Frage von Superrentner, 48

Kann man durch Überschreiben des gesamten Vermögens auf eine dritte Person jemand zeitnah enterben?

Wenn meine Mutter durch Überschreibung ihres gesamten Vermögens an meine Schwester versucht, mich zu enterben, ist das möglich? Vor Jahren gab es eine Frist von 10 Jahren, die seit der Überschreibung verstrichen sein musste, dann war das Erbe weg. Verstarb der "Überschreibende" vor Erreichen der 10-Jahresfrist, dann konnte der "Enterbte" seinen Pflichtteil beanspruchen. Inzwischen hat sich aber meines Wissens das Erbrecht geändert. Gibt es diese 10-Jahresfrist noch und wenn nicht, wie ist die Rechtslage heute? Bitte nur der antworten, der sich im Erbrecht gut auskennt.

Antwort
von imager761, 13


Inzwischen hat sich aber meines Wissens das Erbrecht geändert. Gibt es
diese 10-Jahresfrist noch und wenn nicht, wie ist die Rechtslage heute?


Ja, ergänzt duch das sog. Abschmelzungsmodell, § 2325 III BGB.

Unverändert bleibt eine lebzeitige Schenkung an deine Schwester 10 Jahre nach Übergang ohne Anrechnung.

Der zu deiner Erbquote hälftige Pflichtteil bemässe sich dann an dem, was deine Mutter abzüglich ihrer Verbindlichkeiten und Bestattungskosten im Erbfall noch hinterliesse, ihrem sog. Reinnachlass.

Innerhalb dieser 10-Jahres-Frist würde, ab dem zweiten Jahr nach Übertragung alljährlich um jeweils 1/10 fallend, der abschmelzende Schenkungswert zur Pflichtteilsquote dem Nachlass hinzugerechnet und von diesem sog. fiktiven Reinnachlass dein PT berechnet.

Bsp: Sie hinterlässt im Erbfall 2017 noch 47 TEUR, nach Abzug aller Kosten verbleiben 40 TEUR. Von deinem gesetzlichen Erbe 20 TEUR kannst du auf Antrag von der alleierbenden Schwester 10 TEUR in Geld verlangen.

Sie hätte 2010 deiner Schwester 60 TEUR geschenkt. Restwert 2017 = 29 TEUR. Von den fiktiven (40+29=) 69 TEUR stünden dir Pflichtteil mit Ergänzung zu, 17,25 TEUR.

Das gälte natürlich nur dann, wenn du nicht erbunwürdig bist. Und nur für den Fall, dass du eine Schenkung beweisen könntest.

Im Übrigen darf sich deine Schwester vorab für Pflege ihrer Mutter einen Betrag aus dem Erbe entnehmen, der den Reinnachlass als alleinige Berechnungsgrundlage deiner Ansprüche erheblich mindert: § 2057a BGB.

Entweder durch Pflegpflichtvereinbarung in der Schenkungsurkunde geregelt 500 EUR/Monat oder n. § 2057b BGB je nach Pflegebedürftigkeit Pflegegeld für Angehörigenpflege (ab 1.1.2010 zwischen 440 Euro pro Monat in Pflegestufe I und 1.510 Euro in Pflegestufe III).

Im Ergebnis bist du damit vom Geldsegen deiner Mutter tatsächlich ausgeschlossen.

G imager761

Antwort
von Odenwald69, 25

Hallo ich würde dir empfehlen damit zu einem anwalt zu gehen zu gehen und ich fachgerecht beraten zu lassen, klar kostet das geld  aber dann hast du auch bessere chancen. So auf gerüchteküche und Dr. google würde ich hier nicht bauen.. das ist am falschen ende gespart.

Antwort
von SaVer79, 24

Doch, die 10 Jahres-Frist gibt es immer noch, allerdings heißt es nun nicht mehr alles oder nichts. Der Anteil der für die Pflichtteilsberechnung dem Vermögen wieder zugerechnet wird, verringert sich pro Jahr um 10%, nach 6 Jahren also nur noch 60%

Kommentar von wfwbinder ,

So ist es.

Antwort
von SquadStein, 8

Ja, aber nicht zeitnah: http://www.erbfix.de/2016/05/kann-man-den-pflichtteil-durch.html

Es gewinnen wieder mal die Kriminellen, die es auch zeitnah schaffen. Und der Gesetzgeber schaut uninteressiert zu.

Antwort
von MrWhity, 15

mit so einer frage würde ich direkt zum rahthaus gehen und nicht hier. ist es als schenkkung geschehen, hast du Pech weil sie das ab den zeit punkt nicht mehr in ihren besitz ist.

Kommentar von SaVer79 ,

Na ja....das Rathaus hat damit nun überhaupt nichts zu tun und kann da auch nicht weiter helfen

Kommentar von MrWhity ,

naja gut. in meinen ort ist alles dort vertretten. wo das Büro bei dir ist, musst du selbst heraus finden oder dein Anwalt fragen, wenn er das erbrecht gelernt hat.

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