Frage von Coldnez, 175

Kann man sagen dass Buddhisten religiöse Atheisten sind?

Laut Wiki ist Buddhismus eine Religion, ohne einen Gott, daher atheistisch.

Dann könnte aber eine Atheist, der von Religionen spricht, auch seine eigene Weltanschauung miteinbeziehen, wenn diese zB Buddhist wäre. Stimmt diese Logik?

Expertenantwort
von Enzylexikon, Community-Experte für Buddhismus & Religion, 64

Ich selbst bin Buddhist und helfe gerne weiter.

Der Buddhist ist eine Religion ohne Lehre von einem allmächtigen Schöpfergott und äußert sich zu bestimmten metaphysischen Fragen nicht.

Es gibt eine Lehre mit einer Art von Heilsversprechen durch Selbstbefreiung, die durch die Praxis der Meditation und achtsames Handeln unter Einhaltung von Sittlichkeitsregeln erlangt werden kann.

Das ist etwas, das den Buddhismus von einer reinen Philosophie unterscheidet. Dass es verschiedene religiöse Rituale gibt, mag man dagegen auf asiatischen Lokalkolorit reduzieren.

Es gibt auch buddhistische Lehren, welche den gleichzeitigen Glauben an einen ewigen Gott schwierig machen - etwa die Lehre, das alles ewiger Veränderung unterworfen ist, denn davon wäre auch Gott betroffen.

Dennoch existieren  Buddhisten, die ein personifiziertes Gottesbild haben, das dann allerdings aus einer anderen Religion stammt.

So gibt es beispielsweise buddhistische Lehrer die zugleich christliche Priester sind und darin keinen Widerspruch sehen.

Meiner persönlichen Meinung nach sollte man den Buddhismus jedoch nicht zu sehr verbiegen, denn er ist alles andere als eine leichte Lifestyle-Religion für moderne Esoterik-Jünger, die sich nicht festlegen wollen.

Die Lehre "das alles Leben leidvoll ist" und das Gelöbnis, "das Leiden zu überwinden", oder sogar, wie im Mahayana-Buddhismus, das Versprechen "alle fühlenden Wesen zu retten" sind hohe Ansprüche.

Der Buddhismus erfordert also gewisse Anstrengungen. Wer da dann noch mit okkultistisch-spiritistischen Vorstellungen kommt, tut sich damit meiner Meinung nach keinen Gefallen.

Kommentar von Coldnez ,

Demnach wäre Buddhismus eher einer Philosophie zuzuschreiben.

Wie ich gerade festgestellt habe gibt es für den Begriff Religion über 100 Definitionsversuche an der keines allgemein Anerkannt wurde.

Kommentar von Enzylexikon ,

Wie gesagt, für mich ist Buddhismus mehr als nur eine Philosophie.

Natürlich kann man bestimmte moralische Richtlinien einfach deshalb akzeptieren, weil sie dem logischen Menschenverstand entsprechen.

Natürlich kann man auch ohne religiöse Motivation buddhistische Meditation üben, um mehr über sich selbst zu erfahren, oder gelassener zu werden.

Aber für die Vorstellung, das Ziel des Weges sei es, dem Kreislauf des Leidens zu entkommen und endgültig zu verlöschen bzw.  freiwillig im Daseinskreislauf zu bleiben, um anderen zur Befreiung zu helfen, setzt eigentlich einen Glauben an diese Dinge voraus.

Antwort
von Chaoist, 72

Der Buddhismus spricht nicht viel über Götter, kennt aber durchaus Dämonen. Buddha selbst wurde auf seinem Weg zur Erleuchtung mehrfach von einem Dämon angegriffen.

Im Wortsinn stimmt es daher, dass der Buddhismus eine atheistische Religion ist. Atheisten lehnen aber zumeist auch die Existenz von Geistern und Dämonen ab.

Außerdem gibt es auch BuddhistInnen die gleichzeitig eine zweite Religion verfolgen. Das geht deshalb gut, weil man den Buddhismus auch einfach als eine Philosophie betrachten kann.

Daher gilt, dass nicht alle Buddhistinnen = AtheistInnen sind, es aber sein können.

Kommentar von Enzylexikon ,

Wobei dieser Dämon Mara und die Verführungsversuche seiner Töchter auch durchaus als Symbole für einen inneren Konflikt des meditierenden Siddharta stehen könnten und keineswegs übernatürliche Wesen sein müssen..

Vielleicht ist es auch nur indisches Lokalkolorit, um die Geschichte spannender zu machen. Im asiatischen Volksglauben gehts dann eh viel "magischer" zu, als in den Lehrreden des Buddha.

Antwort
von dompfeifer, 26

Warum sollten Atheisten, also Nichtgottgläubige, genauso wie Nichtraucher oder Nichtschwimmer nicht vielerlei Religionen, Philosophien und Weltanschauungen anhängen? Worin besteht da Dein "logisches" Problem?

Antwort
von dompfeifer, 16

Buddhismus gehört zu den atheistischen Religionen. Das heißt keinesfalls zwingend, dass Buddhisten Gott oder Götter "ablehnen". Götter sind schlicht kein Bestandteil ihrer Lehre.

Antwort
von peace1287, 66

Also Atheisten glauben doch an nichts überweltliches. Was auf Buddhisten nicht zutrifft. Sie glauben an die Reinkarnation. Und auch an das Nirwana. Was zweifelsfrei ein glaube an ein jenseits ist. Daher sind Buddhisten keine Atheisten...

Kommentar von Coldnez ,

Wie definierst du 'überweltliches' ? Sind Theorien über 'dunkle Materie' in der Physik nicht auch etwas überweltliches? Oder besser: die Viele-Welten-Theorie?

Und warum muss der Glaube an das Jenseits einen Gott miteinbeziehen? Die Esotherik ist doch auch nicht an einem einzelnen Gott gebunden.

Kommentar von peace1287 ,

Hab ich irgendwo geschrieben, dass der glaube ans jenseits mit dem glauben an Gott verbunden ist!?

Mit überweltlichen meine ich den glauben an übersinnliche dinge, wie zb den glauben an geister, Dämonen und auch göttern, ebenso wie den glauben an ein jenseits oder ein leben nach dem tod.. kurz, alles sprituelle, was nicht messbar mit heutigen mitteln ist..

Und Esoterik hat nichts mit Atheismus zu tun! Atheisten glauben an nichts, was wie gesagt überweltlich ist...

Kommentar von peace1287 ,

Während Esoteriker und Spritualisten sehr wohl an viele überweltliche Dinge glauben. Und auch eine (manchmal auch eigene) Vorstellung vom Dasein nach dem Tod haben.  

Und Atheisten wiederum glauben nicht das irgendwas nach dem Tod passiert. Sondern das, dass Ende des biologischen Lebens auch das Ende der Existenz, der Persönlichkeit ( Des Seins) bedeutet. 

Wenn jemand an ein Jenseits glaubt aber nicht an die Existenz eines Gottes. So ist das dann kein Atheist sondern ein Esoteriker oder Spiritualist. Diese wiederum kann man aber nur schwer zuordnen. Da hier zumeist sehr unterschiedliche und eigene Glaubensvorstellungen aufeinander treffen. So gibt es zb. Esoteriker, die an die Existenz des göttlichen glauben und andere wiederum nicht...

Kommentar von peace1287 ,

Ich selbst glaube nicht an Gott als eine Person. (Wie Christen, Juden, Muslime)

Sondern an Gott als das göttliche im Kosmos. Mit göttlichen meine ich eine nicht messbare Kraft, die die Geschicke im Universum lenkt und beeinflusst. Und die im Stande ist, alles Existente im Universum auf geistiger Ebene miteinander zu verbinden. Ich glaube in jedem von uns wohnt eine Seele (diese definiere ich als Energie mit eigenem Bewusstsein.) Also das, was das ICH des Menschen ist. Der biologische Körper ist dabei nur ein Gefäß, welches von Leben zu Leben eine andere Form, Gestalt und auch Ort im Universum sein kann.

Ja, kurz gesagt wäre das, was ich glaube.. ich selbst würde mich als Spritualisten ansehen...

Kommentar von peace1287 ,

Naja und der Sinn des biologischen Lebens, dient unserer Seele. Je mehr im Einklang wir im biologischen Leben, mit der Natur und dem Kosmos sind,  desto "stärker" wird unsere Seele (die Energie, die sie ausmacht). Wenn wir es irgendwann schaffen in völliger harmonie und im völligen einklang mit dem Kosmos zu sein, wird unsere Seele stark genug sein, um Teil des göttlichen zu werden. Das göttliche Selbst,  stelle ich mir wie eine durch den Kosmos dringende,  allwissende Energie vor.  Quasi wie eine Datenbank kosmischen Wissens und der Weisheit. Die im stande ist, wie schon gesagt, Einfluss auf das universum zu nehmen... 

Antwort
von Andrastor, 37

Im Grunde ist jeder Mensch Atheist. Diejenigen die sich als Atheisten bezeichnen glauben oft nur an einen Gott weniger als der Rest.

Kommentar von Coldnez ,

widerspricht dass nicht der offiziellen Definition des Monotheisten? Diese können doch demnach keine Atheisten sein.

Kommentar von Andrastor ,

Der Spruch ist mehr ein Denkanstoß als eine logische Schlussfolgerung.

Es gibt mehrere millionen Götterfiguren auf der Welt. Ein Monotheist glaubt nur an eine einzige davon und glaubt nicht an die Existenz aller anderen. Damit ist ein Atheist nur um einen Gott ungläubiger als ein Monotheist.

Kommentar von MeGusta97 ,

Da musst du mich jetzt aufklären. Ich glaube an einen Gott, und dass tue ich sogar ziemlich überzeugt. Wieso sollte ich also jetzt ein Atheist sein? :)

Kommentar von Andrastor ,

Weil du an mehrere millionen Götter nicht glaubst. Über 5 millionen Shinto-Gottheiten, Buddah, Allah, Jahwe, Jehova, das fliegende Spagetthimonster, die Pantheons der Römer, Griechen, Normannen, Hindus, etc.etc.

Von all diesen Möglichkeiten glaubst du nur an eine. Damit bist du nur um einen Gott weniger atheistisch als ich.

Ist wie gesagt keine Logik, weil das Wort "Atheist" den Glauben an Gott ausgrenzt, aber es soll ein Denkanstoß sein.

Von allen Möglichkeiten, glaubst du an eine.

Antwort
von Dukkhanirodha, 10

Lieber Coldnez,
im Buddhismus wird traditionsübergreifend (in der Theravada-, Mahayana- oder Vajrayana-Richtung) die Existenz von Göttern in anderen Daseinsbereichen gelehrt. Den Buddhismus als eine Religion ohne einen Gott zu bezeichnen wäre nur dann korrekt, wenn man einen allmächtigen und ewigen Schöpfergott (in Anlehnung an das allgemeine Gottesverständnis im christlichen Glauben) unter der Bezeichnung "Gott" verstünde - einen solchen lehrt der frühe Buddhismus nicht. Alle Wesen, darunter auch sämtliche Götter, werden als der Geburt, dem Altern und dem Sterben unterworfen gelehrt und nur als mit begrenzter Macht begabt.

So finden sich in einigen Lehrreden des frühen Theravada Buddhismus in denen der Buddha als Lehrer der höchsten Götter erscheint. Vielleicht ist auch ein Link zu einer Fragestellung, die sich auf den buddhistischen Kosmos bezieht, nützlich (eine Antwort von mir ist auch gegeben): https://www.gutefrage.net/frage/frage-zum-buddhismusreinkarnation-goetter?foundI... Ich hoffe du konntest der Antwort etwas hilfreiches abgewinnen.

Herzlichst

Dukkhanirodha

Antwort
von MeGusta97, 56

Unter religiösem Atheismus versteht man etwas anderes. Buddhismus gehört meiner Auffassung nach nicht dazu.

Kommentar von Coldnez ,

was könnte deiner Auffassung nach religiöser Atheismus denn sein?

Antwort
von suziesext06, 28

hi Coldnez - nein, das stimmt nicht. Eine solche Fehleinschätzung, entweder in denunziatorischer Absicht oder aus Unkenntnis, stammt von Monotheisten, die in der alten Buddha-Lehre ein klares Bekenntnis zu Gott oder Göttern vermissen.

Tatsächlich hat sich der historische Buddha stets geweigert, Fragen nach Gott, dem Jenseits, der Seele, dem All, ja überhaupt alle philosophischen und religiösen Fragen zu beantworten. Man nennt dies das "Schweigen Buddhas", denn er lehrte, all derartige Fragen sind ungedeihlich, nicht zum Ziel führend, und er lehre nur die "Allgegenwart des Leiden", "seine Enstehung, sein Vergehen und den Weg zur Aufhebung des Leidens."

In den Pali-Sutras werden die vedischen Götter als rein geistige, langlebige aber auch dem Verlöschen unterworfene Personen dargestellt, zu denen aber der Buddha-Schüler keine religiöse Beziehung entwickelt.

Wenn überhaupt eine Bezeichnung passt, so ist die Buddha-Lehre am ehestens als eine spirituelle Psychologie, ideologie-feindliche, religiösen Glauben verwerfende  Übungspraxis definiert.


Antwort
von fricktorel, 22

Man kann besser sagen, dass wir alle "Sünder" sind (Röm.3,23) und ohne Jesu Opfer nicht leben können (Röm.6,23).

Kommentar von Coldnez ,

Das war garnicht meine Frage?

Antwort
von Lookser, 60

Religiös und Atheismus passen nicht zusammen

Kommentar von Coldnez ,

Dann wäre für dich die offizielle Definition von Buddhismus als etwas Widersprüchiges?

Kommentar von Lookser ,

Buddhismus ist der Glaube an etwas! Religion oder religiös sein, ist auch der Glaube etwas. Aber an was glaubt ein Atheist? 

Kommentar von Coldnez ,

Ein Atheist glaubt, dass es kein Gott gibt. Demnach glaubt ein Atheist dass zB der Exodus der Juden anders verlaufen sein müsste wie in der Bibel beschrieben ist. Wenn es jetzt aber für die Alternativ-Theorien keine Beweise gibt, dann muss doch der Atheist daran glauben müssen. Oder etwa nicht? Lediglich der Agnostiker ist für mich eher jemand, der behauptet etwas nicht wissen zu können, wobei hier Gott nicht gleich abgestritten wird.

Kommentar von Enzylexikon ,

Wenn es jetzt aber für die Alternativ-Theorien keine Beweise gibt, dann muss doch der Atheist daran glauben müssen

Ein Atheist wird vermutlich "Ockhams Rasiermesser" nutzen und sich für jene Theorie entscheiden, die am wenigsten Widersprüche und Unstimmigkeiten aufweist.

Dann "glaubt" er vielleicht an diese Theorie - aber eben nicht als absolute Wahrheit, sondern in Form einer "Arbeitshypothese".

Es ist eben ein Unterschied zwischen "glauben" in der Bedeutung "für relativ wahrscheinlich halten" und "glauben" im Sinne von "absolut überzeugt sein".

Ich glaube auch, dass ich morgen noch lebe...aber das ist eine relative Überzeugung und keine absolute.

Antwort
von 1988Ritter, 27

Deine Annahme ist falsch.

Auch der Buddhismus kennt zwischenweltliches.

Da dies der Atheist verneint, kann der Atheist kein Buddhist sein.

Kommentar von Coldnez ,

Ein Atheist verneint doch jediglich die Existenz von einem Gott.
Etwas Zwischenweltliches könnte ja physikalisch begründet werden, auch wenn dessen Gesetzmäßigkeiten nicht bewiesen ist.

Kommentar von 1988Ritter ,

Ja toll... Gott ist auch nicht bewiesen. Der kann ja dann auch "physikalisch" möglich sein.

Kommentar von Coldnez ,

Die dunkle Materie wurde auch nicht bewiesen und könnte aber physikalisch möglich sein. Sind jetzt solch Physiker mit diesere Theorie deswegen religiös?

Kommentar von 1988Ritter ,

zumindest erwartend.....

Antwort
von fricktorel, 2

Einfacher gesagt: wer Gott bekennt und tut nicht, was ER sagt, ist ein Lügner (1.Joh.2,4).

Weil aber der "Gott dieser Welt" (Offb.12,9) durch seine "Religionen" alle verführt hat (2.Kor.11,14), tappt die Menschheit bis heute noch im Dunkeln (Jes.59,9; 1.Kor.13,5).

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