Frage von JoHanMe, 137

Kann ich Wald kaufen und diesen sich selbst überlassen?

Ich bin nicht daran interessiert Wald zu kaufen, um ihn zu bewirtschaften. Ich will den Wald sich selbst überlassen, damit er als Refugium für die Natur dient - echt und unberührt. Geht das in Deutschland?

Antwort
von Luftkutscher, 60

Selbstverständlich kannst Du eine Waldparzelle kaufen und den Wald sich selbst überlassen. Lediglich wenn Maßnahmen im Rahmen der Verkehrssicherungspflicht notwendig sind, weil z.B. ein morscher Baum oder Ast auf eine Straße zu stürzen droht, kann man Dir Auflagen machen, um die Gefahrenquelle zu beseitigen. Ggf. könnte das Forstamt von Dir verlangen, abgestorbene oder kranke Bäume zu fällen und zu entsorgen, wenn dort Borkenkäfer in größerem Maße ihr Unwesen treiben. Ansonsten kannst Du das Stück Wald verwildern lassen wie Du es für richtig hältst. Wenn Du nicht möchtest, dass dort gejagt wird, dann kannst Du sogar einen Antrag auf jagdliche Befriedung stellen. Wenn dem Antrag statt gegeben wird, dann hast Du dort ein Stück Serengeti geschaffen. Die Naturschutzbehörden sehen solche Maßnahmen mit Wohlwollen und ggf. kannst Du sogar finanzielle Fördermaßnahmen erhalten. 

Antwort
von Nomex64, 50

Es gibt in jedem Bundesland ein Landeswaldgesetz. Da steht in aller Regel auch was über "Ordnungsgemäße Forstwirtschaft" z.B.:

(1) Die forstliche Bewirtschaftung des Waldes hat seiner Zweckbestimmung zu dienen und muss nachhaltig, pfleglich und sachgemäß nach anerkannten forstlichen Grundsätzen erfolgen (ordnungsgemäße Forstwirtschaft).

(2) Die nachhaltige Bewirtschaftung soll die Schutz-, Nutz- und Erholungsfunktionen stetig und auf Dauer gewährleisten. Damit im Zusammenhang stehen das Streben nach Erhaltung der Waldfläche, Erhaltung und Wiederherstellung der Fruchtbarkeit der Waldböden, nach bestmöglicher Vorratsgliederung sowie der Erhalt und die Wiederherstellung der ökologischen Vielfalt des Waldes, die Sicherung der Genressourcen und der Erhalt des Lebensraumes für Tier- und Pflanzenarten.

(3) Zur nachhaltigen, pfleglichen und sachgemäßen Bewirtschaftung des Waldes gehört insbesondere

    die natürlichen Bodenfunktionen wiederherzustellen und zu erhalten,die Erhaltung und Entwicklung von stabilen Waldökosystemen, die in ihrem Artenspektrum, in ihrer räumlichen Struktur sowie in ihrer Eigendynamik den natürlichen Waldgesellschaften nahe kommen,die Schaffung und Erhaltung eines überwiegenden Anteils standortheimischer/standortgerechter Baum- und Straucharten (als standortheimisch gilt eine wild lebende Pflanzenart, wenn sich ihr jeweiliger Wuchsstandort im natürlichen Verbreitungsgebiet der betreffenden Art befindet),notwendige Pflegemaßnahmen zur Erhaltung solcher Wälder durchzuführen,der Gefahr von biotischen und abiotischen Schädigungen der Waldbestände naturverträglich vorzubeugen,Waldschutzmaßnahmen nach den Grundsätzen des integrierten Pflanzenschutzes durchzuführen, wobei präventiven Waldbaumaßnahmen der Vorrang einzuräumen ist,die Bewirtschaftung boden- und bestandesschonend unter Berücksichtigung des Landschaftsbildes sowie der Erhaltung und Verbesserung der Lebensräume der Tier- und Pflanzenarten vorzunehmen,eine Walderschließung so zu gestalten, dass den Waldfunktionen ausreichend Rechnung getragen wird,den Vorrang gesunder und artenreicher Waldbestände bei der Wildbewirtschaftung zu gewährleisten,Nebennutzungen zuzulassen, soweit sie die Funktionen des Waldes nicht beeinträchtigen,der Erhalt und die Wiederherstellung naturnaher Waldinnen- und Außenränder,die Wasserrückhaltung des Waldes zu erhalten und zu verbessern,der Erhalt eines hinreichenden Anteils von stehendem und liegendem Totholz,die sorgfältige Abwägung zwischen natürlicher Sukzession, Naturverjüngung, Saat und Anpflanzung.

Es gibt aber in Deutschland durchaus Wälder die bewusst Urwaldcharakter haben. Da kannst du gern was von kaufen.

Kommentar von Luftkutscher ,

Wenn er seinen Wald nicht pflegt und forstwirtschaftlich nutzt, dann erfüllt er genau die Vorgaben des Landeswaldgesetzes! Diese Rechtsnorm wurde geschaffen, damit am Wald kein Raubbau getrieben wird. Das bedeutet aber nicht, dass man seinen Wald fortwirtschaftlich nutzen muss. Ich habe selbst mehrere Hektar Wald und nutze nur einen kleinen Teil forstlich. Den Rest habe ich der Natur überlassen und das Forstamt findet das gut. 

Kommentar von Fuchssprung ,

Bist du in deinem der Natur überlassenen Wald selbst mit der Flinte unterwegs oder schleichen dort andere Jäger umher? 

Kommentar von Luftkutscher ,

Dort pirscht niemand. Ein Teil meiner Wälder sind jagdlich befriedet. Lediglich einige schmale Streifen sind Teil eines Jagdbogens. Ob sich da aber ein Jäger hineinwagt, glaube ich nicht. Da bräuchte er schon eine Machete und eine Kettensäge :-) 

Kommentar von Fuchssprung ,

Gefällt mir :-)

Antwort
von Hichaos1991, 63

Mein Opa hatte ein Waldgrundstück und dieses muss beforstet werden um dafür zu sorgen das es nicht auf anderen grund übergeht und die population der Tiere kontroliert zu halten.

Ansich muss man sich darum kümmern den wer weiß was andere leute auf dem Grund machen könntet wenn du z.b. den Grund für mehrere Jahre nicht betretest.

Kommentar von JoHanMe ,

Angenommen das Grundstück ist mit entsprechenden Warnhinweisen versehen ("Betreten auf eigene Gefahr") und Jäger haben die Erlaubnis den Tierbestand zu kontrollieren, sehe ich da keine Bedenken. Aber Recht ist eben nicht gleich Vernunft ;)

Kommentar von Hichaos1991 ,

Da müsstest du halt mal beim Landkreis zuständigen Förster nachfragen ob das ginge.

Kommentar von Luftkutscher ,

Weshalb Warnhinweise? Soll er Schilder mit der Aufschrift "Vorsicht! Bäume schlagen aus!" aufstellen? Jeder der in einen Wald geht, der weiß dass dort Bäume stehen.  

Kommentar von JoHanMe ,

Das meine ich mit Unterschied zwischen Recht und Vernunft. Natürlich sollte jeder wissen, dass Bäume umfallen können. Aber das heißt eben noch lange nicht, dass jemand nicht dafür belangt werden kann, wenn ein umstürzender Baum jemanden verletzt oder gar tötet..

Kommentar von Luftkutscher ,

Wenn mitten im Wald abseits von Waldwegen ein Baum umfällt oder ein morscher Ast herab fällt und einen Pilzsucher erschlägt, kann weder der Eigentümer noch der Besitzer der Waldparzelle. Die Verkehrssicherungspflicht greift hier nicht. Es gehört zum allgemeinen Lebensrisiko, dass man im Wald über eine Baumwurzel stolpern kann, einen Dorn ins Auge bekommt oder dass man von einem Baum erschlagen wird. Es ist weder einem Besitzer noch einem Eigentümer zuzumuten, den Wald so zu pflegen, damit alle Risiken für Pilzsammler, Jäger etc. ausgeschlossen sind. Lediglich an vielbegangenen oder befahrenen Wegen gilt diese Verkehrssicherungspflicht.   

Antwort
von Realisti, 84

Ich glaube das ist nicht möglich. Alle Flächen in Deutschland haben eine ausgewiesene Nutzung. An die muß man sich halten.

Man kann natürlich einen Antrag auf Änderung dieser Nutzung stellen. Ob das gemacht wird und wo, dass ist dann zum Teil Politik.

Besitz bedeutet eben auch Verantwortung.

Kommentar von Riverside85 ,

Nein, das stimmt so nicht. Wenn es ein Privatwald ist, steht dir auch offen, wie du ihn bewirtschaftest. Natürlich muß er dann auch umzäunt werden, damit nicht zufällig ein Passant von einem morschen Baum erschlagen werden kann. 

Es gibt solche Ideen auch in anderen Forsten bereits, dort überläßt man einen (kleinen) Teil der Fläche der Natur und greift nicht ein als Mensch. 

Kommentar von Realisti ,

Wo kein Kläger, da auch kein Richter.

Es gibt immer mal wieder Besitzer, die sich nicht um ihren Besitz kümmern (können). Solange sich keiner beschwert, passiert eben auch nichts. Der Ärger kommt immer erst, wenn es einen Unfall gibt.

So ganz kan nich Riverside85 auch nicht glauben. Man muß sogar für selbst gepflanzte Bäume/Alleen eine Genehmigung haben, wenn man die wieder umhauen will. Also ist das mit Sicherheit auch geregelt von der Forstbehörde-

Kommentar von Riverside85 ,

Wenn man den Wald sich selbst überläßt, wird ja nichts umgehauen. Wieso sollte man dafür also eine Genehmigung brauchen?

Kommentar von Luftkutscher ,

Unsinn. Einen Privatwald muss man nicht umzäunen. Wenn dort nicht gerade eine Straße entlang führt, greift die Verkehrssicherungspflicht nicht. Wer einen Wald betritt, der muss damit rechnen, dass ihm ein Ast auf den Kopf fällt oder dass er über eine Baumwurzel stolpert. Im Gegenteil - ein Zaun als Baumaßnahme wird wohl kaum genehmigt werden, wenn es sich nicht gerade um eine Aufforstung handelt.  

Antwort
von SinomHD, 63

Sicha, wenn keine Bäume umkippen geht das

Kommentar von Luftkutscher ,

Wenn die Bäume nicht gerade auf eine Straße kippen, ist das kein Problem. In meinem Wald liegen hunderte Bäume und niemanden stört es. 

Antwort
von Maxla2, 76

Ja außer ein "Nachbar" beschwert sich dann musst du dich darum kümmern

Kommentar von Luftkutscher ,

Nicht mal dann. Er kann sich ruhig beschweren, aber welche Rechtsgrundlage sollte er geltend machen?

Kommentar von Maxla2 ,

Gibt schon ein Gesetz. habs bloß ned im Kopf wies heißt

Kommentar von Luftkutscher ,

Komisch. Ich war einige Jahre bei der Forstverwaltung beschäftigt und bin selbst Privatwaldbesitzer, aber mir ist da keine Rechtsnorm bekannt, weshalb sich ein Nachbar am Bestand einer Waldparzelle beschweren könnte. Lediglich § 823 ff BGB könnte greifen, wenn ein Baum oder ein Ast auf eine Straße oder einen Waldweg zu stürzen droht.    

Antwort
von Riverside85, 61

Prinzipiell schon, aber dann brauchst du selbst einen Haufen Kohle (da du ja mit dem Wald nichts erwirtschaftest) und einen Menge Nerven, weil dir garantiert Steine in den Weg gelegt werden bzw. sich alle möglichen Leute über Pollenflug, wilde Tiere oder sonst was beschweren. 

Kommentar von Luftkutscher ,

Weshalb benötigt er einen Haufen Kohle? Der Wald frisst kein Geld. Ich habe selbst mehrere Hektar Privatwald, von denen ich nur ein paar kleine Flächen bewirtschafte. Der Rest gehört der Natur.  

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