Frage von YunaSungSoo, 96

Kann ich in der Ausbildung wegen Krankheit gekündigt werden?

Ich bin relativ oft krank (Imunschwäche). Und mein Cheff und meine Arbeitskolegen sind regelrecht genervt wenn ich mal wieder krank bin. Letztens als ich übelst Bauchkrämpfe hatte (So stark, dass ich geweint habe) sagte mein Chef: Jetzt bist du schon wieder Krank, so geht das nicht. Ich und die anderen glauben dir nicht so recht wegen deiner "Krankheiten". Ich musste an diesem Tag sogar ins Krankenhaus. Und als ich am nächsten Tag wieder kam sagte meinte er wenn ich noch einmal Krank sei kann ich mir eine Andere Arbeitstselle suchen. Ich bin jetzt total verzweifelt, da ich schon wieder Krank bin und Angst habe in den Krankenstand zu gehen..

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von NSchuder, 52

Wenn Du noch in der Ausbildung bist, ist es für den Ausbilder so gut wie unmöglich Dich zu kündigen. Da muss er schon einen außergewöhnlich schwer wiegenden Grund auffahren (§22 Berufsbildungsgesetz) und außerordentlich und fristlos kündigen. 

Ein solcher wichtiger Grund liegt dann vor, wenn die Fortsetzung des Ausbildungsverhältnisses bis zum Ablauf der Ausbildungszeit für den Ausbilder unzumutbar geworden ist.

Wichtige Gründe sind zum Beispiel: 
- Wiederholtes Schwänzen der Berufsschule / Arbeit
- Häufiges zu spät kommen auf der Arbeit
- Eigenständiger Urlaubsantritt
- Mehrmaliges unentschuldigtes Fehlen in der Arbeit
- Trotz Aufforderung nicht geführte schriftliche Ausbildungsnachweise
- Diebstahl
- Straftaten wie Körperverletzung zum Schaden des Ausbilders

Der Kündigung müssen außerdem weitere Erziehungsmaßnahmen wie Ermahnungen und Abmahnungen voraus gegangen sein - eine Ausnahme bilden hier nur Diebstahl und z.B. Körperverletzung. 

Um überhaupt kündigen zu können, müsste der Ausbilder Deine Krankheit als "Schwänzen" oder "unentschuldigtes Fehlen" auslegen und Dich deshalb erst einmal abmahnen. Dem kannst Du wirkungsvoll entgegnen indem Du Dir für Deine Fehlzeiten von Deinem Hausarzt (oder dem Krankenhaus) eine AU bzw. ein Attest über einen stationären Aufenthalt ausstellen lässt. Dann hast Du einen Beweis, dass Du wirklich krank warst und der Ausbilder kann Dir gar nichts.

Auf eine Übernahme nach der Ausbildung würde ich allerdings nicht hoffen...

Kommentar von YunaSungSoo ,

Über eine Übernahme nach der Ausbildung mache ich mir keine Sorgen, da ich sowieso nicht in dieser Firma bleiben möchte :D

Antwort
von GoodFella2306, 32

Ist es denn nicht möglich, etwas gegen deine Beschwerden zu tun beziehungsweise gegen die komplette Erkrankung? Ich stelle mir das selbst ziemlich belastend vor, wenn man dauerhaft solche Probleme mit seiner Gesundheit hat. Natürlich kann er dich erstmal nicht so einfach kündigen, bloß weil du öfters krank bist. Die Frage ist allerdings, wie häufig du krank bist. Alle 14 Tage? Einmal im Vierteljahr? Oder alle 6 Monate? Wenn er dich einfach so kündigen würde, hättest du natürlich alle Möglichkeiten mit der jeweiligen Handwerks oder Handelskammer gegen die Kündigung vorzugehen. Ich denke mal, dass er dir einfach nur sehr ungeschickt nahelegen wollte, dass du doch mal darauf achten sollst nicht so oft krank zu sein. Er möchte natürlich auch mit dir rechnen und für dich planen, und das fällt natürlich extrem schwer wenn man sich aufgrund einer Krankheit nicht auf einen Mitarbeiter verlassen kann.

Kommentar von YunaSungSoo ,

Wie oft ich Krank bin ist unterschiedlich. Z.b Wenn jemand im meinem Umfeld Grippe hat, dauert es bei mir ca. 2-5 Tage bis ich auch die Grippe habe.. Ich kann ja nichts dafür. Ich bemühe mich immer nicht krank zu wirken und Arbeiten zu gehen aber manchmal geht es nicht. Ich finde das vehalten von meinem Chef auch nicht richtig. Letztens hatte ich Pfeifisches Drüsenfieber. Als ich meinen Chef anrief meinte er: Jaja schon wieder Krank.. Ich bin wirklich gerne auf Arbeit aber es ist sehr belastend für mich wenn mein Chef so mit mir redet und umghet

Kommentar von Familiengerd ,

Er möchte natürlich auch mit dir rechnen und für dich planen, und das fällt natürlich extrem schwer wenn man sich aufgrund einer Krankheit nicht auf einen Mitarbeiter verlassen kann.

Mit einem Auszubildenden hat der Arbeitgeber nicht so zu "planen" und zu "rechnen" wie mit einem sonstigen (fertig ausgelernten) Mitarbeiter!

Das ist auch der Grund, warum in der Regel wegen Erkrankungen in der Ausbildung nicht gekündigt werden darf: "weil es in der Regel an den notwendigen betrieblichen Beeinträchtigungen fehlen wird", die einer Voraussetzung für eine Kündigungsmöglichkeit sind (zitiert nach "Peter Wedde (Hrsg.), 'Arbeitsrecht - Kompaktkommentar zum Individualarbeitsrecht mit kollektivrechtlichen Bezügen', Randnummer 9 zum BBiG § 22 'Kündigung', Seite 422").

Antwort
von dadamat, 10

Wenn der Arbeitgeber dir beweisen kann, das du dauerhaft deine erforderliche Leistungen nicht nachkommen kannst, kann gekündigt werden. Aber dazu braucht er Gutachten von Ärzten des MDK oder Amtsärzten.

Antwort
von guelm, 43

Niemand kann dir vorwerfen das du nur so tust. Ich kenne das meine Lehrerin dachte auch das ich immer nur so tuhe als ob ich eine Krankheit habe dann bin ich einfach zu mein Hausarzt gegangen und habe meine ganzen Unterlagen zu meiner Krankheit kopieren lassen und es ihr vorgelegt ab diesem Tag konnte sie nichts mehr sagen und bin auch immer mit einem ärztlichen artest zu ihr gegangen. Peinlich und traurig das man sowie beweisen muss und die das einfach nicht von alleine akzeptieren echt lächerlich.

Kommentar von Turbomann ,

@ guelm

Nein das ist überhaupt nicht lächerlich.

Viele (Ausnahmen bestätigen die Regel) sind heute doch in der Ausbildung mit einer Einstellung "ausgestattet", die teilweise zum Himmel schreit.

Null Bock Einstellung, wenn man schon in der Schule keine Lust hat, dann schreit man hier um eine Ausrede, damit man noch zuhause bleiben kann.

Die Einstellung zieht sich dann durch die Ausbildung bis in den Beruf durch.

Was heute teilweise fehlt ist die Belastbarkeit und dann können durchaus Schwierigkeiten kommen, wo man sich nicht wohlfühlt, mit Bauchschmerzen und anderen Symptomen zur Arbeit gehen muss.

Wenn man dann deswegen zu oft fehlt, dann wird kein Arbeitgeber das auf Dauer mitmachern.

Aber wenn jemand tatsächlich krank ist und - wie hier beim Fragesteller - eine Immunschwäche vorhanden sein sollte, dann muss man was dagegen tun.

Antwort
von DrSam, 14

Hallo,
An und für sich ist dies schier unmöglich. Die Frage ist nur, ob man zur Prüfung zugelassen wird durch überhöhte Fehlzeiten.
Lg

Antwort
von WhoozzleBoo, 34

Häufiges Fehlen wegen Krankheit ist ein Kündigungsgrund, ja. I. d. R. ist eine Kündigung gerechtfertigt, wenn man mehr als 6 Wochen im Jahr krank ist. Egal ob am Stück oder über das Jahr verteilt. Dabei kommt es aber immer auf den Einzelfall an.

Kommentar von NSchuder ,

Hier geht es um einen Ausbildungsvertrag! Da gelten andere Regelungen!

Kommentar von WhoozzleBoo ,

Stimmt, sorry. Ignoriert meine Antwort. 

Expertenantwort
von Hexle2, Community-Experte für Arbeit, Arbeitsrecht, Kündigung, 32

Wie lange bist Du denn schon in der Ausbildung? Bist Du noch in der Probezeit? Wie oft bist Du denn krank?

Wenn Du keine Probezeit mehr hast, kann Dein Chef Dir nicht so einfach kündigen. Es braucht schon sehr viel um einen Azubi nach der Probezeit kündigen zu können.

Während der Probezeit kann von beiden Seiten ohne Angabe von Gründen fristlos gekündigt werden.

Aber egal ob während oder nach der Probezeit, wenn Du krank bist, bist Du krank. Es bringt nichts wenn Du zur Arbeit gehst und sich Dein Gesundheitszustand dadurch verschlechtert. Deine Gesundheit ist immer wichtiger.

Kommentar von YunaSungSoo ,

Bin im 2. Jahr und wenn ich jetzt schon wieder krank bin verschlechtert sich nur noch mehr das Verhältniss zu meinem Cheff/Arbeitskolegen

Kommentar von Hexle2 ,

Ich verstehe schon, dass Du Dir Gedanken machst wenn Du so oft fehlst. Das ändert aber nichts daran, dass Du erst einmal nach Dir und Deiner Gesundheit schauen musst.

Ich kann Dir aber die Angst vor einer Kündigung nehmen.

Das BBiG (Berufsbildungsgesetz) hat für personenbedingte Kündigungen (vor allem bei Erkrankung) von Azubis hohe Hürden gesetzt.

Prof. Dr. Peter Wedde schreibt dazu im Arbeitsrechtkommentar zum § 22 BBiG (Kündigungen) u.a.:

"Personenbedingte Gründe, wie vor allem die Erkrankung Auszubildender, können nur ausnahmsweise die Kündigung eines Ausbildungsverhältnisses rechtfertigen, weil es in der Regel an den notwendigen betrieblichen Beeinträchtigungen fehlen wird, dies gilt insbesondere hinsichtlich einer Kündigung wegen häufiger Kurzerkrankungen.

Eine lang anhaltende Krankheit kann, wenn überhaupt, nur dann die Kündigung rechtfertigen, wenn im Zeitpunkt des Kündigungsausspruchs eine Wiedergenesung bis zum regulären Ende des Ausbildungsverhältnisses nicht zu erwarten ist."

Hast Du schon mal mit dem Chef über Deine Immunschwäche geredet? Gibt es einen Betriebsrat und evtl. sogar eine JAV (Jugend- und Auszubildendenvertretung)? Wenn ja, rede doch mal mit denen.

Hast Du mal Deinen Arzt/den Betriebsarzt gefragt, was man eventuell im Betrieb ändern könnte, damit Du nicht so oft fehlst?

Dein Arbeitgeber hat auch eine Fürsorgepflicht. Die gilt besonders auch für Azubis. Dein Chef sollte lieber mal schauen, womit man Dir helfen kann und Dich nicht psychisch unter Druck setzen.

Kommentar von YunaSungSoo ,

Also...

Ich hab mit meinem Chef schon darüber geredet, jedoch ist es ihm so ziemlich egal.

2. Mein Arzt meint, dass man da nichts machen kann da es nicht "extrem" ausgeprägt ist um mir Medikamente zu verschreiben. Er meint auch wenn ich krank bin dann bin ich krank.

3. Da wir eine sehr kleine Firma sind haben wir weder einen Betriebsrat noch eine JAV.

4. Ich bin ja nicht kurzzeitig krank, wenn ich krank bin dan so 1-2 Wochen. Mein chef hat überhaupt kein Verständniss für solche Dinge

Kommentar von Hexle2 ,

Schade dass manche Arbeitgeber die Krankheiten ihrer Mitarbeiter/Azubis fas als "persönliche Beleidigungen" empfinden.

Ich verstehe schon, dass gerade in einem Kleinbetrieb jeder Mitarbeiter zählt. Man sucht sich die Krankheit aber nicht aus und gerade bei chronischen Krankheiten wäre doch jeder Arbeitnehmer froh, wenn er diese nicht hätte und arbeiten könnte.

Deinen Chef kann ich leider nicht ändern. Ich kann Dir aber sagen, dass Du bezüglich einer Kündigung keine Angst haben musst. Im Übrigen sind ein oder zwei Wochen Arbeitsunfähigkeit keine Langzeitkrankheit. Das zählt zu den Kurzerkrankungen.

Antwort
von Turbomann, 36

In bestimmten Fällen kann das schon möglich sein.

Wer hat bei dir denn eine Immunschwäche festgestellt? Das kannst du dir schriftlich geben und sollte es eine gravierende Immunschwäche sein, dann wird dir das jeder Arzt bestätigen.

Dann aber spricht man mit seinem Chef schon mal darüber und dann wird kein vernünftiger Chef sagen: wir glauben wir deine Krankheiten nicht.

Vielleicht könnte es ja auch sein, dann du dich wirklich krank fühlst, es aber evtl. andere Gründe dafür geben könnte.

Wenn man wirklich krank ist, dann muss man eigentlich keine Angst haben, dass man morgen schon wieder krank sein könnte.

Darüber solltest du mal mit dem Arzt reden, dann erst recht, wenn man auch im Krankenhaus nichts gefunden haben sollte.

Kommentar von YunaSungSoo ,

Das wegen der Imunschwäche wurde in der Klinik nach mehreren Test festgestellt. Und dort wo ich so Bauchschmerzen hatte war Endometriose. Das Doument über die Schwäche hab ich meinem Chef schon gezeigt. Interessiert ihm nicht

Antwort
von JollySwgm, 29

Wenn du krank bist bekommst du ja vom Arzt eine AU-Bescheinigung.

Wenn du die jedesmal pünktlich abgibst darf die dein Chef gar nicht kündigen.

Antwort
von Griesuh, 22

Entgegen der allgemeinen Meinung, wegen Krankheit kann nicht gekündig werden, ist dies doch  möglich. Jedoch nur unter strengen und sehr eng ausgelegten Bedingungen.

Da zu gehören auch öftere Krankmeldungen, insbesondere dann, wenn auf Dauer keine Heilung der Erkrankung erkennbar ist.

Lest mal hier:

http://www.hensche.de/Rechtsanwalt_Arbeitsrecht_Handbuch_Kuendigung_Krankheitsbe...

Kommentar von NSchuder ,

Hier geht es um einen Ausbildungsvertrag! Da gelten andere Regelungen!

Kommentar von Griesuh ,

Eben nicht. Das gilt auch für Azubis.

Und wie will er eine Zulassung zur Prüfung bekommen, wenn er doch die zulässigen Fehlzeiten deutlich überschreitet??

Kommentar von Familiengerd ,

Eben nicht. Das gilt auch für Azubis.

Das ist falsch, und der Einwand "Hier geht es um einen Ausbildungsvertrag! Da gelten andere Regelungen!" von NSchuder ist völlig berechtigt!

In der Ausbildung sind die Voraussetzungen für eine Kündigung wegen Krankheit noch einmal deutlich strenger gefasst als schon im Arbeitsverhältnis!

Lies dazu das Zitat aus "Peter Wedde (Hrsg.), 'Arbeitsrecht - Kompaktkommentar zum Individualarbeitsrecht mit kollektivrechtlichen Bezügen', Randnummer 9 zum BBiG § 22 'Kündigung', Seite 422" im ergänzenden Kommentar von Hexle2 zu ihrer Antwort!

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