Frage von Cloara, 76

Kann ich wirklich durch eine normale Ernährung meine Emotionen freischalten?

Hallo. Ich habe eine seltsame Frage. Ich bin weiblich 19 und habe seit ich 16 bin eine Essstörung mit der ich 31 kg abgenommen habe. Als ich 10 war starb mein Vater und von diesem Tag an wurde ich immer dicker bis ich mit 16, 104 kg wog. Nach einem Klinikaufenthalt wechselte ich von Bulimie non purging zu binge eating und nahm durch ständiges hungern und dann wieder bingen, 17 kg zu. Mir hat dann mal jemand gesagt das ich es nie schaffen könnte gesund abzunehmen wenn ich nicht wüsste wofür das essen bei mir stünde. Nun habe ich heute meine Psychologin gefragt und sie sagte zu mir sowas wie: Wenn ich mein Essverhalten nicht unter Kontrolle habe und es immer wechselt das ich dafür meine Gefühle und Emotionen unter Kontrolle hätte. Und wenn ich meine Essgewohnheiten mit drei Mahlzeiten am Tag unter Kontrolle hätte das dann Gefühle und Emotionen automatisch und von alleine irgendwann raus kommen auch wenn ich jetzt nichts wahrnehme. Ich kann mir bei weitem nicht vorstellen das sich emotional etwas ändert wenn ich ein normales Essverhalten habe. Kann mir jemand etwas dazu sagen? Hattet ihr etwas ähnliches?

Expertenantwort
von Kajjo, Community-Experte für Gesundheit & Medizin, 18
  • Bei dir sind Essverhalten und Emotionen gegenläufig. Je extremer deine Essgewohnheiten sind, desto unterdrückter sind deine Emotionen, da du dich mit dem Ess-Fehlverhalten unbewusst selbst ablenkst.
  • Wenn du normal essen würdest, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass du dich auch normal mit all deinen Emotionen auseinandersetzen musst. Es wäre empfehlenswert sie emporkommen zu lassen und auszuleben, am besten in therapeutischer Betreuung. 
  • Versuche unbedingt, normal zu essen und deinen Emotionen Raum zu geben.
Antwort
von Noaza, 17

Also innerhalb so kurzer Zeiten so viel ab und zu zunehmen, kann nur eine Belastung für dein Körper sein. Eine Essstörung wie diese ist eine Krankheit. Gehirnforscher haben bei vielen fettleibigen Menschen, eine Entzündung im Gehirn festgestellt, was dafür verantwortlich sein könnte, dass sie das Sättegefühl nicht empfinden. Das heißt sie essen viel mehr, als  ihr Körper eigentlich braucht, während andere denken würden, dass sie gleich platzen.
Dagegen gibt es noch kein  Heilmittel, somit verbleiben nur noch die Therapien, die nichts bringen, da es nicht nur ein mentales Problem ist.

Meine Meinung zur normalen Ernährung und deinen Gefühlen ist, dass die Psychologin selbst nicht wirklich weiß, ob das stimmt. Ich denke, dass das eine ganz individuelle Sache ist was sie da gemeint hat. Ich denke es ist andersrum. Du musst Entschlossenheit finden. Etwas wofür sich der Mensch einsetzt. Dadurch, dass man seine Emotionen unter Kontrolle bekommt, kann sich das Essverhalten normalisieren. Natürlich wäre es zwingend nötig, in den jungen Jahren zu einem Normalzustand deines Körpers zurückzukehren, da mit dem Alter das ganze schwieriger wird, jedenfalls denke ich, fokussierst du dich zu sehr an das Essen, anstatt den Dingen, womit du dich eher beschäftigen solltest.

Gefühle sind zwar hormongesteuert, aber ganz so einfach ist das nicht. Natürlich können deine Gefühle und Hormone durch eine gestörte Entgiftung des Körpers durch zu viel Junkfood oder durch fehlende Leberfunktionen bei Alkoholikern beeinträchtigt sein, aber das finde ich bei dir nicht sonderlich wahrscheinlich.

Antwort
von Andrastor, 38

Deine Psychologin hat vermutlich aus deinem Verhalten und dem was sie über deine Psyche weiß, geschlossen dass das gestörte Essverhalten eine Art Abwehr- bzw. Unterdrückungsmechanismus gegen deine Emotionen ist.

Sprich anstatt zu fühlen, lenkst du dich mit dem gestörten Essverhalten ab. Du flüchtest vor deinen Emotionen ins Essen.

Wenn du dein Essverhalten jedoch normalisieren kannst, nimmst du dir selber die Fluchtmöglichkeit und ermöglichst dir selbst wieder mit deinen Emotionen in Kontakt zu treten und sie zuzulassen.

Kommentar von Cloara ,

Passiert das unterbewusst mit den Emotionen?

Kommentar von Andrastor ,

Das lässt sich nicht verallgemeinern. Jede Person ist da ein wenig anders und geht anders damit um.

Sagen wir so: Es ist möglich dass du unbewusst die Emotionen durch deine Essgewohnheiten verdrängst, kann aber auch eine bewusste oder halbbewusste Handlung sein (das kannst in Wahrheit nur du selber tatsächlich beantworten).

Genauso kann es sein dass du nachdem du deine Essgewohnheiten erfolgreich normalisiert hast, andere Flucht- und Verdrängungsmechanismen entwickelst, ebenfalls bewusst oder unbewusst.

Oder eben dass du das nicht tust und die Emotionen zurückkommen. Wenn sie das tun, dann ohne deinen direkten Einfluss, also eher unbeabsichtigt, aber bewusst mitbekommen wirst du das auf alle Fälle.

Hat das deine Frage beantwortet, oder wolltest du auf etwas anderes hinaus?

Kommentar von Cloara ,

Ja. Danke. 😊

Kommentar von Andrastor ,

gern geschehen

Expertenantwort
von Buddhishi, Community-Experte für Gesundheit, Medizin, Psyche, ..., 33

Hallo Cloara,

Du erwähnst, dass Dein Vater verstarb, als Du 10 J. alt warst und von da an zugenommen hast. Also scheint dieses Erlebnis ja etwas Traumatisches in Dir ausgelöst zu haben. Ist das in irgendeiner Form bisher behandelt worden?

Über die Aussage Deiner Psychologin kann ich wenig sagen ohne Beantwortung der obenstehenden Frage, denn es ist unklar, was 'Henne und Ei' ist.

LG

Buddhishi

Kommentar von Cloara ,

Ich hatte in einer Klinik eine Trauer-Therapie aber während dieser Therapie ist nicht wirklich etwas emotional bei mir passiert.

Kommentar von Buddhishi ,

Danke, eine Trauer-Therapie ist jedoch etwas anderes als eine Trauma-Therapie. Könnte es sein, dass der Tod Deines Vaters etwas Traumtisches in Dir ausgelöst hat?

Antwort
von izzyjapra, 24

Ich habe eine ganz ähnliche Erfahrung gemacht.

Ich war magersüchtig und zu dieser zeit emotional sehr instabil. Ich habe das immer in gewisser Weise mit dem Körpergewicht in zusammenhang gebracht. Mein körper war dünn, schwach und zerbrechlich und meine psyche ebenso.

Irgendwann konnte ich wieder normal essen. Und mit normalem Körpergewicht hat sich auch meine psyche stabilisiert.

Ich finde das hat auch viel mit dem körpergefühl zu tun. Du fühlst dich zerbrechlich, wenn du zu dünn bist und du fühlst dich stark, wenn du normalgewichtig bist, denn dann ist auch dein körper stärker.

Wenn dein Körpergewicht ständig schwankt, kann es also durchaus sein, dass auch deine Emotionen völlig durcheinander geraten sind.

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