Frage von KarinJungermann, 96

Kann ich meiner 15 jährigen Tochter die bei Ihrem Vater lebt verbieten mich zu besuchen?

Ich habe Zwillinge, 15 Jahre alt und eine der beiden lebt bei Ihrem Vater und eine lebt bei mir. Da meine Tochter, die bei Ihrem Vater lebt mir gegenüber keinen Respekt mehr hat, und alles was ich Ihr sage einfach ignoriert, und ich keinerlei Einfluss mehr auf Sie habe. Kann ich ihr verbieten das sie mich alle 14 Tage besucht, da diese Besuche immer im Streit und Chaos enden. Der Vater sagt das ich es mir zu einfach machen würde, indem ich ihr verbieten würde zu mir zu kommen und ausserdem bestehe er darauf das sie jedes zweite Wochenende mit mir verbringt. Ich bin mittlerweile am ende mit den Nerven und weiß nicht mehr was ich tun soll! Hat jemand Erfahrung mit solch einer Situation?

Antwort
von Tasha, 18

Wie das rechtlich ist, weiß ich nicht. Vermutlich könnte man sich schon ganz rausziehen, zumindest für eine Zeit. Man könnte ja argumentieren, dass man krank ist, Ruhe braucht etc. 

Aber das, was du schreibst, scheint mir noch in eine andere Richtung zu gehen: Sie ist nicht bewusst aufsässig oder provozierend, sie scheint mir auch mit der Situaiton überfordert zu sein. Sonst würde sie nicht bis in die Nacht hinein mit Freundinnen telefonieren. Zu denen scheint sie eine so enge Bindung zu haben, dass die sie eben auch anrufen wollen, was nicht selbstverständlich ist (es gibt auch Jugendliche ohne Freunde oder jedenfalls ohne Freunde, die nachts noch anrufen wollen).

Ich würde mal, wenn das Verhältnis zum Vater so gut ist, ihn anrufen, wenn sie nicht zu Hause ist (Schule etc.) und genau nach seinen Regeln und Absprachen mit ihr fragen und fragen, was wie funktioniert. Macht sie evtl. nur das, was sie zu Hause bei ihm auch darf? Oder macht sie im Gegenteil bei beiden entgegen der Regeln das gleiche?

Dann würde ich mal überlegen, was Aufsässigkeit sein kann und was Gedankenlosigkeit und was vielleicht auch Frust oder Überforderung. Eltern erwarten oft von Kindern, dass sie ihre Tätigkeiten unterbrechen und sofort springen. Keiner mag aber gern aus einer Tätigkeit (und sei es fernsehen, telefonieren, chatten, lesen, nachdenken/ träumen, also größtenteils "unsichtbare" oder für Dritte "unnötige/ unnötig lange" Tätigkeiten) herausgerissen werden. Die Sache mit der Küche hört sich so an. Da würde ich z.B. nur einmal Bescheid sagen und dann freundlich sagen, "übrigens, dein Geschirr (etc.) ist noch in der Küche, das sollte bis heute Abend um 20 Uhr sauber gemacht werden!" - sie könnte dann selbst entscheiden, wann sie Zeit dafür hat. Bedenke auch, dass dies auch ihr Wochenende ist (!) und sie vielleicht beim Vater diese Aufgaben gar nicht hat und jetzt mehr "arbeiten" muss als zu Hause. Daher wäre das Gespräch mit dem Vater wichtig!

Bzgl. rauchen im Zimmer: Was sagt denn die Schwester dazu? Stört sie das? Kann man einen Kompromiss zur Überbrückung finden, z.B. nur bei offenem Fenster rauchen oder hinterher mindestens 5 min lüften?

Streit kann es nur geben, wenn beide sich darauf einlassen. Bleibt einer gelassen, gibt es vielleicht Schreierei, aber irgendwann wird das meist unangenehm, wenn nur einer schreit. Chaos kann man unterschiedlich definieren, diskutieren und auch mal aushalten. Ich würde mir hier als Erwachsener die Frage stellen, was mir wichtig ist, was ich vermittle und was ich eingentlich erreichen möchte.

Also: Ist mir Ordnung oder die Beziehung zu meiner Tochter gerade wichtiger? 

Was vermittle ich meiner Tochter gerade als Mutter? Überspitzt gesagt Ansprechpartner und Geborgenheit oder Meckertante und Feldwebel?

Was möchte ich erreichen? "Sie macht, was ich sage" oder Vertrauen und Geborgenheit in meiner Nähe?

Natürlich schließt sich das alles NICHT aus! Bei euch aber momentan schon ein bisschen. Daher würde ich erst mal versuchen, nur eines davon zu vermitteln, ich persönlich würde mich für Vertrauen und Geborgenheit entscheiden.

Kinder (und Jugendliche), die sich wohlfühlen, respektiert, gut aufgehoben und geliebt fühlen, sind viel eher bereit, auch Aufforderungen nachzukommen und Verständnis zu zeigen als Kinder (und Jugendliche), die das Gefühl haben, nur als "Arbeitnehmer" wahrgenommen zu werden (mache deine Aufgaben, erfülle den Vertrag!).

Zudem war gestern der erste Advent. Ein Tag, von dem man eher Geborgenheit, Ruhe, Gelassenheit, "Familienzeit" erwartet. Und ihr habt euch gestritten. Mit 15 steckt sie genau zwischen Kind und Erwachsenem und braucht in vielem noch die Geborgenheit der Kinderzeit, aber als Jugendliche anders als früher, nicht mehr so "kindlich". Das ist für sie selbst halt auch schwierig.

Ich persönlich würde jetzt, gerade vor Weihnachten, mehr auf sie zugehen.

Mein (erwachsener aber geistig behinderter) Bruder starb vor ein paar Jahren plötzlich. Er hatte bis zu seinem Tod bei meiner Mutter "als Kind" gelebt, also war Kind in einer Mutter-Kind-Beziehung, auch als Erwachsener. Nach seinem Tod fiel von meiner Mutter der Satz "wir hätten mehr kuscheln, reden, singen und spielen als aufräumen und für andere etwas vorbereiten sollen". Wenn jemand stirbt, bedauert man selten, dass er nicht öfter aufgeräumt oder abgewaschen hat, aber oft, dass man nicht öfter mit ihm gespielt oder gekuschelt oder auch gesungen hat.

Das ist natürlich eine krasse Sichtweise und soll nicht heißen, dass man von Kindern und Jugendlichen jetzt nichts mehr verlangen sollte, weil sie ja sterben könnten! 

Aber man weiß, was man bedauern würde.

Oft brauchen gerade Jugendliche, die durch ihr Alter leicht zu verunsichern sind (auch von Gleichaltrigen), noch mehr Zuwendung, als man denken würde, wenn man sie sieht. Aber ANDERE Zuwendung als Kinder, keine, die sie erstickt und ihnen ihre Autonomie nimmt.

Ich würde die Tochter mal fragen, was sie gern an den Wochenenden machen möchte. EINE Sache kann sie jeweils entscheiden. Dann würde ich unangenehme Sachen, die sie erledigen muss, mit ihr zusammen erledigen. Wenn man mit Mama zusammen die Küche aufräumt, kann man wunderbar reden, sich vielleicht auch etwas von der Seele reden, weil es kein offizielles Gespräch ist, sondern beide durch Tätigkeiten abgelenkt sind. "Wir machen das schnell zusammen" ist oft entspannter als "Mache das jetzt sofort!"

Ich würde auf eine herzliche Begrüßung und Verabschiedung wert legen - sie soll sich wohl und angenommen fühlen, wenn sie kommt, aber gerade auch, wenn sie wieder weggeht, damit sie nicht mit einem Groll weggeht.

Ich würde versuchen, mal lockere Stimmung reinzubringen, indem es nicht um Machtkämpfe sondern um Aufgaben geht, die zu erledigen sind. Als (kleineres) Kind hatte ich zu Hause ständig Stress mit meinen Eltern an Badetagen. Es wurde gedroht, geschrien usw. Ich wollte ungern baden, weil man danach lange und ziepend die Haare auskämmen wollte. Wenn ich bei meinem Vater war, gab es diesen Stress nie, weil der morgens ins Zimmer kam mit den Worten "Wasser ist eingelassen, wer geht als erstes in die Badewanne" und damit gar kein Machtkampf entstand.

Suche selbst nach Lösungen, frage SIE nach Lösungen, rede mit ihr. Eine könnte z.B. sein (statt "nachts keine Anrufe mehr!!"): Nachts das Handy (!) leise stellen, so dass keiner geweckt wird, wenn jemand anruft, und auf dem Festnetz nur bis 21 Uhr oder so anrufen. Das soll sie bitte ihren Freundinnen ausrichten. Und dann soll sie zum Telefonieren, wenn das sein muss, in ein bestimmtes Zimmer gehen, damit die Schwester schlafen kann bzw. nicht gestört wird. 

Wir haben jetzt Vorweihnachtszeit, eine Zeit, in der viele (auch Jugendliche) gern an ihre Kindheit zurückdenken, in der Weihnachten die Zeit der Spannung, Wunder und Geborgenheit war. Mache dir und ihr das nicht durch Streitereien kaputt! Versuche, für BEIDE bzw. alle Anwensenden eine schöne Stimmung herzustellen. Gehe auf sie zu! Du bist die Erwachsene, du hast die Pubertät schon hinter dir. 

Trennungskinder haben oft auch noch geheime Wünsche, die sie meist nicht mal sich selbst eingestehen würden: Was wäre, wenn wir alle wieder zusammen wären? Auch im Teenageralter könnten diese Gedanekn, vor allem in der Weihnachtszeit, noch aufkommen (wie war es denn vor 2, 4 oder 8 Jahren, als wir alle zusammen gefeiert haben? Wie war es ganz früher, in den Jahren, an die ich mich nicht mehr erinnere? Wäre es schöner und harmonischer, wenn Mama und Papa noch zusammen wären?).

Zuletzt noch eine Anmerkung:

Meine Eltern lebten getrennt, "Familie" war bei meiner Mutter, mein Vater lebte lange allein und dann mit einer Frau, die eher nicht mütterlich war. Anfangs kam er zu Weihanchten zu Besuch, dann wurde das von meiner Mutter verboten. Und irgendwann "drohte" sie damit, dass wir (seine leiblichen Kinder) Weihnachten bei meinem Vater verbringen "müssten". Der feierte jedoch gar nicht und seine Lebensgefährtin war auch nicht gerade der Typ Mensch, der auf Gemeinsamkeit und Gemütlichkeit wert legt, wir hätten also defacto gar kein Weihnachten gefeiert. Das belastete und schon ziemlich, am Ende wurde die Anordnung zurückgenommen und als in der Luft hängende Drohung für spätere Feste verwendet.

Lass es bei euch nicht so weit kommen, dass das Weihnachtsfest als Machtkampf missbraucht wird! Versuche, für ALLE Beteiligten, also auch dich, eine gemütliche, besinnliche, familienfreundliche Stimmung herzustellen, in der ALLE mal ausspannen können und KEINE permanent und Stress oder angespannt ist!

Besprich diesen Wunsch offen mit ihr und lade sie ein, selbst Vorschläge zu machen, wie das zu erreichen wäre - für alle, also sowohl für sie als auch für dich!

Antwort
von Goodnight, 7

Naja dem Vater ist das Ganze wohl auch zu viel, dass er eben auch seine Pausen braucht.

Wenn man gesundheitlich eine Pause braucht kann man das sicher miteinander regeln.

Wenn du den Kontakt ganz abbrechen willst, muss man das vor Gericht regeln.

Antwort
von ApfelTea, 37

Hast du sie mal gefragt, ob sie dich noch sehen möchte?
Ohne mit ihr darüber zu sprechen, solltest du lieber nichts entscheiden. Sie ist in der Pubertät. In diesem Alter hat man es sowieso schon schwer, mit den eigenen Gefühlen klar zu kommen und da kann es ihr noch viel mehr zusetzen, wenn sie ihre Mutter nicht mehr sehen dürfte.

Antwort
von FrauFanta, 56

Es sind immerhin deine Kinder! Vermutlich hat sie das Gefühl, du liebst sie nicht und ist deshalb so aufsässig! Du musst das genau umgekehrt machen. Rede mit ihr, über ihre Wünsche und Bedürfnisse, mache schöne Mutter- Tochter Sachen mit ihr. Zeige ihr das zu sie vom ganzen Herzen liebst. Du musst als Erwachsener den ersten Schritt machen, das eure Beziehung wieder besser wird.

Kommentar von KarinJungermann ,

Hallo FrauFanta,

dass habe ich alles schon gemacht doch Sie hält sich an nichts. Gestern war Sie wieder da und ich habe ihr schon des öfteren gesagt das ich nicht möchte das Sie in der Wohnung oder dem Balkon raucht, doch sie ignoriert das einfach und raucht im Zimmer meiner anderen Tochter in dem sie beide schlafen, wenn sie da ist.
Ich bat sie auch gestern ihre Unordnung in der Küche wieder wegzumachen und das sogar mehrmals aber das einzige was ich immer wieder zu hören bekam, war ein "warte doch mal" und das in einem ganz aggresiven Ton. Sie verbringt den ganzen Tag und die Nächte damit mit Freunden, die ich nicht kenne, zu chatten oder zu telefonieren. Manchmal geht nachts um 1 noch das Telefon und das ganze Haus wird wach.

Kommentar von FrauFanta ,

Das ist nun mal Pubertät! Trotzdem oder gerade deswegen muss sie erfahren, dass du voll zu ihr stehst. Zeug ihr, das du für sie da bist, dass du dich freust über ihre Freunde und und und. Es gibt auch einige Gute Bücher wie man heil und mit Humor ( ganz wichtig) durch die Pubertät kommt.

Antwort
von Evoluzzer213, 21

Stell regeln auf, dass treffen wird nach regeln laufen. Ansonsten gibt's kein Treffen, egal wie sehr sie das will.
Ich weiß nicht mal ob sie das Treffen will.
Aber dann wird z.B wahlweise nicht im Haus oder gar nicht geraucht.
Wenn das nicht geht, endet das gemeinsame Wochenende und es gibt erstmal keine mehr

Antwort
von kiniro, 7

Statt etwas zu verbieten, würde ich mal meine eigenes Verhalten überdenken.

Kann mir nicht vorstellen, dass du komplett unschuldig an ihrem Benehmen bist.

Antwort
von Menuett, 6

Ja, das kannst Du.

Du bist nicht verpflichtet, das arme Kind zum Umgang zu nehmen.

Antwort
von BigDreams007, 32

Tut mir leid aber deine Frage schockiert mich regelrecht.

Du hast dich vor ein paar Jahren für Kinder entschieden und damit auch für schwierige Phasen in der Pupertät.

Ein Kind für sein Verhalten mit "Liebesentzug" zu bestrafen finde ich wirklich überhaupt nicht in Ordnung.

Meine Kinder könnten dich sonst was erlauben aber ich würde ihnen NIEMALS verbieten ihre Mutter zu sehen NIEMALS!

Kommentar von Evoluzzer213 ,

wie soll man dann zu diesem Kind durchdringen?

Kommentar von BigDreams007 ,

Es gibt Beratungstellen, Psychologen etc. aber ein Kind im Stich zu lassen nur weil es ein wenig pupertiert.....ne also das geht nicht sorry.

Antwort
von jimpo, 16

Da kann man sich gut vorstellen, daß Deine Tochter sich abgeschoben fühlt oder aber, Sie rebelliert gegen Eure Trenung. 

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