Frage von NessBusi, 45

Kann ich mit einem Handelsschulabschluss die Buchhaltung von einem Kleinunternehmen übernehmen?

Meine Eltern haben zwei Kleinunternehmen und verlangen von ihrem Sohn die Buchhaltung zu übernehmen. Die Frage ist. Kann ich das mit einem Handelsschulabschluss machen? Muss ich noch irgendwelche Zusatzkurse belegen? ... Danke

Antwort
von Dirk-D. Hansmann, 19

Das Vertrauen Deiner Eltern in Dich ist wirklich aller Ehren wert!

Kurse bringen da trotzdem nichts. Sieh mal bitte auf Dein Schulbuch. Vermutlich hast Du Buchführung für Groß- und Außenhandel gehabt. Das ist gegenüber der industriellen Buchführung eine einfachere Form.

Dabei sind die Prinzipien die selben. An wenigen Stellen gibt es Unterschiede im Buchungsverhalten. Ähnlich wie Deine Eltern würde ich sagen: Von der laufenden Buchhaltung könntest Du vermutlich jeden Geschäftsvorfall bearbeiten.

Sogar einen kaufmännischen Abschluss könntest Du aus Deinen Kenntnissen ableiten. Doch jetzt kommt das 'Aber'. Und das halte ich für vernichtend:

Die selbständige Umsetzung in die Praxis unter Berücksichtigung aller Vorschriften ist Dir auch mit mehr Zusatzkursen nicht möglich. Dazu kämen noch steuerliche Vorschriften. In der Regel aus Umsatz- und Einkommensteuer.

Letztere kennst Du aus dem Unterricht überhaupt nicht. Auch wenn beide die Kleinunternehmereigenschaft besitzen braucht man selbst aus der Umsatzsteuer ein paar Kenntnisse.

Dazu kommt, dass Deine Eltern bisher nicht bilanziert haben. Jedenfalls gehe ich davon aus. Damit müsstest Du entweder die anderen Vorschriften kennen lernen oder so gut lernen, dass Du den Übergang zur Bilanz machen könntest.

Das ist so, meiner Meinung nach nicht machbar.

In der Folge wäre Deine Arbeit mit ganz vielen Risiken behaftet, die weder Du noch Deine Eltern abschätzen könnten. Man könnte nun folgendes tun: Von Dir würden die laufenden Geschäftsvorfälle kontiert und erfasst. Aber schon dafür bräuchtest Du eine Einweisung von einer Steuerberatungskanzlei.

Die müssten dann für den Abschluss Deine Zahlen übernehmen und diese kontrollieren. Das wären (abgesehen von der Übernahme der Daten) etwa eine oder drei Stunden Kontrolle. Dazu der normale Abschluss.

Deine Eltern würden also für zwei Betriebe jedes Jahr die monatliche Buchführungsgebühr sparen. Allerdings müsste man da dann die zusätzlichen Kosten rechnen. Und es entstehen zusätzliche Kosten, um ein entsprechendes Buchhaltungsprogramm zu erwerben.

Auch letztere Kosten sind nicht einmalig. Sie entstehen durch umfangreiche Up-Dates jedes Jahr. So ein Programm wird um die 250 Euro im Jahr kosten.

Vermutlich würde auch die Gewinnermittlung teurer, da man die Kontrolle und ggf. notwendige Korrekturen nicht sauber zwischen Buchführungskontrolle und Abschluss trennen kann. 10 oder 20% bei den Abschlusskosten würde ich da befürchten.

Weiterhin müsstest Du Dich verlässlich über Änderungen im Steuerrecht informiert halten. Das macht man am zuverlässigsten durch eine Fachzeitschrift. Auf Internet oder Zufall zu verlassen ist bedenklich.

So ein Abo kostet auch Geld. Mehr als für die privat bekannten Zeitschriften. Dafür würde ich auch monatlich noch mal 30 Euro rechnen.

Unter dem Strich liege ich jetzt mit den Ausgaben/Kosten gleich auf mit den Leistungen einer Steuerberatungskanzlei. Bei monatlicher Erstellung der Buchführung. Eine Jahresbuchführung wäre jetzt beim Steuerberater vermutlich sogar schon günstiger.

Zum Lernen kann Dir nichts besseres passieren. Aber man braucht zum Lernen auch jemanden, der die Sachen wirklich ansieht und auch aufklärt.

Je nachdem, was Deine Eltern und Du mit der eigenen Erstellung von Buchhaltung verbindet könnte ein schlimmes Erwachen kommen. Oder die akzeptierten Risiken könnten wahr werden. Und einige Fehler wirst Du machen. Zum Lernen gehören die dazu und sind in Ordnung.

Das ist allerdings eine andere Sache, wenn man meint, dass Du eine vergleichbare Leistung erbringen sollst... Das ist zu viel verlangt.

Ich wünsche mir, dass ich mit meinen Erläuterungen Euch zusätzliche Denkanstöße für die häusliche Diskussion gegeben zu haben. In der Richtung kann man natürlich noch mit dem Steuerberater sprechen.

Der übrigens immer froh sein wird, wenn die laufenden Arbeiten nicht durch sein Büro gehen müssen. Der hätte also eher ein Interesse Dir die Arbeit zu geben! Es ist also ein ganz offenes Gespräch zu erwarten.

Viel Erfolg!

Antwort
von mrlilienweg, 17

Nur wenn du die entsprechende fachliche Ausbildung - ich denke da an eine solide kfm Lehre bzw. Steuerlehre und Bilanzbuchhalterausbildung - hast, sonst bewegst du dich in einem Dunstkreis offener Fragen.

Antwort
von Helmuthk, 17

Wahrscheinlich nicht.

Welches Buchführungssystem haben Deine Eltern?

Werden sie möglicherweise von einem Steuerberater oder einem Buchhaltungsbüro betreut?

Welche praktischen Kenntnisse hast Du von der Buchhaltung?

Journal?

EDV- Buchführung?

Deine Eltern können viel von Dir verlangen.

Aber mein Tipp: Lass die Finger von der Buchführung.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community