Frage von paradiddleboi, 16

Kann man mit der Reductio ad absurdum in formaler Logik mehr als eine Prämisse verwerfen, bzw. als Konklusion eine "Oder Aussage" machen?

Hallo Leute,

ich hoffe, es gibt noch ein paar Philosophen oder Kenner formaler Logik in diesem Forum. Ich rekonstruiere gerade für eine Hausarbeit ein Argument aus "The Concept of Mind" von Gilbert Ryle, das momentan wie folgt aussieht:

P1: Neigungen sind Motive für Handlungen

P2: Es ist unmöglich, Wissen über die Neigungen ander Menschen zu haben

K1: Also ist es unmöglich, Wissen über die Motive anderer Menschen zu haben

P3: Es ist aber möglich, Wissen über die Motive anderer Menschen zu haben.

K2: ?

Der Autor, dessen Argument ich rekonstruiere, verwirft eigentlich beide Prämissen: Er richtet sich sowohl gegen P1, als auch P2. Wie kann ich das formal darstellen? Wäre ein einschließendes "oder" hier erlaubt (im sinne von und/oder)?

K2: Neigungen sind keine Motive für Handlungen oder es ist möglich, Wissen über die Neigungen anderer Menschen zu haben.

Irgendjemand eine Idee, wie ich das sonst lösen könnte?

Danke im Voraus.

Antwort
von RevatiKKS, 8

Da muss man kein Philosoph oder Kenner formaler Logik sein, es genügt ein wenig gesunder Menschenverstand.

K2 müsste heißen: Also muss es noch andere Ursachen als Neigungen für die Handlungen von Menschen geben.

Von vornherein richtig ausgedrückt müsste das eigentlich so heißen:

P 1 Neigungen und äußere Umstände sind  Motive für Handlungen.

P 2 Weder Neigungen noch äußeren Umstände in denen sich andere Menschen befinden sind uns immer bekannt.

K1 Wir sollten niemals vorschnell urteilen.

Aber da denke ich wohl nicht philosophisch genug. Philosophen haben oft die Neigung, einfach Dinge so zu verkomplizieren, dass sie für "Durchschnittsmenschen" nicht mehr verständlich sind. Zum Glück gibt es dann Philosophen, die es "erklären" können :-)

Antwort
von Ahzmandius, 5

Rein formal verwirft er nicht P1.

Warum?

Dort steht:
Neigungen sind Motive für Handlungen

-Neigungen sind also Motive

Aus P3 folgt eigentlich, dass es auch Motive gibt, die keiner Neigung entspringen.

Neigungen -> Motive -> Handlungen

Alle Neigungen sind Motive für Handlungen

Nicht alle Motive sind Neigungen..

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