Bändchen etc. ...) und andererseits hätte man es gesagt, wenn die Eintragung fehlerhaft war. Es wurde "Ablehnung" gesagt, was eigentlich einen Schreibfehler ausschließt und eher die Zustimmung der Eltern bezüglich "Sarah" beim Standesamt erforderte.

"Sarah" ist übrigens auch nahöstlicher Herkunft, allerdings hebräisch ;).

Kommentar von life1990 ,

Mittlerweile wird der Name allerdings zugelassen. Beispiel Sahra Wagenknecht. Die konnte ihren Namen aus selbem Grund auch einfach ändern. Ich hasse diese unnütze Bürokratie. Ich mein, warum um Gottes Willen hat man damals nicht "Sahra" zugelassen?

Kommentar von PolluxHH ,

Bei Prominenz, besonders politischer Prominenz, wird es etwas weiter ausgelegt. Es macht teils auch Sinn. Nun publiziere eine andere "Sarah Wagenknecht" eine rechtsradikale Äußerung, darauf verwiese ein Artikel in Zeitung x, allerdings nur benennend, daß es von Sarah Wagenknecht verfaßt sei. Jeder Leser dürfte meinen, daß hier die Politikerin gemeint sei, aber es besteht in der Zitierpflicht keine Notwendigkeit zu sagen, welche Sarah hier die Böse war. Solange nicht durch Zusatzinformationen deutlich wird, daß hier genau DIE Sarah Wagenknecht gemeint sei, läge noch nicht einmal ein Verstoß gegen den Pressekodex vor. Dennoch - irgendwie sehe ich hier schon Art. 3 Abs. 1 GG verletzt, aber obige Argumentation ist schlüssig und damit als Einzelfallentscheidung anzuerkennen, ohne dabei eine Übertragbarkeit daraus ableiten zu können.

Und über Bürokratie kann man sich ärgern, aber wenig ändern, besonders sind nicht unverständliche Entscheidungen in der Vergangenheit selten zu ändern (und die Behörde gibt sich ungerne die Blöße, falsch entschieden zu haben). Was lohnt es da, sich zu ärgern?

Kommentar von Amtsschimmel25 ,

Dem muß ich dahingehend widersprechen, dass sie sich zwar offiziell Sahra schreibt, aber keiner weiss, ob es nur ein sog. Künstlername ist, da sie in der Öffentlichkeit steht und der Verwechslungsgefahr entgehen will (siehe z.B. Willi Brandt der ursprünglich anders hieß=) oder ob sie eine Tatsächliche Vornamensänderung durchbekommen hat, die auch im Geburtenbuch beurkundet wurde und damit in der Geburtsurkunde steht. Nur dann ist es ihr tatsächlicher rechtlicher Name. Sonst nur ihr "Künstlername" in der Öffentlichkeit.

Kommentar von PolluxHH ,

Dies wollte ich nicht überprüft haben, sondern vertraute einfach der Tatsachenbehauptung und wollte nicht erst recherchieren (wobei auch die Presse nicht mehr den Glaubwürdigkeitsstand bei mir genießt, dies zu unterscheiden), denn an entsprechende Gerichtsurteile kommt man so schlecht.

Die Formulierung "aus gleichen Gründen" reichte mir, hier keine Zweifel anzumelden, da für den Sachverhalt unerheblich. Wenn sie es durchbekommen haben sollte, dann wie oben, anders sähe ich keine Möglichkeit. Wichtig war m.E. eigentlich nur, daß die dann anzuwendende Argumentation nicht auf diesen Fall übertragbar wäre.

Expertenantwort
von furbo, Community-Experte für Recht, 52

Die Antwort findet man ab Nr. 62 im NamÄndVwV (Allgemeine Verwaltungsvorschridt zum Gesetz über die Änderung von Familiennamen und Vornamen):

"Vornamen dürfen nur geändert werden, wenn ein wichtiger Grund ihre Änderung rechtfertigt."

Die Frage, die du dir also stellen musst, ob eine derartige Änderungein "wichtiger Grund" ist. Die Kosten für die Änderung belaufen sich auf ca. 250 €.

Kommentar von life1990 ,

Na ja sie fühlt sich vom Standesamt diskriminiert. Und finde es blöd, dass es durch ihren häufigeren Namen oft zu Verwechslungen kommt!

Kommentar von martinzuhause ,

da wurde keiner diskriminiert. der name war einfach nicht zulässig. auch für andere nicht

Kommentar von furbo ,

Die Frage wäre, warum das Standesamt einen anderen Namen beurkundet hat. Aber selbst wenn es rechtswidrig gewesen wäre, dürfte es nun zu spät sein, die Rücknahme einen rechtswidrigen VAs zu fordern. 

Versuchen könnte sie es. Ich rechne dem aber keine großen Chancen zu. 

Kommentar von Amtsschimmel25 ,

Du befindest dich hier nicht im Verwaltungsrecht, sondern im Personenstandsrecht. Ein Name wird nicht per Verwaltungsakt festgelegt, sondern er wird mittel Beurkundung von den Eltern bestimmt. Das ist ein erheblicher Unterschied. Erst wenn der Standesbeamte die Beurkundung des Namens ablehnt und die Eltern darauf bestehen, kommen wir ins Verwaltungsrecht, da der Standesbeamte dann einen Rechtsmittelfähigen Ablehnungsbescheid der Amtshandlung verfügen muss. Dann gibt es auch kein Widerspruchsverfahren wie sonst in der Regel im Verwaltungsverfahren üblich, sondern das Familiengericht ist direkt zuständig und weist den Standesbeamten, der fachlich genauso wie ein Richter weisungsunabhängig und frei in seiner Entscheidung ist, an diese Amtshandlung durchzuführen.

Antwort
von qugart, 57

Da da kein wichtiger Grund vorliegt, wird der Antrag wohl abgelehnt werden.

Eine Änderung des Vornamens kostet irgendwas bis ca. 250 Euro. Plus natürlich die Kosten für die Änderung der vorhandenen Dokumente.

Antwort
von Hoegaard, 48

Das wird gar nicht gehen, weil ein wichtiger Grund vorliegen muss (lächerlich klingender Name etc.) Beantragen kann man aber alles, und im Falle einer Ablehnung sind die Kosten auch geringer als bei einer Änderung. Was es kostet, richtet sich nach dem Einkommen, max. um die 250 Euro, Ablehnung kostet nur einen Bruchteil

Antwort
von RobertLiebling, 19

Bei Sahra Wagenknecht hat das jedenfalls geklappt...

Kommentar von life1990 ,

musste sie dafür zahlen?

Kommentar von RobertLiebling ,

Keine Ahnung, das musst Du sie selber fragen^^.

Kommentar von life1990 ,

wie soll ich sie dazu befragen? Soll ich einfach schreiben: "He, Frau Wagenknecht, was hat es gekostet, dass sie aus Sarah Sahra gemacht haben?"

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