Frage von MikaHolle, 126

Kann jemand helfen, was soll ich tun?

Hallo liebe gutefrage.net Community, um mein Problem zu schildern muss ich erst einmal ganz vorne anfangen und es wird ein ellenlanger Text, wer keine Lust hat sich alles durchzulesen braucht auch insofern nicht zu antworten.

Ich komme aus einem christlich-konservativem Elternhaus und durfte schon seit frühster Kindheit an die Vorzüge des Christentums genießen in Form von aufgezwungenem Erscheinen zu Gottesdiensten und allen Gebetsstunden. Für meine Eltern ist ihr Glaube die einzige Wahrheit und es gibt kein Links und kein Rechts. Mein Vater leitet in einem Dorf in der Nähe Hamburgs eine christlich-baptistische Freikirche und wir leben in einer eigendlich ruhigen und verlassenen Gegend. Wir leben in einer Wohnung im Haus der Freikirche und im Nebenhaus befindet sich ein Jugendclub. Der Jugendclub hat durch seine nächtlichen Feiern mindestens die Hälfte meiner schlaflosen Nächte verursacht und somit entwickelte ich mich eher zu einem nachtaktiven Menschen. Ich war auch seit Anfang an nicht besonders gut in der Schule und war zudem ein waschechter Außenseiter. Meine Eltern haben mich nie zu Schulfreunden gehen lassen, nicht mal zu deren Geburtstage, ihr Grund dafür war es seien Ungläubige und ich soll mich von ihnen fern halten. Ich durfte auch fast nie Fernsehen, oder im Kino Filme gucken und kein Radio hören weil es ja alles böse war. Ich wurde in der Schule sehr schwer gemobbt und bekam Akne und gesundheitliche Probleme, aber meine Eltern versuchten mich nur zum Gebet zu ermutigen, anstatt mich, wie jedes andere normale Elternteil zum Arzt zu schleppen. Zudem wurden meine Zähne schief, da meine Backenzähne schief wuchsen und auf meinen Kiefer drückten und mein psychisches als auch gesundheitliches Befunden wurde immer schlimmer. Die Mobbing-attacken wurden immer schlimmer und die Lehrer amüsierten sich über mich, anstatt mir zu helfen, meine Eltern fragte ich nicht nach Hilfe, denn ihre Hilfe bestand nicht aus Taten sondern aus leeren Worten. Ich fing eine kaufmännische Ausbildung an und wurde von meinem damaligen Chef sehr schlecht behandelt, schiebte unzählige unbezahlte Überstunden und viel wegen Überarbeitung in ein zeitweiliges Koma, dennoch bestanden meine Eltern darauf, dass ich die Ausbildung beende und das ich nicht den Arbeitsplatz wechsel. Die erste Entscheidung die ich je allein getroffen habe, war die Kündigung meiner Ausbildung, doch nun bin ich seit 6 Monaten schon zu hundert prozent von meinen Eltern abhängig und finde keine Möglichkeit ihren Klauen zu entkommen. Ich bin ohne Frage in etwas wie einer Sekte groß geworden und habe schon versucht mich öfter umzubringen und habe mich geritzt. Ich habe auch eigenwillig Arztbesuche durchgedrückt und es ist rausgekommen, dass ich seit Kindesbeinen an ganz schwere Allergien habe. Ich habe eine Wut gegen meine Eltern und diese Welt entwickelt, ich habe keine Freunde und keine Familienmitglieder die mir helfen könnten und ich weiß nicht wohin. Und nun meine Frage: Was soll ich tun?

Antwort
von Dxmklvw, 5

Ein wichtiger Sinn des Lebens ist es, das eigene Leben zu leben und nicht das von anderen oder von einer Gruppe. Wer das Leben anderer lebt, der ist Werkzeug und Sklave der anderen (und merkt es oftmal nicht einmal).

Zudem ist jeder Mensch anders. Wäre es nicht so, dann wären alle minus einem überflüssig. Zum Vergleich, auch wenn es sich vielleicht etwas blöd anhört: Ein Kühlschrank sollte einer Waschmaschine nicht vorschreiben, wie sie zu funktionieren hat.

Es ist auch die Frage angebracht, warum es wohl in der Welt täglich immer mehr Probleme gibt. Die Antwort lautet: Weil niemand auf die Idee kommt, es mal ganz anders zu machen als die anderen.

Doch bei Glaubensproblemen wird eine Konfliktlösung sehr schwer. Denn Glauben hat vorrangig auch die Eigenschaft, daß er selbst bestimmen will, was Vernunft ist, d. h., daß er zu seinem eigenen Zirkelschluß wird. Überzeugungsversuche sind da fast immer sinnlos, und erst recht dann, wenn auch noch Gruppendynamik als Verstärker wirkt.

Trotzdem ist es so, daß jedes und alles für Menschen nur deshalb richtig, wahr oder logisch ist, weil wir glauben, daß es so sei. Von diesem Problem ist kein Mensch ausgeschlossen.

Bis zur Volljährigkeit wird sich vermutlich nichts wesentlich ändern. Alternativ könnte zwar das Jugendamt helfen, aber das wäre meiner Ansicht nach (andere sind da anderer Meinung) eher eine Verschlimmbesserung. Dennoch könnte ein Unterkommen in einer vom Jugendamt gestellten Einrichtung ggf. das angenehmere Übel sein.

Etwas anderes wäre vielleicht einen Versuch wert, nämlich einige präzise Fragen und das Bestehen auf eine klare Antworten:

Was will Gott von den Menschen: Will er, daß sie ihm aus lauter Angst vor eine Hölle gehorchen? Oder will er, daß sie mit der Peitsche zum Gehorsam gezwungen werden? Oder ist ihm jeder Mensch recht, der sich aus innerer Überzeugung heraus so verhält, daß es auch der Gesinnung Gottes nahe kommt?

Was ist von jemandem zu halten, der auf sein Kind immer heftiger einprügelt und dabei mit sich überschlagender Stimme schreit "Wirst du mich jetzt gefälligst lieben!"? Wäre das nicht dasselbe, als wenn ein Auto nicht anspring, und der Fahrer anfängt, den Motor mit dem Vorschlaghammer zu reparieren?

Antwort
von Giustolisi, 18

Was du da schreibst, ist schlimm. Ich kann mir kaum vorstellen wie es sein muss mir einem neugierigen, wachsenden Geist so unterdrückt zu werden.

Du hast das Internet, also die Möglichkeit nachzuforschen, an welche Anlaufstellen du dich wenden kannst, um Geld und eine Wohnung zu bekommen. Eine neue Ausbildung findest du gewiss auch wenn du dich bemühst und dann bist du doch schon auf einem ganz guten Weg.

Du wirst einige Behördengänge erledigen müssen. Du brauchst Geld, eine Wohnung und Geld für die erste Wohnungseinrichtung. All das kann man beantragen. Dein Kindergeld bekommst du dann auch selbst ausgezahlt, das musst du auch in die Wege leiten.

Um die Wohnung musst du dich kümmern, sie darf nur nicht zu teuer sein. Das Arbeits- und Sozialamt ist eigentlich die Anlaufstelle für dich. Die bezahlen die Wohnung, geben dir erst mal Geld, zahlen das Kindergeld aus und unterstützen dich später während der Ausbildung finanziell. Dort beantragst du auch das Geld für die erste Wohnungseinrichting, die sogenannte Erstausstattung.

Mit 19 kannst du theoretisch von heute auf morgen abhauen. Du musst dich auch nicht unterdrücken lassen, denn die freie Entfaltung der Persönlichkeit ist ein Grundrecht. Dann würdest du aber ohne irgendwas auf der Straße sitzen und das kann auch nicht das sein, was du willst.

Einfach von heut auf morgen raus werfen kann man dich auch nicht, dafür gibt es auch Fristen, mindestens vier Wochen, wenn ich mich nicht irre, könnten aber auch zwei sein.

Ich rate von einem Schnellschuss ab. Nutze deine Wut und setze sie in Tatendrang um, forsche im Netz nach, zu welchen Behörden du musst und was du alles beantragen musst, um Geld und eine Wohnung zu bekommen. Ich würde deine Eltern an deiner Stelle vor vollendete Tatsachen stellen wenn du schon alles in die Wege geleitet hast. Ich schätze, dass das die am wenigsten stressige Vorgehensweise ist.

Und vor allem, behalte einen kühlen Kopf. Denke erst alles zu Ende und handle dann.


Wenn du privat schreiben willst und noch ein paar Tipps brauchst, mach einfach eine Freundschaftsanfrage.

Antwort
von bobby68, 11

Deine Eltern wollen wie alle Eltern nur das Beste für Dich.. Leider stellst Du und viele andere Menschen sich darunter etwas anderes vor. Wenn Du selbstmordgefährdet und vermutlich auch depressiv bist solltest Du dringenst eine medizinische Fachperson beiziehen. Ich denke da eine eine Psychotherapie oder ähnliches. Nein, Du bist nicht verrückt, aber der Therapeut / die Therapeutin kann Dir bei der Ablösung von Deinen Eltern helfen, denn Du solltest unbedingt lernen, auf eigenen Beinen zu stehen. Auch bei der Auswahl der Ausbildung kann Dir einE TherapeutIn helfen. Vielleicht kannst Du ja während der Lehre in einem Lehrlingsheim wohnen ? Noch etwas religiöses: Ich glaube, dass Christus uns vorallem auch Entscheidungsfreiheit gebracht hat. Zwang hat im Glaubensleben eigentlich nichts zu suchen..

Antwort
von HELLEN1C, 75

Ein paar Infos zu dir wären gut, zb. dein Alter.

Erstmal tut es mir sehr Leid das zu hören. Ich würde so schnell wie möglich Abstand zu deinen "Eltern" gewinnen.

Wenn du 18 oder älter bist, zieh aus. Falls du Hilfe brauchst, geh zur Polzei, zum Jugendamt etc. 

Verletzt dich nicht selber, das bringt nichts. Ich weiß es ist leichter gesagt als getan, aber nur du kannst es da rausschaffen und glaub mir, du wirst es :). 

Falls du magst, können wir uns privat unterhalten, ich denke das würde sonst hier den Rahmen sprengen.

Kommentar von MikaHolle ,

Ich bin jetzt 19 und sehr gerne würde ich mit dir privat schreiben

Antwort
von Falbe, 17

Ja, es ist sehr schlimm , was du da schreibst . Habe alles gelesen . Ich bin selber auch überzeugter Christ, aber sowas , wie deine Eltern handeln ist furchtbar . Davon kannst du psychisch krank werden .  -

Ich war mal Patient in einer christlichen psychosomatischen Klinik im Schwarzwald . Die sind auf die Behandlung von schwer gestörten , christlich sehr streng erzogenen Menschen spezialisiert . Die Klinik heißt : " de Ignis" Klinik.

 kannst du googeln . Die können dir auch raten , wie und wo  du weiterleben kannst . Du kannst mir sehr gerne privat schreiben , dafür klickst du die Freundschaftsanfrage . 

Ich wünsche , daß du bald Hilfe bekommst 

Antwort
von DerBuddha, 35

wenn du eine lehre angefangen hast, bist du entsprechend schon in einem bestimmten alter und ich empfehle dir dringend, dass du mit deiner geschichte zum jugendamt gehst und aus dem elternhaus ausziehst........vieleicht erstmal in eine wohngruppe oder sogar MIT unterstützung und durch das jobcenter dann eine eigene wohnung beziehst, denn deine geschichte ist ein grund aus dem elternhaus ausziehen zu können und dann auch staatliche hilfe (sozialleistungen usw.) zu beziehen......... was sonst nicht so einfach wäre, da man ohne zwingende gründe nicht so einfach aus dem elternhaus ausziehen kann und dann stütze bekommt...........

bleibst du bei deinen horroreltern, ist deine düstere zukunft vorprogrammiert, aber NOCH hast du die möglichkeit ein eigenständiges leben aufzubauen und zu führen......wartest du weiter, dann hast du irgendwann diese möglichkeit nicht mehr...........:)

wenn es nicht anders geht, dann suche dir eine lehrstelle weit weg, egal was, hauptsache du hast erstmal eine und dann hast du auch die möglichkeit, bzw. mehr möglichkeiten, von zu hause weg zu kommen, denn dann kommt man auch in eine "andere" hilfskategorie von seiten des jobcenter, die dann etliche leistungen zahlen, z.b. unterkunft usw. im entsprechenden ort deiner lehrstelle........... auf alle fälle musst du da weg.........:)

Antwort
von HalloMerida0815, 46

Ich kenne das auch, zwar nicht genau so, aber ähnlich! Ich habe mich erst sehr spät von meinen Eltern getrennt und habe es bereut, nicht eher getan zu haben. 

Nach der Trennung ging es mir wesentlich besser! Allerdings haben sich auch meine drei Geschwister von mir abgewandt (ist aber nicht so schlimm).

Es gibt Hilfen, du kannst ja mal bei der Telefonseelsorge (0800 1110111) anrufen, die können weiterhelfen, kostenfrei und anonym.

Kommentar von MikaHolle ,

Ich kann dort leider nur anrufen, wenn meine Eltern weg sind. Unsere Wände sind sehr dünn :(

Kommentar von DerBuddha ,

die nummer ist kostenlos, also auch mit handy im freien anwählbar........:)

Kommentar von Hooks ,

Falls FS ein Handy hat...

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