Kann man die deutsche Sprache noch retten?

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13 Antworten

Hallo,

natürlich haben Anglizismen Einfluss auf unsere Sprache. Ich glaube auch, dass sich diese Entwicklung mit fortschreitender Globalisierung nicht aufhalten lassen wird.

Sprache ist nun mal lebendig und verändert sich.

Im Zeitalter von Chat, Blogs, Foren und sozialen Netzwerken wie fb sind auch Wortschöpfungen, wie adden, liken usw. angesagt, ob es einem gefällt, man es versteht und man diese Wortschöpfungen nutzt, ist eine andere Sache.

Einige solcher Wortschöpfungen bleiben Modeerscheinungen, andere setzen sich über einen mehr oder weniger langen Zeitraum auch durch und finden sich dann auch im Duden wieder.

Auch wenn z.B. in Frankreich Anglizismen bis März 2015 mehr als 20 Jahre lang per Gesetz verboten waren und in Deutschland alljährlich der Sprachpanscher (2007: DB) und der Sprachwahrer (2013: DB) des Jahres gekürt werden (siehe: PS),

ist die Sprach- und Wortwanderung keine Einbahnstraße und auch nicht neu.

Wir importieren nicht nur Wörter aus dem Englischen und aus anderen Sprachen – bei manchen wird die Schreibweise angepasst (dt. Keks = engl. cakes = Kuchen pl.) –

sondern exportieren genauso deutsche Wörter ins Englische – manche davon werden in der Schreibweise übernommen (kindergarten) – und in andere Sprachen.

Zu den 'ausgewanderten' deutschen Wörtern, die nach England und Amerika ausgewandert sind, gehören u.a. blitzkrieg, autobahn, kindergarten (aus der Zeit des 3. Reiches) und rucksack (ein Wort, was durch die Weltkriege in Ausland gelangte).

Aber auch: Gemütlichkeit, Zeitgeist, Wunderkind, Bauhaus, Ding an sich, Schnitzel, Pretzel, bratwurst, sauerkraut, beerfest, Doppelgänger, Schnaps, dachshund, gedankenexperiment, fahrvergnuegen usw.

Ganz interessante Artikel dazu kannst du ergoogeln unter:

- Deutsche Wörter ein Exportschlager

(bairische-sprache.at/Index/Zeitungsartikel/2009/MM/Deutsche%20Woerter%20-%20ein%20Exportschlager%20-%20MM%2013.7.2009.pdf)

- Diese deutschen Wörter werden im Ausland benutzt

(merkur-online.de/aktuelles/kultur/diese-deutschen-woerter-werden-ausland-benutzt-882170.html)

- Denglisch für Anfänger I

(fr-online.de/meinung/kolumne-denglisch-fuer-anfaenger-i,1472602,3244474.html)

- Zwiebelfisch: Weltsprache Deutsch

(spiegel.de/kultur/zwiebelfisch/zwiebelfisch-weltsprache-deutsch-a-356502.html)

Eine Liste mit Germanismen findest du unter folgendem Link:

spiegel.de/kultur/zwiebelfisch/zwiebelfisch-deutsch-als-amtssprache-der-usa-a-295157.html

Außerdem gibt es in der deutschen Sprache auch und weit mehr lateinische und griechische Wörter als englische, worüber man sich bei weitem nicht so aufregt, wie über die Anglizismen.

Wenn man wie so oft gefordert wird, sämtliche (Schein-) Anglizismen aus der deutschen Sprache verbannen würde, wie es sooft von allen möglichen Seiten gefordert wird, täte man sich schwer. Mir fallen auf Anhieb 20 'englische' Wörter ein (Job, Sweatshirt, Gangster, Computer, Hobby, Champion, Walkman, Camping, Band, Jeans, Popstar, Hit, Shorts, Steak, Toast, Clown, Popcorn, Keyboard, Disco, Cornflakes), die wir jeden Tag ganz selbstverständlich verwenden, ohne uns darüber Gedanken zu machen.

Weitere sind z.B.:

Manager, Hairstylist, Backshop, Sale, Coffee to go, coachen, checken, Cardigan, downloaden, casten, canceln, Boxershorts, Pullover, Wellness, Happy End, Shampoo, Babysitter, Chips, Service-Point, Counter, McClean, Event, Performance, Highlight, cool, Teenager, Kids, Showmaster, Quizmaster, Talkmaster, Beamer, Spleen, High Heels, Slipper, Slip, Smoking, Pudding, Oldie, Oldtimer, Evergreen, Hometrainer, Egoshooter

Diese Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Aber Achtung bei der Übersetzung, denn es können auch falsche Freunde dabei sein.

So heißt

- Mobiltelefon - mobile oder cell phone; handy aber praktisch usw.

- body bag - Leichensack und nicht Handtasche

- check - kontrollieren und nicht verstehen

- control - (an)steuern und nicht kontrollieren

usw.

Nett auch der undertaker (Leichenbestatter) als Unternehmer.

Dazu verweise ich immer wieder gerne auf folgenden Video-Clip mit Thomas Freitag.

Viel Spaß bei der Lektüre und beim Anschauen!

:-) AstridDerPu

PS: Interessant auch, dass es sowohl in Frankreich als auch in Deutschland inzwischen entgegengesetzte Bestrebungen zu den o.g. gibt.

So wurde in Frankreich das o.g. Gesetz zum Verbot englischer Wörter in der französischen Sprache aufgegeben (siehe: http://www.welt.de/kultur/article138497201/Frankreich-gibt-Kampf-gegen-englische-Woerter-auf.html; die Leerschritte in der URL bitte löschen)

und ist Deutsch wieder im Kommen (siehe: angehängter Artikel aus dem Münchner Merkur vom 30.01.2015.)

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Zeitgenossen schätzen es grundsätzlicher als problematischer ein als Spätergeborene.
Das 18. Jahrhundert sah die deutsche Sprache voll von französischen Fremdwörtern, von denen sich nur wenige wirklich festsetzen konnten (Chaiselongue: nein, Chaussee: ja).
Im Mittelalter war soviel Latein in der Sprache, dass Kirchenlieder halb und halb gesungen wurden. ("In dulci iubilo, nun singet und seid froh, unsres Herzens Wonne leit in praesepio.")

Das Denglisch werden wir auch überstehen, obwohl es derzeit etwas lästig ist.
Ein anderes Beispiel: die Jugendsprachen.
Ich habe manche gehört, die schon zu Lebzeiten wieder vergangen sind.
Oder weiß heute noch jemand, was "kanische Röhren" sind?
(Jeans, ca. 1968)

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Kommentar von ralphdieter
14.03.2016, 00:08

Schesslong, Trottwar und Portmonee sind bei den Schwaben durchaus noch im Gebrauch. Aber möglicherweise hat das mit den Waldensern zu tun (sozusagen die Asylanten von 1699).

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Wieso sollte man die deutsche Sprache "retten" müssen? 

Deutsch hat ca. 100 Millionen Muttersprachler, wird in mehreren Ländern gesprochen, gelernt … Ich sehe nicht, wo es da was zu "retten" gäbe. Deutsch kann sich echt nicht beklagen, wenn man da an andere Sprachen denkt, die vom Aussterben bedroht sind. 

Deshalb bemühe ich mich meine Muttersprache möglichst rein zu halten

Und wie willst du das tun? Deutsch ist auch ohne die ganzen Anglizismen keine "reine Sprache". Es wurde schon immer von anderen Sprachen beeinflusst und hat Wörter davon übernommen. Man denke nur an die französischen und lateinischen Fremdwörter! 

Übrigens gilt das nicht nur für Deutsch, sondern auch für andere Sprachen: Guck dir Englisch an. Extrem viele Wörter stammen aus anderen Sprachen und Englisch ist trotzdem immer noch Englisch: eine eigene Sprache mit einem riesigen Wortschatz. 

Denkt ihr, dass das richtig ist?

Das ist weder richtig noch falsch, sondern einfach sinnlos. Sprache wandelt sich und du kannst den Wandel nicht stoppen. Das heutige Deutsch unterscheidet sich auch von den deutschen Dialekten des Mittelalters. Die Idee des "reinen Deutschs" ist eine Utopie. Wenn du das vollständig umsetzen würdest, wäre der deutsche Wortschatz um einiges kleiner und um einiges weniger reich. 

aber es ist einfach ein kulturgut.

Es wird auch mit englischen Wörtern noch ein Kulturgut bleiben. Deutsch wird die nächsten Jahre oder Jahrzehnte nicht verschwinden. Sieh Anglizismen als Bereicherung an, nicht als Hindernis. Immerhin erweitern sie die deutsche Sprache. :) 

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Kommentar von ralphdieter
13.03.2016, 22:25

Sieh Anglizismen als Bereicherung an

Naja, wenn der Project-Manager im Meeting committet, dass das Deployment erst erst in zwei Wochen On-Top ist, fällt mir das schwer (obwohl ein herzlicher Lacher ja auch bereichern kann).

Aber man muss ja nicht jeden Unsinn mitmachen! Solange ich mich noch klar und deutlich ausdrücken kann, nehm' ich das gelassen.

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Da kann man leider nicht viel gegen machen. Man kann nur hoffen, dass Englisch irgendwann "out" ist. ;)

Es gab auch früher schon sowas. Im 17 Jahrhundert hatte man beispielsweise was ähnliches nur eben mit Französisch. Sprache ist eben im Wandel.

ich hoffe noch drauf, dass wenigstens die Grammatik erkalten bleibt und wir nicht noch den Genitiv und das "dass" irgendwann begraben müssen. Um die zwei wäre es schade. 

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Ich denke das Problem liegt bei der Technologie, es gibt halt eben kein deutsches Wort für chat. Ich denke das es ganz ok ist diese aus dem deutschen Gebrauch zu lassen aber irgendwie finde ich auch das immer mehr englische Wörter im Deutschen Wortschatz auf eine zukünftige Welt hinweist wo alle Menschen die selbe Sprache sprechen. Natürlich ist es Kulturgut aber irgendwann muss halt was neues besseres ran. 

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lies trotzdem schöne texte wie "der herr der ringe" mit mittelhochdeutschen elementen oder später mit deinen kindern märchen. sprache kann sich ja um (englische) begriffe erweitern, aber das lyrische, schöne und ursprüngliche daran kannst du relativ einfach "erhalten" und seinen wert weitergeben.

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Kommentar von Clarissant
13.03.2016, 22:11

Vielleicht eine blöde Frage, aber wo in "Herr der Ringe" finden sich mittelhochdeutsche Elemente? (Ich habe das Buch, seit ich 12 war, nicht mehr gelesen und kann mich gerade beim besten Willen nicht an Mittelhochdeutsch erinnern.) 

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Sprache ist ein Kulturgut da ist richtig. Aber Kultur entsteht auch immer nur durch Veränderung. Auch die deutsche Sprache wie wir sie heute kennen entstand nur weil sich die Sprache verändert hat. Daher ist eine der versuch so eine Veränderung zu stoppen unsinnig (und auch garnicht möglich)

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Was glaubt du, wie viele englische Wörter ursprünglich aus dem Französischen und Latein kamen?

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Das ist normal, immer und zu jeder Zeit haben Sprachen sich verändert und sind durch äußere Einflüsse verändert worden.

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Sprache wandelt sich! Es ist wie ein Lebewesen: es wächst, es gedeiht und hat manchmal auch seine Pubertät.

Anglizismen und verschiedene Ausführungen von Sätzen (keine Ahnung wie ich "Jugendsprache" besser beschreiben kann) sind mit inbegriffen in unserem alltäglichen Sprachgebrauch in Deutschland.

Deshalb:

Chill, alles ist noch cool! Du musst nicht einen auf Hero machen.

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Jo Mann, what´s up ?! Das klingt ja richtig heavy, dein Problem ! Ich hoffe, du findest eine solution und mach dir not in die pants !!!

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Kommentar von YuyuKnows
13.03.2016, 21:54

Omg braaaah, du bist voll fresh!!

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Wenn ich reden würde wie vor 60/70 Jahren würdest du teilweise nicht wissen was ich meine.

Sprache verändert sich immer und ich glaube das ist nichts schlimmes.

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Zu deiner politischen Ausrichtung: Hattest du nicht gerade gefragt, ob "wir" uns nicht die "Ostgebiete" wiederholen sollten? 

Darf ich dein Bemühen, die Sprache "rein" zu halten, dann auch auf ähnliche Weise verstehen. 

Als Antwort dies: Dem Reinen ist alles rein. Und gerade am Rhein gibt es ein Sprachgemisch sondergleichen. (Das wußte schon Carl Zuckmayer.)

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Kommentar von ralphdieter
14.03.2016, 00:19

die "Ostgebiete" wiederholen

Im Ernst? In seinen Fragen und Antworten konnte ich zumindest nichts Verdächtiges entdecken.

Wahrscheinlich ist er von den Grünen und hat eben die Wahlergebnisse auf der Ostalb gesehen (kohlrabenschwarz).

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Kommentar von earnest
14.03.2016, 00:21

-upps: die  "Ostgebiete" wieder holen (zurückholen)

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