Frage von dodo1336, 77

Kann Käufer mit Anwalt drohen?

Mal Kurz die Hintergrndgeschichte: Habe meinen Nissan Micra verkauft, welcher vorne Aufgrund eines Auffahrunfalls demoliert war. Der Käufer hat sich den Wagen angesehen und wir haben uns auf 850€ geeinigt. Am nächsten Tag kam er mit einem Anhänger vorbei. Ich habe ihm 2 Autoschlüssel gegeben, und ihm alle Dokumente gezeigt, die ich von dem Auto habe (darunter Fahrzeigbrief und Bescheinigung der letzten AU (von 2015, der Wagen hat noch TÜF bis September 2016). Er war mit allem einverstanden und hat den Kaufvertrag unterschrieben, dass der Wagen unter Ausschluss jeglicher Gewährleistung verkauft wird. Einen Tag später schreibt er mir, dass die Bescheinigung der AU nicht dabei gewesen wäre und dass es 5 Vorbesitzer des Wagens gab, und nicht, wie im Vertrag beschrieben, 3. Die Unterlagen hatte ich am Vortag mit meinen Eltern zusammen gesucht und auch die wissen und bestätigen können, dass die AU-Bescheinigung definitiv dabei war (nur waren sie bei der tatsächlichen Übergabe nicht dabei). Und auch sie sind die Vorbesitzer durchgegangen. Jetzt will der Käufer 100€ von mir haben, um das Gutachten für den Wagen zu bezahlen, sonst würde er einen Anwalt damit beauftragen. Kann er mir jetzt nach dem Unterschreiben des Vertrags mit einem Anwalt drohen?

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Expertenantwort
von Hamburger02, Community-Experte für Auto, 22

Derartige Fragen tauchen hier mit großer Regelmäßigkeit auf, weil das inzwischen eine weit verbreitete Masche insbesondere bei Käufern aus südlicheren Ländern und gewerblichen Kleinhändlern geworden ist.

Nach dem Kauf werden jede Menge "Mängel" entdeckt und damit wird der Verkäufer solange gemobbt, bis er Geld rausrückt. Und weil das immer wieder funktioniert, wirds auch immer wieder gemacht.

Mein Tipp: sich auf keine Diskussionen einlassen sondern den Käufer mit seinen eigenen Waffen schlagen:
Falls er sich per Mail meldet, einfach nicht reagieren. Falls er sich telefonisch nochmal meldet, sage ihm einfach, du hättest mit deinem Anwalt gesprochen und der hätte empfohlen, keine Diskussionen zu führen. Er solle seine Forderung durch seinen Anwalt schriftlich stellen und begründen, dein Anwalt würde sich auf das Schreiben schon freuen. Immer gilt: bloß nicht verblüffen lassen.

In nahezu allen Fällen hast du dann Ruhe.

Antwort
von holgerholger, 12

Lass ihn drohen. Er kann nicht nachweisen, dass die bescheinigung nicht dabei war, hätte er ja sehen können. Wegen 100 € geht er nicht zum Anwalt, aber probieren kann er es ja mal bei Dir.

Für den Wert des Wagens ist es völlig egal, ob 3 oder 5 Vorbesitzer.



Antwort
von janfred1401, 38

In den Vertrag gehört ja auch eigentlich, was alles an Schlüsseln und Dokumenten mit übergeben wurde. Habt ihr das nicht gemacht?

Wenn der Käufer 100 Euro verlangt, kommt mir das sehr vor, als würde pokern? Wenn ihm etwas nicht passt, könnte er ganz den Kauf stornieren. Er will aber nur den Preis drücken. Das ist eine billige Masche, wahrscheinlich ist er auch Profi. Die denken dann oft, sie können Verkäufer einschüchtern.

Du weisst, dass die Bescheinigung dabei war, und du bist dir auch mit den Vorbeitzern sicher.

Dann sag ihm einfach, du zahlst keine 100 Euro. Er soll klagen. 100 Euro sind eine Klage gar nicht nicht wert.

Kommentar von dodo1336 ,

Im Vertrag standen irgendwie die 2 Schlüssel, aber nicht die Auflistung aller Dokumente. Aber ich weiß, dass die Bescheinigung dabei war und auch, was die Vorbesitzer angeht. Haben wir ja einen tag vorher zu dritt festgestellt

Kommentar von janfred1401 ,

Wie kommt er dann jetzt auf 5 Vorbesitzer? Wobei es bei einem 11 Jahre alten Kleinwagen kaum ne Rolle spielt, ob der Wagen 3 oder 5 Vorbesitzer hatte. Soviel ich weiss, lassen sich, seit es den "alten" Kfz-Brief nicht mehr gibt, die Vorbesitzer gar nicht mehr so genau feststellen.

Wenn deine Eltern die Angaben bezeugen können, solltest du dich nicht einschüchtern lassen.

Wenn es, wie ich glaube, ein Profi ist, und er kauft im Monat 20 so alte Gurken auf um sie wieder Tüvfertig zu machen. Wenn er bei allen solche Nachforderungen stellt und nur 10 lassen sich darauf ein, dann hat er im Monat 1000 Euro netto extra verdient. Ich habe von vielen gehört, das sowas heutzutage gang und gäbe ist.

Weil ein Betrag von 100 Euro auch dem Verkäufer meistens zu gering ist, um dafür irgendwelche Streitigkeiten anzufangen.

Ich würde so Leuten aber was anderes erzählen.

Antwort
von chevydresden, 13

Drohen kann er, aber das ist schon alles. Da die HU im September abgelaufen ist, braucht das Ding sowieso eine neue AU und HU. Anzahl der Vorbesitzer sieht man als Käufer, wenn man sich den Brief anschaut. Die Masche wird von einigen unseriösen Geschäftemachern schon länger gefahren. Keine Angst, das ist nur heiße Luft. Kannst den Vogel einfach ignorieren.

Antwort
von volker79, 27

Üblicherweise werden private Verträge "gekauft wie gesehen" geschlossen. Das Risiko geht dann auf den neuen Besitzer über. Reißt z.B. die Steuerkette oder der Zahnriemen und der Motor ist hinüber, ist das das Problem des neuen Besitzers, sofern alle Wartungen durchgeführt wurden oder der Käufer vom verschleppten Zahnriemenwechsel wusste und es akzeptiert hat.

Versuchst du jedoch, über Mängel hinwegzutäuschen, z.B. bei einem Motor der massiv Öl verliert eine Motorwäsche durchzuführen und als sauber ohne Ölverlust zu verkaufen, kann der Kaufbetrag gemindert oder der Vertrag rückabgewickelt werden. Auch bei Privatverkäufen. Eine Strafanzeige wegen arglistiger Täuschung ist möglich.

Was die Besitzer angeht: Warum schreibst du 3, wenn es 5 sind? Bei den Vorbesitzern zählst du mit, was aber keine Diskrepanz von 2 macht. Waren es 5? Dann steht was falsches im Kaufvertrag und er ist anfechtbar. Waren es 3 und einer steht mehrfach drin z.B. wegen Ummeldung mit neuer Anschrift und neuem Kennzeichen, sind es 3 Vorbesitzer mit 5 Eiträgen. Dann bist du im Recht.

Aber wie kommt das mit der AU-Bescheinigung? Warum zeigst du sie, aber übergibst sie nicht? Wäre es nicht das Einfachste, sie zu übergeben? Steht die AU-Bescheinigung nicht in den übergebenen Dokumenten, wäre das wohl das Problem des Verkäufers. Aus Kulanz könnte man hier evtl. halbe-halbe machen weil komisch ist das schon. Steht sie drin - rück sie raus oder komme für die neue AU auf. TÜV und AU (TÜV ist eh abgelaufen wie ich lese) werden neuerdings immer zusammen durchgeführt, kosten aber keine 100 Euro. Aber nahe dran. Hat der Käufer den abgelaufenen TÜV akzeptiert, muss er nach Instandsetzung des Unfallschadens eh den TÜV erneuern und da könnte man dann sagen, man macht beides zusammen und teilt sich die Kosten. Dann ist wenigstens beides frisch.

Da ist halt was schiefgelaufen. Mit einem Anwalt drohen kann man immer, schließlich ist da was nicht ganz in Ordnung. Ob ein Anwalt den Fall bei so einem geringen Streitwert annimmt, ist fragwürdig. Im Zweifelsfall kann man mit sowas auch zu einer Schiedsstelle gehen. Ist billiger. Nimmt ein Anwalt jedoch an und du verlierst (die Wahrscheinlichkeit besteht), kostet dich das nicht nur die 100 Euro sondern auch die Kosten für Gericht, eigenen und gegnerischen Anwalt. Jetzt noch eine Verkehrsrechtsschutz abzuschließen ist zu spät. Die wollen immer eine Zeit vor Ursache eines aufkommenden Rechtsstreites abgeschlossen werden. Hast du jedoch eine, blieben dir wenigstens die Gerichts- und Anwaltskosten erspart.

Manche machen daraus eine Masche. Erst kaufen und dann rumnörgeln in der Hoffnung, dass der Verkäufer aus Angst vor einer Niederlage vor Gericht einknickt. In deinem Fall würde ich sagen, klär das mit den Vorbesitzern, rück die AU-Bescheinigung raus oder guck, dass du als Entgegenkommen mit einem Fuffi oder so rauskommst.

Kommentar von dodo1336 ,

Ich habe ja oben beschrieben, dass ich mehrere zeugen dafür habe, dass ich einen Tag vorher im Besitz der Bescheinigung war. Und ich habe dem Käufer bei Übergabe ALLE Dokumente gezeigt, darunter auch die AU-Bescheinigung. Jetzt im Nachhinein behauptet er nur, die Wäre nicht dabei gewesen

Kommentar von volker79 ,

Okay, jetzt verstehe ich. Klingt also nach einer Masche. Probieren, einschüchtern... da du Zeugen hast, wird er verlieren und das weiß er.

Bliebe nur noch die Frage mit den Vorbesitzern. Zwar ist der Fahrzeugwert recht gering, sodass das kaum noch Auswirkungen hat, aber trotzdem müssen korrekte Zahlen in einen Vertrag.

Antwort
von erobine, 16

Mit Anwalt "drohen" kann jeder! Kann aber für jeden, je nach Klagehöhe, sehr teuer werden! In Deinem genannten Fall lohnt sich eine Klage für keinen....einigt Euch!

Antwort
von Negiz, 45

Wenn falsche angaben auf dem vertrag stehen ja.
Das ist dann betrug (und wird durch ein gutachten dann bestätigt werden)

Antwort
von wikinger66, 12

Lasse dich nicht einschüchtern, der will nur einen Preisnachlass! Cool bleiben!

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