Frage von susala1, 51

Kann man sein Geld via erneuter Mahnung auch noch Jahre später einfordern?

Vor etwa 3-4 Jahren habe ich während meines Studiums als Freiberufler gejobbt. Dabei hatte ich auch einen Auftrag (von einer Bekannten vermittelt) nach dem ich nach Rechnungsstellung nicht bezahlt, sondern vertröstet wurde (er hatte nichts bezahlt, obwohl er zufrieden war; also waren noch 1200 Euro offen). Kurz danach war der Auftraggeber dann quasi tot, also nicht mehr auffindbar (via Telefon/Handy, Email, Adresse, Skype etc.). Er war zurück ins Ausland und keiner wusste wo und wie. Ein befreundeter Anwalt meinte, dass man da nicht viel machen könnte. So habe ich mein Bemühen irgendwann eingestellt.

Nun staunte ich nicht schlecht als ich vor ein paar Tagen eine Skype Message mit „Hallo wie geht’s?“ von diesem Auftraggeber erhalten hatte. Er scheint noch im Ausland zu sein hat aber seine Firmendaten in Skype und der Internetseite angegeben.

Kann ich den noch ausstehenden Betrag von ihm einfordern? Gibt es da rechtlichen Rückhalt?

Antwort
von PolluxHH, 26

Zuerst einmal gibt es die reguläre Verjährung von Geldforderungen von 3 Jahren ab Ende des Jahres, in dem der Anspruch entstanden ist (§ 195 BGB). Diese Frist verlängert sich auf 30 Jahre, wenn die Forderung tituliert ist, was nicht der Fall zu sein scheint.

Hier würde ich einmal genau auf das Datum schauen und sehen, ob noch eine Titulierung möglich ist. Sollte die Frist von 3 Jahren abgelaufen sein, kannst Du nur noch auf freiwillige Leistung hoffen.

Kommentar von susala1 ,

Das haut noch hin,da es ja bis Ende des Jahres läuft. 

Kommentar von PolluxHH ,

Es gäbe den Klageweg oder aber - sofern europäisches Ausland - das europäische Mahnverfahren für unbestrittene Forderungen. Die seit 2008 gültige EuMVVO macht es möglich. Hier solltest Du dich aber selber erkundigen.

Im Falle einer Klage wird mit Einreichung der Klageschrift die Verjährung gehemmt, allerdings dürfte dieser Weg sich kaum lohnen.

Kommentar von mepeisen ,

Kurze Ergänzung: Bei europäischen Mahnbescheiden ist in Deutschland zentral das Amtsgericht Berlin-Wedding zuständig.


Die Verjährung kann bei ernsthaften Verhandlungen oder Schuldanerkenntnissen gehemmt oder gar neu begonnen werden. Da noch einige Wochen bis zum Jahresende hin sind könnte man ja via Skype mal fragen, was er gedenkt wegen den Schulden zu tun. Ob er die nun endlich mal bezahlt oder wenigstens was unterschreibt, wann er sie bezahlt.

Vielleicht bekommt man so auch eine Lösung mit ihm hin, die zügigere Erfolge verspricht.

Oder man geht direkt über den Mahnbescheid/ die Klage.

Antwort
von kevin1905, 18

Forderungen aus 2012 wären mittlerweile verjährt, wenn sich der Schuldner auf die Einrede der Verjährung beruft.

Antwort
von glaubeesnicht, 31

Wenn die ganze Sache noch nicht verjährt ist, kannst du einen Titel gegen den Schuldner erwirken. Aus diesem kannst du dann die nächsten 30 Jahre vollstrecken.

Kommentar von susala1 ,

Das ist interessant. Geht das auch ins Ausland?

Kommentar von susala1 ,

Soweit ich erkennen kann geht der nur für EU. Wie ist das für Indien?

Da gibt es so was formales wahrscheinlich nicht.

Kommentar von glaubeesnicht ,

In diesem Fall solltest du einen Anwalt mit der Sache beauftragen. Man kann auch in Indien vollstrecken - falls bei dem Schuldner was zu holen ist. Ob sich der ganze Aufwand wegen 1200 Euro lohnt, mußt du entscheiden, noch dazu, dass du auf den Vollstreckungskosten sitzen bleibst, wenn beim Schuldner nichts zu holen ist. Du könntest dich ja in dieser Sache vorab anwaltlich beraten lassen. Bei einem Streitwert von 1200 Euro dürfte eine Beratung nicht allzu teuer sein.

Kommentar von PolluxHH ,

Allerdings hätte man eine weitere Frist von 8 Jahren zu beachten, siehe u.a. LG Trier, vom 29.05.1992, AZ 2 O 174/91 sowie AG Worms, vom 30.5.2000, Az. 3 C 9/00. Sollte innerhalb von 8 Jahren keine Vollstreckung aus dem Titel erfolgt sein, könnte darauf befunden werden, daß die Forderungen verwirkt seien.

Kommentar von glaubeesnicht ,

Mir ist bekannt, dass 30 Jahre gelten, wenn in dieser Zeit immer wieder Vollstreckungsversuche unternommen werden.

Kommentar von mepeisen ,

Das pure Vergehen von Zeit rechtfertigt nicht die Verwirkung.

Verwirkung ist etwas, wo der Schuldner aus besonderen Umständen erkennen kann, dass der Gläubiger auf die Forderung verzichtet.

Neben Zeit muss es ein sogenanntes Umstandsmoment geben. Klassiker ist, wo man Schulden bei einem Unternehmen hat und dann Jahre später wieder neue Verträge mit ihm abschließt. Wenn das Unternehmen dann nicht auf die Altschulden hinweist und dann Jahre später ankommt, dann kann man sich auf Verwirkung berufen.

Antwort
von franneck1989, 21

Alle Forderungen von 2012 oder früher sind bereits verjährt. Aber auch bereits verjährte Forderungen kannst du noch versuchen geltend zu machen - solange der Schuldner nicht die Einrede der Verjährung erhebt, kann das durchaus noch erfolgsversprechend sein.

Antwort
von rolfmartin, 35

Meinem Kenntnisstand nach verjähren derartige Forderungen nach 2 Jahren, sofern sich seitens des BGH's nichts geändert hat.

Kommentar von glaubeesnicht ,

Soviel mir bekannt ist, erst nach 3 Jahren.

http://www.finanztip.de/verjaehrungsfristen-bgb/

Kommentar von PolluxHH ,

Bei Käufen, Sachmängeln oder Mängeln in Zusammenhang mit Werkverträgen grundsätzlich 2 Jahre, hier aber 3 Jahre.

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