Frage von MiDoChan94, 28

Kann ich mit einer Kündigung mit Frist in meiner Ausbildung kündigen?

Guten Abend liebe Community

ich weiß die Frage ist etwas komisch gestellt aber ich möchte es genau wissen. Ich habe leider nicht viel Zeit.

Kurz ich bin im 2. LJ, bin mit meinem jetzigen Betrieb unzufrieden und möchte nur einen Betriebswechsel (in der gleichen Branche). Habe auch einem neuen Betrieb. Ebenfalls einen neuen Vertrag erhalten und unterschrieben (Beginn am 01.08.). Bezüglich der Kündigung habe ich bei der IHK angerufen und die haben mir einen Aufhebungsvertrag angeboten. Mein Chef war leider gestern damit nicht einverstanden gewesen. Die Personalleitung meinte zu mir, dass ich in meinem Fall nur fristlos kündigen könne. Eine Kündigung mit 4 Wochen Frist könnte ich nur machen, wenn ich die Branche wechseln wollen würde. Aber gerade das möchte ich nicht.

Ich weiß die Entscheidung meinerseits kommt etwas spät und ich spiele schon seit einem Jahr mit dem Gedanken. Mein Chef hat auch schon länger die Befürchtung das ich weg will. Ich denke auch, dass eine Besserung der Arbeitslage nicht möglich sein wird. Denn ich fühle mich sehr oft im Vergleich zu anderen Azubis dort benachteiligt und gemobbt. Auch wenn ich immer mein Bestes gebe, regelmäßig meine Berichte schreibe und in der Berufsschule aktiv dabei bin, ist das Betriebsklima unerträglich für mich. Vor allem habe ich Angst, dass ich zu wenig gelernt bis jetzt. Ist ja selbstverständlich wenn man bei Fragen an die Ausbilder sich die Antworten erkämpfen muss (z.B. mit mehrfachen wiederholten Nachhaken nur verzögert zickige Antworten zu hören bekommt). Lange genug habe ich die Situation ausgebadet.

Dennoch bin ich nicht die Einzige, die mit dem Betriebsklima unzufrieden ist. Alle anderen Azubis halten es auch gerade so aus. Ich sehe es nicht mehr ein. Leider weiß ich nicht um auf meine o.g. Frage zurück zukommen, ob ich überhaupt so kündigen kann/darf oder ob es auch schon für fristlos ausreicht.

Denn Arbeitszeiten, Gehalt etc. werden eingehalten.

Am Montag gehe ich auch zur IHK persönlich und gebe den meinen neuen Vertrag + Kündigung ab und bespreche das noch genauer selbstverständlich. Aber ich komme gerade kaum zur Ruhe. Mir geht es nicht so gut und ich weiß nicht ob ich das letzte Jahr noch mental und physisch durchstehe.

Ich bedanke mich schonmal für jede Rückmeldung im voraus.

Antwort
von AnitaBach, 7

Hallo MiDoChan,

grundsätzlich hat dein Arbeitgeber Recht:

"Nach der Probezeit kann das Berufsausbildungsverhältnis nur gekündigt werden von Auszubildenden mit einer Frist von vier Wochen, wenn sie die Berufsausbildung aufgeben oder sich für eine andere Berufstätigkeit ausbilden lassen wollen." § 22 Abs. 2 Nr. 2 BBIG (Berufsbildungsgesetz)

Fristlos kündigen kannst du nur "aus wichtigem Grund". Mobbing kann durchaus ein wichtiger Grund sein, jedoch brauchst du dafür Beweise (also idealerweise Zeugen, ansonsten eine ausführliche Liste mit sämtlichen Vorfällen) und

  • du musst vorher deinen Arbeitgeber unter Angabe des "Wann, Wo, Wer, Was, Zeugen" abmahnen.
  • Der Abmahnungsgrund, also der Mobbing-Vorfall, darf nicht länger als zwei Wochen zurückliegen.
  • Im Abmahnungsschreiben musst du ankündigen, dass du im Falle einer vergleichbaren Wiederholung außerordentlich (also fristlos) kündigen wirst.

Wenn es dann zu einer Wiederholung kommt, ist das ein wichtiger Grund und es kommt § 22 Abs. 2 Nr. 1 BBIG zum tragen: "Nach der Probezeit kann das Berufsausbildungsverhältnis nur gekündigt werden aus wichtigem Grund ohne Einhalten einer Kündigungsfrist."

Deshalb wäre mein Rat an dich folgender: Du setzt dich jetzt hin und schreibst eine Abmahnung an deinen Chef, in etwa so:

"Ort, Datum

Sehr geehrter Herr xxx,

am 13. Juni (oder später) um ca. (Uhrzeit) Uhr hat in meinem Büro (oder wo es passiert ist) Kollege xxx mich mit den Worten: "(hier die Frechheit)" (oder auch Verhalten) persönlich verletzt. Dieser Sachverhalt kann von dem/den Kollegen (Namen) bestätigt werden, der/die bei dem Vorfall anwesend war/waren.

Durch dieses Verhalten und/oder diese Äußerung fühle ich mich in meiner Ehre verletzt (bei mehreren Zeugen: wobei erschwerend hinzukommt, dass dieses Verhalten in Anwesenheit mehrerer Mitarbeiter erfolgt ist).

Dies war leider nicht der erste Vorfall dieser Art.

Ich fordere Sie hiermit auf, den/ die Kollegen darauf aufmerksam zu machen, dass er/sie künftig ehrverletzende Äußerungen und/oder ehrverletzendes Verhalten gegen mich zu unterlassen hat/haben und mir gegenüber einen kollegialen Umgang pflegen soll/sollen.

Sollte sich ein solcher Vorfall wiederholen, werde ich das Ausbildungsverhältnis ohne weitere Ankündigung fristlos kündigen.

Mit freundlichen Grüßen

(Deine Unterschrift)"

Das gibst du deinem Chef vor Zeugen. Der/ die Zeugen müssen wissen, was du deinem Chef übergibst. Du brauchst immer Beweise!

Alternativ könntest du das Schreiben auch per Einschreiben mit Rückschein per Post schicken. Es muss aber auf jeden Fall innerhalb der zwei-Wochen-Frist nach dem Vorfall ankommen!

Wenn dein Chef das hat, und es dann zu einer einzigen weiteren Verfehlung kommt, kannst du sofort bzw. innerhalb der kommenden 2 Wochen seit dem Vorfall (§22 Abs. 4 Satz 2 BBiG) den Laden verlassen.

Die fristlose Kündigung muss dann schriftlich erfolgen.

Wenn es dann bis Ende Juli nicht zu einem weiteren solchen Vorfall kommt, kannst du zur Not immer noch "einfach so" am 29.07. bzw. 30.07. fristlos kündigen. In diesem Fall hätte dein Arbeitgeber die Möglichkeit, vor dem Arbeitsgericht Schadensersatz zu verlangen - aber dafür müsste er erstmal vor das Arbeitsgericht ziehen, und dazu hat er nur drei Monate Zeit (§ 23 Abs. 2 BBiG). Inwiefern er Schadensersatz geltend machen könnte, weiß ich nicht.

Wenn du noch Fragen hast, versuche ich gerne, sie zu beantworten.

Liebe Grüße

Anita

P.S. Ich bin keine Rechtsanwältin, daher kann ich die Richtigkeit meiner Angaben nicht gewährleisten.






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