Kann man mit ner traumatischen vergangenheit überhaupt jemals "normal" leben?

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6 Antworten

Auch Menschen, die das KZ überlebt haben, waren imstande ein "normales" Leben zu führen. Nicht alle. Aber doch erfreulich viele. Google mal den Begriff Resilienz, um das zu erklären, fehlen hier Zeit und Platz.

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Kommentar von ichweisnetwas
05.02.2016, 09:05

Naja ich mache ja weiter und das schonimmer. Hab nie den kopf in den sand gesteckt egal was war oder wie es mir ging.

Nur fühlt es sich so "leer" an und zwar alles. Was genau mich immer weitermachen lässt weis ich schonlange nichtmehr da ich generell wirklich keinerlei ankerpunkt in meinem leben habe.

Vielleicht ist es nur der dumme gedanke das bessere tage folgen müssen. Aber da kann ich nachdenken soviel ich will das ist recht sinnlos.

Die frage ist vielmehr wie ich das "leben" in mir wieder aufwecke was ich schon früh als kind irgendwann verloren hab.

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Hallo!

Nicht von jedem Psychologen kannst du Hilfe erwarten. Es heißt immer wieder, dass 90% der Psychologen selbst erst mal Hilfe brauchten! Viele Menschen ergreifen einen 'helfenden Beruf', weil sie schlimmes erlebt haben, sich selbst nicht helfen konnten und jetzt anderen Menschen helfen wollen. Das funktioniert nicht!

Du kannst dich aus den Strukturen, die du als Kind gelernt hast, befreien. Das geht nicht von heute auf morgen, aber wenn du dich darauf einlässt, geht es dir vom ersten Tag an besser und eines Tages gut!

Mir selbst ging es bis zu meinem 43. Lebensjahr so wie dir! Dann hatte ich endlich den Mut, zu einer anonymen Selbsthilfegruppe, die es für mein spezielles Problem gibt, zu gehen.

Ich habe im Laufe der Zeit die kranken Strukturen durchschaut, verstehe 'mich selbst' und kann mich damit heute auch in andere Menschen hineinversetzen.

Es ist ein langer, aber lohnenswerter Weg! Und mit 24 sind die Prägungen noch nicht so ausgeprägt wie mit 43.

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Kommentar von ichweisnetwas
05.02.2016, 09:42

Ja da denk ich auch realistisch und denke ich kann grade weil ich noch so "jung" bin da recht gut einlenken.

Nur muss man erstmal den weg finden.

Ich steck genaugenommen seit ca 3 jahren in ner "sackgasse" es geht weder vor noch zurück. Natürlich bin wahrscheinlich ich selbst mir im weg das ist ja meistens so bei solchen problemen.

Ich werd mich weiter umhören eventuell finde ich für mich ja noch ne passende "heilung"

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Ja.

Du bist erst 24, ein halbes Kind. Gib dir Zeit. Denk erstmal an dich, versuche das Leben zu genießen, finde raus was dir Spaß macht. Versuch Vergangenheit und Zukunft ruhen zu lassen und schau was kannst du jetzt tun.

Was ist es, dass dir jetzt einen guten Moment bescheren kann. Was leckres zu essen? Eine warme Dusche? Ein Kaffee?
Sport?

Aber, sag den Leuten deine Meinung, reinfressen heißt gegen sich selbst wenden.

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Einige können es mit oder ohne psychologische Hilfe, andere nicht. Bei einigen geht es schneller als bei anderen. Einige Menschen benötigen für die Aufarbeitung viele Jahre oder sogar den Rest ihres Lebens. Eine allgemeingültige Antwort gibt es leider nicht. Wenn du meinst, du könntest kein "normales" Leben führen, dann solltest du dir auf jeden Fall so schnell wie möglich psychologische Hilfe suchen. Alles Gute!

Übrigens müssen Probleme im Leben nicht immer und notwendigerweise etwas mit traumatischen Erlebnissen in der Vergangenheit zu tun haben.

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Kommentar von ichweisnetwas
05.02.2016, 09:13

Naja ich ziehe probleme quasi an. Wenn es nicht die gewalt in der kindheit war, dann starb jemand der mir nahestand, ich wurde verraten oder mich hat irgendwas gesundheitliches auser gefecht gesetzt.

Genaugenommen hatte ich nochnie ein jahr in dem ich einfach mal "ruhe" hatte.

ich steh immernoch aufrecht aber langsam mach ich mir doch gedanken da ich selbst auch merke wie negativ ich die gesamte welt betrachte und wie mir quasi jeglicher anreiz fehlt den ich eventuell mal hatte.

Bei psychologen war ich durchaus. Nur leider sehen die bei mir oft nicht soviel probleme da ich noch recht "normal" damit umzugehen scheine. Das es einen innerlich trotzallem zerfrisst muss ich da denk ich kaum betonen

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Man kann mit einer traumatischen Vergangenheit ein normales Leben führen. Es kommt unter anderem darauf an, wie du mit dieser Vergangenheit umgehst und ob du sie wirklich als ein Teil deines Selbst akzeptierst.

Wenn du immer nur allen etwas vorspielst, dann verleugnest du dich jedes mal auch ein Stück selbst. Wie du ja selbst schon gemerkt hast, kommt die Wahrheit am Ende doch immer raus.

Ein normales Leben ist wie ich bereits geschrieben habe möglich, doch das erfordert viel Arbeit und auch Hilfe von einem Therapeuten. Ohne Therapie wirst du es nicht schaffen.

Wie gut oder wie schlecht die Therapie verläuft hängt zum großen Teil auch von dir selbst ab. Du musst komplett offen und ehrlich sein und darfst dem Therapeuten nichts vorspielen. Und du solltest bereit sein, die Dinge die er dir vermittelt auch anzunehmen, du musst dich auf die Therapie einlassen.

Viele machen ihrem Therapeuten was vor, sind nicht offen und ehrlich zu ihm und wundern sich dann, das sie in der Therapie keine Fortschritte machen.

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Die Vergangenheit kannst du nicht ändern. Du musst sie "annehmen" und mit ihr leben.

Das bedeutet, dass du deine "Narben" nicht verstecken solltest. Natürlich musst du damit nicht hausieren gehen, aber steh zumindest dazu, dass es Dinge in deinem Leben gibt, über die du nicht sprechen willst.

Und mach dir bewusst, dass dein Pessimismus nur Selbstschutz ist: wer nichts Gutes erwartet, kann nicht verletzt oder enttäuscht werden. Aber das hilft dir nur in Extremsituationen - auf Dauer macht es dich kalt, leer und einsam.

Du schreibst, dass du Menschen verloren hast, die dir nahe standen. Also GAB es Menschen, die dir sehr viel bedeutet haben. Aber du siehst nur, dass sie jetzt nicht mehr da sind, statt mal ein bisschen Dankbarkeit für die Zeit zu empfinden, in denen du sie hattest.

Dasselbe gilt für deine Gesundheit - "krank" kann man nur werden, wenn man vorher gesund war! Aber "Gesundheit" war für dich entweder selbstverständlich oder ein "kurzfristiges Täuschungsmanöver" des Schicksals.

Und auch mit deinen Beziehungen: sie gehen immer in die Brüche? Da draußen gibt es Millionen Menschen, denen das nie pasieren wird. Weil sie überhaupt nicht in der Lage sind, eine Beziehung anzufangen!

Dein Glas ist halb leer, weil DU es so willst. Du kannst aber auch entscheiden, dass es halb voll ist. Und wenn es leer ist, kann man nachschenken!

Übernimm die Verantwortung für dein Leben! Du bist den Dingen nicht hilflos ausgeliefert! Vertraue dir selbst, und lerne, auch der Welt wieder ein bisschen mehr zu vertrauen.

Wer Schlimmes erlebt hat, träumt gerne von einer perfekten Welt - und geht oft daran kaputt, dass er sie nicht findet. Aber es gibt sie nicht! Die Welt ist voller Fehler und Ungerechtigkeiten.

Gerade deswegen kann sie wunderschön sein. Weil nichts selbstverständlich ist. Und weil nichts um uns herum perfekt ist, müssen wir es auch nicht sein!

Klingt zwar furchtbar banal, kann aber unheimlich befreiend sein!!!

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