Frage von Jojo1701, 42

Kann ich Schmerzensgeld einklagen?

Meine Mutter (72) ist an einem Sonntag mit starken Bauchkrämpfen in den Bereitschaftsdienst gefahren, dieser hat ihr krampflösende Medikamente verordnet, die sich 2 x genommen hat. Die Schmerzen wurden nicht besser. Daraufhin bin ich Sonntagabends mit ihr in die Notaufnahme gefahren, mit dem Ziel, sie dort zu lassen. Sie rief mich jedoch nach 3 Stunden an, dass sie wieder nach Hause kann (hat sich selbst entlassen). Sie hat eine starke Blasenentzündung, hat einen Tropf bekommen. Sie darf gehen, was mir auch von der Schwester bestätigt wurde. Sie blieb einen Tag (Montag) mit Antibiotika und weiteren starken Schmerzen zu Hause. In der Nacht zu Dienstag ist sie zusammengebrochen, lag ca. 2 Stunden bewußtlos mit einer Gehirnerschütterung, angebrochener Nase und großem Blutverlust im Flur (sie nimmt Blutverdünner...) Sie hat sich auf die Couch gequält. Mein Vater rief den Notarzt. Als die Rettungskräfte sie hochnehmen wollten, hat sie sehr viel Blut gespuckt (Kaffesatzerbrechen - wurde von den Rettungskräften so bezeichnet), es wurde ein Notarzt angefordert. Das Blut spucken kam angeblich von der Nase. Außerdem war ihr Nachthemd an der Hinteseite mit dunklem Blut oder Stuhl (Ich habe es schon weggeworfen, werde es aber wieder aus der Mülltonne fischen) Sie wurde auf die Wachstation und dann auf die HNO-Station verlegt. Jedoch waren die Bauchschmerzen nach wie vor sehr stark. 2 Tage wurden diese nicht behandelt, sie erhielt zwar Schmerztabletten, diese wirkten jedoch nicht. Dann endlich am Donnerstag, nach einem Gespräch mit uns wurde ein anderer Arzt hinzugezogen und hat dann einen Darmverschluss festgestellt, der sofort operiert wurde. Von bekannten Krankenschwestern habe ich jedoch erfahren, dass auf dem Röntgenbild, was am Sonntagabend in der Notaufnahme gemacht wurde, schon etwas von einem Darmverschluss zu erkennen war. Nun ist sie auf dem Weg der Besserung, aber der Zusammenbruch hätte nicht sein brauchen. Aber dazu gibt es die Akten, die das bestätigen können. Meine Frage: Ist es möglich, Schmerzensgeld einzuklagen und wenn ja, in welcher Höhe? Über Antworten wäre ich dankbar.

Antwort
von DorktorNoth, 5

Um diese Frage letztlich zu beantworten fehlen wie immer entscheidende Informationen (die du wahrscheinlich auch nicht hast, insofern kein Vorwurf). Man kann eine Klinik immer dann belangen, wenn offensichtlich Schaden durch eine grob fahrlässige oder absichtliche Fehlbehandlung entsteht. Hat man bei deiner Mutter eine falsche Diagnose getroffen (Blasenentzündung) und diese ist auch nachvollziehbar, also kommen andere Ärzte auch zu dem Schluss, dass es sich hätte um eine Blasenentzündung handeln können, dann ist das keine Fehlbehandlung. Fehldiagnosen kommen vor, allerdings muss ein Arzt natürlich nachweisen, dass er die notwendigen Untersuchungen gemacht hat, um andere passende schwerwiegende Erkrankungen auszuschließen. Dies ist offensichtlich durch das Röntgen geschehen, da hatte wohl wer an Ileus (also Darmverschluss) gedacht. Dass der Darmverschluss wiederum auf dem Bild nicht gesehen wurde kann auch mal sein - daher dann die Fehldiagnose. Ist leider nicht grob fahrlässig. Hätte der Radiologe in den Befund geschrieben "Darmverschluss" und der Internist hätte trotzdem gesagt, wir behandeln eine Blasenentzündung, dann wäre es ein Behandlungsfehler, gegen den du vorgehen könntest. Aber eben erst dann, und das muss man auch erst mal beweisen.

Grundsätzlich muss man ebenfalls einen Schaden durch die Fehlbehandlung nachweisen. Wenn man deine Mutter dabehalten hätte, wäre sie vieleicht nicht gestürzt. Wenn man den Sturz auf den Darmverschluss zurückführen kann, könnte diese VErbindung sogar klappen. Der zusätzlihc erlittene Schaden wäre allerdings dann nur das Nasenbluten durch den Sturz, denke ich (bin aber kein Jurist), denn die OP hätte sie ohnehin benötigt. Frage wäre noch, ob durch die VErzögerung der OP ein zusätzlicher Schaden entstanden ist (Infekt o.ä.), was medizinisch aber wieder kaum nachweisbar wäre.

Du siehst, es ist nicht ganz so einfach, ein Krankenhaus wegen Fehldiagnosen zu einer wie auch immer gearteten Kompensation zu bringen. VErsuchen kann man es natürlich - wenn, dann aber deine Mutter und nicht du, denn sie ist die Geschädigte.

Grundsätzlich möchte ich aber nochmal betonen, dass ich es nicht sonderlich gut heiße, wenn man sofort an Geld denkt - deine Mutter ist jetzt wohl eindeutig wichtiger. Statt den Weg über die Gerichte zu beschreiten gibt es übrigens auch die Möglichkeit von außergerichtlichen Vergleichen. Sowas kann durch die Schiedsstellen der Ärztekammern moderiert werden. Die Klage sollte immer das allerletzte Mittel sein.

Kommentar von Jojo1701 ,

Danke für diese ausführliche Antwort, grundsätzlich besagen die Akten, was tatsächlich wie passiert ist. Ich bin jeden Tag im Krankenhaus und an erster Stelle steht für mich das Wohl meiner Mutter. Schmerzensgeld... sch...drauf. Mich ärgert eigentlich die "Nichtbehandlung ihrer Schmerzen auf der HNO-Station, die selbst meine Mutter als sehr negativ betrachtet hat, niemand hat es beachtet. Eine Schwester sagte, dass sie sich damit nicht auskennt, sie soll wo anders fragen. Aber das in ihrem Zustand. Es ist nicht schief gegangen aber es hätte schief gehen können.Wir sind einfach froh, dass es jetzt wieder bergauf geht, es schwirren so viele Gedanken im Kopf, vor allem was wäre wenn... Ich werde mich mit unserem Hausarzt in Verbindung setzen und die Befunde studieren. Es wird sicherlich darauf hinauslaufen, dass wir einfach froh sind, dass sie noch lebt. Vielen Dank an für alle Antworten

Antwort
von Negreira, 7

Ich möchte meine Kollegen nicht in Schutz nehmen, und auch, wenn Du sagst, daß eine Krähe der anderen kein Auge aushackt: Du wirst nichts erreichen können. Wenn, dann nur mit einem SEHR guten Anwalt, viel Ärger und viel Zeit. Der Ausgang eines solchen Verfahrens ist fraglich, weil sich alles nur auf Vermutungen und Aussagen stützt, die Du nicht untermauern können wirst.

Dazu hat sich Deine Mutter selbst entlassen. Das kann ich gut verstehen, denn ich bin auch so ein Mensch, der das Krankenhaus lieber von außen als von innen sieht. Außerdem bin ich als Patient untragbar, wie das bei vielen Medizinern so ist.

Du sagst, Deine Mutter hätte Stuhl und Blut am Nachthemd gehabt. Das wäre in erster Linie schon mal KEIN Anzeichen für einen Darmverschluß. Wenn der nämlich zu ist, dann kommt da gar nichts mehr. Auch wird selbst bei einem Verdacht darauf eigentlich zunächst abgewartet, ob sich das Ganze nicht von allein wieder gibt. Daß auf Röntgenbildern oder auch einem MRT ein Ileus immer sichtbar ist, stimmt so nicht. 

Im Normalfall wartet man zunächst ab, gibt ein Kontrastmittel und dann wird in Stundenabständen die sog. MDP (Magendarmpassage) geröngt. NUR hierbei kann man feststellen, ob der Darm wirklich verschlossen ist oder noch arbeitet. Häufig bewirkt allein das Kontrastmittel mit der damit auch verbundenen, anderen Bewegung beim Röntgen, daß sich das Ganze löst.

Egal, was man über die behandelnden Ärzte denkt, die vielleicht auch noch eine solche Untersuchung angesetzt hätten, aber Deine Mutter hat ihnen dazu keine Gelegenheit gegeben, weil sie nach Hause wollte. Ich selbst bin leider darmgeschädigt und kenne die Situation als Ärztin und als Betroffene.

Natürlich kannst Du Dich beschweren, klagen und herumschreien, nur nützen wird es Dir nicht viel. Briefe an die Ärztekammern werden, wenn überhaupt, erst nach langer Zeit bearbeitet. Da bekommst Du dann so eine lapidare Auskunft, die Dich nur noch wütender macht. Wenn ich Dir raten darf, kümmere Dich um Deine Mutter, geh beim nächsten Mal in ein anderes Krankenhaus, aber verschwende nicht Dein Leben an etwas so Aussichtsloses und Nervenaufreibendes. Alles Gute für Deine Mutter.

Kommentar von Jojo1701 ,

Danke für die Antwort, ja das stimmt, man kann sich noch so ärgern und man lässt Nerven.  Es ist oft besser, einfach dankbar zu sein - es ist alles gut gegangen und dafür bin ich sehr dankbar. Ärzte haben auch ein hartes Los, sie arbeiten mit Leben und Tod tragen hohe Verantwortung - Hochachtung. Ihnen alles Gute.

Kommentar von Tigerkater ,

@Negreira : Das ist ja alles sachlich richtig. Aber beim letzten Absatz muss ich mein Veto einlegen :

Der Rat Beschwerde einzulegen oder einen Brief an die Ärztekammer zu schreiben ist sachlich gesehen unsinnig. Es gibt keine Grund ! Die Patientin hat sich gegen den Rat der Ärzte entlassen uns sich somit weiterer Diagnostik entzogen !

Auf die Folgen hat das KH keinen Einfluss !

Zudem : Ein Brief an die Ärztekammer hat immer zur Folge, dass ein Beschwerdeausschuß eingesetzt wird, der die Sachlage überprüft. Dass dies dauert, liegt in der Natur der Sache selbst.. Es gibt am Ende ganz sicher keine lapidare Auskunft !!

Ich habe Jahre in einem solchen Ausschuss gearbeitet.

Kommentar von Negreira ,

Natürlich kann man in solchen Fällen an die Ärztekammer schreiben. Man kann schreiben und anrufen, wen man will, nur wird es nichts nützen! Das war der Grundton meiner Antwort. In den Absätzen zuvor hatte ich schon erklärt, weshalb es keinen Sinn macht, nämlich in erster Linie, weil sich die Mutter selbst entlassen hat, und weil auch Ärzte nicht allwissend sind.

Wenn Du so Antworten wie "Wir konnten keinerlei Verstoß seitens unseres Mitglieds feststellen" nicht als lapidar bezeichnest, was würdest Du sonst dazu sagen? Ich habe schon häufiger solche tiefschürfenden Ergebnisse auf Ärztekammerbeschwerden gelesen. Natürlich stellen die sich vor ihre Leute, das ist ja auch richtig so und gewollt. Dem Patienten oder Beschwerdeführer hilft das aber nicht weiter.

Deshalb war mein Rat auch, auf weitere Dinge zu verzichten. Ich glaube nicht, daß das falsch war.

Antwort
von LiselotteHerz, 11

Nehmt Euch einen Anwalt, der sich auf derartige Fälle von falscher Behandlung durch Ärzte spezialisiert hat. Den braucht ihr, denn Ärzte in Kliniken, darauf kannst Du Dich verlassen, werden von sehr guten Anwälten vertreten.

Mach Dich jetzt schon darauf gefaßt, dass sich diese Klage in die Länge ziehen wird.

Deine Mutter hätte sterben können und die Sache mit dem Schmerzensgeld wird in einer Verhandlung zur Sprache kommen.

lg Lilo

Hier noch wichtige Informationen über die Diagnose "Darmverschluß"

http://www.netdoktor.de/krankheiten/darmverschluss/#TOC3

Hat eigentlich mal irgendein Arzt gefragt,wann sie zuletzt Stuhlgang hatte?

Kommentar von LiselotteHerz ,

Ich könnte allerdings wetten, dass die Klinik sich darauf hinausredet "Hätte Ihre Mutter sich nicht selbst entlassen, hätte man diese Diagnose früher stellen können" Rechne Dir nicht allzu viel Chancen aus.

Kommentar von Tigerkater ,

Da hätte die " Klinik " sicher nicht unrecht !!

Antwort
von Istriche, 15

Schwierig, da sie sich selbst entlassen hat. Egal ob die Schwester sagt, dass sie gehen darf oder nicht, wenn sie sich selbst entlässt, geschieht das immer auf eigene Gefahr.

Natürlich hätte der Zusammenbruch nicht sein müssen. Aber es ist auch fraglich, ob du dich auf bekannte Krankenschwestern verlassen kannst, die den Fall nachträglich anschauen. Im Nachhinein bewertet so jemand das immer anders.

Ich glaube, selbst ein guter Anwalt wird da nicht viel Schmerzensgeld rausholen können, wenn überhaupt.

Antwort
von dinkelfIocke, 9

Sie hat sich entgegen des ärztlichen Rates und auf eigene Verantwortung hin selbst entlassen. Wäre sie im Krankenhaus geblieben, hätte man sie vermutlich weiterhin beobachten und untersuchen können, auch wäre es nicht zu einem Zusammenbruch gekommen. Und selbst wenn doch, wäre Fachpersonal vor Ort gewesen.

Daher denke ich nicht, dass sich da viel machen lässt. Ich kann allerdings auch nicht ganz verstehen, wie man sich da jetzt bereits Gedanken darüber machen kann. Ich wäre viel zu besorgt um meine Mutter, als an Geld zu denken.

Antwort
von Kleckerfrau, 13

Ich würde an deiner Stelle einen Anwalt befragen der sich mit medizinischen  Sachen auskennt.

Es könnte aber problematisch we4rden, da die frau sich selbst entlassen hat.

Antwort
von Jojo1701, 9

Meine Mutter ist mit einer Blasenentzündung entlassen worden, man hat es ihr freigestellt zu gehen, ihr wurde gesagt, sie kann bleiben, aber es wird auch nur Antibiotika gegeben, dass kann sie auch zu Hause.

Vom eigentlichen Darmverschluss war nie die Rede.

Ein Arzt, der sich den Befund von Sonntag an dem Donnerstag angesehen hat, hat jedoch schon Anzeichen eines Darmverschlusses erkannt, der am Sonntagnacht nie zur Sprache kam. Diese hat gesagt, sie hätte dableiben müsse.

Antwort
von Lycaa, 10

Deine Mum ist volljährig und entscheidet noch alleine über ihre Belange. Wenn also müsste sie den Weg gehen.

Außerdem hat sie sich selbst entlassen und sich so weiteren Untersuchungen auf eigenes Risiko, was sie auch unterschrieben haben wird, entzogen.

Ergo machst Du Dich mit so einer Aktion höchstens unsympathisch, bringen wird euch das berechtigterweise nichts.

Antwort
von RuedigerKaarst, 10

Ich denke nicht, dass etwas gefordert werden kann, da sie es teilweise mit verschuldet hat.

Sie hat das Krankenhaus gegen ärztlichen Rat auf eigene Verantwortung verlassen.
Hätte sie dies nicht gemacht, hätte sie weiter unterducht werden können.
Zudem wäre sofort beim Zusammembruch ärtzliche Hilfe da gewesen.

Kommentar von Jojo1701 ,

Ok, ist verständlich, sie wurde jedoch mit einer Blasenentzündung entlassen, wo man ihr gesagt hat, sie kann dableiben, muss aber nicht, sie können nicht mehr machen. Da habe ich auch gedacht ok, kann man zu Hause ausheilen. Ein anderer Arzt hat selbst im Nachhinein gesagt, sie hätte aufgrund des Befundes dableiben müssen. Dieser wurde ihr jedoch nicht eröffnet und vom behandelnden Arzt in dem Moment nicht gesehen.

Antwort
von Charlybrown2802, 8

da sie sich selbst entlassen hat, denke ich, hast du schlechte karten

Antwort
von premme, 4

Hallo,

ein Schmerzensgeld wird hier kaum rauskommen.

Wen willst du belangen.

So wie es aussieht, wurden hier (nur) falsche Diagnosen gestellt.

Das passiert jeden Tag mehrmals.

Es wurde keine Behandlung / Eingriff durch einen Doc durchgeführt, die im nachhinein zu verurteilen wäre.

Gruß

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