Frage von DBKai, 8

Kann man gute Handlungsweisen auch als Böse wahrnehmen?

Wenn man gute Dinge aufgrund von den falschen Motiven macht könnte man diese ja auch als schlecht sehen....In dem Fall wäre es so als wenn es gar nichts Gutes auf der Welt geben würde.. Gibt es das Gute? Und wann ist etwas wirklich gut?

Antwort
von PolluxHH,

Es gibt ein Grundproblem darin, daß wir gerne "Gut" und "Böse" auf eine zweidimensionale Ebene reduzieren. Dies macht alles so schön einfach, aber ist keine angemessene Vorstellung. Nehmen wir Eigennutz gegen Freigiebigkeit bei Nahrung. Will man alles für sich ohne Rücksicht darauf, ob andere dann verhungern, ist das "böse". Der Gegensatz aber wäre, nichts für sich zu wollen und selber zu verhungern, auch nicht wirklich besser. Die Variante, soviel zu behalten wie nötig und angemessen und den Rest an Bedürftige verteilen ist eine Mischung, ein Ausgleich zwischen beiden Prinzipien. "Gut" und "Böse" ist damit kein Gegensatz auf der gleichen logischen Ebene, sondern "Gut" stellt eine Synthese dar, eine neue logische Ebene. Dies wird nur gerne übersehen.

Mephistofeles spricht davon, ein Teil jener Kraft zu sein, die stets das Böse will und stets das Gute schafft, ebenso aber kann man es umkehren. Das allgemeine Problem besteht darin, daß was Gut sei zu definieren, es dann nicht mehr zu hinterfragen und umzusetzen. Gesetze, Gebote und Verbote können keine Intention portieren. Dabei vergessen wir gerne, daß etwas Gutes tun nicht eigennützig ist. Im Namen des Guten wurden fast noch größere Greueltaten begangen, als im Namen des Bösen.

Ist es gut, dem Enkel das Theologiestudium zu finanzieren, um sich ein Teil von Himmel zu kaufen? Nicht wirklich, das ist Eigennutz. Ist es "Gut", aus PR-Gründen eine Spende zu tätigen, wissend, daß die dadurch erreichte Publizität in den Medien als kostenlose Werbung weit mehr Mittel verbraucht hätte, wenn man die gleiche Aufmerksamkeit durch bezahlte Werbung zu erreichen versucht hätte? Nicht wirklich. Gutes Handeln ist nie von der Motivation bzw. Intention zu trennen, unabhängig davon, ob es auch etwas Gutes bewirkte.

So zum Beispiel bringen reine Ernährungshilfen in Ländern nichts, in denen ein strukturelles Ernährungsproblem herrscht. Dadurch erreicht man nur, daß sich das Problem immer weiter ausweitet, wenn man nicht auch die strukturellen Probleme angeht. Hilfe, die zu einem relativ verstärkten Anstieg der Bevölkerungszahlen führt, ohne eine erhöhte Lebensmittelproduktion zu ermöglichen, ist ein Faß ohne Boden.

Was ist also Gut? Ich hatte schon gesagt, daß Gut einen Ausgleich darstellt, eine Synthese von These und Antithese, das Gute als Produkt eines dialektischen Prozesses. Ein Prozeß findet aber in der Zeit statt und ist abhängig vom jeweiligen Erkenntnisgrad. Die praktikabelste Variante des "Guten" aber findet man in der Formulierung "Liebe deinen Nächsten wie Dich selber", in der operationalen Form als goldene Regel

Alles, was ihr also von anderen erwartet, das tut auch ihnen!

ohne hier missionarisch wirken zu wollen, denn sowohl im Judentum, Buddhismus, Konfuzionismus, Daoismus, Islam und anderen Religionen findet man hierfür Entsprechungen. Hier gibt es keine Verbote oder Gebote, die man stupide befolgt (auch hier fehlte die rechte Intention des Handelns), sondern hier handelt man aus sich heraus und aus seinem Bezug zu seiner Umwelt in den man sich einsetzt und hier auf eine Ausgewogenheit achtet.

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