Frage von Ever8deen, 63

Kann man *nicht gleich weinen* beibringen und wenn ja, wie?

Mein Neffe (5) ist wirklich ein total liebes Kind. Aber wenn´s ums verlieren (spielen) geht, er was haben will und nicht bekommt oder wie heute: seine Freundin musste um 19 Uhr nach Hause, fängt er immer so sehr zum weinen an, heult ich will aber/nicht, das es manchmal den Anschein macht, als würde er entweder nicht hören wollen/können oder schwer von Begriff ist. Jeder erklärt es auf seine Weise, wieso es jetzt nicht geht usw...doch er weint so laut, das man denken könnte, man würde ihn verprügeln.

Meine Methode war bisher, das ich ihm 1-2 mal erkläre, warum es nicht geht. Doch aufhören tut er erst, wenn ich beim 3. mal sag, es reicht jetzt und schick ihn hoch. (er ist öfters bei mir). Manchmal aber will er überhaupt nicht aufhören. Viele sagten, ich solle ihn dann ausschmollen lassen, funktioniert aber schlecht, wenn man unterwegs ist oder er sie komplett weigert hoch (Haus) zu gehen. Hab den Versuch mal gewagt, ihn vom Fenster heimlich beobachtet, doch der blieb 4 Std lieber auf den Stufen des Treppenhauses sitzen, als nach Hause zu gehen, weil er weiter spielen wollte. Musste ihn zum Schluss rauf tragen, weil es schon dunkel wurde.

Also wie kann man einem 5jährigen beibringen, das nicht alles so dramatisiert wird? P.S. bitte keine Antiautoritären Antworten geben, ich seh es bei seiner Oma das es ein Schuss in den Ofen ist, der hat 0 Respekt vor ihr.

Antwort
von teafferman, 14

Bocken lassen und seine Ablehnung der Situation ertragen sind zwei sehr verschiedene Paar Stiefel. Glaube mir. 

Wesentlich für das Kind ist in dieser Phase, dass es ständig eine klare Struktur hat. Du sagst also meinetwegen morgens die Struktur für die folgenden Stunden an. 

Da ist dann z.B. einzukaufen, danach Essen zu kochen. Bleibe bei Deiner Struktur. Gehe nicht auf seine Ablehnung ein. Beschäftige Dich, aber achte unbedingt auf DEINE Gefühle in dieser Zeit. 

Bleibe innerlich ruhig und gelassen. Beachte das Kind aus der Ferne - aus einem anderen Zimmer ist in so einem Fall in der ersten Zeit gar nicht schlecht. Lasse es sich in Ruhe austoben. Aber halte Deine Zeiten ein. 

Dann gibt es also Essen. Du kündigst das Essen an. Erinnerst noch daran, erst die Hände zu waschen. Und dann isst Du. Bitte ruhig und gelassen, aber auf die Tätigkeiten des Kindes achtend. Nicht hinschauend, innerlich achtend. Da ist Achtung mit drin. Beachtung des anderen So-Seins in seinem aktuellen Zustand. 

In dem Alter sind wir Menschen noch viel sensibler als später als Erwachsene. Das Kind spürt, auch wenn Du in einem anderen Zimmer bist oder oben in der Wohnung, auf welche Weise Du teilnimmst. 

Du hast also von oben beobachtet. Und abgewartet, wie lange er sein Ding durchzieht. Machtkampf ist das. 

Alternativ schaust Du von oben mit dem Gefühl des Fürsorge. Bis das Kind unten einschläft. Dann trägst Du es hoch. 

Ja. Ist anstrengend, aber sehr lohnend. Denn in dem Fall endet diese Phase auch bald wieder. 

Überlege, ob das Kind jetzt nicht noch mal eine Mittagspause braucht. Lege Dich, wenn irgend möglich, dann so zu dem Kind dazu, dass Du es nicht berührst, es aber Deine Körperwärme spüren kann. Lasse zu,, wenn der Junge kuscheln will. Dann widme Dich ihm ohne auf eine Uhr zu schauen. 

Tatsächlich erleben wir Menschen in diesem Alter eine wichtige Umbauphase im Gehirn und im Neuronalen Netz. 

Hinzu kommt, dass das eigene Ich sich von Deinem Ich nun löst. Dieser Ablösungsprozess wird von dem Kind als schmerzhaft wahr genommen. Deshalb sind Deine Gefühle in dieser Phase so wichtig. 

Das eigene Ich, der eigene Wille will entdeckt, erforscht werden. 

Was geschieht, wenn der Junge bei diesen Temperaturen am Hauseingang einschläft, während Du oben zusiehst?

Der Junge macht die Erfahrung, dass Du oben gestanden und auf ihn aufgepasst hast. Als sein guter, ihn beschützender Geist. Wenn Du so willst. Und dann hast Du ihn hoch getragen und ins Bett gelegt. Ganz liebevoll. Wie immer. 

Oh ja, ich schreibe aus Erfahrung. So ist es nicht. 

Ich habe die Wohnung komplett umgeräumt in dieser Phase, damit nur ja keine Verletzungsgefahr bestand. Es hätte ja die Idee aufkommen können, aus überschüssiger Energie und Verzweiflung mit Gegenständen um sich zu werfen. - Kam bei mir vor. 

Ich war im Nebenzimmer und habe gebügelt. Im Bewusstsein, verletzen kann er sich nicht. 

Nachdem ich fertig war und die angekündigte gemeinsame Zeit anstand, habe ich also nachgefragt, wie wir wohl nun gemeinsam spielen können im angerichteten Chaos. Es hat einige Tage gedauert, bis Verständnis dafür aufkam, dass sich in Chaos nicht gut spielen lässt. 

Ehrlich? Ich war nach vier Wochen -oder sechs, will mich da nicht festlegen - froh, als diese Phase vorbei war. Und er auch. 

Kommentar von teafferman ,

Noch zu anderen Leuten: 

Ich bin ja schon älter. In Geschäften erlebe ich hier und da solche Phase. Dann versuche ich, die Luft heraus zu nehmen, indem ich von hinten in der Nähe des Ohres mit meinem durchaus lauten Schlüsselbund Krach mache. Wirkt tatsächlich öfter. Ich gehe danach einfach meines Weges. 

Manchmal gehe ich auch direkt auf das Kind zu und versichere ihm, dass Mama oder Papa es doch lieb hat. Da gebe es ganz bestimmt keinen Grund, so einen Lärm zu machen. 

Oder es geht um irgendwelchen Kram, den das Kind haben will. Dann bringe ich es durchaus fertig, dem Kind sehr ernsthaft und warnend zu erklären, dass das gewollte Zeug gar nicht gut ist, ungesund, zu Aua führt auf länger Sicht oder so. Kommt halt drauf an. 

Wer anders reagiert, der ist nur zu bedauern. Denn wir Menschen haben nun mal alle diese Entwicklungsphase. Es sei denn, wir werden von unseren Eltern so gefoltert auf emotionaler Ebene, dass wir uns gar nicht trauen, diese Phase zu leben. Das ist dann äußerst bedauerlich. Denn so kann sich kein erwachsener Mensch bilden 

Ansonsten leben in meiner Nachbarschaft viele kleine Kinder. Die haben auch mal ihre Phase. Bei den meisten ist zu hören, dass es diese Phase ist. Ansonsten ist es zu sehen. 

Dir kann also die Umwelt wo vorbei gehen. Entweder sie versteht, oder sie hat keine Ahnung, ist selbst in einem Zustand, der von einem Psychiater durchaus behandelbar ist. Das aber ist nicht Dein Problem. 

Antwort
von Nashota, 21

Viele Kinder können nicht gut verlieren. Zum Teil können, wenn Erwachsene mitspielen, da etwas "schummeln", um dem Kind auch mal ein Erfolgserlebnis zu geben.

Was die Zeit zum Spielen angeht, vielleicht mal mit einem Wecker versuchen. Ihm vorher und in Ruhe erklären, dass, wenn der Wecker klingelt, die Freunde nach Hause müssen.

Und das haben wollen und bocken, wenn es nicht gegeben wird, kommt es darauf an, um was es geht. Gab es zum Beispiel schon ein Eis und er will noch ein zweites, kann man ihn vor die Wahl stellen: Dann gibt es morgen keins, wenn er das für morgen schon heute aufisst.

Kommentar von Ever8deen ,

Wecker hab ich auch schon probiert. Kein Erfolg...im Gegenteil, das Brüllen wird stärker

Kommentar von Nashota ,

Zeigt er auch bei seinen Eltern dieses Verhalten? Sind seine Eltern noch zusammen?

Antwort
von larry2010, 13

also bei meinen neffen , der ist 3 einhalb wurde schon letztes jahr erklärt, wenn seine eltern noch einkauften, das sie einkaufen und dann wiederkommen. klar weinte er und jammerte er, aber wir sagten dann, das wir eine folge thomas schauen oder lenkten mti spielzeug ab. am anfang, schmollte er auch kurz oder wollte nach draussen, um zu sehen, ob sie wirklich weg sind. aber nach 5 minuten kam er zu uns, versicherte sich, das mama und papa wiederkommen und gut war.

schlimm war nur, als er 2 wochen bei uns bleiben musste, seine mutter war krank und es wurde täglich telefoniert, da jammerte er aber dann nur beim telefonieren mit mama und merkte täglich, das sie anruft und dann wurde es immer weniger. zum schluss interessierte er sich nur kurz für das gespräch.

wenn wir jetzt merken, er hängt an dem tag sehr an den eltern, gehen wir beim nachbar hasen füttern, seine eltern mit und wenn er mit mir ums eck schaukelt, gehen sie ohne verabschiedung weg. merkt er das, wird gesagt, das sie sein freunden sind oder einkaufen und ob wir jetzt hasen füttern oder schaukeln oder thomas gucken.

ich würde schauen, das es eine alternative gibt, die er annehmen kann.

im übrigen hatten wir auch schon geschrei, wenn wir einkaufen waren und er sich in der einkaufsstrasse auf den boden setzte, weil er müde war, aber auch nicht gefahren werden wollte.

da wurde merhmals erklärt, was die möglichkeiten sind und wenn er sich weigerte, gaben wir ihm zeit, in ruhe nachzudenken.genauso wurde er auch geschnappt und in den buggy gesteckt, so schnell, das er überrascht war.

ist halt nicht leicht, zum einem müssen kinder die möglichkeit haben, zu erfassen, was es für folgen hat, zum anderen muss man zeigen, das weiss, was das richtige ist. 

wie man bei deine neffen sieht, ist da der kampf sehr heftig, wer hartnäckiger ist. ausdauer hat er, also such eine alternative, der er nicht wiederstehen kann.

wenn er nicht verlieren kann, hilft nur konsequent sein, wie meine oma und gleichzeitig vermitteln, das zusammen etwas machen am schönsten ist.

Antwort
von Goodnight, 8

Hier wird viel zu oft und zu lange auf das Kind eingeredet. Es kann gar nicht aufhören.

So einfach ist das für Kinder gar nicht.  Man darf ruhig trösten und Verständnis haben, dass es jetzt eben so ist.

Ich verstehe dass du traurig bist und dass es dich wütend macht. So ist es manchmal. Dann machst du einen Vorschlag was man zusammen spielen oder kochen könnte etc. Morgen ist auch noch ein Tag.. 

Das reicht dann aber auch. Strafcharakter sollte so eine Situation nicht haben.

Erst wenn sich das Kind angenommen fühlt, kann es auch lernen anzunehmen was nicht zu ändern ist. Ist bei Erwachsenen übrigens auch so.

Antwort
von kiniro, 7

Nein - ich würde ihn in Ruhe lassen und vielmehr auf ihn eingehen statt ihn für seine Bedürfnisse und Gefühle zu bestrafen.

Stell dir mal vor, du hast einen schlecht Tag und wirst jedes Mal von deinem Partner weg geschickt, wenn du ihm davon erzählen willst.

Übrigens halte ich von keiner Erziehungsform etwas.
Somit auch nicht von antiautoritär. 
Ich bin vielmehr in der Antipädagogik zuhause.

Am besten wäre es ja, wenn du die nächsten 20 Jahre keinen Kontakt mehr zu deinem Neffen hättest.
Erspart ihm den Frust, bei dir nicht als der Mensch angenommen zu werden, der er ist - und du musst nicht nach ätzenden Erziehungsmethoden suchen.

Kommentar von Ever8deen ,

Sag mal ist mit dir heut keiner Gassi gegangen oder wieso kläffst du mich so an? Hat man dich als Kind etwa so behandelt und nun interpretierst du zu viel rein oder was?

Das hatte nichts mit *nicht auf seine Bedürfnisse eingehen* zu tun, schlechten Tag hat jeder, aber jeden Tag 5-9 mal so einen Aufstand machen, fällt nicht unter die Kategorie *Schlechter Tag*

Antwort
von Sanja2, 26

Der Junge hat wohl gelernt, dass dieses Verhalten ihm irgendeinen Vorteil bringt. Sei es, dass er bekommt was er will oder das er zumindest ein Höchstmaß an Aufmerksamkeit bekommt.

Es hilft also nur jetzt genau das nicht zu tun. Er bekommt mit diesem Verhalten erst mal gar nichts, weder das was er will, noch Aufmerksamkeit. Auch auf die Gefahr hin, dass es stundenlang dauert oder er erst mal versucht noch höher zu drehen.

Das ist zwar hart, aber wenn man es konsequent schafft ist das Verhalten sehr schnell Vergangenheit.

Kommentar von Ever8deen ,

Das ist richtig. Aber wie mach ich das?

Beispiel: Er spielt draußen, bis zu einer vereinbarten Zeit. Dann heißt es hoch gehen. Er brüllt und dreht auf. 

Sag ich´s dann und erkläre und bring ihn dann hoch? Oder warte ich bis er selber hoch geht und ausschmollt? 

Kommentar von Sanja2 ,

Was passiert den normalerweise als nächstes wenn er hoch kommt? Essen?

Dann
würde ich es so machen. Ihm sagen, dass er jetzt reinkommen soll. Er
wird hochdrehen. Ihm dann mitteilen, dass es jetzt Essen gibt und er
bitte reinkommen soll. Dann gehst du rein und es gibt Essen. Wenn er
kommt macht er mit, wenn er nicht kommt bleibt sein Essen halt an seinem
Platz stehen. Wenn er später kommt kann er das kalte Essen gerne noch
essen, aber bekommt nichts extra. Er soll nicht hungrig ins Bett gehen,
aber es gibt auch nichts extra. Alles was es ausser der notwendigen
Grundversorgung zur rechten Zeit gegeben hätte gibt es dann eben nicht.
Wie z.B. einen Nachtisch oder Ketchup, oder oder.

Wichtig,
achte darauf, dass er trotzdem liebevoll ins Bett gehen kann. Kein Kind
sollte mit dem Gefühl ins Bett gehen müssen, dass der Mama stinksauer
ist.

Ich würde also wenn ich das Kind ins Bett bringe sagen
"Der Tag war so schön, nur am Ende hat mich das sehr geärgert. Ich habe
dich total lieb und wünsche mir, dass es morgen besser klappt. Wir
fangen morgen zusammen neu an."

Antwort
von wurstbemmchen, 19

Wenn es "nur" dein Neffe ist, wirst du wenig Einfluss darauf haben. Die Frage ist, ob er zu Hause Erfolg mit diesem Verhalten hat und dann so seinen Willen durchsetzt. Klingt nämlich ein wenig danach.

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