Frage von Lieschen07, 108

Kann ich mein ALG1 mit ALG2 aufstocken?

Hallo,

Ich (27, alleinstehend) habe die Kündigung erhalten. Mein vorheriges Gehalt betrug 1.357 Euro netto. Mein ALG1 wird ca. 800, 850 Euro betragen.

Meine Miete beträgt 600 Euro warm, Strom 50 Euro, 80 Euro Bausparkassendarlehn, Handy 40 Euro, Pkw 150 Euro (tanken, Versicherung, Steuer), GEZ, 30 Euro Telefon + Internet, 20 Euro Privathaftpflicht.. Das sind nur meine Fixkosten.. Hinzu kommen noch Lebensmittel, Getränke und Drogerie.

Da reicht mein Arbeitslosengeld bei weitem nicht aus. Hab ich da eine Chance auf ALG2? gesetzlich?

Vielen lieben Dank im voraus für antworten.

LG Lisa

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Antwort
von EstherNele, 60

Tja, da steuerst du auf ein ziemliches Dilemma zu ... wenn du nicht recht bald einen neuen Job findest.

Prinzipiell kann man ALG I durch ALG II aufstocken. Allerdings entscheidet sich das nicht nach deinem persönlichen Bedarf, wie du ihn geschildert hast, sondern nach den Werten, die der Gesetzgeber im SGB II als Bedarf je nach sozialer /familiärer Situation / Alter für angemessen hält.

Nach dem SGB II hast du einen "Bedarf" von 404 € Regelleistung + Warmmiete. Allerdings wird die Miete, wenn sie die "Angemessenheit" überschreitet, für max. 6 Monate in der wirklichen Höhe als Bedarf anerkannt. Danach wird die Miete nur noch in angemessener Höhe akzeptiert.

Man würde dich gleich zu Beginn der 6-Monatsfrist darauf hinweisen, dass du diese 6 Monate Zeit hast, dich um eine Verringerung deiner Miete zu kümmern, heißt: umzuziehen.

(Ich weiß nicht, wie die Zahlen an deinem Wohnort sind, in Berlin wären deine 600 € Miete schon für 2 Personen in der Wohnung deutlich zu hoch, da würdest du mit 160 € über der "angemessenen" Miete liegen.

Größer sehe ich das Problem, wie du deine persönlichen finanziellen Belastungen aus 404 € decken willst.

Google mal "Regelsatzverordnung SGB II 2015", da kannst du nachlesen, wie der Gesetzgeber sich die "Verteilung" der 404 € auf verschiedene Warengruppen und Dienstleistungen vorstellt. Da wirst du ein paar Dinge ziemlich zurückschrauben müssen.   Für den Pkt "Nachrichtenübermittlung" hat der Gesetzgeber pro Monat knapp 36 € eingeplant. Dazu zählen Telefon + Internet +Handy. Und auch die Raten (?) für dein Bausparkassendarlehen musst du irgendwo einsparen, denn derartige Dinge sind alle aus dem Regelsatz zu bestreiten----- 

Wenn du also ALG II beantragen willst aufstockend zum ALG I, dann würden dir  etwa 404 € + 600 € Miete zustehen,  abzüglich natürlich des ALG I, das du erhältst, also würdest du etwa 150 - 200 € dazubekommen. Außerdem kannst du einen Pauschalbetrag für Versicherungen in Höhe von 30 € und etwas für deine Autoversicherung vom Einkommen absetzen. Das sind aber nicht die großen Summen.

Wenn du jetzt ergänzendes ALG II beantragst, dann musst du aber innerhalb von 6 Monaten deine Miete auf dem Level "Angemessenheit" haben, sonst könnte sein, dass  ab da nur noch Miete in Höhe von ca. 450 € berechnet werden, dann hast du ein Problem.

Antwort
von DerHans, 66

Wenn du weniger bekommst, als 401,00 € plus die tatsächliche Warmmiete, kannst du aufstockend AlG 2 beantragen.

Auch wenn der Antrag abgelehnt wird, hast du gute Chancen über einen Widerspruch trotzdem die Differenz zu erhalten. Erst nach 6 Monaten kann man dich auffordern, deine Wohnkosten zu reduzieren.

Alle anderen aufgeführten Kosten sind allerdings dein Privatvergnügen.

Wo bitte, zahlt man 20 € für eine Privathaftpflicht?

Antwort
von Maryslittlelamb, 72

Da liegst du weit über dem was man mit Hartz 4 bekommen würde. Vielleicht kriegst du ein Zuschuss zur Miete bzw. Wohngeld aber ich fürchte du wirst lernen müssen damit auszukommen bzw. deine Fixkosten senken.

Hartz 4 ist dafür da das Überleben zu sichern, nicht Luxus zu zahlen. Ich denke das Auto wirst du nicht mehr so häufig brauchen, bis du wieder arbeitest das senkt schon mal Tankkosten. Vielleicht solltest du über einen Umzug in eine billigere Wohnung denken.

Antwort
von beangato, 58

Glaub ich nicht.

Der Regelsatz für einen Alleinstehenden beträgt ca. 400 Euro, dazu kommt noch die angemessene Miete. Wie hoch die bei Euch ist, kannst Du bei "Harald Thome" herausfinden.

http://www.harald-thome.de/oertliche-richtlinien.html

Bei uns sind es etwa für 47 m² etwa 340 Euro warm.

Kommentar von DerHans ,

In den ersten 6 Monaten müssen die tatsächlichen Kosten der Unterkunft  akzeptiert werden.

Kommentar von beangato ,

Das weiß ich. Aber vermutlich bekommt er/sie gar keine Aufstockung.

Kommentar von EstherNele ,

Naja, der Bedarf liegt erst mal bei 404 € Regelleistung + 600 € Miete. Die wären für 6 Monate erst mal vom Amt zu akzeptieren.

Vielleicht schickt man sie/ihn auch erst mal zur Wohngeldstelle, ich befürchte, dafür ist die Deckungslücke von etwa 200 € zu groß.

Allerdings bleibt dann als Alternative auch bloß: entweder ganz schnell ein neuer Job oder umziehen.

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