Frage von RealCoholicos, 68

Kann man "Fan" eines Unternehmens werden?

Hallo, also ich frage mich, ob man "Fan" eines Unternehmens werden kann ? Man kennt ja sicher diese Leute die vor den Apple Läden übernachten, nur um ein iPhone zu bekommen. Ist es bei RB Leipzig ähnlich ? Ich meine, 2009 wurden sie "gegründet". Heute kommen zu den Heimspielen (!) zahlreiche Zuschauer, was man im TV so mitbekommt, ist die Stimmung trotzdem nicht sehr gut. Ich frage mich jetzt, woher kommen diese Leute ? Red Bull hat sich ja den Standort Leipzig ausgesucht, weil dieser betriebswirtschaftlich effektiv ist, nicht weil Verbundenheit zur Stadt besteht. Sie haben ja auch Vereine in New York oder Salzburg usw. ( RB NY, RB Salzburg ) wo auch schon mal gerne Spieler hin und her geschoben werden. Wie kann man es also verstehen, dass der Verein auf einmal Zuschauer begrüßt ? Liegt es nur am Erfolg ? Dann sind es ja eigentlich keine Fans. Und woher kommen sie ? Waren sie vorher vielleicht Fans von Sachsen oder Chemie Leipzig ? Dann wechseln sie den Verein ja wie die Unterhose. Also ehrlich gesagt versuche ich nur zu verstehen, was gewisse Leute bewegt zu diesem Verein zu gehen ? Ich denke darüber nach, aber mir fällt nichts ein. Klar, geht im Profisport heute nichts mehr ohne Geld. Es ist aber ein Unterschied, wenn ich mich als Verein von Geldgebern Sponsoren lasse, was ja auch Unternehmen sind, oder wenn ein Unternehmen sagt, wir rufen Fußball "Vereine" als Marketingmaßnahme ins Leben um höhere Gewinne zu generieren. Ist es nicht etwas lächerlich, dann quasi Anhänger eines Unternehmens zu sein ? Ich meine Ok, Leverkusen und Wolfsburg sind auch "Werksclubs" und nicht so hoch angesehen wie zB Eintracht Frankfurt oder Stuttgart oderso, aber Bayer und VW haben wenigstens noch einen Bezug zur Stadt.

Red Bull versucht ja einfach nur mehr Gewinn zu generieren, der einzige Bezug sind Standortfaktoren, wie kann es also sein, dass RBL "Fans" hat ?

Vor allem wenn einen dazu noch niemand ernst nimmt, die Spiele gegen Red Bull als die langweiligsten der Saison angesehen werden und fast nie Auswärtsfans mitkommen, weil es einfach keinen Interessiert wenn Red Bull spielt. Persönlich komme ich zum Glück nicht aus Leipzig, ich würde allerdings auch nicht nach RB gehen, weil ich mich schämen würde. Also wie kann ich jetzt irgendwie verstehen, dass der Verein überhaupt Zuschauer hat ? Das soll auch nicht beleidigend sein, aber dass RB nicht ernst genommen wird ist ja nunmal Fakt, ich möchte es einfach nur verstehen.

LG

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Steuerbaer, 27

Ich persönlich kann es auch nicht nachvollziehen, weswegen es Leute gibt, die zu so einem seelenlosen Produkt rennen. Beim Fußball geht es doch um die Verbundenheit zu Heimatstadt/-region, dem bedingungslosen mitfeiern/-fiebern bei Auf- bzw. Abstieg und nichtzuletzt den seit Jahrzehnten weitergegebenen Riten und Traditionen. All das findet man bei RB in der Form nicht vor.

Ich denke, es ist letztendlich ein Gemisch aus verschiedenen Faktoren, welche RB gegenwärtig recht erfolgreich dastehen lassen. Zum Einen haben die traditionellen Vereine aus Leipzig es nicht geschafft, sich in der Zeit nach der Wende trotz großzügiger Unterstützung von Seiten der Stadt sich dauerhaft einen Platz im Profifußball zu erarbeiten. Vielmehr geben Lok und die diversen Nachfolgevereine der BSG Chemie immer wieder aus verschiedener Hinsicht (mehrere Insolvenzen, inkompetente Vereinsführung, sportlicher Mißerfolg, Randale) ein schlechtes Bild in der Öffentlichkeit ab. Nun sind diese Faktoren nicht unbedingt allein typisch für Leipzig - jedoch konnte man in kaum einer anderen Großstadt in Deutschland (vielleicht nur noch vergleichbar mit Essen) den Niedergang von einer von Fußballmacht zur Provinzmannschaft beobachten. Die "normalen Fans" blieben mehr und mehr den Stadien fern - es blieben (im wahrsten Sinn) die "harten" übrig. Anstatt gepflegt die gegenseitige Abneigung zu begehen, uferte dies bei verschiedenen Begegnungen in den 90er und 2000er Jahren zwischen Lok und Chemie derart aus, dass man Fußball und Leipzig in der öffentlichen Wahrnehmung nur noch mit Randalen in Verbindung brachte. Was so natürlich nicht stimmt, da es nur einen Teil widerspiegelt, jedoch ist dieses Stigma, dass beide Vereine nun umgab Gift, denn es schreckt viele Fans ab, die vielleicht sonst noch zu den Spielen gekommen wären.

In diese Gemengelage stach nun RB als neuer Player. Anstatt als Sponsor bei einem der traditionellen Leipziger Vereine einzusteigen, erwarb man den Vorortclub SSV Markranstädt - und konnte sich somit von jedem (hier halt negativ belegten) Image der Fußballtradition von Leipzig entledigen. Jedoch ist dieses Abschneiden von allen fußballerischen Wurzeln Segen und Fluch zugleich. Denn gerade in Zeiten, in denen der Erfolg ausbleibt oder eine sportliche Stagnation eintritt (und das wird trotz aller Millionen auch irgendwann bei RB der Fall sein) zeigt es sich, ob ein Verein wirkliche Fans hat. Diese "echten Fans" sind bei RB aber offenbar überhaupt nicht gewollt. Das mache ich nicht nur am Fehlen von Tradition fest - auch im Punkte basisdemokratischer Mitbestimmung durch Fans/ Fangruppen macht sich ein signifikanter Unterschied zu den anderen Vereinen deutlich. Die Hürden einer Mitgliedschaft sind bewusst extrem hoch angesetzt und selbst wenn man das nötige Kleingeld dafür aufbringen kann, besteht immer noch die Gefahr, dass man von den "Vereins-Oberen" abgewiesen wird. Dies ist ein Punkt, der vielen Fans in Fußball-Deutschland im Bezug auf das Konstrukt RB am meisten zuwider ist. Denn dieses Konstrukt konterkariert das traditionelle Bild des Fußballs als einen von der Basis her geführten Verein.

Es gibt offenbar recht viele Zuschauer, denen dies offenbar egal ist oder nur am Rande interessiert. Sie wollen nur 90 Minuten unterhalten werden, ob das Geld dafür aus Österreich, China oder den Molukken kommt, tangiert sie wenig. Auch der Punkt mit der Mitbestimmung scheint viele nicht zu stören - es könnte ja in Anstrengung ausarten. Was die "Vereinsführung" entscheidet, wird schon richtig sein. Dies ist soweit auch legitim - ein Jeder hat das Recht seine Freizeit so zu gestalten, wie er mag. In dem "Erfolg" solch seelenloser Konstrukte zeigt sich für mich generell ein Stück weit der Zustand unserer Gesellschaft, welche immer mehr zur Oberflächlichkeit und Erfolg um jeden Preis tendiert.


Auch hat hier im Osten offenbar ein gewisser Teil der Bevölkerung das irrationale Gefühl in irgend einer Form benachteiligt zu sein. RB bietet dem eine Plattform in der Weise, das man vorgibt, jetzt könnte man auch hier erstklassigen Fußball geboten bekommen. Das RB sich nur aus marketingstrategischen Gründen für den Standort Leipzig entschieden hat, wird dabei verdrängt. Dadurch sind diese Zuschauer für viele (mich eingeschlossen) im engeren Sinn keine Fußball-Fans sondern einfach nur Kunden, welche wenn der Erfolg ausbleibt einfach weiterziehen.


ein fan des Chemnitzer FC

Antwort
von kami1a, 13

Hallo! Fan bedeutet nicht mehr als Anhänger und da gibt es kaum Grenzen. Du kannst auch Fan von mehreren Vereinen sein. von Goofy oder gerne auch von mir

Ich wünsche Dir einen schönen Sonntag

Antwort
von Rottx1512, 3

Ich verstehe es auch nicht ganz. Aber vielleicht sollte man mal überlegen was damals geschehen ist als die heutigen "älteren" Fußballclubs gegründet wurden. Die Münchner Löwen wurden 1860 gegründet. Ich glaube nicht, dass beim allerersten Spiel von 1860  gleich Massen von Zuschauern erschienen sind. Ich bezweifle, dass es das Wort "Fan" damals überhaupt schon gab.

Ich glaube dass die RBL Fans einfach nur "mitreisen" weil sie wieder einen Leipziger Club (oder einen Club aus der Region) in der BL sehen wollen.
Bei den Fans aus Salzburg dagegen ist das wieder was ganz anderes wie man vor kurzem festgestellt hat...

Antwort
von freeeeenet, 16

Heutzutage sind alle Fußball-Bundesligisten große Wirtschaftsunternehmen mit Millionen-Umsätzen. Nur sind halt Vereine wie Leipzig, Wolfsburg, Leverkusen oder Hoffenheim mit Hilfe eines großen Konzerns dahin gekommen, andere wie HSV, Köln, Stuttgart oder Werder sind eher traditionell gewachsen, wenngleich die ohne große Sponsoren auch nicht überlebensfähig wären.

Antwort
von Ceddie1211, 39

Ich bin zwar kein RBL Fan aber bei denen ist halt Redbull der Hauptsponsor genauso ist es bei anderen Vereinen. Dadurch haben die halt einen schnellen Erfolg. Worauf nur viele neidisch sind.

Ps: Bin kein RB Fan bin Bayern Fan (und das nicht wegen des Erfolgs)

Kommentar von RealCoholicos ,

Aber andere Vereine bestanden doch schon vorher und werden von Unternehmen unterstützt, so zB auch Bayern. RB wurde als Marketingmaßnahme ins Leben gerufen.

zB auch wie RB Salzburg oder NY. Sie werden ja nicht unterstützt. sie wurden generiert um den Unternehmenserfolg zu steigern.

Also fändest du Apple Regensburg gegen Samsung Cottbus in einer Liga mit Red Bull Leipzig toll ? Dir ist klar, dass diese Konstrukte auch dem FCB den Rang ablaufen würden ?
Wie oft bist du in der Saison eigentlich im Stadion ? Wahrscheinlich 1-2 mal wenn es hoch kommt, wenn du Münchner wärst würdest du wohl anders reden, meiner Meinung nach hast du keine Ahnung.

Lass es einfach

Kommentar von Ceddie1211 ,

Ja aber BAYER Leverkusen ist dann wieder ok

Kommentar von Ceddie1211 ,

Nichts gegen Leverkusen

Antwort
von paulklaus, 20

Ichsachmaso:

Dein überflüssig langer Text "motiviert" geradezu zu einem so genannten Lese-Widerstand, dem auch ich mich nicht entziehen kann...

pk

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