Frage von Naomi2002, 40

Kann jemand mir erklären was Tycho Brahe "gedacht" hat (Astronomie)?

Kann jemand mir erklären was Tycho Brahe "gedacht" hat (Astronomie)? Ich brauchs für NWT aber kapier die Texte in Wiki oder Astrokramkiste oder so nicht! Danke schonmal LG Naomi2002

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von rumar, 22

Hallo Naomi,

falls du über das Thema sprechen sollst, musst du schon versuchen, die zur Verfügung stehenden Quellen eingehend zu studieren. Eigentlich kann man im Netz dazu genügend gute Texte finden. Wahrscheinlich geht es um das "Weltbild", das man heute nach Tycho benennt. Natürlich kannte Tycho Brahe das heliozentrische Modell von Nikolaus Kopernikus und konnte durch seine eigenen sehr umfangreichen Beobachtungen nachweisen, dass es jedenfalls viel plausibler war, anzunehmen, dass die Planeten (Merkur, Venus, Mars, Jupiter, Saturn) sich auf Bahnen um die Sonne herum bewegten anstatt auf komplizierten Kringeln um die Erde herum.

Trotzdem blieb er aber bei der Ansicht, dass die Erde ruhend im Zentrum stehe. Dafür führte er Argumente an, welche auch einem heutigen ("durchschnittlichen") Menschen noch durchaus plausibel scheinen könnten.

Sein resultierendes Modell unterscheidet sich rein kinematisch (zur mathematischen Beschreibung der Bewegungen der Himmelskörper) nach heutiger Sicht - und insbesondere nach Einstein - eigentlich gar nicht wesentlich vom kopernikanischen System. Tycho arbeitet im Prinzip einfach mit einem Koordinatensystem, das da, wo wir Menschen leben, also auf der Erde verankert ist. Das System von Kopernikus setzt den Koordinatenursprung in die ("unsere") Sonne. Heutige Astronomen benützen auch noch ganz andere Koordinatensysteme, zum Beispiel solche mit dem Ursprung im Mittelpunkt des Milchstraßensystems.

Die Frage, welches Koordinatensystem "das richtige" sei, stellt sich einem heutigen Astronomen also gar nicht mehr in derselben Weise, wie dies im 16. und 17. Jahrhundert noch der Fall war. 

Kommentar von Naomi2002 ,

Danke!

Kommentar von weckmannu ,

Man kann die Berechtigung für die Wahl des Koordinaten Systems nicht nur an der Kinematik festmachen. Seit Newton und seinem Gravitationsgesetz ist zumindest für das Weltbild die Sonne oder sogar das Zentrum der Milchstraße als Bezugspunkt zu wählen.

Kommentar von rumar ,

Hallo weckmannu

Das aktuelle Weltbild ist ohnehin schon um einige große Schritte weiter entwickelt als auch noch vor 100 Jahren, und weitere grundlegende Modifikationen stehen uns bestimmt noch bevor. Damals war noch nicht einmal klar, dass es außerhalb des Milchstraßensystems noch was anderes gibt. Und Einsteins hauptsächliche Leistung, die sich damals erst langsam verbreitete, war die Einsicht, dass es überhaupt kein bevorzugtes Koordinatensystem geben kann, sondern dass z.B. für ein auf einem fahrenden Wagen einer Achterbahn auf der Erde fixiertes Koordinatensystem dieselben Gesetze gelten (müssen) wie für jedes andere, z.B. stellar "fixierte" Koordinatensystem. Nur muss man die Gesetze genügend allgemein formulieren, eben in der Weise, wie Einstein das (unter Rückgriff auf die dazu schon vorhandene Tensormathematik) in seiner Gravitationstheorie zeigte.

Ich finde es zwar grundsätzlich gut, dass in der Schule z.B. auf die historischen Auseinandersetzungen etwa um geozentrisches und heliozentrisches "Weltbild" eingegangen wird - aber ich vermisse doch sehr, dass dann offenbar die Tatsache, dass die Wissenschaft (Astronomie und Kosmologie) sich seither um Riesenschritte weiterentwickelt hat, oft komplett übersehen wird.

Antwort
von weckmannu, 12

Tycho hat einen Kompromiss zwischen ptolemäischem und kopernikanischem Modell vertreten. Die Planeten kreisen um die Sonne, die Erde bleibt aber Mittelpunkt des Alls. Er hatte wohl - zu Recht - Angst vor der "heiligen" Inquisition -siehe Galileo Galilei.

Kommentar von grtgrt ,

Sein Kompromiss (bekannt als Tychonisches Weltbild) ist beschrieben auf Seite https://astrokramkiste.de/geozentrisches-weltbild/tychonisches-weltbild ).

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