Frage von kandinsky59, 75

Kann ich meinen Pflichtteil gegenüber Dritten geltend machen?

Hallo zusammen,

nachdem mein Vater vor 15 Jahren leider verstorben ist, forderte mich meine Mutter nach ein paar Wochen auf, beim Notar eine Unterschrift zu leisten, weil sie sonst wohl keinen Erbschein auf sich beantragen könne. Nach emotionalem Druck leistete ich diese Unterschrift letztendlich! Ich weiß, dass das gemeinsames Testament meiner Eltern besagt, dass ich nach dem Tod des Längstlebenden Alleinerbin sein sollte! Der Notar meinte damals, durch diese Unterschrif könne meine Mutter quasi zu Lebzeiten alles verprassen oder auch Dritten alles überschreiben. Das existierende gemeinsame Testament, könne nachträglich zwar nicht geändert werden, aber ich könne durch diese Unterschrift nur noch erben, was zum Zeitpunkt des Todes meiner Mutter noch da sei! Damals verlangte ich den mir zustehenden Pflichtteil als gute Tochter natürlich nicht, was ich heute sehr bedaure! Ich habe zu meiner Mutter mittlerweile keinerlei Kontakt mehr und möchte gerne wissen, was wäre, wenn meine Mutter nun zu Lebzeiten alles einem Dritten überschreiben würde? Habe ich dann wirklich keinerlei Rechtsanspruch mehr, noch nicht einmal auf den gesetzlichen Pflichtteil?? Könnte ich den Pflichtteil gegenüber Dritten einfordern, als einziges Kind?? Wird man denn über etwaige Schulden aufgeklärt, bevor man ein Erbe antritt?

Bitte nicht missverstehen, ich wünsche meiner Mutter ein langes Leben und bin auch nicht geldgierig, falls mir jemand dies unterstellen möchte! Es interessiert mich einfach, wie hier die Rechtslage ist!! Habe das Gefühl, meine Mutter hat mich raffiniert aus dem Testament ausgekugelt, oder?

Vielleicht kennt sich ja wer aus? Vielen Dank und liebe Grüße

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von ichweisnix, Community-Experte für Erbe, 38

Zunächstmal ist es so, es ja ein Testament gibt.

Der Notar meinte damals, durch diese Unterschrif könne meine Mutter
quasi zu Lebzeiten alles verprassen oder auch Dritten alles
überschreiben. Das existierende gemeinsame Testament, könne nachträglich zwar nicht geändert werden, aber ich könne durch diese Unterschrift nur noch erben, was zum Zeitpunkt des Todes meiner Mutter noch da sei! 

Zunächstmal ist es so, das wenn es ein wirksames gemeinsames Testament gibt, Sie außer den Pflichtteil einzufordern nichts Anderes hätten tun können. Die Zustimmung zum Erbschein zu verweigern ist nur dann sinnvoll, wenn Sie in einen Prozess auch Aussicht auf Erfolgt haben.

Ich habe zu meiner Mutter mittlerweile keinerlei Kontakt mehr und möchte
gerne wissen, was wäre, wenn meine Mutter nun zu Lebzeiten alles einem
Dritten überschreiben würde?

Hier kommt es auf das Testament im Einzelnen an, a priori, also wenn es im Testament nicht anders geregelt ist, gilt §2287 BGB

https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2287.html

Sprich ganz so einfach läßt sich das Berliner Testament durch Verschenken des Vermögens nicht umgehen. Problematisch ist natürlich, wenn das Vermögen verbraucht wurde. Entweder von der Mutter oder vom Beschenkten bevor dieser vom Testament erfahren hat.

Könnte ich den Pflichtteil gegenüber Dritten einfordern, als einziges Kind?

Einen etwaigen Ergänzungspflichtteil bei Tod der Mutter können Sie gegenüber den Beschenkten einfordern. Das ist aber nur sinnvoll soweit der §2287 nicht greift. Die Höhe des Pflichtteils beim Tod der Mutter richtet sich nach den Nachlasswert zuzüglich (z.T abgeschmolzener) lebzeitiger Schenkungen.

Kommentar von kandinsky59 ,

Vielen Dank für die ausführliche Antwort! Ich wollte meiner Mutter damals nicht den Erschein strittig machen. Ich glaube sie hätte ihn nur nicht ALLEINE beantragen können! Deshalb forderte sie diese Unterschrift wohl von mir?! Und mit der Unterschrift habe ich wohl verwirkt, dass sie dadurch alles verkaufen, verschenken - wie auch immer - kann,  ohne Rücksicht nehmen zu müssen, meinen späteren etwaigen Erbanspruch nicht zu "verhausen"! Das hatte mein Vater wohl deshalb im Testament so festgelegt!

Nun wollte ich wissen, ob ich, trotz dieser leider gegebenen Unterschrift  nach dem Tode meiner Mutter wenigstens noch einen Anspruch auf den Pflichtteil habe und ihn gegebenenfalls auch gegen Dritte durchsetzen kann, falls sie das Haus und die Grundstücke ihrem Lebensgefährte überschrieben hat, was ich ja erst im Todesfall erfahren werde!

Nach dem Link den Sie mir schickten, habe ich vielleicht eine Chance, oder?

Antwort
von VictoriAlli, 10

Deine Frage lässt sich nur beantworten, wenn man den genauen Wortlaut des Testaments und der Urkunde, die damals beim Notar unterschrieben wurde, kennt. Eine solide Antwort setzt in diesen Fall eine sehr gründliche rechtliche Prüfung dieser Unterlagen voraus. Jedes kleinste Detail ist entscheidend und kann dem Fall eine andere Wendung geben.

Eine solche Prüfung ist in diesem Forum hier leider nicht möglich.

Daher mein Rat in diesem Fall: mit den Unterlagen einen Anwalt aufsuchen.


Antwort
von webya, 36

Das ist ein ganz übliches Testament. Da kann nicht allen überlebenden Ehegatten nachgesagt werden, dass sie da das Kind aus dem Testament kungeln. 

Auch ich erbe im Moment nichts von meinem Vater, da ich nicht möchte, dass meine Mutter mich auszahlt. Ebenso möchte ich meine Kinder nicht auszahlen und einen Kredit auf das Haus aufnehmen nur weil die Kinder ihr Erbteil fordern. Deshalb habe ich sie nicht aus dem Nachlass (meines Mannes/ihres Vaters) ausgeschlossen.

Ich übertrage das Erbe auch nicht an einen Dritten.

Nein, dagegen kannst du auch nichts tun.  

Kommentar von kandinsky59 ,

Das ist mir schon klar, dass es ein übliches Testament ist. Aber hätte mich meine Mutter nicht zu dieser vermaledeiten Unterschrift genötigt, würde das gemeinsame Testament nach dem Tode meiner Mutter gelten, nach diesem wäe ich dann Alleinerbin, was auch im Sinne meines Vaters gewesen wäre! Sie hätte auch Haus oder Grundstücke nicht einfach verkaufen oder verschenken können, sondern ICH hätte wohl auch im Grundbuch gestanden! Insofern sehe ich es auch so, dass sie mich aus dem Testament "gekegelt" hat, denn nun könnte sein, dass alles dieser Lebensgefährte bekommen könnte! Das Testament wurde nicht ohne Grund so verfasst, denke ich und nun bekomme ich durch meine Dummheit eventuell nichts, mein Vater wollte DAS sicher NICHT!!!

Kommentar von webya ,

Das hört sich nach einem "Berliner Testament" an und damit kann deine Mutter auch ohne deine Unterschrift das Haus verkaufen. Du wärst auch nicht mit in das Grundbuch gekommen.

Der Sinn und Zweck dieses Testaments ist, dass der überlebende Ehegatte nichts auszahlen muss und die Kind(er) erst bei Tod des zweiten Elternteils erben. 

Was du da vor 15 Jahren unterschrieben hast, weiß ich nicht. Vielleicht auch "nur" die Beantragung des ERbscheines. Du bist zu diesem Zeitpunkt aber nicht erbberechtig gewesen und deine Mutter kann/konnte mit dem Nachlass machen was sie will. 

Kommentar von kandinsky59 ,

Ich weiß aber, dass ich den Pflichtteil von meinem Vater hätte fordern können, dann aber später, wenn es um das Gesamterbe geht, keinen Anspruch mehr hätte. Meine Mutter meinte damals bezüglich der Unterschrift "sie wolle sschließlich allein über das Vermögen verfügen können", also ist doch meine Annahme, dass ich wohl anteilig bedacht war, richtig?!! Sonst hätte sie doch meine Unterschrift garnicht gebraucht, oder sehe ich das falsch????

Der Notar, den ich nach Jahren fragte, meinte ich hätte mit der Unterschrift verzichte. Ich war wohl zu vertrauensvoll, nun habe ich wohl meine Ansprüche vertan, oder???

Kommentar von webya ,

deine Ansprüche sind nicht vertan. 

Mit dem Testament konnte deiner Mutter schon immer alles mit dem Nachlass machen. Also alles verkaufen, verschenken, verprssen etc., da kannst du nichts gegen machen.  

Das Berliner Testament kann nicht einseitig (also nur von deiner Mutter) widerrufen werden. Also es gilt weiterhin. Nach ihrem Tode erbst du den Rest an ihrem Vermögen.

Was hast du denn vor 15 Jahren unterschrieben??? Das wäre jetzt sehr wichtig zu wissen. 

Kommentar von kandinsky59 ,

Es ging dabei um eine Klausel bezüglich Wiederverheiratungund, wonach dein Falle der Wiederverheiratung des Längstlebenden, dieser mir den Geldpflichtteil hätte auszahlen müssen! Meine Mutter behauptete damals, keinesfalls sei die Anordnung einer  Vor - und Nacherbschaft gewollt. Es ging auch darum, dass das Nachlassgericht keinen Testamentsvollstrecker bestimmten soll. Das sei irrtümlich so geschrieben worden?!

Ich habe unterschrieben, dass ich auf alle etwaigen Ansprüche als Nacherbin verzichte und mit der Neuauslegung des Testaments einverstanden bin!

Das bedeutet doch, dass VOR der gegebenen Unterschrift meine Mutter das Vermögen nicht einfach an Dritte hätte geben können, aber nun schon, oder??? Deshalb meine ich, sie hat mich aus dem Testament rausgekegelt und das ist nicht im Sinne meines verstorbenen Vaters!

Kommentar von webya ,

Nochmal, ein Berliner Testament kann ohne Mitwirkung deines Vaters nicht geändert werden. Auch nicht, wenn du es gerne gewollt hättest. Dieses Testament kann ohne die beiden Unterschriften von Vater und Mutter nicht geändert werden. Also es geht nur zu Lebzeiten.

Deine Mutter konnte auch schon vor deiner Unterschrift alles an Dritte geben. Das Vermögen ist ja auch dazu da, dass sie sich einen schönen Lebensabend macht. Das hätte dein Vater ja auch gewollt. Denn sonst hätte er dir ja schon gleich seinen Anteil vermachen können. 

Dein Vater wollte, dass sie das gesamte Vermögen bekommt und damit machen kann was sie will (oder auch umgekehrt, wenn deine Mutter zuerst gestorben wäre). Du solltest kein Mitspracherecht haben, ob sie noch viele Kreuzfahrten macht, mit Freundinnen immer ausgeht, sich eine Putzfrau, einen Chaffeur, einen Gärtner etc. leistet. Wo soll denn da die Grenze was deine Mutter ausgeben darf? Deine Eltern wollen, dass du das Vermögen erst bekommst, wenn beide nicht mehr leben. Vorher darf der überlebende Ehepartner alles damit machen. Das besagt das Berliner Testament. 

Das irrtümlich ein Testamentsvollstrecker eingesetzt werden sollte, kann ich mir vorstellen. Das steht schnell mal drin, ohne das sich darüber die Erblasser Gedanken machen. Nur der Testamentsvollstrecker kostet mit einem mal Geld und die Erben sind völlig überrascht und sagendann, "das brauchen wir nicht, diese hohen Kosten können wir uns sparen". Auch absolut nachvollziehbar. Den wieder rauszunehmen muss natürlich von allen beteidigeten unterschrieben werden. Also auch von dir. Du hättest ja damals sicher auch nicht gewollt, dass da hohe Kosten auftreten ohne das ihr davon etwas habt. 

Kommentar von kandinsky59 ,

ICH wollte das Testament NICHT ändern, sondern meine Mutter !!!!!! Darum dreht sich doch meine Frage..... warum sollte ich denn damals unbedingt diese Unterschrift leisten - kostete schließlich auch Geld beim Notar - doch nur, weil meine Mutter dadurch Vorteile hat und ich dadurch wohl benachteiligt bin?? Warum sonst hätte sie überhaupt einen Termin beim Notar Termin vereinbaren sollen damals?? Ich sehe das so, dass meine Eltern sich gegenseitig verhindern wollten, dass ich irgendwann nichts erben könnte und meiner Mutter das eben als Langstlebende nicht passt!!! I auf jeden Fall hat war das Ganze doch zu meinem Nachteil, hätte ich die Unterschrift nicht geleistet, wäre das Testament doch günstiger für mich, oder sehe ich das falsch

Kommentar von webya ,

Nochmal: das Testament kann nicht geändert werden. Nur mit Unterschrift von beiden!!! Du erbst von deiner Mutter.

Sie darf es allerdings ausgeben (so wie ich es bereits geschrieben habe). 

So wie es aussieht, wurde damals ein Erbschein beantragt und auf den Testamentsvollstrecker verzichtet. Dafür deine Unterschrift.

Antwort
von ErsterSchnee, 40

Nein, kannst du leider nicht. Und du kannst auch tatsächlich nur erben, was (noch) vorhanden ist. Mit Pech also nichts.

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