Frage von Diggiduke, 84

Kann jemand Umkehrung der Steuerschuldnerschaft bzw. Reverse-Charge-Verfahren erklären?

Hallo zusammen,

kann mir jemand die Umkehrung der Steuerschuldnerschaft bzw. Reverse-Charge-Verfahren erklären? Wenn möglich so, dass es der Dümmste versteht (ich).

Und wie ich es richtig beim Finanzamt angebe?

Danke für die Hilfe.

Antwort
von wfwbinder, 84

Wir sprechen hier über die Zeilen 26 ff der Umsatzsteuervoranmeldung:

https://www.finanzamt.bayern.de/Informationen/Formulare/Weitere_Themen_A_bis_Z/U...

Es geht darum, dass man (aus Deiner Sicht) z. B. in Italien einkauft.

Du bestellst bei Luigi in Rom 10 Nudelmaschinen für 1.000,- Euro.

Da Du denen Deine USt-ID zum Beweis, dass Du Unternehmer bist mitteilst (was die auf Echtheit überprüfen können), bekommst Du die Rechnung über die 1.000,- netto, also ohne italienische USt.

Du musst das nun im Reverse Charge als innergemeinschaftlichen Erwerb versteuern. Sprich 19 % auf 1.000,- Euro, also 190,- Euro.

Diese 190,- Euro sind dann für Dich wieder abzugsfähige Vorsteuer.

Damit ist es ein Nullsummenspiel.

Kommentar von Diggiduke ,

Vielen lieben Dank für die schnelle Antwort. Ein super Beispie.

Kommentar von faiblesse ,

Das Beispiel ist doch normaler i.g Erwerb. Und hat mit Reverse charge nichts zu tun.

Reverse Charge bedeutet Wechsel der Steuerschuldnerschaft.

Kommentar von MenschMitPlan ,

...


Antwort
von Helefant, 37

Zweimal wurde innergemeinschaftlicher Erwerb erklärt.

Umkehrung der Steuerschuld

Normalerweise stellt ein Lieferant Umsatzsteuer in Rechnung und der Käufer bezahlt sie diesem. Der Lieferant schuldet die Steuer und führt diese ans Finanzamt ab. Wenn der Käufer Unternehmer ist dann kann er unter bestimmten Voraussetzungen die Steuer vom Finanzamt zurückbekommen. Also: 2 Vorgänge beim Finanzamt.

Baut eine Baufirma im Kundenauftrag ein Haus, dann kann sie z. B. die Malerarbeiten bei einem Maler in Auftrag geben. In diesem Fall stellt der Maler eine Rechnung ohne Umsatzsteuer an die Baufirma, zahlt keine Steuer an das Finanzamt, und die Baufirma bekommt die Steuer nicht vom Finanzamt zurück.

Die Umkehrung der Steuerschuld ist für bestimmte Geschäfte nach § 13 b Umsatzsteuergesetz geregelt, z. B. Grundstückshandel, Bauleistungen, Gold etc.

Kommentar von faiblesse ,

Sorry aber ich habe keinen i.g. Erwerb erklärt. Sondern ein Beispiel für 13b und auf bauleistungen habe ich auch hingewiesen.

Es gibt aber noch mehr Beispiele. Metallschrott zB.

Und bei einem 13b Fall muss der Steuerschuldner, in deinem Fall die Baufirma sehrwohl Umsatzsteuer an das Finanzamt zahlen, hat aber gleichzeitig den Vorsteuerabzug.
So dass effektiv zwar nichts gezahlt wird, der Vorgang wird aber gemeldet.

Auch der Maler muss den Vorgang in der umsatzsteuervoranmeldung melden. Aber nur den umsatz.

Kommentar von Helefant ,

Sorry aber ich habe keinen i.g. Erwerb erklärt

Das stimmt. Deine Geschichte mit der österreichischen Spedition, die in Deutschland Waren verkauft, hat nichts mit 13b oder Umkehrung der Steuerschuldnerschaft zu tun. Entschuldige dass ich Dich mit meinem kurzen Satz zu diesem Rundumschlag provoziert hab.

Und Du hast Recht: ich hab die Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers nur ganz knapp erklärt. Ausführlicher als Du. Aber nicht vollständig. Du kannst ja noch Vorschläge aus der Literatur bringen!

Kommentar von faiblesse ,

"Deine Geschichte mit der österreichischen Spedition, die in Deutschland Waren verkauft"

Ich habe nix davon gesagt, dass die Spedition Ware verkauft!

Sie befördert diese, das ist eine Transportleistung.  

"Umsatzsteuer an die Baufirma, zahlt keine Steuer an das Finanzamt, und die Baufirma bekommt die Steuer nicht vom Finanzamt zurück."

Das ist falsch!
Die Baufirma ist leistungsempfänger und nach dem 13b Steuerschuldner und muss somit die Umsatzsteuer an das Finanzamt abführen und hat gleichzeitig den Vorsteuerabzug.

Ebenfalls muss der Maler den Umsatz melden.

Beispiele aus der Literatur? Wie wäre es mit dem Umsatzsteuergesetz?

Antwort
von faiblesse, 45

Im Prinzip heißt das, dass nicht der eigentliche Steuerschuldner die umsatzsteuer schuldet und bezahlt, sondern der leistungsempfänger.

Der Paragraph 13b UStG ist aber schon was länger, und wird auch stetig erweitert.

ZB. Eine Österreichisches Spedition fährt Ware innerhalb von Deutschland.
Also von Verkäufer zu Kunde.

Somit ist die Leistung in Deutschland steuerbar.
Der Lieferant muss somit mit deutscher Mehrwertsteuer berechnen.
Jetzt hat der deutsche fiskus aber Angst. Dass der Österreicher die Umsatzsteuer nicht nach Deutschland abführt.
Daher das Reverse Charge.
Der Österreicher stellt die Rechnung netto aus, und der deutsche leistungsempfänger muss die Umsatzsteuer bezahlen.
Hat natürlich gleichzeitig den Vorsteuerabzug.

Es gibt aber noch mehr Vorschriften.
Gerade im Baugewerbe.
Da durch viele subunternehmer oftmals die Umsatzsteuer nicht gezahlt wurde. Und bis das auffiel gab es das Unternehmen nicht mehr.

Daher Reverse Charge.

Die genauen Vorschriften findet man halt in 13b UStG.

Gemeldet werden muss aber auf beiden Seiten.

Kommentar von Diggiduke ,

vielen Dank für die Antwort

Kommentar von Helefant ,

Also eine Spedition ist schon mal kein Verkäufer. Eine Lieferung unterliegt grundsätzlich dort der Umsatzsteuer wo sich die Ware am Ende befindet, das hat nichts mit Umkehrung der Steuerschuldnerschaft zu tun. Ausnahme: Lieferung innerhalb der EU! Dann entsteht nämlich die Umsatzsteuer im Land des Lieferers, und Dein Beispiel ist nur noch in Ausnahmen von der Ausnahme anwendbar.

Wobei: die Vorstellung von der Firma die mit dem Laster durch Deutschland fährt und dort Waren verkauft, ist natürlich noch ein paar Überlegungen wert. Kein schönes Beispiel für Reverse Charge :(

Kommentar von faiblesse ,

"Also eine Spedition ist schon mal kein Verkäufer."

Das habe ich auch nie behauptet.
Es geht nur um die Transportleistung. Wobei diese ja schon verkauft wird. Aber du denkst dabei an Waren.

"Eine Lieferung unterliegt grundsätzlich dort der Umsatzsteuer wo sich die Ware am Ende befindet, das hat nichts mit Umkehrung der Steuerschuldnerschaft zu tun. "

Das kann man so allgemein nicht sagen, und bei Lieferungen ist es zudem der Beginn.
Guckt man sich reihengeschäfte an, hat man beides. Und nach Konstellation.

Bei Erwerben ist der Ort der Lieferung das Ende.

Aber ja, das hat mit i.g. Erwerben nichts zu tun. Habe ich aber auch nicht behauptet.

"Ausnahme: Lieferung innerhalb der EU! Dann entsteht nämlich die Umsatzsteuer im Land des Lieferers, und Dein Beispiel ist nur noch in Ausnahmen von der Ausnahme anwendbar."

Nochmal, ich habe nicht von Lieferungen gesprochen.

Bei EU Lieferungen greift aber die Steuerbefreiung, so dass keine Umsatzsteuer anfällt.
Der Kunde versteuert den i.g.Erwerb.

"Wobei: die Vorstellung von der Firma die mit dem Laster durch Deutschland fährt und dort Waren verkauft, ist natürlich noch ein paar Überlegungen wert. Kein schönes Beispiel für Reverse Charge :("

Und erneut: ich habe nicht von Lieferungen gesprochen sondern von einer Leistung.

Durch die Änderung des leistungsortes bei sonstigen  Leistungen gibt es sogar noch mehr Fälle.

Denn immer wenn ein Ausländer eine sonstige Leistung an einen deutschen Unternehmer  erbringt, ist der Ort der Leistung in Deutschland, und es kommt zum Reverse Charge.

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