Frage von LukDill02, 179

Kann man dem Deutschen Reich wirklich vorwerfen den Ersten Weltkrieg von langer Hand geplant zu haben?

Antwort
von Maxieu, 30
Ja

Ja, kann man.

Die deutsche politische und militärische Führung gingen davon aus, gegenüber Frankreich und einem industriell und demographisch 
aufholenden Russland bald militärisch in Rückstand geraten zu können.
Der Führungsstab der Reichswehr hielt es deshalb für geboten, spätestens 1917 gegen Russland (und dann zwangsläufig auch Frankreich) kriegerisch vorzugehen, weil danach die Voraussetzungen  für Deutschland ungüstiger wären - z. B. weil Russland sich bis dahin von der Niederlage im Russ.-Japan. Krieg erholt hätte.

Auch der Schlieffen-Plan stand in einer Logik offensiver Militäroperationen.

Von dieser Frage der langfristigen Planungen zu unterscheiden sind zwei etwas andere Fragen:

1. die nach der Frage der Schuld am tatsächlichen Ausbruch des Krieges 1914 (Auch da haben D. und Ö.-U. die dicksten Aktienpakete; das fett U. ist kein Versehen)

und

2.die nach der Frage, ob der kommende Krieg als Weltkrieg - z. B. mit Eintritt der USA - geplant war. Diese Frage darf man getrost verneinen.

(Ich bin im Moment etwas zu bequem, die entsprechenden Quellenbelege herauszusuchen. Aber aus dem Daumen gelutscht habe ich mir die Einschätzung nicht.)


Kommentar von stormking2000 ,

Militärs planen immer einen Krieg gegen mögliche Gegner. Das sagt noch lange nichts aus ob man tatsächlich einen Krieg führen will. So gab es Angriffspläne gegen Frankreich schon sein 1871 und gegen Russland seit den 1880er Jahren. So etwas machte jeder Generalstab. Das ist deren Job. Amerikas Generalstab hat sicher auch seine Angriffspläne gegen Russland oder China in der Schublade. Wollen wir wetten?

Kommentar von Maxieu ,

Aber die Planungen im deutschen Generalstab gingen weiter und sahen eine Verschlechterung der deutschen Ausgangslage ab 1915, spätestens 1917 voraus, woraus sich  wiederum die Dringlichkeit begründete, vorher loszuschlagen.
Das ist weit mehr als eine bloße Planung für den nicht gewünschten Eventualfall.

S. dazu jetzt auch :

https://www.welt.de/geschichte/article128169007/Deutschlands-Generalstab-wollte-...

Antwort
von hutten52, 77
Nein

Das behauptet kein ernstzunehmender Historiker. Die Frage ist höchstens, wie groß der Anteil von Österreich-Ungarn, Russland, Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Serbien war an der Entfesselung des Krieges. Sie alle tragen Mitschuld. 

Antwort
von Maarduck, 62
Nein

Natürlich nicht. Aber Frankreich und GB haben den Krieg schon lange vorher geplant. Serbien und Russland sind da wohl so reingerutscht. Und die USA wurden vermutlich hereingelegt, um sich ebenfalls zu Gunsten von Frankreich und GB zu beteiligen. 

Hauptsächlich ging es Frankreich um die Rückeroberung von Elsaß-Lothringen. GB dachte durch ein Einfrieren des Status Quo für immer die Weltmacht Nr. 1 bleiben zu können. Deshalb sollte Frankreich wieder mächtiger als Deutschland werden. Und die Alliierten befürchteten natürlich, dass der Sozialismus in Deutschland Einkehr halten könnte. Was nur wenige Menschen wissen: Wilhelm II war dem Sozialismus in romantischen Vorstellungen sehr zugetan.

Kommentar von Maxieu ,

Was jetzt einige Leute mehr wissen:

Maarduck ist offenbar Wilhelm II. in romantischen Vorstellungen
sehr zugetan.

Wilhelm II. war mit seiner sozialistischen Romantik deutlich diskreter. Er hat sie zu Lebzeiten für sich behalten und nur posthum per geistiger Zeitreise einige wenige Auserwählte eingeweiht.

Kommentar von Maarduck ,

Dann wollen wir mal kurz einige Fakten besprechen: 

Die gesamte Sozialgesetzgebung Deutschlands ging damals vom Kaisertum aus. Als Bismarck mal wieder die "Sozialistengesetze" (Verbot der SPD und Gewerkschaften) verschärfen wollte, wurde er kurzerhand von Wilhelm II gefeuert. (Der Reichskanzler war damals nur dem Kaiser verpflichtet und hatte keine demokratische Legitimation.) 

Der Kaiser drängte die Unternehmer ständig den Arbeitern mehr Mitspracherechte einzuräumen und deren Lebenssituation zu verbessern. Das war doch gerade die Ursache für den Aufschwung Deutschlands, natürlich neben der Blüte der Ingenieur- und Naturwissenschaften. Selbst in Wikipedia wird eine Quelle zitiert die belegt, wie sich Wilhelm II für die Arbeiter eingesetzt hat.

https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_II._(Deutsches_Reich)

Laut Bismarck äußerte sich Wilhelm II, als er sich weigerte Soldaten zur Niederschlagung eines Streiks ins Ruhrgebiet zu schicken: 

Die Unternehmer und Aktionäre müßten nachgeben, die Arbeiter seien seine Untertanen, für die er zu sorgen habe; wollten die industriellen Millionäre ihm nicht zu Willen sein, so würde er seine Truppen zurückziehen; wenn dann die Villen der reichen Besitzer und Direktoren in Brand gesteckt, ihre Gärten zertreten würden, so würden sie schon klein werden.

Und was man nicht vergessen darf ist, dass Lenin vom Kaiser protegiert und nach Rußland gebracht wurde, vielleicht nicht nur aus kriegstaktischen Gründen sondern auch aus einer persönlicher Sympathie. 

Warum setzte der Kaiser sich so gar nicht für seine Klasse (Adel und Superreiche) ein? Das lässt sich psychologisch leicht erklären. Der Kaiser hatte einen verkrüppelten Arm. Damals galt in Deutschland eine Behinderung noch als etwas ganz Schlimmes. Der Kaiser wurde deshalb von seiner eignen Klasse - hinter seinem Rücken - "gemobbt". Das hat bei ihm einen Hass auf seine Klasse entstehen lassen. Außerdem empfand er sich wohl in der Tradition des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Das Christentum hat in seiner Ursprünglichkeit viele soziale Komponenten (verkaufe alles und gib das Geld den Armen, der Größte unter euch sei jedermanns Diener, eher geht ein Kamel durch´s Nadelöhr, als dass ein Reicher in den Himmel kommt ...).

Antwort
von wfwbinder, 78
Nein

Nein.

Ich denke man kann schon sagen, dass Wilhelm II. sich ungeschickt verhalten hat.

Er hat Großbritannien durch siene Flottenpolitik herausgefordert, anstatt eventuell mit denen ein Abkommen zu schließen.

Wenn es um 10 Jahre geht, ist ja der Blancoscheck an Österreich nach dem Attentat nciht eingeschlossen, aber es war ein Fehler sich nicht durch Abkommen gegen einen Zweifrontenkrieg abzusichern.

Aber gezielt auf den Krieg hingearbeitet, nein.

Kommentar von stormking2000 ,

Was hätte so ein Abkommen genützt? England wäre nach 1904 nie bereit gewesen mit Deutschland ein Bündnis abzuschließen, da es nichts gab, was für England interessant gewesen wäre.  Man hätte sich nur der Gnade Englands ausgeliefert. Hätte sich Deutschland wirklich darauf einlassen können? Da wäre die öffentliche Meinung sicher sehr dagegen gewesen.

Die Entente hatte auch Östereich-Ungarn umgarnt ihr beizutreten. Solange Franz Joseph lebte und man bereit war Österreich zu unterstützen, schien solch ein Kurswechsel der Donaumonarchie ausgeschlossen, aber der Thronfolger Karl war, wie sich später im Krieg zeigte, schon bereit Deuschland im Stich zu lassen und sich über dessen Kopf mit der Entente zu einigen. Deutschland war aufgrund seiner Mittellage und seiner militärisch-wirtschaftlichen Macht nunmal in der unheilvollen Lage sich überall Feinde zu machen. Das war schon zu Bismarcks Zeiten so. Der eiserne Kanzler sah bereits die Entwicklung und hat versucht diese durch Geheimverträge aufzuhalten. Auf die Dauer hätte das aber nicht funktioniert, selbst wenn Bismarck bis 1914 gelebt und regiert hätte.

Die Gegnerschaft Englands war in erster Line durch die deutsche Wirtschaftmacht bedingt. Die deutsche Flotte selbst spielte nur eine zweite Rolle,. Sie war auch 1914 der englischen hoffnungslos unterlegen gewesen.

Antwort
von Interesierter, 99
Nein

Nein, das ist ziemlicher Quatsch. Damals haben die Führungen vieler Länder sehr unbesonnen agiert. Serbien hat sich nicht deutlich genug von dem Attentäter von Sarajevo distanziert. Österreich hat Serbien unannehmbare Bedingungen gestellt. Russland stellte sich demonstrativ an die Seite Serbiens. Deutschland stellte sich demonstrativ an die Seite Österreichs. Frankreich versäumte es, sich neutral zu verhalten. Belgien wertete die Grenzverletzung zur Invasion Frankreichs durch Deutschland als Kriegserklärung. Und Großbritannien stärkte Belgien durch seinen Beistand dabei den Rücken. 

Unterm Strich haben sich alle Beteiligten ausgesprochen dämlich verhalten. Was dabei rauskam, wissen wir alle. 

Kommentar von stormking2000 ,

Frankreich wollte nicht neutral bleiben!

Antwort
von voayager, 76
Nein

Nein, das kann man nicht, die Entente hat das so dargestellt, um so Deutschland als den alleinigen Schuldigen des WK I auf die Anklagebank zu ziehen. Dabei ging es dann maßgeblich darum, möglichst hohe Reparationskosten Deutschland aufzuerlegen, damit die Sieger ordentlich sich die Taschen füllen konnten. Das tüchtige Abkassieren wurde mit viel Moral verbrämt. Entsprechender Weihrauch stieg daher bei den Siegermächten auf. Wer nicht als bloßer Räuber dastehen will, mutiert dann zwangsläufig zum Heuchler und bleibt dennoch ein Plünderer.


Kommentar von Mastrodonato ,

EIn Evergreen, der aber falsch ist - das mit den Reparationen. Die Reparationen betrugen nicht einmal das, was zuvor das Reich an Kriegsausgaben in einem Kriegsmonat zu stemmen hatte. Für ein Land mit nur mehr einem 100 000 Mann Heer und ohne die teuren Rüstungspositionen (Schiffe, Panzer, Flugzeuge) eigentlich wirtschaftlich problemlos zu stemmen.

Kommentar von voayager ,

Es waren ja nicht nur Gelder zu entrichten, es wurden zahlreiche Maschinen, Lokomotiven, Fabrikteile, alle möglichen Geräte usw. demontiert und abtransportiert. Es war schon ein ziemlicher Adelass.

Antwort
von Sagittarius1989, 51
Nein

Nein warum auch,Kaiser Wilhelm hat versucht den krieg noch zu verhindern.

An den Rand der serbischen Antwort auf das Ultimatum schrieb der Kaiser: "Ein großer moralischer Erfolg für Wien. Damit fällt jeder Kriegsgrund fort.

auch hatte der Kaiser noch mal an dem Russischen Zaren geschrieben das er eine Eskalation mit allen mitteln verhindern solle. er antworte selber gut drauf und unterschrieb mit dein Nici

Kommentar von stormking2000 ,

Korrekt. Viele Leute schauen sich nur die Julikrise von 1914 an. Kein Wunder, dass es dabei zu falschen Analysen kommt. Man kann den Ausbruch des ersten Weltkriegs nicht verstehen, wenn man sich nicht die Dauerkrisen auf dem Balkan zwischen 1908-1914 ansieht.

Deutschland war nicht nur mit Östereich-Ungan verbündet sondern auch mit dem osmanischen Reich, wo man die Bagdadbahn baute.

Nun gab es ständige Angriffe von den Balkanstaaten und Italiens auf osmanisches Gebiet. Deutschland hätte diese Situation ausnützen können, wenn es einen Krieg haben wollte. Stattdessen hat es 1913 gemeinsam mit Großbritannien die Ausbreitung der Kriegs verhindert.

Auch 1914 hatten England und Deutschland versucht kurz vor Kriegsbeginn eine Lösung zu finden. Der Marsch russischer Truppen auf die deutsche Grenze machte das aber unmöglich.

Expertenantwort
von ArnoldBentheim, Community-Experte für Geschichte, 56
Nein

Das war die These des Historikers Fritz Fischer, der damit der Forschung zum Ersten Weltkrieg und seiner Ursachen einen so starken Anstoß gegeben hat, dass die Kontroverse um die Kriegsursachen noch heute Gegenstand der Forschung sind.

Mittlerweile vertreten nur noch wenige Historiker Fischers These, die dieser selbst schon zu Lebzeiten abgeschwächt hatte. Die Mehrheit der Historiker sieht die Vorgeschichte des Weltkrieges ungefähr so:

  • Das Kaiserreich unter den Regierungen, die vom Vertrauen Kaiser Wilhelms II. abhängig waren, wollte nicht mehr nur die stärkste europäische Macht sein, sondern eine Weltmacht werden. Zu diesem Zweck sollten Kolonien erworben werden, zu deren Sicherung das Reich eine Flotte aufbaute. Seine politisch aggressive Weltmachtpolitik und die Unterstützung der Balkanpolitik des Kaiserreichs Österreich-Ungarn brachte das Deutsche Reich in Gegensatz zu den anderen europäischen Großmächten Russland und Frankreich sowie der Weltmacht Großbritannien. Alle großen Mächte - das war das Fatale - waren bereit, für ihre Interessen Krieg zu führen, auch wenn keine dieser Mächte einen Angriffskrieg ernsthaft plante und vorbereitete!

Was den Vorwurf der Alleinschuld Deutschlands am Ersten Weltkrieg angeht, der im Versailler Vertrag fixiert wurde:

  • Dieser Vorwurf ist nicht völlig falsch! Im Grunde hat zwar das Kaiserreich Österreich-Ungarn den Ersten Weltkrieg durch seine völlig überflüssige Kriegserklärung an Serbien ausgelöst. Aber Deutschland hat durch seine Erklärung einer vorbehaltlosen Unterstützung von Österreichs Maßnahmen die österreichische Regierung zu diesem unsinnigen Vorgehen ermuntert statt gebremst, wie es sinnvoll gewesen wäre. Denn beiden Kaiserreichen war klar, dass Russland in diesen Krieg eingreifen würde. Als Russland mobilisierte, erklärte ihm Deutschland den Krieg, zwei Tage später ohne Not auch Frankreich! Wegen des Schlieffenplans verletzte Deutschland die Neutralität der Staaten Luxemburg und Belgien, die ohne Kriegserklärung überfallen wurden - ein Völkerrechtsbruch, mit dem Deutschland auch die britische Kriegserklärung provozierte. Im Grund hätten im Versailler Vertrag zwei Kriegsschuldige auftauchen müssen: Deutschland und Österreich-Ungarn. Aber der Staat Österreich-Ungarn hörte am Ende des Ersten Weltkrieges auf zu existieren, daher blieb nur Deutschland übrig!

MfG

Arnold

Kommentar von LukDill02 ,

"Im Grund hätten im Versailler Vertrag zwei Kriegsschuldige auftauchen müssen: Deutschland und Österreich-Ungarn." Ich verstehe nicht warum du für "Nein" gestimmt hast...

Kommentar von ArnoldBentheim ,

Weil, wie ich ausgeführt habe, keine Großmacht einen Krieg "von langer Hand geplant" hat! Die Entscheidung, Serbien den Krieg zu erklären, hatte Österreich-Ungarn kurzfristig, aus der Situation heraus gefasst.

Kommentar von stormking2000 ,

Vier. Bulgarien und das osmanische Reich ebenfalls.

Kommentar von Maarduck ,

Im Grunde hat zwar das Kaiserreich Österreich-Ungarn den Ersten Weltkrieg durch seine völlig überflüssige Kriegserklärung an Serbien ausgelöst.

Stell dir vor der Verteidigungsminister der USA fällt bei einem Besuch in Texas einem Attentat zum Opfer. Erste Ermittlungen weisen auf eine Führung des Attentäters aus Mexiko hin. Aber die mexikanische Regierung weigert sich Polizeibeamte aus den USA an den Ermittlungen in Mexiko teilhaben zu lassen. Die USA bitten die EU um Vermittlung, die jedoch von Mexiko abgelehnt wird. 

Könntest du dir vorstellen, dass die USA in diesem Fall Mexiko ein Ultimatum stellen? Könntest du dir vorstellen, dass Mexiko das Ultimatum zurückweist, weil es die Garantie von Russland, China, Indien, Pakistan und dem politischen Islam hat zu seinen Gunsten in den Krieg einzutreten? 

Wie könnte man in einem solchen Fall einen großen Krieg verhindern?

Kommentar von ArnoldBentheim ,

Wie könnte man in einem solchen Fall einen großen Krieg verhindern?

Durch eine besonnene Politik!

Kommentar von Maarduck ,

Du meinst dass man Staat A den Krieg erklärt für den Fall seiner Mobilmachung. Macht Staat A dann mobil, erklärt man ihm den Krieg für den Fall dass er in Mexiko einmarschiert. Marschiert er dann auch in Mexiko ein, erklärt man ihm den Krieg wenn er sich nicht binnen zwei Tagen wieder entfernt. Man bittet Staat B sich für neutral zu erklären. Man bittet Staat B um Einstellung der Bombardierungen. Also alles so machen wie Deutschland gemacht hat, oder? Hat ja damals schon prima geklappt.

... Das ist und war leider viel zu traurig, als dass hier Sarkasmus angebracht wäre. 

Durch eine besonnene Politik!

Kommentar von ArnoldBentheim ,

Ich schrieb "besonnene Politik"! Von irgendeiner "Kriegserklärung" habe ich nichts geschrieben!

Übrigens hatte damals Serbien das österreichische Ultimatum im Wesentlichen akzeptiert!

Kommentar von stormking2000 ,

Ist das Kaiserreich aggressiver vorgegangen als die anderen Großmächte? Gäbe es ein Ranking, dann würden die ersten Plätze Großbritannien, Russland, Frankreich, die USA und Italien erhalten. Deutschland käme erst dahinter.

Kommentar von ArnoldBentheim ,

Ist das Kaiserreich aggressiver vorgegangen als die anderen Großmächte?
Gäbe es ein Ranking, dann würden die ersten Plätze Großbritannien, Russland, Frankreich, die USA und Italien erhalten. Deutschland käme erst dahinter.

Was die Auslösung des Krieges und eine das Völkerrecht missachtende Aggressivität anlangt, waren Österreich-Ungarn und Deutschland im "Ranking" ganz weit vorne! Deutschland sprang dabei nicht nur seinem Verbündeten gegen Russland bei, sondern hat ohne Not Belgien und Frankreich mit Krieg überzogen.

Die USA kümmerten sich damals noch kaum um die Vorgänge in Europa. Italien zog sich vorerst auf eine neutrale Position zurück.

Es macht keinen Sinn, die historischen Realitäten zu leugnen und Deutschland nachträglich zum Unschuldslamm zu verklären.

Kommentar von stormking2000 ,

Ich rede von der Weltmachtpolitik in den Jahren vor dem Krieg. Italien überfällt 1911 Tripolis, welches zum osmanischen Reich gehört, die Balkanstaaten greifen 1912 die Osmanen mit russicher Billigung an, Frankreich eignet sich 1911 Marokko an, die Briten überfallen die Buren 1899-1902 und unterwerfen Südafrika, 1903-04 machen sie einen Feldzug gegen Tibet, welches zu China gehört, die USA zetteln 1898-1902 einen Krieg mit Spanien an, diesem folgt der
Philippinisch-Amerikanischen Krieg von 1899-1902, Russland und Japan führen 1904-05 einen Krieg untereinander. usw. usw. Deutschlands militärische Aktionen gegen andere Staaten beschränken sich seit 1871 auf die Aneignung von Tsingtau 1898 sowie 1900 den Boxeraufstand. Danach gab es keine militärischen Auseinandersetzungen Deutschlands mit anderen Staaten mehr bis 1914. Da sieht das Ranking ganz anders aus.



Antwort
von atzef, 29
Ja

Ja.

Der Schlieffen-Plan wurde immerhin schon 1905 ausgearbeitet.

Kommentar von Maarduck ,

Dass Frankreich auf Rache sann und Elsaß-Lothringen zurück haben wollte, war wohl auch dem gutmütigsten Deutschen klar. Und dass Frankreich dazu nur die militärische Stärke haben würde, wenn Deutschland eine zweite Front im Osten hätte, war wohl auch dem pessimistischsten Deutschen klar. 

So what?

Kommentar von atzef ,

Es geht in der Frage darum, ob das Kaiserreich systematisch den Überfall auf Frankreich und die neutralen benelux-Staaten von langer Hand vorbereitet hat.

Und das ist schlicht nicht zu betsreiten. Ferner Ferner hat das Kaiserreich mittels dieser langfristigen Pläe Frankreich überfallen - nicht umgekehrt.

Frankreichs Militärplanungen waren bestimmt von einer Verteidigugs- und Hinhaltedoktrin.

Kommentar von stormking2000 ,

Mit Sicherheit hatten auch Frankreich und England Pläne in der Schublade über die Schweiz nach Deutschland einzudringen oder in Dänemark zu landen. Das erfahren wir aber nicht, da die Akten hierfür unter Verschluss sind. Sie haben aber andere Staaten mit Bestechung oder mit Drohung dazu gebracht auf ihrer Seite mit zu kämpfen (Italien, Rumänien, Griechenland). In Griechenland haben sich sogar einen Putsch gegen den deutschfreundlichen König unterstützt. Es gibt zudem Vermutungen, dass die Engländer den Sturz des Zaren unterstützt haben, da dieser 1917 schon bereit war den Krieg zu beenden. Das würde erklären warum die Engländer dem Zaren kein Asyl gewährt haben.

Kommentar von stormking2000 ,

Angriffspläne gegen Frankreich und Russland gab es schon beim älteren Moltke aus den 1870er und 1880er Jahren. Trotzdem hat man keinen Krieg geplant. Das diente damals alles nur zur Verteidigung. Wetten, dass Russland und Frankreich damals ähnliche Kriegspläne in der Schublade hatten?

Kommentar von Maarduck ,

Man weiß heute auch aus der Falschberichterstattung der sogenannten "Hunnenrede", 

https://de.wikipedia.org/wiki/Hunnenrede

dass GB und Frankreich mindestens seit 1900 einen Angriffskrieg gegen Deutschland planten. 

Falls gewünscht kann ich dazu detaillierte Ausführungen geben. 

Auch die Geschichte der "Völkermorde" der Deutschen, Engländer und Franzosen wird VÖLLIG verdreht dargestellt. 

Leute, benutzt euren eigenen Verstand. Wenn ihr dazu bereit seid, dann kann ich euch erklären, warum meine Darstellungen hier der Wahrheit entsprechen.

Kommentar von atzef ,

Hier geht es um die Frage, ob das Deutsche Kaiserreich den von ihm durchgeführten Angriffskrieg von langer Hand vorbereitet hat. Und das muss schlicht bejaht werden.

Antwort
von Mastrodonato, 31
Ja

Die Kriegsratssitzung vom 8. Dezember 1912 legte klar fest, dass bei einer günstigen Gelegenheit der Krieg zu führen sei. Frankreich und Russland sollten besiegt werden, der europäische Kontinent unter Deutsche Hegemonie gestellt werden.

Hier ein guter Artikel dazu: http://www.sueddeutsche.de/politik/ausbruch-des-ersten-weltkriegs-wie-deutschlan...

Für mich ist es eine erstaunliche Zerredung der eindeutigen Kriegsschuldfrage, die sowohl bei Deutschland als auch bei Österreich-Ungarn zu suchen ist, denn sie liessen ja den anderen kaum Zeit zu reagieren - Folge des Schlieffenplans.

Hier wird das auch diskutiert: http://geschichte-forum.forums.ag/t361-die-kriegsschuldfrage-von-1914-ein-evergr...

Kommentar von Maarduck ,

Von einer Kriegsratssitzung, insbesondere wie von dir behauptet schon 1912, ist in keinem deiner Links die Rede. Sehr wahrscheinlich wurden in Deutschland für den Kriegsfall vorbeugende Pläne geschmiedet, wie das auch jeder andere Staat damals machte. Aber mit Kriegsvorbereitung hatte das wenig zu tun. Wenn man einen Krieg vorbereiten will, dann muss man vor allem den Gegner im Volk diffamieren, so wie das in Frankreich und GB damals geschah. Von Deutschland sind mir solche Diffamierungskampagnen nicht bekannt.

Deutschland wollte gegen Frankreich keinen Krieg führen. Warum auch? Man war saturiert und die wirtschaftliche Entwicklung war bestens. 

Bzgl. Russland war es ein klein wenig anders. Der Zar wurde damals von der SPD nur der Blutzar genannt, wegen der vielen Hinrichtungen seiner politischen Gegner. Die SPD und andere Parteien drängten den Kaiser ständig aus humanitären Gründen gegen den Zar, heute würde man sagen einen blutrünstigen Diktator, Krieg zu führen. Aber Wilhelm II wollte nicht - und der war damals noch der mächtigste Politiker in Deutschland.

Der Schuldige am Krieg ist ganz klar Serbien, weil es die Vermittlerrolle Deutschlands abgelehnt hat und weil es eine österreichische Beteiligung an der Polizeiarbeit zur Aufklärung des Attentats abgelehnt hat. Ob die serbische Führung, also der serbische König, indirekt am Attentat beteiligt war, konnte nie geklärt werden. Aber das Motiv des serbische Geheimdienstes ist längst geklärt.

Kommentar von Mastrodonato ,

Ein Attentat ist kein Kriegsgrund - es war ein bosnischer Serbe, der es verübt hat, also ein innerösterreichisches Problem.

Die Links kannst du gerne genauer nachlesen- es ist sehr wohl davon die Rede.

Ansonsten jede Menge revisionistischer Unsinn.

Kommentar von Maarduck ,

es war ein bosnischer Serbe

Meine Güte, wie lange willst du denn noch die Fakten leugnen und über Nebensächlichkeiten diskutieren? Dieser bosnische Serbe wurde auf jeden Fall in Serbien ausgebildet und von der "Schwarzen Hand", dem serbischen Geheimdienst bewaffnet und geführt. Später zu sozialistischen Zeiten hat sich Serbien auch damit gebrüstet "die imperialistischen Großmächte Deutschland und Österreich-Ungarn zerschlagen zu haben".

Kommentar von Mastrodonato ,

Du leugnest die Fakten - dass Deutschland keinen Krieg führen wollte gegen Frankreich - man wollte das, dem Schlieffenplan von 1905 gemäss und auf den Kriegsrat vom 8. Dezember 1912 bezogen, sobald sich die Möglichkeit bot. Und liess dem Verhandlungsweg keine Chance.

Ohnehin ist die Frage zu stellen, was ÖU auf dem Balkan wollte - mit der Annexion von Bosnien-Herzegowina holte man sich nur ein Wespennest ins Haus -statt dringend notwendige Reformen voranzutreiben.

Kommentar von stormking2000 ,

Wer es nichr genau weiß, sollte schweigen. Wer es besser weiß und dies nicht sagt, sich schämen, denn er verschweigt ganz bewusst, um die Leser irre zu führen, dass der Attentäter Mitglied der schwarzen Hand war, einer Terrororganisation, zu deren Anfüher der serbische Generalstabsoffizier Oberst Dragutin Dimitrijević, genannt Apis gehörte. Die Auftraggeber der Mörder kamen aus Serbien.

Kommentar von Maarduck ,

>Die Auftraggeber der Mörder kamen aus Serbien.

Möglicherweise der serbische König selber.

Kommentar von stormking2000 ,

Von der Kriegsratsitzung gibt es gar nicht soviel Details. Außerdem waren sie eine Reaktion auf die Balkankriege. Deutschland nahm an, dass Russlands Verstrickungen auf dem Balkan zum Krieg führen werden. Man wollte keinen Eroberungskrieg führen sondern sich nur verteidigen. Was hätte Deutschland auch groß erobern sollen??? Der Zeitungsbericht ist nichts wert, solange man nicht die Quellen veröffentlicht. Da wird man sich aber hüten!

Antwort
von LukDill02, 84

Noch andere Meinungen, vllt auch mit Begründung?

Kommentar von Sachsenbruch ,

Noch andere Fragen, vielleicht auch mit einer solchen? :)

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