Frage von bababu19, 92

Kann man eurer Meinung nach Psychotherapeut werden, wenn man selbst einen bräuchte?

Antwort
von schloh80, 18

Sofern die Arbeit mit Patienten nicht beeinträchtigt ist, ist das kein Problem. Bei einer akuten psychischen Erkrankung ist davon aber in der Regel nicht auszugehen. 

Die Empfehlung ist, dass eine psychische Erkrankung remittiert sein soll und dass Patientengruppen mit ähnlicher Problematik nicht in Behandlung zu nehmen sind (Sorgfaltspflichten) und dass ansonsten ein erhöhter Supervisionsbedarf besteht (Qualitätssicherung). Ansonsten verstößt ein Psychotherapeut gegen seine Berufspflichten.

Zu beachten ist noch, dass bei der Approbation die gesundheitliche (auch psychische) Eignung für den Beruf nachgewiesen werden muss (Attest auf Vordruck der Approbationsbehörde).

Antwort
von Wolfnight, 9

Im Grunde gibt es niemanden, der nicht schon mal psychische Probleme hatte. Wenn du es schaffst, deine fest in den Griff zu bekommen, steht dir nichts im Weg, Psychotherapeut zu werden. Ich finde, dass man dadurch sogar einen Vorteil hat. Und zwar versteht man wirklich, was in seinen Patienten vorgeht und tut nicht nur so als ob. Also ich merke den Unterschied sofort, ob mir jemand gerade ein paar Tipps gibt, die er irgendwo mal gelesen hat und die ansatzweise zu meiner Situation passen oder ob jemand mich versteht und mir ehrlich da raus helfen möchte. Auf der anderen Seite besteht bei dir immer die Gefahr, dass du selbst rückfällig wirst, du musst also einen starken Willen entwickeln. Schließlich wirst du dir oft Geschichten anhören müssen, die deiner eigenen sehr ähnlich sein können. Man kann es in etwa mit einem ehemaligen Raucher vergleichen, der ständig von Rauchern umgeben ist. Du musst lernen, dich von deinem Beruf und den Menschen zu distanzieren, damit du keinen Schaden davon nimmst.

Antwort
von annablanka, 13

Es gibt viele Menschen die Psychotherapie studieren/lernen, weil sie eher fragen zu ihrer eigenen Psyche klären wollen und dann aber als Therapeuten arbeiten. Also ja, kann man :)

Antwort
von TRichter1956, 6

Wenn ich die Frage genau lese ("... Psychotherapeut werden ..."), dann kann ich nur "ja" antworten. Als angehender Psychotherapeut darf ich natürlich sehr wohl Probleme haben, die einer Behandlung bedürfen. Aber: Ich sollte, wenn ich dann als Psychotherapeut arbeite, meine Probleme einigermaßen bewältigt haben.

Antwort
von julius1963, 57

Kann man Zahnarzt werden, wenn man Zahnschmerzen hat? :-) Natürlich. Deine Erfahrungen sind nicht zu unterschätzen. Allerdings auch nicht Deine Frage...

Kommentar von bababu19 ,

Glaube, dass es beim Zahnarzt etwas anderes ist :D

Kommentar von Nishiwaa ,

Das ist überhaupt nicht vergleichbar.

Kommentar von julius1963 ,

Bitte den letzten Satz lesen.

Antwort
von Pusteblume8146, 70

Nein, zumindest in dem Zustand nicht, weil ich der Meinung bin, dass man dafür auf jeden Fall psychisch stabil sein sollte. Du musst ja professionell mit den Problemen deiner Patienten umgehen können, und das wird schwer möglich sein, wenn du nicht einmal selbst ein ausgeglichener Mensch bist.

Antwort
von nowka20, 26

nur wenn ein psychotherapeut selber ne "macke" hat, kann er anderen menschen psychisch helfen

Antwort
von watsonemma, 17

Es gibt einen Unterschied zwischen "wenn man selbst einen bräuchte" und "wenn man selbst einen hat". Der zweite Fall ist überhaupt kein Problem, viele Therapeuten sitzen selbst regelmäßig bei einem "Kollegen", damit sie im Umgang mit ihren Patienten stabil genug sind, um ihnen zu helfen.

Im ersten Fall ist es allerdings ein großes Problem. Um so einen Job ausüben zu können, ist psychische Stabilität die Voraussetzung. In der Therapie geht es nur um die Patienten, kein Stück um dich, es wird wahnsinnig belastend sein und mit deinen eigenen Problemen wirst du auch weiterhin alleine dastehen. Also such dir selbst einen guten Therapeuten und beginne dann mit der Ausbildung ;)

Antwort
von MagicalMonday, 40

Klar, so lange du nicht arbeitsunfähig bist. Sich selbst einer Therapie zu unterziehen gehört sogar zur Ausbildung.

Überlege aber gut, ob du emotional dazu in der Lage bist, den nötigen Abstand zu den Problemen anderer zu halten.

Kommentar von schloh80 ,

Das ist nicht korrekt. Eine Arbeitsunfähigkeit ist sehr weitreichend. Es ist vielmehr entscheidend, ob ein Psychotherapeut aktuell mit Patienten arbeiten kann, wenn nicht, dann darf er dies eben auch nicht tun, auch dann, wenn er ansonsten arbeitsfähig ist (z.B. Berichte, Gutachten usw. schreiben kann etc.) 

Kommentar von MagicalMonday ,

Klar, ich meinte schon arbeitsfähig als Therapeut. Hier geht es aber darum, Psychotherapeut zu werden, und nicht heute als einer zu arbeiten.

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