Frage von mvpferd99, 96

Kann ich mein Pferd im Urlaub eine Woche allein stehen lassen (Koppel, Offenstall,regelmäßige Versorgung/Beschäftigung)?

Hallo :-) Ich habe geplant, mein Pferd im nächsten Jahr für eine Woche mit in den Urlaub zu nehmen. Es war schon so lange mein Traum, einmal mit dem Pferd alleine Urlaub zu machen und da ich nun seit einem Jahr ein eigenes Pferd habe, ist es auch möglich das zu tun. Ich habe einen 5jährigen Wallach. Er ist so lieb und vor allem immer so entspannt, dass mit ihm so ziemlich alles möglich ist. Seit drei Jahren steht er zusammen mit ca. 15 anderen Pferden in einem Stall bzw. jeden Tag auf der Koppel. Von der Herde wird er eigentlich akzeptiert, aber man sieht eben, dass er dort nicht das Sagen hat (habe schon sehr oft kleinere Wunden verarzten müssen, weil er sich dort mobben lässt). Ich weiß auch, dass wir beide uns gegenseitig wirklich vollkommen vertrauen. Beispielsweise kommt er auf der Koppel sofort angaloppiert, wenn er mich sieht und ich kann mit ihm nur am Halsring ausreiten. Nun aber meine eigentliche Frage - da Pferde Herdentiere sind, habe ich Angst, dass ich meinem Pferd damit großen Schaden zufüge, wenn er eine Woche ohne Kontakt zu anderen Pferden ist. Ich verbringe natürlich jede freie Minute damit, mich mit ihm zu beschäftigen (longieren, reiten, Bodenarbeit, pflegen, spazieren gehen, kuscheln natürlich auch), aber kann das den Kontakt zu anderen Pferden für eine Woche wenigstens ein bisschen ersetzen? Da er wirklich ein sehr menschengezogenes und anhängliches Pferd ist, mache ich mir eigentlich nicht so große Sorgen, dass eine Woche extrem doll schadet. Aber ich kann nicht in seinen Kopf gucken und sagen, wie es ihm bei der ganzen Sache gehen würde. Außerdem dauert die Reise ca. 7 bis max. 8 Stunden. Er lässt sich leicht verladen und steht ganz ruhig auf dem Hänger. Regelmäßige Pausen, wo ich nach ihm sehe und ihm Wasser/Leckerlies gebe, sind selbstverständlich. Muss ich ihn zwischendurch (auf Hälfte der Strecke, hab ich gelesen) einmal kurz abladen, etwas herumführen und dann wieder aufladen? Natürlich nicht direkt an der Autobahn, sondern irgendwo an einem abgelegenen Ort. Danke im Voraus für die Antworten, LG mvpferd99 :-)

Expertenantwort
von Baroque, Community-Experte für Pferde, 46

Ideal ist es nicht, aber Du wirst ja auch nicht wohin fahren, wo gar kein anderes Pferd ist, oder? Da meiner in Herdenhaltung lebt, ist für mich absolute Voraussetung für's länger Wegfahren, dass mindestens ein Herdenkollege mitkommt und dass sie nicht in Boxen stehen müssen im Urlaubsquartier. Ich mag ja nicht, dass mein Pferd im Urlaub steifer ist als zuhause oder fürchterlich angefressen und keine Lust auf reiten o.ä. hat. Das würde die Qualität des Urlaubs doch deutlich mindern.

Die "verkratzten" sind normal nicht die rangniedrigen, denn die geben einfach Ruhe. Verkratzt sind die, die ranghoch sein wollen, aber einfach nicht die Ruhe und Gelassenheit haben, es "geschehen zu lassen", denn ein Pferd, das wirklich als Leittier von der Herde geschätzt wird, muss gar nichts tun. Es strahlt einfach so viel Ruhe und Sicherheit aus, dass sich die anderen ihm anschließen. Aber das ist ja grade auch nicht Thema. Mal abgesehen davon, dass er bei seiner Rückkehr gleich wieder Angst haben wird, die anderen haben seine Bewerbung vergessen und er muss sie sich wieder erraufen ... Wallache sind aber auch relativ verspielt: Aber nur, wenn sie gesund sind. Kranke stehen in der Ecke, haben nie Kratzer, aber es geht ihnen nicht gut. Gesunde spielen auch mal so, dass sie die ein oder andere Schramme haben. Wenn ich Kratzer entdecke, weiß ich, dass es meinem Pferd grade gut geht, ich kenn sie gut genug, um zu wissen, dass das vom Spiel kommt.

Bei der Fahrt würde ich keinesfalls Leckerli geben: Das Pferd musst STEHEN am Hänger, es kann sich nicht einfach vermehrt bewegen, wen der Bauch vom Zucker zwickt. Heu sollte die ganze Fahrt über zur Verfügung stehen, also hat es zu fressen. In freier Wildbahn reicht es Pferden, einmal am Tag eine Art von Wasserstelle zu erreichen, aus der sie trinken können. Wer auf die Idee gekommen ist, ein Pferd braucht ständig Wasser, hat seine Natur leider vergessen. Je seltener Dein Pferd durch Öffnen der Türen die Hoffnung schöpft, die Fahrt könnte vorbei sein, desto leichter wird es ihm fallen. Das heißt, wenn es nicht extrem heiß ist, würde ich maximal eine Tränkpause machen. Aussteigen würde ich das Pferd dann lassen, wenn es die Möglichkeit gibt, dass Du ein Paddock mietest, auf dem er mal richtig laufen kann, auch um die Steifigkeit vom Stehen raus zu bocken. Ein paar Meter spazieren gehen, lockern nicht genug, dann lieber die Strecke hinter sich bringen und danach wieder laufen lassen.

Kommentar von mvpferd99 ,

Ich fahre zu einem Ferienhaus, wo sich sich auf dem Grundstück eine private Koppel, ein eigener Offensten und ein Roundpen befinden. Also davon, dass da auch andere Pferde stehen, wird nichs geschrieben. Es sieht aber alles sehr groß aus, also wär es eigentlich denkbar, dass da auch andere Pferde sind (vielleicht vom Vermieter).

Also lieber zwischendurch wenige Pausen machen und keine Leckerlies geben :-) Vielen Dank für deine Antwort

Kommentar von Baroque ,

Wer sowas anbietet, muss es oft gebucht bekommen, sonst rechnet sich das nicht. Stell Dir vor, ein einzelnes Pferd hin und wieder muss die Kosten dafür tragen ... dann wäre der Aufenthalt für Dein Pferd unbezahlbar. Und ohne mit dem Vermieter über sowas gesprochen zu haben, würde ich eh nicht buchen. Du musst ja auch nach Fütterung und vielem mehr fragen.

Antwort
von DonkeyDerby, 55

Natürlich geht das. Wanderreitpferde müssen das auch, Arbeitspferde ebenfalls.

Kommentar von Baroque ,

Wanderreitpferde sind selten alleine unterwegs, vor allem nicht im Quartier, denn man reitet Stationen an, wo andere Pferde sind, selbst wenn man alleine reitet, was aber die wenigsten tun. Arbeitspferde sind auch nicht in ihrer Freizeit alleine. Nach der Arbeit kommen sie heim und sind mit ihren Herdenkollegen zusammen.

Kommentar von DonkeyDerby ,

Kennst Du den Blog verwandert.de? Sarah ist mit ihrem Pony meist alleine bzw. mit Hund und Freund unterwegs und übernachtet nicht so oft in offiziellen Wanderreitstationen. Wenn sie nicht mit dem Pony unterwegs ist, hat es natürlich Pferdegesellschaft, aber das ist bei der Fragestellerin ja auch so.

Es gibt durchaus Wanderreiter, die alleine mit ihrem Pferd unterwegs sind und nicht auf Pferdehöfen übernachten. Manche haben so schon halb Europa durchquert. Und ein Pferd wird keinen seelischen Schaden nehmen, wenn es eine Woche lang mal kein anderes Pferd sieht....

Früher hatte übrigens nicht jeder, der zur Arbeit ein Pferd brauchte, deswegen gleich mehrere Pferde. Gerade Mittelständler (mein Urgroßvater war Fleischer) besaßen oft nur ein Pferd. Ideal war das nicht, aber welches Menschenleben ist ideal?

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